KaWeCo Blau (Royal Blue) - Patrone

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HeKe2
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KaWeCo Blau (Royal Blue) - Patrone

Beitrag von HeKe2 » 08.05.2019 21:44

Hallo liebe Tintenfreunde!


Bei meinen ersten Angelversuchen in der Bucht bin ich gleich erfolgreich gewesen und habe mir einen Pelikan P25 Saphirblau geangelt. Der musste natürlich gleich ausprobiert werden, aber Patronentinte ist bei mir kaum zu finden. In Ermangelung der eigentlich obligatorischen 4001 Königsblau habe ich ihn mit einer Patrone

KaWeCo Blau (Royal Blue)


getankt. Hinterher ist mir aufgefallen, dass es sich dabei um ein meiner Meinung nach recht interessantes Blau handelt und dass in diesem Forum eine entsprechende Tintenbetrachtung dazu fehlt. Ich sage interessantes Blau, dabei ist es doch auch nur ein weiteres Königsblau wie alle anderen, also „nix besünners“ sollte man meinen. Dem ist aber nicht so. Natürlich ist auch diese Tinte eine mittelblaue Tinte, sie ist aber gesättigter als vergleichbare Tinten und tendiert eher zum dunkleren Rand. Leider fehlt mir als Vergleich ausgerechnet die Pelikan 4001 „Königsblau“, aber immerhin kann ich einen Vergleich mit der Waterman „Florida Blue“ und der LAMY „Königsblau“ zeigen. Beide Tinten sind heller und im Blauton neutraler, wohingegen die KaWeCo Blau deutlich dunkler und etwas rotstichiger erscheint. Die Tinte ist aber weit davon entfernt, als Violett wahrgenommen zu werden.

In dem eher fein schreibenden Pelikan-Füller zeigt die Tinte deutlich einen angenehm bronzefarbenen Sheen, mit der Stub-Feder des Italix-Füllers fällt der Sheen deutlich zurückhaltender aus. Shading ist vorhanden, aber nicht wirklich auffällig. Der hohe Sättigungsgrad steht dem wohl im Weg. Die Tinte trocknet auf dem sehr füllerfreundlichen Oxford-Papier innerhalb von 15 Sekunden, was ein durchschnittlich guter Wert auf diesem Papier ist. Die Tinte ist nicht wasserfest, lässt sich aber auch nicht vollständig mit Wasser vom Papier lösen. Unter fließendem erst kaltem, dann warmem Wasser verbleibt etwa 20% der Tinte auf dem Papier und der Text bleibt lesbar. Bei königsblauen Tinten erwartet man gemeinhin, dass sie sich mit Tintenkiller löschen lassen. Bei dieser Tinte ist das aber nur zu etwa 80% der Fall.

Was die Eigenschaften der Tinte angeht, finde ich die durchweg gut bis sehr gut. Die Tinte fließ in den verwendeten Füller gut bis sehr gut ohne das Papier durchzuweichen. Auf dem verwendeten Papier franst sie nicht aus und zeigt keinen Löschblatteffekt. Auf einer Ecke eines Blattes des sehr schlechten Kopierpapiers, dass ich früher zum Testen verwendet habe, war allerdings ein leichter Löschblatteffekt zu erkennen. Durchbluten konnte man aber auch dann nur feststellen, wenn man mit der Feder länger auf einer Stelle verweilte. Auf geringfügig besseren Papieren, zum Beispiel auf dem Papier meines Usus Collegeblocks (Recyclingpapier 70g/qm, premiumweiß) ist davon in der Regel nichts mehr zu sehen. Auch Durchbluten oder Durchscheinen der Tinte tritt dann nicht mehr auf.

Die Tinte fließt sehr gut. Mit beiden verwendeten Füllern gab es keine Probleme, weder beim Anschreiben, noch gab es Tintenunterbrechungen. Es gelangte in beiden Fällen genug Tinte auf das Papier, um bei geeignetem Papier Sheen zu erzeugen.


Die Tinteneigenschaften im Einzelnen (Maximalwert 10):

Ausbluten, Ausfransen: 8
Durchscheinen: 9
Durchbluten: 8
Tintenfluss: 8
Wasserfestigkeit: 5
Sättigung: 7
Shading: 4
Sheen: 7
Trocknungszeit auf Kopierpapier: 5 sek.
Trocknungszeit auf Oxford Optik Paper: 15 sek.

Eingesetztes Material:

KaWeCo Blau (Royal Blue)
Pelikan P25 Saphierblau, Goldfeder 14kt. „F?“
Italix „Churchmans Prescriptor“, Stahlfeder, 1.3mm Stub
(Einfachstes Kopierpapier, 80g/qm)
Usus Collegeblock (Recyclingpapier 70g/qm, premiumweiß)
Oxford Optik Paper, 90g/qm


Fazit:
Mir gefällt die Tinte. Sie fließt gut und hat eine schöne Farbe. Die Farbe ist ein sattes Blau, das jederzeit und überall einsetzbar ist. Es ist etwas dunkler (auch gesättigter) als die meisten anderen Königsblauen. Mir fehlt leider der Vergleich zu anderen Tinten, denen man derartige Eigenschaften attestiert. Im speziellen wären das die MB „Royal Blue“ und das Visconti Blau. Die Tinte funktioniert auf so gut wie jedem Papier. Nur ganz einfache, saugfähige Papierqualitäten sind nur begrenzt geeignet. Unter dem Strich eine tolle Alltagstinte, die ein klein wenig anders ist als andere Königsblaue, ohne dass das aber allzu sehr auffällt.


P.S.:
Im handgeschriebenen Text steht an einer Stelle "Serenity Blue", verwendet habe ich aber das ältere "Florida Blue". Es soll aber so sein, dass es sich um ein und dieselbe Tinte handelt und nur der Name geändert wurde. (Quelle: SBREBrown)
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Beste Grüße
Hermann

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Re: KaWeCo Blau (Royal Blue) - Patrone

Beitrag von Ex Libris » 01.07.2019 21:22

Hallo Hermann,

vielen Dank für Deine Vorstellung. Sie hat mich vor allem darauf gebracht, dass ich bereits letztes Jahr eine Betrachtung erstellt, sie aber offenkundig vergessen habe. Daher schiebe ich sie jetzt gleich hinterher.

Du hast ganz Recht damit, dass es sich um eine sehr auffällige Tinte im Reigen der Königsblauen handelt. Sie hat etwas Markantes – als eine reine Schultinte will sie mir nicht vorkommen.

Viele Grüße,
Florian
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Re: KaWeCo Blau (Royal Blue) - Patrone

Beitrag von HeKe2 » 01.07.2019 22:20

Hallo Florian!

Danke für deine Ergänzungen, die du hier zeigst.

Dreierlei ist mir aufgefallen:
Zum Einen, dass ganz offensichtlich das Schreibgerät einen erheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild der Tinte hat. Bei dir ist deutlich mehr Shading zu erkennen, als bei mir. Die von mir bevorzugten Feuerwehrschläuche ertränken den Effekt wohl etwas.
Zum Anderen erscheint bei dir die Waterman Tinte noch blasser als bei mir. Die königsblaue Pelikan 4001 ist noch etwas blasser. Danke übrigens, dass du den Vergleich hier nachreichst. Ganz nebenbei sieht man, wie unterschiedlich unsere Scanner arbeiten.
Als Drittes stellst du Durchschlagen fest. Welches Papier hast du verwendet? Ich konnte nichts derartiges feststellen. Ich kenne das Papier nicht. Wie würdest du dessen Qualität im Hinblick auf Füllertauglichkeit bewerten?

Du bietest zum Vergleich noch das Aurora Blau an. Das ist ein Blau, das ich mir auch noch besorgen muss. Zur Zeit weiß ich nur nicht, wie ich die vielen blauen Tinten jemals leeren will, wenn sie sich so vermehren. Das Aurora Blau wird oft als sehr intensives Blau beschrieben und kommt in deinem Vergleich dem KaWeCo Blau zumindest im Scan recht nahe.
Beste Grüße
Hermann

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Re: KaWeCo Blau (Royal Blue) - Patrone

Beitrag von Ex Libris » 02.07.2019 17:22

Hallo Hermann,

vielen Dank für Deine Rückmeldung. Das mit den Scannern ist schon richtig, daher plädiere ich auch immer dafür, die Tintenbetrachtungen lediglich als Näherung anzusehen – zumal kaum einer einen kalibrierten Monitor zu Hause haben dürfte. Und einen Photoapparat besitze ich nicht, so dass ich keine Photos einstellen kann.

Nun zu Deinen Anmerkungen: Die OB-Feder im M1000 ist eine sehr nasse Feder, wobei ich festgestellt habe, dass oblique Federn mit meiner Handschrift fast immer Schattierungen erzeugen, wo das eine F-, M- oder B-Feder noch lange nicht tut. Von daher hätte die Feder durchaus das Potential, ebenso die Schattierungen absaufen zu lassen – wobei es hier funktioniert. Andererseits ist für jedwede Wirkung von Tinte auf Papier nach meiner Erfahrung stets die jeweilige Papier-Feder-Tinten-Kombination ausschlaggebend; bereits ein Reinfall in der Dreiheit und die ganze Wirkung einer Schrift/Tinte/Schriftbild ist im Eimer.

Ich muss gestehen, dass sowohl die 4001 Königsblau als auch die Waterman Sérénité ausgesprochen blass daherkommen. Ich lege diese Vergleiche auf den Bögen immer im Voraus an, so dass ich heute leider nicht mehr sagen kann, welche Füller ich für beide benutzt habe, denn ich habe sehr wohl Füller, bei denen beide Tinten in einer ansprechenden Intensität fließen. Unter den Tinten, die ich als ›Standardblaue‹ ansehen würde, ist das Aurora Blau das intensivste, dicht gefolgt von Montblanc Royal Blue, wobei ich das Aurora für tiefer, intensiver halte. (Übrigens eine der wenigen Tinten, die ich mir je nachgekauft habe.)

Das Durchbluten habe ich auf nur einem Papier, dem Rex Briefblock von Aldi Süd, festgestellt; bei Clairefontaine Velouté und Gohrsmühle war das kein Problem. Das hatte mich aber auch verwundert, denn das Papier in diesen Briefblöcken kommt nämlich im Normalfall ausgesprochen gut mit den meisten Tinten aus. Jedoch ist es sehr wohl dasjenige, bei dem es am ehesten zum Durchbluten kommt – und ist deswegen in meiner Papierauswahl für die Tintenbetrachtungen drin. Grundsätzlich ist in meinen Augen das Gohrsmühle das beste Papier, das auch leicht zu bekommen ist. Aber hier gibt es ja nicht nur die Geschmacksfrage, sondern auch diejenige danach, was man so benutzen kann. Ich würde auf die Arbeit eher einen selbst gekauften Block mitnehmen, als Kopierpapier zu verwenden, auf dem man kaum anständig mit Tinte schreiben kann.

Viele Grüße,
Florian

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