Glasfedern, große Unterschiede?

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Mario Be
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Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Mario Be » 09.06.2019 16:18

Mahlzeit zusammen,

ich wollte mal fragen, wie eure Erfahrungen mit verschiedenen Glasfedern sind.
Ich meine jetzt halt von der Spitze, gibt es da große Unterschiede?
Ich habe eine hier, die mir meine Frau gegeben hat, die hat so an die 20 Jahre auf dem Buckel und wurde nie groß genutzt, von welchem Hersteller die ist, weiß ich auch nicht.
Aber es macht mir viel Spaß damit zu schreiben.
Glasfedern bekommt man ja wie Füllhalter von einigen wenigen Euros bis zu einigen sehr vielen Euros (wobei die Spannt bei Füllhaltern nach oben wohl viel größer ist).

Ich frage, weil ich wissen möchte, ob es sich lohnt die eine oder andere weitere zu kaufen.

//Edit, gibt es eigentlich bei Glasfedern auch andere Breiten oder gar Stub oder sowas?
Frage nur, weil es ja sein kann, dass es irgendwo nen Hersteller gibt, über den man nicht so schnell stolpert.

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Horsa
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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Horsa » 09.06.2019 16:28

Nein, eigentlich nicht.
Glasfedern sind mit "Rillen" gedreht, um die Tinte zu halten und zu führen. Das funktioniert immer.
Dann sind sie eher schmal oder weniger schmal in der Spitze.
Einige kratzen auch. Das liegt denn an einem eher goben Abbruch der Spitze. Das wiederum ist durch ein wenig Chrompolitur auf einem Stück Leder oder auch einem sehr feinen Messerschleifstein ganz schnell behoben.
Die Glasfedern tragen nicht sonderlich viele Geheimnisse oder besondere Künste in sich. Sie bewegen sich ja auch nicht wirklich.
Sie sind insgesamt simpel und schnell zu heilen. Viel Geld für große Namen bleibt stets ohne Wirkung.
Allein für den Aufwand des Designs lohnt es zu zahlen.

LG

Horsa

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sommer
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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von sommer » 09.06.2019 17:03

Ich hatte einige Zeit eine Glasfeder aus der Glasbläserei des deutschen Museums. Sie war etwas kratzig, sie schrieb leicht unterschiedlich, je nachdem wie man sie drehte, und man mußte nach dem Dippen in der Tinte erst einmal ein paar Kurven auf einem separaten Papier drehen, bevor man sie benutze, weil sie ansonsten erstmal zu fett schrieb.

Als sie (durch meine Schuld) kaputt ging, kam als Nachfolgerfeder eine von Buchrose. Welch ein Unterschied, damit hätte ich nicht gerechnet. Sie schreibt sich sehr gut & glatt, die Extrarunden vorab entfallen hier, und man kann sehr viel länger (und gleichmäßiger!) schreiben. Ein zweites Exemplar von ihr verhält sich ebenso vorbildlich und schreibfreudig.

Also: Ja, es gibt meiner Meinung nach große Unterschiede bei Glasfedern.
Axel

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Horsa
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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Horsa » 09.06.2019 17:24

ja, bleiben sie, sind sie unschön, unbehandelt.
Die Feder selbst birgt kaum Konstruktions- oder Fertigungsmerkmale, von der Beschaffenheit der Spitze einmal abgesehen, um bedeutende Unterschiede begründen zu können.
Liege ich falsch, lern ich gern dazu.

Horsa

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Mario Be
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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Mario Be » 09.06.2019 17:30

sommer hat geschrieben:
09.06.2019 17:03
....Nachfolgerfeder eine von Buchrose....

Also: Ja, es gibt meiner Meinung nach große Unterschiede bei Glasfedern.
Danke für den Hinweis mit Buchrose.
Hab ich gleich mal geschaut. Sind ja einige schöne dabei.
Und ich glaube, dass der Unterschied im "Finish" liegt. Dagmar schreibt auf ihrer Seite, dass jede Feder noch poliert wird, und hier liegt wohl der Vorteil bei derartigen Produktionen im Gegenteil zum billigen Massenprodukt. Die werden wohl wenn dann eher schnell maschinell poliert.

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sommer
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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von sommer » 09.06.2019 18:21

Horsa hat geschrieben:
09.06.2019 17:24
Die Feder selbst birgt kaum Konstruktions- oder Fertigungsmerkmale, von der Beschaffenheit der Spitze einmal abgesehen, um bedeutende Unterschiede begründen zu können.
Aber irgendeinen Grund muß es ja haben, daß die Feder von Buchrose die Tinte sehr viel gleichmäßiger abgibt und die Tinte besser aufnehmen & halten kann (und deswegen viel länger schreibt) als die andere, und der Grund muß doch in der Beschaffenheit der Feder liegen, d.h. Form der Feder und der Rillen.

Interessant ist auch dieses Video hier als Negativbeispiel: https://www.youtube.com/watch?v=OTUsNrLd6q8

Es wurden gerade einmal ein paar Worte geschrieben, und schon wird das Schriftbild deutlich dünner und man muß die Feder drehen!? (Ok, nur halb gedippt, aber trotzdem ist dies eine sehr schlechte Leistung.) Dann erzählt er auch noch vom unregelmäßigen Schriftbild, dessen Dicke vom Füllgrad der Feder abhängt und noch einiges mehr, was ich von meiner ersten Glasfeder her auch kenne und daher vor dem Kauf meiner zweiten Glasfeder für völlig normal gehalten habe.
Axel

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Mario Be » 09.06.2019 18:30

sommer hat geschrieben:
09.06.2019 18:21

Aber irgendeinen Grund muß es ja haben, daß die Feder von Buchrose die Tinte sehr viel gleichmäßiger abgibt und die Tinte besser aufnehmen & halten kann (und deswegen viel länger schreibt) als die andere, und der Grund muß doch in der Beschaffenheit der Feder liegen, d.h. Form der Feder und der Rillen.
Ja, wenn man sich die "Spitzen" der Federn von J.Herbin und die von Buchrose anschaut, dann sieht man schon, dass die von Buchrose sehr viel größer ist was den Umfang angeht, und ja, ggf sind die Rillen dabei noch tiefer, daher werden die auch mehr Tinte fassen können.
Was die gleichmäßige Abgabe der Tinten angeht, so kann ich mit auch nur vorstellen, dass es mit der Beschaffenheit der Rillen und ggf dem Drall der Rillen zu tun hat. Die Federn von Buchrose scheinen relativ wenig Drall zu haben.

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Horsa » 09.06.2019 19:44

Die Rillen bergen nun tatsächlich kein besonderes Geheimnis, sie sollten halt nur in ausreichender Form und Menge vorhanden sein. Die Federspitzen auch nicht. Ein jeder kann sich eine solche nach seinen Vorstellungen schleifen. Weit etntfernt von der Kunst, eine Feder eines Füllhalters zu schleifen. Eine schöne Glasfeder ist nett, mehr auch nicht.

LG

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Mario Be » 09.06.2019 20:23

Klar ist die einfach nett, genau wie gute Füllfederhalterfedern.
Ich schreibe einfach manchmal auch gerne mit Glasfedern oder Tauchfedern.
Und ich glaube, ich werde mir mal eine von Buchrose bestellen, mal sehen wie die auch von der Haptik sind. Meine derzeitige ist einfach nur ein dünner Stab, wobei sich damit auch wirklich angenehm und lange schreiben lässt.
Aber auch diese muss ich sehr oft tauchen, meist schon nach jeder Zeile, je nach Tinte.

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von sommer » 09.06.2019 22:41

Horsa hat geschrieben:
09.06.2019 19:44
Die Rillen bergen nun tatsächlich kein besonderes Geheimnis, sie sollten halt nur in ausreichender Form und Menge vorhanden sein.
Dann sind sie deiner Meinung nach bei einigen Glasfedern nicht in ausreichender Form und Menge vorhanden? Ich vermisse bei deinen Aussagen alternative Ideen, woher die großen Unterschiede rühren könnten.
Eine schöne Glasfeder ist nett, mehr auch nicht.
Erstens habe ich nichts dagegen, wenn etwas einfach nur nett ist, und zweitens fehlt mir bei dieser Aussage der Zusammenhang zur Diskussion, oder ich sehe bzw. verstehe ihn nicht.

Ich werde morgen mal die Glasfeder von Buchrose systematischer bzgl. Schreibdauer testen und das Ergebnis hier kundtun.
Axel

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Horsa » 09.06.2019 23:04

Insgesamt freute ich mich, man wollte nicht in Alles zu viel hinein interpretieren. In diesem Fall trifft das tatsächlich unter allen Gesichtspunkten zu.



"Ich werde morgen mal die Glasfeder von Buchrose systematischer bzgl. Schreibdauer testen und das Ergebnis hier kundtun."



Ja, das ist auch nett.

LG

Horsa

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Mario Be » 10.06.2019 13:56

So, ich hab mir gerade auch eine von Buchrose bestellt.
Bin mal gespannt.

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Horsa » 10.06.2019 14:05

Berichte, wie sie sich macht.

LG

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von Mario Be » 10.06.2019 14:37

Auf jeden Fall.
War erst am hadern, aber da gefiel mir eine sehr gut, und von genau der war nur noch eine da.... konnte nicht anders.

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Re: Glasfedern, große Unterschiede?

Beitrag von sommer » 10.06.2019 17:52

Vorab: Die Spitze der Glasfeder ist ca. 3cm lang.

Ich habe die Spitze unterschiedlich tief eingetaucht, die Tauchtiefe anschließend an der Glasfeder gemessen, und dann geschaut, wie weit ich damit komme. Ich habe hierbei die Spitze erst gedreht, wenn ein Schreiben nicht mehr möglich war (und die Stellen nachträglich markiert.) Ich habe mir eine Tinte ausgesucht, von der ich weiß, daß die Farbe bei unterschiedlichen Füllern stark unterschiedlich wirkt, in der Hoffnung, damit auch die Unterschiede zwischen Anfang und Ende hervorzuheben: Diamine Terracotta.

Für mich überraschend waren zwei Dinge:

- Selbst wenn man nur die feine/lange Spitze der Feder eintaucht, kommt man immerhin dreizehn Worte weit.

- Durch ein komplettes Eintauchen der Feder kommt man nicht viel weiter kommt als mit der Eintauchtiefe von 1,6 cm. Auch hier bin ich über zwei Seiten nicht hinausgekommen, weil die noch an der Feder verbliebene Tinte getrocknet war. (Schreiben von längeren Texten ist nicht mein Einsatzzweck der Glasfeder, deswegen hatte ich dies vorher nicht bemerkt.)

Ich habe deswegen noch einmal einen Test (komplettes Eintauchen) mit einer Tinte gemacht, von der ich weiß, daß sie gut & gerne fließt und schneller trocknet als die Terracotta: Diamine Midnight. Wie man sieht, hat es hier sogar nicht einmal für eine Seite gereicht, bevor die restliche Tinte an der Feder getrocknet war.

Nach ein paar Anmerkungen: Man sieht, daß die Glasfeder die ersten Worte deutlich dicker schreibt. Dies kann man verhindern, indem man die Glasfeder nach dem Eintauchen leicht am Tintenglasrand abwischt. (Bei meiner alten Glasfeder hat selbst das nicht gereicht, ich mußte zusätzlich einige Schlaufen auf einem Extrablatt drehen, bevor es an das Schreiben ging.) Und dann dreht man natürlich normalerweise die Glasfeder, bevor sie nicht mehr schreibt, um ein gleichmässigeres Schriftbild zu erhalten.

Ich hoffe, man sieht an den (zu dunklen) Fotos ganz gut, was die Glasfeder kann und wie sie sich von der Herbin-Glasfeder in dem youtube-Video positiv unterscheidet. (Meine alte Glasfeder war übrigens nochmal deutlich schlechter als diejenige von Herbin.) Hier noch ein zweites Video: https://www.youtube.com/watch?v=jAAJB_uwtdU
Dateianhänge
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