Pelikan M100 Feder zerfressen

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HeKe2
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von HeKe2 » 06.10.2020 23:42

Ich habe hier eine Feder eines M200 "old style" von ca. 1990. Erworben damals in der Berliner Schloßstraße bei Karstadt und dann fast ausschließlich mit Pelikan 4001 Blau-Schwarz betrieben, bevor er dann in der Versenkung verschwand mangels Schreibgelegenkeiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir damals nicht die Mühe gemacht habe, die Tinte aus dem Füller zu entfernen. Jedenfalls habe ich die Feder jetzt mal mit der Lupe betrachtet und siehe da, auch bei ihr gibt es diese Korrosionsschäden, wenn auch in noch bedeutend kleinerer Ausführung. Man sieht ihr aber deutlich an, dass sie nicht allzu sanft behandelt wurde.
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Beste Grüße
Hermann

pokpok
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von pokpok » 07.10.2020 0:27

Sieht nach langer Einwirkung von Feuchtigkeit auf besonders elastischen/flexiblen niedriglegierten Stahl mit hohem Kohlenstoffanteil aus. Höher legierter Stahl ist zwar korrosionsärmer aber zu spröde und unflexibel. Diese Probleme hat man auch bei der Materialwahl für Messerklingen.
Liebe Grüße von
Matthias

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Will
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Will » 07.10.2020 2:17

Hallo Hermann, hallo Matthias,

ich hätte nie gedacht, dass es so viele moderne Stahlfedern mit erkennbaren Korrosionsschäden gibt. Für mich stellt sich die Frage, wie dann so viele gute flexible alte Stahlfedern, welche ich bereits benannt hatte, die Zeiten so unbeschadet überdauern konnten.

Herzliche Grüße

Gerd
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Thom
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Thom » 07.10.2020 7:30

Ich habe es ja schon geschrieben, die Beispiele zeigen (ehemals) beschichtete Stahlfedern. Eine moderne mäßig flexible blanke Edelstahlfeder, wie z.B. die Noodlers, hält eine ordentliche Eisengallustinte aus. Eine Goldlegierung natürlich auch. Die Eisengallustinten können, vor allem bei mehrwöchiger Nichtnutzung des gefüllten Füllers, die Beschichtung vom Stahl ablösen. Ob die Tinte dann Gnade walten lässt oder weiter durch den Stahl geht, hängt von mehreren Faktoren ab (welcher Stahl, hat er unter dem Gold eine Chromoxidschicht etc.). Aber auch ungünstige EG-Tinten sind praktisch nicht unmöglich, ich habe mal geschrieben, ich kenne vielleicht 10 Möglichkeiten eine EG-Tinte zu machen, aber 100 wie's nicht geht.

V.G.
Thomas

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Will
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Will » 07.10.2020 10:31

Lieber Thomas,

es ist immer wieder faszinierend, wie sich das empfindliche Zusammenspiel von Tinte und Feder doch auswirken kann. Auch wie sich vergessene Tinte im Füllhalter verhält, ist höchst unterschiedlich. Abhängig davon, lässt sich so ein altes Schätzchen auch einfacher oder mit erkennbar mehr Aufwand restaurieren. Im vorliegenden Fall muss sogar zwingend die Feder getauscht werden, was eigentlich den Supergau an bloßem Verschleiß bedeutet.

Liebe Grüße

Gerd
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Thom » 07.10.2020 12:08

Lieber Gerd, :)

das ist auch ein Problem bei aktuellen Bicolor-Federn. Die Eisengallustinte kann die Beschichtung ablösen, ob sie dann Löcher in den Stahl frisst, ist noch eine andere Frage. Die abgelöste Beschichtung ist aber auch schon ein voller Erfolg. Wenn ich die Wahrscheinlichkeit artikulieren sollte, würde ich sagen, wenn man der Tinte ausreichend Gelegenheit dafür gibt, wird sie's auch machen.

V.G.
Thomas

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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von G-H-L » 16.10.2020 14:35

Wie ich schon feststellen musste, reichen auch ein paar Bäder im Ultraschallbad mit ein paar Tropfen Spüli aus, um die Gold-Beschichtung einer Feder abzulösen.

Beobachtet bei einem Rotring Renaissance, einem Pelikan Tradition 100 und einem Harley-Davidson Füller mit teilbeschichter Feder.
Den schwarz beschichteten Lamy-Federn scheint das jedoch nichts auszumachen.

Und, obwohl ich auch schon EG-Tinten verwendet habe und auch Füller mal längere Zeit unbenutzt rumliegen lasse, Rostfraß habe ich noch bei keinem festgestellt.
Gruß
Gerhard

Nein, das ist keine unleserliche Handschrift!
Der Text ist nur analog verschlüsselt! :)

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Tenryu
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Tenryu » 16.10.2020 16:15

Schwarze Pelikan-Tinte kann das eher nicht gewesen sein, denn die hat einen recht hohen ph-Wert (ca. 8.5). Die königsblaue hingegen ist ziemlich sauer (~2,6). Und Eisengallustinten erst recht.
Was mich etwas wundert, ist, daß die Unterseite, die doch ständig von Tinte benetzt wird, fast besser ausschaut als die Oberseite, die normalerweise trocken ist. Es sei denn, daß Sauerstoff eine wichtige Rolle dabei spielt. Aber dann müßte doch auch das Metall im Schlitz besonders korrodiert sein, was nicht der Fall ist. .:?

In meiner Sammlung habe ich solche Schäden zum Glück noch an keiner Feder beobachten können. Allerdings sind mir zwei Level L-5 an der versilberten Kappe regelrecht wegoxydiert, und das obwohl ich sie kaum benutzt und trocken gelagert habe.

Thom
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Thom » 17.10.2020 0:03

G-H-L hat geschrieben:
16.10.2020 14:35
Wie ich schon feststellen musste, reichen auch ein paar Bäder im Ultraschallbad mit ein paar Tropfen Spüli aus, um die Gold-Beschichtung einer Feder abzulösen.
Natürlich reichen die aus, in einem ordentlichen Ultraschallbad können enorme Kräfte auftreten, deshalb verwende ich's ja auch nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kavitation

V.G.
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Re: Pelikan M100 Feder zerfressen

Beitrag von Thom » 17.10.2020 0:47

P.S. Freunde des Ultraschalls, ein kleines Bad ist besser. :) Folientest

V.G.
Thomas

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