Auf der Suche nach der "flexiblen Feder"

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nibby
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Auf der Suche nach der "flexiblen Feder"

Beitrag von nibby »

Hallo zusammen,

das "Wunder" der flexiblen Feder fasziniert ja viele und so auch mich. Leider sind die Aussagen hierzu oft nur wage und widersprechen sich teilweise sogar, oft wird z.B. geheimnisvoll von "sehr flexibel aber natürlich nicht mit den wahren, alten Flexiblen zu vergleichen" gesprochen, zu selten ist ein direkter Vergleich zwischen den einzelnen Füllern/Federn zu finden, gar nicht zu sprechen von eventuell objektivierenden Maßzahlen.

Ich würde mich daher freuen, wenn hier eine Diskussion zu dem Thema starten würde, die eine Vergleichbarkeit bzw. Einstufung erlaubt und Erwartungen relativiert. Ich hoffe meine Ausführungen geraten nicht zu schulmeisterlich, denn sie stellen wirklich nur einen Versuch aus Sicht meiner derzeitigen - leider noch stark begrenzten - Erfahrung dar und basieren eigentlich komplett auf fremden Ideensplittern, die ich nur aus dem Netz zusammengesucht habe.

Neben einer einheitlichen Sprachregelung (siehe unten) wäre es gut wenigstens eine Maßzahl und einen Referenzfüller für eine bessere Nachvollziehbarkeit der Einstufungen zu benennen. Mein Vorschlag für einen Referenz-Füller ist der Pelikan 140, da er in seinen Feder-Eigenschaften irgendwo in der Mitte zwischen heute und gestern liegt, die Unterschiede zwischen den einzelnen Federn sehr gering sind (siehe unten) und er (zu sehr moderaten Preisen) oft angeboten wird: normalerweise zwischen € 25 und €45. (Wohlgemerkt kostet eine moderne Ersatzfeder in 14K Gold für einen Pelikan Souverän auch ca. € 50 und außerdem vermute ich, dass viele der Besucher des Forums sowieso schon einen haben.)

Der Pelikan 800 mit 14K-Feder wäre zwar ebenfalls als Standard denkbar, wird aber von mir bewusst nicht vorgeschlagen, da er doch recht selten/teuer ist und es schon bei der 18K-Feder eine sehr große Streuung gibt zwischen a) der frühen Serie, die oft als modern weich bezeichnet wird bis z) hin zur neuesten Serie, die die Bezeichnung Nagel wirklich verdient.

In diesem Posting habe ich nun ein paar Links zusammengefaßt, die versuchen das Phänomen "Flexibilität" zu erklären.
Darauf folgend werde ich Definitionen von Begriffen vorschlagen, die wenig vorbelastet (also eher "neutral") aber trotzdem anschaulich sind, um eine gemeinsame sprachliche Basis für die Beschreibung der Erfahrungen mit den Federn zu geben.
Abschließend werde ich noch einen Erfahrungsbericht über die Federn des Pelikan 140 wagen, die mir auf der Suche nach der "wahren Flexibilität" begegnet sind.

So nun aber zu den Links und den wichtigen Punkten, die dort angerissen werden:

a) http://www.enter-net.de/auktion/artikel/flex_d.htm

"The joy of Flex oder was sind flexible Federn":
- Flexibilität wird von Weichheit unterschieden.
- Das Feder-Material ist entweder elastisch oder steif.
- Kennzeichen einer flexiblen Feder ist die Variation der Strichbreite bei leichter(!) Druckvariation.
- Eine flexible Feder erzeugt eine "Schattierung".


b) http://www.pentrace.com/article013101051.html

"What is Flex" FAQ von Pentrace:
- Bei Druck trennen sich bei einer flexiblen Feder die Federgabeln, sie biegen sich aber nicht durch.
- Das Maß an Flexibilität wird durch das Verhältnis von der maximalen Spreizung zur Grundstrichstärke definiert: 3fach - semiflexibel, 5fach - flexibel, 7fach - superflexibel


c) http://www.pentrace.com/article021901057.html

"Flex Chart - The illustrated Joy of Flex":
- Die Strichbreite verschiedener Füller bei unterschiedlichem Schreibdruck ist gezeigt.


d) http://www.nibs.com/PelikanNibsAvailableForCusto.htm

Übersicht über Pelikan-Federn eines kommerziellen "Federn-Flexibilisierers" aus den USA
(Ich kenne ihn nur aus dem Web und habe leider noch keine seiner Federn begutachten können):
- Flexibel wird als Zusatzeigenschaft zu "federnd" benutzt.


e) Und hier ganz interessant ein Artikel über einen Federnhersteller (Bock), der nicht direkt über Flexibilität handelt, aber trotzdem sehr viel Interessantes aus der Welt der Füllhalter-Federn erzählt:
http://www.nibs.com/Jack%20Leone%20Bock%20Article.htm

Viel Spaß beim Surfen

nibby

P.S.: Heute habe ich einen weiteren interessanten Artikel zum Umgang mit flexiblen Federn gefunden:
http://www.richardspens.com/?page=ref_i ... saster.htm
Zuletzt geändert von nibby am 19.05.2006 15:07, insgesamt 1-mal geändert.
nibby
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Beitrag von nibby »

Hallo,

jetzt zu einem Versuch, die Haupt-Dimensionen, die eine Feder ausmachen, zu definieren:

Zunächst die reinen Materialeigenschaften:
a) Elastizität ("Federbereich"): Je elastischer eine Feder ist, umso größer ist der Bereich in dem sie verformt werden kann, ohne zu sich permanent zu verbiegen. (14K kann elastischer legiert werden als 18K, muß es aber nicht.)
b) Steifigkeit ("Kraftaufwand"): Je steifer eine Feder ist, umso mehr Kraft muß aufwendet werden, um sie zu verformen. (Eine weniger elastische Feder muß steifer sein, wenn sie für denselben Schreibdruck vorgesehen ist wie eine vergleichbare elastische Feder.) Hier könnte man sich für Vergleiche auf die Kraft im Verhältnis zum Referenzfüller beziehen.

Zusätzlich muß mindestens eine konstruktionsbedingte Eigenschaft berücksichtigt werden:
c) Spreizung ("Strichvariation"): Bei Druck biegen sich die Federgabeln mit bzw. ohne Verbreiterung des Strichs. (Eine steifere Feder gibt bei gleicher Konstruktion und gleichem Schreibdruck natürlich eine geringere Strichbreite.) Hier könnte man auch ein auf Zahlen basierendes Maß versuchen, welches diese Größe wiedergibt: Drucklose Strichstärke / Maximale Strichstärke // Spreizungsfaktor (in mm und natürlich nicht auf "Löschpapier" gemessen).


Daraus ergeben sich acht Eck-Kombinationen:

1) Wenig elastisch, wenig steif, spreizt nicht auf.
2) Wenig elastisch, wenig steif, spreizt auf.
3) Wenig elastisch, hochsteif, spreizt nicht auf.
4) Wenig elastisch, hochsteif, spreizt auf.
5) Hochelastisch, wenig steif, spreizt nicht auf.
6) Hochelastisch, wenig steif, spreizt auf.
7) Hochelastisch, hochsteif, spreizt nicht auf.
8) Hochelastisch, hochsteif, spreizt auf.

Das bedeutet für die Federn:
Kombinationen 1 und 2 sind für Schreibfedern nicht praktikabel, da sie sich bei kleinster Unachtsamkeit dauerhaft verbiegen und damit unbrauchbar würden.
Kombinationen 3, 4 und 7 ergeben die typischen "Nägel" unter den Federn.
Die Eigenschaftspaarung 5 steht für die typischen "weichen" Federn
6 sind die typischen flexiblen Federn.
8 entspricht am ehesten den "Doppel-Loch"-Durchschreibefedern.

Nun sind dies Extreme und die damit verbundene Zuordnung der Federtypen sicher sehr holzschnittartig, aber Trends lassen sich doch beschreiben:
Die sogenannten alten flexiblen Federn liegen irgendwo zwischen 6 und 8.
Die modernen weichen Federn liegen irgendwo zwischen 5 und 6.

Als Verfeinerung der Einteilung kann man noch berücksichtigen, daß sich diese Charakteristika auch abhängig vom Druckbereich kombinieren lassen: So ist z.B. eine Kombination von 5 und 6 sehr zweckmäßig, bei leichtem Druck bleibt die Linie schmal und auch bei etwas schwankendem Druck bleibt der Strich gleichbreit (5). Erhöht man den Druck über einen bestimmten Punkt, trennen sich die Federgabeln und man hat eine schöne Variation der Strichbreite (6). Es ergibt sich bei einer wenig steifen Feder so ein Schreibgefühl, das mit einem Pinsel vergleichbar ist.

Ein weiterer Punkt ist natürlich auch der Tintenfluß im Verhältnis zum Aufbau des Tintenleiters (wenn die Tinte bei großer Spreizung nicht mehr fließt, nützt auch die beste Feder nichts), der hier aber nicht weiter berücksichtigt werden soll (es wird davon ausgegangen, daß bei einer guten Feder bei jeder Spreizung genug Tinte fließt solange die Tinte geeignet und die Schreibgeschwindigkeit angepaßt ist).

So weit so gut. Jetzt heißt es die Füller mit Tinte beladen und ausprobieren. Aber Achtung: Es werden zu oft gebrochene Federn angeboten, also vorsichtig an die Grenzen herantasten und eher zu früh als zu spät aufhören.

Viel Spaß beim Probieren!

nibby
nibby
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Beitrag von nibby »

Hallo,

nach so viel abstrakter Erläuterung nun ran an ein paar Beispiele. Leider habe ich nicht annähernd so viele Federn ausprobieren können wie ich zuerst gehofft hatte (auch von den alten "wahren" Flexiblen sind mir keine zugänglich gewesen), aber immerhin komme ich (nachdem ich fast meine gesamte Umgebung aktiviert habe) auf ca. 20 Pelikan 140 mit 14K Goldfeder (rundes Logo und fischgrätenartige Zierprägung ca. 1954 - 1963), die ich über das letzte Jahr vergleichen konnte.

Problematisch für einen Vergleich ist zum einen die unbekannte "Vorgeschichte" der Federn und zum anderen die Tatsache, daß bei ca. einem Drittel die Kunststoff-Muffe, die eigentlich die Feder auf dem Tintenleiter fixieren soll, einen Riß hatte und die Feder nicht mehr genau genug auf dem Tintenleiter aufsaß.

Zum Glück passen die modernen Klemmringe auch auf die alten Federn. Also habe ich eine defekte Stahlfeder auseinandergenommen und die alten Federn jeweils für den Test vorübergehend "repariert". Dies wird übrigens auch von manchen "Nib-Meistern" als tragfähige Lösung angesehen, jedenfalls werden solche Federn als aufgearbeitet wieder verkauft.

Doch nun zu den Federn. Die im Anschluß an die Charakterisierung angegebenen Strichbreiten entsprechen dem möglichst drucklosen Strich also "Normalbreite" / sowie dem Strich mit dem höchstem Druck, den mein Gewissen vertreten konnte // und dem daraus berechneten "Spreizungs"-Faktor. Die Werte wurden mit einer Schieblehre möglichst genau ausgemessen und über mehrere Striche gemittelt (Pelikan 4001 Königsblau auf Gorsmühle Bankpost Papier, Angaben in mm):

A) Die Durchschreibefedern DM, DF, DEF
Sie gehören eindeutig zur Kategorie 8. Es sind normale "Pelikanflexible" Federn, deren Steifigkeit durch verkürzten Schlitz und damit gestutzte, weniger nachgiebige Federgabeln erhöht wurde. Charakteristisch ist das zweite Atemloch. Die Spitzen berühren sich im Ruhezustand und biegen sich erst unter Druck etwas auseinander. Das Federkorn ist sehr rund geschliffen, so hat man fast das (aus meiner Sicht sehr schöne) Schreibgefühl eines weichen Bleistifts. Durch die (wenn auch kleine) Spreizung bei Druck ist eine Variation im Strich vorhanden, bleibt aber sehr gering.
DEF 0,4/0,8//2
DF 0,5/0,9//1,8
DM 0,6/1,0//1,7

B) Die Kugelspitzfedern KM, KF, KEF sowie die normalen Federn M, F, EF
Sie liegen auf der Mitte zwischen Kategorie 6 und 8. Man liest über diese Federn auch die Beschreibung "gerade die richtige Menge Flexibilität". Sie erfordern einen sehr deutlichen Druck, um die Federgabeln zu spreizen, reagieren dadurch aber schnell und ermöglichen eine markante Schrift ohne sehr behutsam oder langsam schreiben zu müssen. Die hohe Steifigkeit mag man vielleicht als hart empfinden, die maximale Spreizung liegt aber nahe bei den im Link (c) als flexibel gelobten Federn. (Allerdings liegt der Spreizungsfaktor nach b eher bei semi-flexibel. Eine höherer Spreizungsfaktor ist vor allem durch den recht breiten drucklosen Strich der Federn verhindert. Eine durchaus mögliche 0,4/1,8 läge schon bei 4,5)
Interessant ist, daß die Unterschiede zwischen den Federn eher minimal sind. Es gab nur einen prägnanten Ausreißer und zwar eine KM-Feder, die zwar keine Kugelspitze dafür aber besonders schmale Federgabeln besaß. Hier war naturgemäß eine wesentlich geringere Steifigkeit gegeben, so daß auch bei leichterem Druck schon deutliche Variationen in der Schrift möglich waren.
EF/KEF 0,6/1,7//2,7
F/KF 0,7/1,8//2,6
M/KM 0,8/2,0//2,5
KM "spezial" 0,8/2,3//2,9

C) Die Breitfedern BB, B
Der Tintenfluß der BB-Feder war wesentlich stärker, so daß eine geschriebene Seite wesentlich voller und der Strich "fülliger" aussah.
B 1,0/2,2//2,2
BB 1,2/2,5//2,1

D) Die Schrägfedern OBB, OB, OM, OF
Die Schrägfedern waren in der Tendenz etwas steifer als die Normalfedern, erforderten also mehr Druck zur Spreizung.
OF 0,65/1,7//2,6
OM 0,8/1,9//2,4
OB 1,0/2,3//2,3
OBB 1,1/2,5//2,2

E) Die Steno-Feder
In einem Artikel werden die Steno-Federn (allerdings eines anderen Herstellers) als "Heiliger Gral" der Flexibilität bezeichnet. Leider hatte ich auch hier nur ein Exemplar zum Testen: Sie war wirklich weniger steif als die Normalfedern und auch der Bereich der Spreizung war merklich größer. Allerdings nicht so wesentlich, wie zuvor erwartet!!
ST 0,6/2,0//3,3

F) Eine nachträglich flexibilisierte Feder EF
Sie liegt bei Kategorie 6 mit leichter Tendenz zu 2. Es ist die Feder, die je nach Druck leicht andere Spreizungseigenschaften hat. Leider ist sie bei voller Spreizung etwas anfällig für "Tintenabreißer", so daß man nur gutfließende Tinten verwenden sollte, um bei großer Spreizung keine Aussetzer zu haben und auch die Schreibgeschwindigkeit ist anzupassen (man ist halt im Grenzbereich, nicht umsonst ist z. B. die breite, flexible "Musikfeder" von Pelikan doppelt geschlitzt).
Flex EF 0,5/2,9//5,8

Z) Pelikan 800 M-Feder 14K
Die Feder lag wesentlich näher bei Kategorie 8 als bei 6 (leider nur eine getestet). Sie war deutlich steifer als die entsprechenden Pelikan 140 Federn und das Verhältnis Durchbiegung zu Spreizung lag stärker auf der Seite Durchbiegung (was ja oft mit "moderne, weiche" Feder beschrieben wird). Wenn man die "Lobeshymnen auf diese Feder genauer liest, dann fällt auf, dass oft nur von dem Potenzial der Feder berichtet wird, flexibel gemacht zu werden, sie die Flexibilität aber nicht von Hause aus mitbringt. Auf jeden Fall ist die 14K Federn wesentlich weniger steif und deutlich "spreizfreudiger" als die neueste Serie 18K Federn, die es aber wohl erst seit ca. 1-2 Jahren gibt.
800 M 14K 0,85/1,4//1,6 etwas höherer Druck zur Spreizung notwendig als bei den 140ern.

Was ist nun das Fazit?

Die ultimative Flexibilität ist schwer zu fassen, sie ist wahrscheinlich genauso persönlich wie der Nutzer eines Füllhalters.

Die Pelikan 140 Federn liegen irgendwo in der Mitte zwischen allen Welten: Sie sind insgesamt recht steif, so dass man bei leichter Schrift kaum etwas von ihren besonderen Eigenschaften merkt und vielleicht enttäuscht ist. Schreibt man etwas kräftiger, so ergibt sich automatisch eine sehr markante Strichvariation und dies ohne den Füller speziell halten zu müssen oder die Schreibgeschwindigkeit anzupassen. Zur Kalligraphie von "Copperplate"-Schriften sind die Füller zwar prinzipiell in den dünnen Federstärken geeignet, doch ermüdet die Hand aufgrund der hohen Steifigkeit und damit des hohen notwendigen Schreibdruckes ziemlich schnell. Das besondere an den Pelikan 140 ist aus meiner Sicht der Werkzeug-Charakter: Sie funktionieren klaglos für die tägliche Arbeit, bieten aber genug Reserve bei Bedarf auch "anspruchvollere" Aufgaben zu übernehmen. Vielleicht ist es ja dass, was auf einer Web-Seite mit dem Begriff "genau die richtige Menge Flexibilität" gemeint wurde.

Ich bin auf jeden Fall mal auf Eure Erfahrung gespannt. Speziell die Stahl-Steno-Federn und die berühmten "alten" Federn interessieren mich. Auch die Stahlfedern der Kriegs-Montblanc sollen ja toll sein. Vor allem interessiert es mich, inwieweit sich neben der verbalen Beschreibung des Federcharakters durch die Maßzahlen eventuell Federgruppen zusammenfassen lassen. (Siehe Einstufung der M800 14K: 0,85/1,4//1,6 etwas höherer Druck zur Spreizung notwendig als bei den 140ern)

Also viel Spaß beim Testen

nibby
Thomas Baier
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Beitrag von Thomas Baier »

Hallo nibby,

welche Flexibles soll man ausprobieren? Nur so kann man den Charakter dieser Federn erfassen. Am besten geeignet sind alte Waterman, leider in D nicht häufig zu finden, noch schwerer ist das mit Wahl-Eversharp Dorics, recht leicht mit Pelikan 100 und 100 N, die altern Montblancs sind auch sehr teuer. Bei deutscher Nachkriegsware sehr typischg Kaweco-, Osmia- oder Soennecken-Modelle. Unter Beachtung, daß früher viele verschiedene Federtypen bei einem Füllermodell angeboten wurden, wird die Beurteilung naturgemäß erschwert.

Die m. M. nach mit letzten klassischen Flexibles sind die Montblanc 250er mit ihren Flügelfedern, nicht dazu gehören hingegen die 14/12, 24/14 und die entsprechenden 30er Modelle von Montblanc. Die 140er-Federn sind häufig halbflexibel. Wer einmal eine typische Flexible benutzt hat, hat den Unterschied sofort drauf. Aber es gehört auch ein Hartgummi-Tintenleiter dazu, der somit ausreichende Kraft im Tintenfluß zur Verfügung stellt, insofern fehlt es fast allen heutigen Füllern auch am Hartgummi-Leiter.

Ich möchte aber nochmals betonen, daß die Eigenschaft flexibel oder halbflexibel auch im Alltag problematisch sein kann, so sind die alten Pelikan-Federn oft verbogen, rigide Sheaffer-Balance-Federn ("Nägel") hingegen oft unzerstörbar.

Viele Grüße
an Euch alle
Euer Thomas Baier
nibby
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Beitrag von nibby »

Hallo,

nach zwei Wochen Urlaub hatte ich eigentlich gehofft schon ein paar Erfahrungsberichte zu finden. Na ja, vielleicht war ja alles auch sehr abstrakt?

Als Ansporn noch ein paar Einzelbeobachtungen, die allerdings nicht darauf geprüft werden konnten, ob es vielleicht Ausreißer sind:

Pelikan 400 ST gepunktet:
0,4/3,1//7,8 wesentlich weniger steif als eine 140er Feder, jedoch steifer als die nachträglich flexibilisierte 140er. Speziell beim Zurücknehmen des Drucks erfolgt ein markantes Schmalerwerden der Linienbreite (es schreibt sich "direkter" bzw. weniger "pinselig").

Pelikan M400 M (frühe Serie):
0,7/1,8//2,6 wesentlich weniger steif als eine 140er Feder, etwas steifer als die oben genannte Steno-Feder des 400. Das Problem ist der Tintenabriß, mit einem Ebonit-Tintenleiter ergibt sich:
0,7/2,8//4,0

Pelikan 400 KEF gepunktet:
0,5/2,9//5,8 etwas weniger steif als die 140er.

Nun, wie sieht dagegen ein Namiki Falcon oder flexibler Pelikan 100 aus, was macht ein Wahl Eversharp? Oder sind die Zahlen einfach sinnlos, weil sie das Wesen der Flexibilität nicht erfassen?

Hallo Thomas, vielleicht kannst Du ja auf dieser Basis was zu den Pelikan 100 im Vergleich zum 140er sagen. (Oder eine bessere Vergleichsbasis vorschlagen!) Ist aus Deiner Sicht die alte Steno-Feder mit den alten flexiblen zu vergleichen oder liegen da immer noch Welten dazwischen.

Mit bestem Gruß
nibby
Thomas Baier
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Beitrag von Thomas Baier »

Hallo nibby,

die üblichen 100er Federn sind wesentlich federnder unter Druck und haben eine größere Strichvariation. En detail kann man aber keine Auskunft ohne Schreibversuch geben, da die Unzahl von Pelikan-Federn recht große Unterschiede erzeugen. Dies kann dazu führen, daß 140er auch mal flexibler sein können als 100er.

Meiner Meinung nach muß man mögliche Modelle testen und man hat dann schon früher oder später eine Flexible und merkt dies dann auch sofort.

Die Referenz ansonsten ist eher eine 30/40er-Jahre Waterman fine flexible, wie sie auch von Nibs.Com zu allerdings deftigen Preisen unter Beachtung von VK und evtl. noch Zoll angeboten werden.

Viele Grüße
Thomas
nibby
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Registriert: 15.11.2004 19:18

Beitrag von nibby »

Hallo,

nach längerer Zeit melde ich mich mal wieder. Ich habe die vergangenen Monate genutzt, um den Tips von Thomas folgend nach den genannten Mont Blancs und Watermans Ausschau zu halten.

Zwar habe ich nicht viele auftreiben können, doch sind meine Eindrücke vielleicht trotzdem interessant:

- Mont Blanc 252 mit Feder in M: Flexibilität ähnlich wie ein durchschnittlicher Pelikan 140
- Mont Blanc Sicherheitshalter: Flexibilität ähnlich wie eine Pelikan 400 Steno (gepunktet)
- Wahl Eyedropper: Flexibilität ähnlich wie eine Pelikan 400 Steno (gepunktet)

Nun ist der Mont Blanc 252 mit seiner kleinen Feder sicher nicht das Maß aller Dinge, doch bin ich zum Schluß gekommen, daß es im Prinzip vier Gruppen bei "den Flexiblen" gibt:

a) etwas nachgiebig, ohne große Spreizung, das typische "moderne Arbeitstier" (z.B. Pelikan M800, M400 in den Serien zwischen 1985 und 2000),
b) etwas nachgiebig, mit etwas Spreizung, das typische "Arbeitstier aus der Hochzeit" der 50er (z.B. Pelikan 140, 400 oder auch M400 vor 1985),
c) etwas nachgiebig, mit guter Spreizung, die typische "Flexible" (z.B. Pelikan 100, 400 Steno in der alten Serie),
d) sehr nachgiebig, mit sehr guter Spreizung, die "Ausnahme" (habe ich bisher nur bei nachträglich flexibilisierten Federn gesehen, bei ebay.com werden aber immer mal eindrucksvolle Scans zu Füllern gezeigt, die für Normalsterbliche dann aber unerschwingbar sind).

Innerhalb dieser Gruppen sind (abgesehen von einigen Ausreißern) die Federn (im Vergleich mit den jeweils anderen Gruppen) aus meiner Erfahrung doch sehr homogen! Auch wenn sich die Gruppe c deutlich von der Gruppe b unterscheidet, ist der Unterschied jedoch keine "Offenbarung" sondern nur eine einfache Extrapolation. Dagegen nehmen die Federn der Gruppe d eine deutlich herausragende Stellung ein. Sie stellen allerdings nicht nur Ausnahmen dar, sondern verhalten sich auch wie Primadonnen.

Ganz wichtig ist neben der Feder aber auch der Tintenleiter: So habe ich auch einige ältere M400 in die Gruppe b eingeordnet, was prinzipiell von der Feder her stimmt, doch sollte man möglichst einen Ebonit-Tintenleiter einpassen (lassen), da sonst der Tintenfluß die prinzipiell mögliche Spreizung nicht mitmacht und zu früh abreißt.

Insgesamt glaube ich inzwischen, daß man auf der Suche nach der insgesamt "wahre Flexibilität" vielen Übertreibungen begegnet und ungerechtfertigte Erwartungen geweckt werden. So müssen vielen Lobeshymnen auf die "Super-Flexiblen" Federn der Pelikan 400, der alten M800 etc. im Kontext des jeweiligen Vergleiches gesehen werden: Eine Feder aus der Gruppe a kann "besser" sein als viele andere, hat aber noch lange nichts mit denen aus Gruppe b oder gar c oder d zu tun. Und wenn man sich die Web-Seiten anschaut auf denen Seitenlang Pelikan 400 Federn der Produktion um 1950 als "extremely flexible" bezeichnet werden, so ist das für einen Füller aus der Zeit sicher graduell richtig, absolut aber im Normalfall kräftig übertrieben.

Zudem muß man sich klar darüber sein, daß Spreizung nicht drucklos funktioniert. Wenn man wirklich "drucklos" schreibt, sind alle Federn gleich. (O.K. niemand schreibt wirklich drucklos, doch ist die Variation in der Strichbreite dann so minimal, daß die Differenzierung eher ein Gefühl über das Schriftbild ist, denn eine am einzelnen Buchstaben auffallende Größe).

Ich bin mir inzwischen immer sicherer, daß ich meine wahre (= für mich genau richtige Flexibilität) eigentlich ziemlich schnell gefunden hatte:
- am Schreibtisch einen Pelikan M805 (Gruppe a),
- unterwegs einen Pelikan 140 (Gruppe b),
- zum Spielen eine nachträglich flexibiliserte Feder eines Pelikan 400 (Gruppe d).

Ich hoffe, daß ich mehr erhellt als verwirrt habe.

Bis dann

nibby
Katharsis
Beiträge: 155
Registriert: 15.02.2006 21:48

Beitrag von Katharsis »

Ich glaube dass unter den Pelikan 400 genauso sehr flexible als auch weniger flexible zu finden sind. Ich habe einen 400er mit einer F Feder, die ich als ziemlich flexibel bezeichnen wuerde. Bei relativ geringem Druck variiert die Strichbreite schon ziemlich und bei mehr Druck bekommt man auch extreme Strichbreiten. Reduziert man den Druck federt sie auch merkbar zurueck.

Ich habe mir vor kurzem einen 400er mit einer EEF Feder gekauft (wusste vorher garnicht dass es auch 400er mit EEF gibt). Ich nehme mal stark an, dass mich diese Feder in ihrer Flexibilitaet nicht entaeuschen wird, aber ich bleibe gespannt, bis ihn die Post zu mir bringt.
Vorallem ist je duenner die Strichbreite ist, umso mehr Strichvariation zu erkennen... von dem her mach ich mir diesbezueglich keine Sorgen.

Ich habe allerdings auch schon einen 400NN gesehen, welcher zwar immer noch als butterweich zu bezeichnen ist, aber eher zu semi-flexibel zu ordnen waere. Es hat sich allerdings auch um eine B Federstaerke gehandelt.
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