Betreff des Beitrags: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 04.01.2008 18:50
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Hallo Freunde der Schreibkunst,
in mehreren ergoogelten (schreckliches Wort ) Berichten, wird behauptet, daß die Sheaffer Füllhalter der Legacy Serie besonders geeignet für schöne Schriften sind, da dort die Federn sehr flexibel sein sollen.
Stimmt das? Die Federn werden doch nur in F, M und B und nicht als O* Versionen angeboten...
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 04.01.2008 20:54
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scribifax hat geschrieben:
Stimmt das? Die Federn werden doch nur in F, M und B und nicht als O* Versionen angeboten...
Hallo HaJo,
die "Oblique"-Federn sind nicht mehr Kalligrafiefähig als die anderen Federstärken auch. Sie sind lediglich am Schreibkorn schräg geschliffen, so dass Leute, die sich eine etwas "schiefe" Schreibgerätehaltung angelernt haben, bequem schreiben können, ohne dass die Feder kratzt. Sie unterscheiden sich also primär in der Handhabung, und nur unwesentlich im Schriftbild.
"Kalligrafie" lässt sich ja - grob eingeteilt - auf zwei Arten bewerkstelligen: - mit einer möglichst flexiblen Feder, um durch untersch. Druck Linienvariationen zu erzielen. - mit einer möglichst scharf geschliffenen, relativ breiten, so genannten "Bandzugfeder", die durch untersch. Schreibwinkel Linienvariationen erzeugt.
Mit ersteren schreibt man zB englische Schreibschrift:
Und mit den Zweiten zB gebrochene Schriften, im Volksmund "altdeutsche Schrift" (was falsch ist) oder "Fraktur" (was manchmal, aber nicht immer stimmt) genannt:
(Bilder: Google)
Mit Füllfederhaltern kannst du eine Anglaise mit einer sehr flexiblen EF-Feder schreiben, gebrochene Schriften (oder andere, mit der Bandzugfeder geschriebene) am besten ab BB. Besser 3B. John Mottishaw bietet auf www.nibs.com beide Federtypen an - zB zum einfachen aufschrauben auf deine Pelikäne.
Jetzt liegt es an Dir, dich für einen Stil zu entscheiden. Spitzfedern sind um ein Vielfaches schwerer zu beherrschen, als Breitere. Letzter verkannten sich zwar relativ leicht, wenn man sie schräg aufsetzt, aber daran gewöhnt man sich rasch. Bei Spitzfedern problematisch ist die genaue Druckdosierung. Es benötigt sehr viel Übung, um ein so ebenmäßiges Wortbild wie in meinem ersten Beispiel ganz oben zu erreichen.
Mir gefallen Breitfederhandschriften besser. Sie kommen wirklich vom klassischen Schreiben, während der Ursprung der Anglaise im Kupferstich zu Suchen ist. Deshalb wirkt sie auch nicht so natürlich, wie Breitfederhandschriften, sondern gekünstelt.
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 13.02.2010 15:41
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scribifax hat geschrieben:
Hallo Freunde der Schreibkunst,
in mehreren ergoogelten (schreckliches Wort ) Berichten, wird behauptet, daß die Sheaffer Füllhalter der Legacy Serie besonders geeignet für schöne Schriften sind, da dort die Federn sehr flexibel sein sollen. Stimmt das? Die Federn werden doch nur in F, M und B und nicht als O* Versionen angeboten...
Bin ich da einem Irrtum aufgesessen?
Grüße HaJo
Hallo zusammen, dieses Forum bietet einem Newbie wie mir ja reichlich Lesestoff und Inspiration, sich auch mit Marken zu befassen, die ein "Normalo" nicht so auf dem Display hat.
Manuel ist auf die Eingangsfrage bereits ausführlich eingegangen. Ein Punkt ist für mich noch offen geblieben, die Frage, ob der Legacy eine etwas flexiblere Feder hat. Gut, die Federn können auch durch einen Nibmaster modifiziert werden, ist schon klar. Wie verhält es sich aber mit der "Grundflexibilität" einer Legacy-Feder?
Im Zusammenhang mit der Beurteilung von Aurora-Federn wurde schon einmal geschrieben, Shaeffer-Federn wären auch wenig flexibel, würden aber den Eindruck einer weichen Feder vermitteln. Das bezieht sich dann wohl vermutlich auf das Schreibgefühl und weniger oder gar nicht auf die Möglichkeit, mittels Federdruck eine gewisse Strichbreitenvariation zu haben?
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 13.02.2010 20:35
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Hallo, Dass Sheaffer sich im allgemeinen dafür auszeichnen für Kaligraphie geeignet zu sein- insbesondere die Legacys - könnte ich nicht bestätigen. Ich nenne Sheaffer Kaligraphie - Bandzugfüllfederhalter (Sheaffer NoNonsens im Flattopstyle - für wenig Geld immer in der Bucht zu haben) mein Eigen, die diese Eigenschaft zweifelsohne besitzen. Die meisten meiner Sheaffers haben recht rigide aber sehr weich (smooth) schreibende Federn und reagieren auf Druck nur mit wenig Strichvariation. Leider leider besitze ich keine (alten) Sheafferstubbfedern - diese wäre wohl ansatzweise für Kalligraphiekünste geeignet. Michael Richter dürfte auf diesem Gebiet wohl sachdienlichere HInweise geben können. Grüße Wolfgang
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 13.02.2010 22:18
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Hallo Gerhard,
die Sheaffer-Einlegefedern im Legacy, früher u. a. im Targa haben in der Goldfederausführung ein Ruthenium-Schreibkorn. Die Federn wurden in Fort Madison komplett wie auch die gesamten Halter hergestellt. Sogar das Gold wurde dort geschmolzen. Die Mitarbeiter arbeiteten teilweise ihr ganzes Arbeitsleben bei Sheaffer. Sheaffer war die wichtigste Firma in Fort Madison.
Die Einlegefedern sind rigide, haben ein ausgesprochen weiches Schreibkorn, ohne daß das Schreibgefühl matschig wäre, und einen sehr guten Tintenleiter.
Wo die Federn heute gemacht werden, ob es Restbestände von früher sind, weiß ich nicht. Diese Klassiker haben prinzipiell mit die besten Schreibeigenschaften überhaupt. Aber Vorsicht: Auch Sheaffer hat(te) zum Teil erhebliche Serienschwankungen.
Der Intrigue hatte schon nicht mehr die Schreibeigenschaften wie die anderen Halter. Der Valor hat nur noch F, M und B - BIC sei Dank. BIC hat nur wenige Jahre gebraucht, um Sheaffer zu ruinieren und damit ein großes Stück Füllhaltergeschichte.
Der Legacy (in seinen verschiedenen Generationen) ist ein voluminöser und recht schwerer Halter, der für die meisten zum längeren Schreiben nicht so geeignet ist. Sein Urahn hatte einen Kunststoff-Corpus (der PFM).
Bandzugfeder von Sheaffer, ob angeschrägt oder gerade, sind üblicherweise sehr scharf geschnitten, die schrägen sehr schräg angeschliffen.
Andere Sheaffer-Federn, die Ringfedern und die üblichen freistehenden Federn (z. B. Feathertouch) hatten wiederum eigene Schreibeigenschaften.
Ich hätte in den 90ern viel mehr Sheaffer-Füller kaufen sollen ...
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 14.02.2010 20:50
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Hallo Gerhard,
die Sheaffer-Einlegefedern sind einzigartig und prinzipiell sehr funktionell und langlebig. Bei Targa und Legacy sind die Schreibspitzen nach oben gebogen zum besseren Schreibgefühl. Beim Intrigue war das schon nicht mehr der Fall. Beim Valor weiß ich es nicht.
Im Normalfall spielt es keine Rolle: Wenn aber am Griffstück doch ein Defekt auftreten sollte, ist die Feder nicht zu retten und muß mitersetzt werden, da sie absolut bündig in das Griffstück eingepaßt wurde. Die Nibmeister haben es mit der Nachbearbeitung dieser Federn auch schwerer wie Richard Binder mal geschrieben hat.
Bei Sheaffer gab es prinzipiell alle hochattraktiven und funktionellen Modelle schon mal. Alle Grundtypen sind legendär und es müßte nichts mehr neu erfunden werden. Der Balance, der Crest und die Inlaid-Nib-Modelle (PFM, Imperial, Targa, Legacy; aktuell Valor) sind großartige Leistungen der Firma aus Fort Madison, Iowa gewesen. Die leider im Verlauf aufgegebenen Füllsysteme wie Touchdown und später Snorkel haben ihren eigenständigen Reiz und werden in den USA mit Liebe restauriert und somit am Leben erhalten.
Die "Inhouse"-Produktion bis zur endgültigen Zerstörung der Marke durch BIC war schon zu Lebzeiten der Marke am Markt selten und heute schon etwas Besonderes.
Es lohnt sich also, sich mit dieser wundervollen amerikanischen Marke zu beschäftigen, die verheerenderweise von einem Billig-Kugelschreiberhersteller aus Frankreich vernichtet wurde. Das was aktuell produziert wird, vielleicht mit Ausnahme der Sondermodelle des Legacy, muß man sicherlich mit anderen Augen sehen, weil die Produktion der Bauteile irgendwo in der Welt stattfindet. Der Service ist aber wieder in Fort Madison in den alten Werkshallen zurückgekehrt. Das ist für Amerikaner besonders wichtig, weil dort nach Instandsetzung alter Sheaffer-Modelle nachgefragt wird. Für viele dort ist Sheaffer ein Synomym für den eigenen Füllhalter schlechthin.
Sheaffer hat, das muß man wissen, schon in den 20er Jahren mit der Ausweitung der Federgarantien ("White Dot") ähnlich wie Parker die rigiden (langlebigen) Federn forciert. Daher findet man bei Sheaffer nur als absolute Ausnahmen solche Federn wie von Waterman USA, Conklin, Wahl Eversharp, um nur die wichtigsten Amerikaner zu nennen.
Momentan wird von einem Kunststoff-Produzenten ein weiterer Hersteller zum Schwanken gebracht: Parker. Aber das ist ein anderes Thema ...
Viele Grüße Thomas
P. S. : Ich denke es wird klar, daß ich mich der Marke Sheaffer sehr verbunden fühle und ausrasten könnte wegen des Zustandes dieser Marke.
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 14.02.2010 22:26
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Heute habe ich mal ganz ausführlich bei John Mottishaw gestöbert. Angesichts der Vintage-Shaeffer, die er auch als "White Dot" zu aus meiner Sicht bezahlbaren Preisen anbietet, könnte ich dann doch vielleicht schwach werden. Abwarten, der eine ist noch nicht angekommen und ich denke schon über den nächsten nach. Ist das normal?
Mir gefallen Breitfederhandschriften besser. Sie kommen wirklich vom klassischen Schreiben, während der Ursprung der Anglaise im Kupferstich zu Suchen ist. Deshalb wirkt sie auch nicht so natürlich, wie Breitfederhandschriften, sondern gekünstelt.
Die Aussage hatte mich etwas stutzig gemacht, gilt Copperplate doch als Begriff für die Englische Schreibschrift. Der englischsprachige Wikipediaartikel zu Copperplate Script erläutert, dass die Bezeichnung Copperplate auf das Produktionsverfahren der Schulbücher für diese Schrift zurückgeht:
"Its name comes from the fact that the copybooks from which students learned it were printed from etched copper plates"
Man könnte sagen Copperplate/Anglaise bezeichnet im Allgemeinen eine handgeschriebene Schreibschrift mit einer feinen Feder, bei der die Linienvarianz durch Druck erreicht wird.
Betreff des Beitrags: Re: Sheaffer - der Kalligraphie-Profi?
Verfasst: 21.04.2013 17:36
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Die Copperplate (wenn sie so ist wie auf der Kupferplatte) ist eigentlich keine Kurrent, weil die Buchstaben nicht durchgaengig geschrieben werden. Z. B. ist beim e vom ankommenden Aufstrich zur rechten Seite rueber ein Knick, weil man man hier mit dem Stichel neu ansetzt.
Ich haette nicht versucht die Kindern beizubringen, aber im Excelsior Copy Book fuer New South Wales, das ich auf Elizabeth Farm erworben habe, ist das tatsaechlich so. N mit runden Punkten an den Enden. Quadratische i-Punkte. Das ist mehr ein Malen als ein Schreiben.
Cepasaccus
_________________ Für jemanden, der einen Nagel hat, sieht jedes Werkzeug wie ein Hammer aus.
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