Auf die Feder kommt es an / darum schenke stets Montblanc!
titelte man 1958 auf dem Neuheitenkatalog, und gleich auf Seite 2 wurden das neue Flaggschiff (744 / 742) und seine Derivate (644 / 642) präsentiert:
„Meisterstück / mit Aufsteckkappe in Walzgold-Doublé und Silvré mit dazu passendem Montblanc-Pix.
Die Montblanc-Neuheit, die einer modernen internationalen Geschmacksrichtung Rechnung trägt.
Die Lieferung erfolgt in einem wertvollen Geschenk-Etui.“
Der hier präsentierte 642 mit Weißgolddouble-Kappe kostete 60 DM. Zum Vergleich: Das klassische schwarze Meisterstück No. 149 kostete deutlich mehr, nämlich 90 DM - zu einer Zeit, als der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst 227 DM betrug. Soviel zur historischen Einordnung.
Was war neu? Die Flügelfeder, die „lautlos, leicht und weich“ schreibt. Diese gab es in der Deluxe-Version, im 742 wie im hier präsentierten 642 verbaut, mit dem barock anmutenden Lineament, und in der etwas nüchterner gestalteten Variante, wie sie aus den Modellen 252, 254 und 256 bekannt ist. Die gestalterische Verwandtschaft beider Modellreihen ist nicht zu übersehen - Steckkappe, Griffstück mit abgerundetem Ende, im Querschnitt linsenförmiger Zierring auf der Taille, der als Gegenstück zur Innenkappe fungiert, hohes Sichtfenster (noch bernsteinfarben), insgesamt eine bündige, stromlinienförmige Gestalt, die die freigestellte Feder markant zur Geltung bringt. Das Problem der Materialermüdung, das von den Kunststoffkappen bekannt ist, gilt für die 64x-Serie dank der Metallkappe natürlich nicht.
Die Kunststoffkolbendichtung ist ein Segen: auch nach 68 Jahren zieht der Füller klaglos und kontinent. Die Feder, in diesem Fall eine doppelt breite Oblique für Linkshänder, lässt sich durch ihren weiten Ausstand hervorragend führen und hat dank der tiefen Schlitzung und ihrer Geometrie erhebliche, aber erst auf vernehmlichen Druck hin einsetzende Flexibilität.
Ein weiterer und wahrscheinlich der wesentliche Grund für die Flexibilität ist jedoch die geringe Dicke dieser Feder. Sie wiegt mit ca. 0,32 g kaum mehr als die nur halb so große 14 kt Feder aus dem Parker 45 mit 0,27 g. Legt man beide Federn nebeneinander, ist das kaum zu glauben. Schreibt man beide Federn, leuchtet es sofort ein. Ich nehme an, dass auch verschiedene Legierungen im Spiel sind, ohne das konkret belegen zu können. Ich ziehe diesen Vergleich auch nur aus Zufall, weil mir beide Füllhalter am gleichen Tag zugingen und ich mich intensiver mit ihnen beschäftigen konnte. Deshalb sei spaßeshalber noch erwähnt, dass der Parker 45 im Jahr 1960 mit einer 14 kt Goldfeder 28,50 DM kostete.
Der Füllhalter stammt aus einem Berliner Nachlass, hat eine geprägte Namens“gravur“ und wurde, ebenso wie sein Begleiter, der 672k Pix, ausgiebig genutzt, aber sorgfältig behandelt. Nur die gut eingeschriebene Feder und die deutlich abgenutzten Zierlinien im Sichtfenster geben darüber Aufschluss. So werde ich es auch handhaben.
Montblanc 642N
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