Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

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Dirac
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Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Dirac » 24.01.2019 21:06

Hallo zusammen!
als Neuling im Kreis der Füller-Schreiber hoffe ich es kann mir hier jemand einem Problem weiterhelfen.

Ich habe nach etlichen Jahren (Studium und schon das ein oder andere Jahr Berufsleben) letztens meinen Füller aus Schulzeiten (Rotring Initial Feder EF) reaktiviert und war vom deutlich angenehmeren Schreibgefühl und Schriftbild sehr angetan. Daraufhin habe ich beschlossen mein Alltagsschreibgerät von "Der-Stift-der-gerade-greifbar-ist" wieder auf einen Füller umzustellen. Bedingt durch das mir sehr zusagende Design habe ich mir seitdem zwei GvFC Füller zugelegt: einen Tamitio in Nachtblau mit Feder F und einen Guilloche in Breite M.
Den Tamitio habe ich schon ein paar Tage länger und habe ihn intensiv ausprobiert und mit meinem Rotring verglichen. Ich komme mit ihm sehr gut zurecht, war aber etwas verwundert, dass er trotz der breiteren Feder (F zu EF am Rotring) eine deutlich geringere Strichbreite hat (beide Füller mit Montblanc Midnight Blue; der Tamitio zusätzlich noch mit Diamine Oxford Blue).
Nun kam noch der Guilloche in Breite M dazu und was soll ich sagen? Er schreibt sich traumhaft weich und ich komme auch mit ihm super zurecht, aber sein Schriftbild verwundert mich jetzt doch etwas. Er schreibt so nass, dass man meinen könnte zwischen den beiden Füllern lägen Welten was die Federbreite angeht. Ich würde schätzen die Striche sind gut zwei- bis dreimal so breit wie beim Tamitio. Ob ich dabei die MB Midnight Blue oder die Diamine Oxford Blue nehme, macht keinen Unterschied. Auch das Papier (Avery 90g Druckerpapier) von dem ich mit dem Rotring und dem Tamitio positiv überrascht war, ist mit der Tintenflut aus dem Guilloche regelrecht überfordert und die Schrift franst sichtbar aus.

Nun meine Frage an euch erfahrene Füllernutzer: Ist der überdeutliche Unterschied im Tintenfluss zwischen den beiden Grafen normal oder hat einer von beiden evtl. ein Problem?

Gruß
Christian

Dirac
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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Dirac » 24.01.2019 21:20

Da ein Bild ja mehr als tausend Worte sagt...
Tamitio_Guilloche_small.jpg
Tamitio_Guilloche_small.jpg (733.87 KiB) 1703 mal betrachtet

Handschreiber
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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Handschreiber » 24.01.2019 22:05

Interessante Beobachtung. Für mich schreiben die GvFC im Vergleich zu anderen Federn immer eine Idee schmaler als diese. Eine nasse Feder habe ich nur beim Intuition Platino. Alle anderen sind eher einen Tick trockener als normal. Da darf ich sie niemals ohne geschlossene Kappe herumliegen lassen.
Herzlichst,
Stefan


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Querkopf
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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Querkopf » 24.01.2019 22:26

Hallo, Christian,

herzlich willkommen bei den Füllerverrückten :) !

Zu deiner Frage: Der Tamitio hat eine Stahl-, der Guilloche eine Goldfeder. Direkt vergleichen kann ich beide nicht, da ich die gräflichen Stahlfedern nicht kenne. Aber möglicherweise verhält es sich bei GvFC ähnlich wie bei Pelikan: Dort schreiben die Stahlfedern jeweils (mindestens) eine Nummer schmaler als ihre güldenen Schwestern. Wer bei Stahl mit M gut zurechtkommt, sollte bei Gold F oder EF wählen. Und auf jeden Fall erstmal ausprobieren vorm Wechsel auf ein anderes Federmaterial.

Die M-Feder meines Guilloche liefert übrigens einen ebenso breiten, nassen Strich wie die deinige. Sie eignet sich daher nicht für raues Papier, da franst der Strich gern mal aus. Auf glattem Papier kann man ihre butterweichen Schreibeigenschaften ohne Gefranse genießen :) .
Schöne Grüße
Doris

Dirac
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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Dirac » 24.01.2019 22:34

Dankeschön.

Mit der Erklärung von Handschreiber ist der schlanke Strich des Tamitio zu verstehen und der Kommentar von Querkopf löst den großen Unterschied auf.
Ich werde beide in den kommenden Tagen auf verschiedenen Papiersorten testen. Was tut man denn sonst übers Wochenende?
Prinzipiell finde ich das alle drei Füller auf jeden Fall deutlich mehr Spaß beim Schreiben machen als die Zufallsstifte der letzten Jahre. ;)

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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Handschreiber » 25.01.2019 0:08

Auch ich danke herzlich! Das erklärt mir auch meine Federn endlich mal!

Ja, stimmt genau so!
Herzlichst,
Stefan


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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von sommer » 25.01.2019 16:09

Querkopf hat geschrieben:
24.01.2019 22:26
Aber möglicherweise verhält es sich bei GvFC ähnlich wie bei Pelikan
Ja, auch bei Faber-Castell fallen die Strichbreiten von Stahlfedern dünner aus als bei den Goldfedern. (Schriftproben folgen) Hinzu kommt, daß auch die verwendete Tinte einen Einfluß auf die Strichbreite hat, bei mir fällt zum Beispiel die "Hazelnut Brown" dünner aus als die "Midnight Blue" (beide von GvFC). Verwendet man zusätzlich noch ein Papier, welches recht saugfähig ist, fallen die Unterschiede noch deutlicher aus.
Axel

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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Dirac » 25.01.2019 16:21

Hallo Sommer,
die Tinte als Verursacher konnte ich in meinem Fall ja aber ausschließen, da in beiden Füllern Tinte aus dem selben Glas zum Einsatz kam (und noch immer kommt).
Heute habe ich noch einige Proben auf Oxford Optik Paper 80g und Rhodia Vellum 80g geschrieben und die Ergebnisse finde ich deutlich stimmiger.
Der Tamitio zeigt sich völlig unbeeindruckt vom Papierwechsel; der Guilloche hingegen profitiert sehr stark. Die Schrift läuft auf diesen Papieren nicht in die Breite, sondern der nach wie vor nasse Strich trocknet an Ort und Stelle. Das führt dann zu sehr deutlichen Helligkeitsunterschieden und auch der Sheen der Oxford Blue kommt hier zum Vorschein - also all das was das Schriftbild eines Füllers so unverwechselbar macht. Die M Feder ist hier auch breiter als die F, aber nur in einem Maße was ich erwartet habe.

Zusammengefasst kann ich nur sagen: Auf füllertauglichem Papier bin ich mit den beiden Grafen (und dem Rotring) sehr zufrieden!

Gruß
Christian

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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von sommer » 27.01.2019 15:10

Wie angedroht: Schriftproben (leider etwas dunkel + unscharf, das Wetter müsste besser sein, und identische Tinten wären auch besser):
Dateianhänge
P1000410.jpg
P1000410.jpg (619.12 KiB) 1356 mal betrachtet
Axel

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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Dirac » 27.01.2019 18:02

Hallo Sommer!
Verschaue ich mich oder ist bei den Pelikanen die F breiter als die M?

Wobei das ja auch zu meinen Erfahrungen mit der EF am Rotring und der F am Tamitio passt.

Gruß
Christian

Tintenklex

Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von Tintenklex » 27.01.2019 19:44

Ich hab eine F in Stahl und je eine M und OB in 14K von Pelikan, die sich alle drei von der Strichbreite auf identischem Papier (allerdings unterschiedliche Tinten) nicht mit blossem Auge unterscheiden lassen. Einzig meine drei OB in Stahl sind alle sichtbar breiter als die drei vorgenannten.

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sommer
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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von sommer » 27.01.2019 19:45

Dirac hat geschrieben:
27.01.2019 18:02
Verschaue ich mich oder ist bei den Pelikanen die F breiter als die M?
Zumindest ist meine Gold-F vom M800 breiter als die Stahl-M vom M200. Aber da gibt es natürlich produktionsbedingte Schwankungen.

Das merkt man auch bei GvFC, zum Beispiel schreibt meine Gold-EF fast identisch breit wie meine Gold-F, und die beiden Ambition F schreiben recht unterschiedlich breit, wenn auch hier konkret die eine Tinte noch zusätzlich für ein breiteres Schriftbild sorgt.

Es kommt eben erschwerend hinzu, daß ich die Schriftproben mit unterschiedlichen Tinten gemacht habe. So scheint auch die Ambition M dünner zu schreiben als die eine Ambition F, wenn man aber die gleiche Tinte nimmt, ist dies nicht mehr so.

Aber man sieht trotzdem die Tendenz, daß auch bei (Gv)FC die Gold-Federn dicker schreiben als die Stahl-Federn mit gleicher Kennzeichnung.
Axel

DioSanto
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Re: Deutliche Unterschiede zwischen Tamitio und Guilloche

Beitrag von DioSanto » 31.01.2019 14:14

Ich habe hier gerade einen GvFC mit B Feder ein einen FC mit B Feder.

wenn ich mir das Korn anschaue ist die B Feder beim Graf ehr flach beim Faber kugelig.
ähnliches konnte ich beim Lamy 2000 beobachten ab B werden hier die Goldfederkörner flach
bei den Lamy Stahl bleibt es immer eine Kugel.

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