Darf man auch als Neuling dazwischen quaken?
Gottfried Pott ist eine Ikone. Wer jemals seine Arbeiten, ob nun digital oder traditionell,gesehen hat, wird schwer beeindruckt sein. So ging es mir zumindest. In "Erste Hilfe" gibt er Tipps, die vielleicht den Einsteiger anfangs die Braue heben lassen, ihm aber auch einen Ausblick geben, welcher Fähigkeiten er nach Fleiß und Übung im Besitz sein wird. Ob einem sein anderes Buch, "Kalligrafie - Intensiv-Training" besser gefällt, ist Geschmackssache. Lesenswert sind beide, bauen gut aufeinander auf.
Ich kann jedem nur empfehlen, der diese Kunst (oder ist es Handwerk?) meistern will, zuerst die Geschichte der Zeichen zu studieren. Das beginnt für mich mit intensiver Lektüre des Altmeisters Adrian Frutigers, der zwar kein Schreiber im eigentlichen Sinn, aber ein Symbiotiker und Typograf, vor dessen Werk man sich nur in den Staub werfen kann. "Der Mensch und seine Zeichen" gibt Einblick, was Form als Zeichen ausmacht und beeinflusst. Es ist schlicht das Rüstzeug, um darauf aufzubauen.
Die jungen Leuten hier, frisch von der Fachhochschule oder Universität, die eigentlich digitale Schriften machen wollen und am liebsten direkt anfangen würden, ohne Überlegung, dafür aber voll unbändig Tatendrang, man würde sie am liebsten ein Jahr lang nur Textur schreiben lassen, damit sie Ruhe und Rhythmus finden.
Wer die ersten Erfolge gefeiert hat, sollte sich meiner Meinung nach mit den Werken Albert Kaprs ("Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften", "Ästhetik der Schriftkunst.") beschäftigen. Der hat einen schwierig auszusprechenden Namen, war der erste Mann der Schrift der ehemaligen DDR bei der Schriftgießerei VEB TypoArt und hat viele kluge (manche auch weniger kluge) Dinge geschrieben.
Jetzt vergesse ich noch das wichtigste: Natürlich alles von Rudolf Koch. Sind seine Bleisatzschriften schon derart genial, dass man Vergleiche mit Mozart anstellen will, so sind seine Handschriften von nicht minderer Qualität. Allein vom Betrachten lernt man.
Jetzt plaudere und lamentiere ich und dabei war ich doch gar nicht gefragt.
Ganz klein lauten Gruß aus Düsseldorf,
Alex