Élysée Serie 60, Schwarz-Gold von 1985

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Wollschaf
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Élysée Serie 60, Schwarz-Gold von 1985

Beitrag von Wollschaf » 13.09.2020 16:43

Hallo zusammen.

Ich habe meinen alten Serie 60 nochmal sauber gemacht und mit einer Patrone Pelikan 4001 "Brilliantgrün" reaktiviert.
Er schreibt noch wie am ersten Tag und ich hatte wirklich vergessen wie er sich beim Schreiben anfühlt. Durch seine geringe Dicke von gerade mal 9mm ist die Haptik doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Hier einmal die kompletten Maße:
Dicke: 9mm
Länge mit Kappe: 139mm
Länge ohne Kappe: 130mm
Länge mit Kappe hinten aufgesteckt: 156mm

Also schlank und lang.

Ich besitze ihn im Set mit dem passenden Drehkugelschreiber. Die Originalbox von Élysée, die ich seinerzeit dazu bekommen habe, wirkt auch heute, nach 35 Jahren, noch wertig. Die Außenseite ist mit braunem Kunstleder bezogen, das trotz einiger Kratzer und abgeschabter Ecken noch nicht verschlissen ist. Einzig der Élysée-Aufdruck ist fast gänzlich verschwunden. Die goldfarbigen Einfassungen von Unterteil und Deckel sind in gutem Zustand und die Federmechanik vom Deckel funktioniert stramm und einwandfrei. Der Samteinsatz aus Kunststoff weist keine Risse auf.

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Eines der auffälligen Details der Serie 60 ist der massive Clip, der genau so lang wie die Kappe ist. Er ist mit dem Élysée-Schriftzug und dem Logo versehen. Auch beim Kugelschreiber reicht der Clip bis zum goldenen Ring, der die Stelle mit dem Gewinde markiert. Beide Clips sind identisch.
Die Kappe vom Füller wird nicht aufgeschraubt, sie rastet mit einem gut hörbaren "Klick" ein und aus.

Die Feder bei meinem Exemplar ist eine OM für Rechtshänder. Sie ist ein weiteres auffälliges Detail des Serie 60 Füllers.
Sie hat kein Loch, nur den Schlitz. Das verleiht ihr ein elegantes Aussehen, das durch einen Knick (auf dem Foto zwischen dem eingeprägten OM und dem Logo erkennbar) noch unterstrichen wird. Auch von der Seite gesehen macht sie für mich einen eleganten Eindruck.
Die Feder ist recht flexibel, vergleichbar mit einer M Feder beim Lamy AL-Star. Sie schreibt nass, bisher gab es keine Aussetzer oder verminderten Tintenfluss. Ein wenig kratzt sie, das mag aber an mir liegen, es ist die einzige OM Feder die ich besitze. Ich habe lange nicht mehr damit geschrieben, da muss ich mich erst wieder dran gewöhnen.
Ich habe keine Informationen darüber ob die Federn von Élysée aus Gold oder nur vergoldet waren. Bei dieser tippe ich auf vergoldet. Ich habe meine Physikkenntnisse mal ausgekramt und einen kleinen Magneten an die Feder gehalten. Es gab da eine Anziehung, die es bei Gold ja eigentlich nicht geben dürfte...
Das Schreibkorn wird wohl aus Iridium sein.

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Der Serie 60 Füller ist nicht komplett aus Metall. Das Griffstück ist aus Kunststoff, wenn auch aus einem der nicht sofort als solcher zu erkennen ist. Wenn man das Griffstück jedoch mit den Fingern drückt merkt man daß es leicht nachgibt.

Auch mit hinten aufgesteckter Kappe, also in voller Länge von fast 16cm, sieht er durchaus elegant aus. Allerdings macht ihn die Kappe hinten für mein Empfinden doch arg "schwanzlastig". Man spürt das Gewicht der Metallkappe mit dem massiven Clip deutlich. Ohne Kappe verteilt sich das Gewicht des 60er gleichmäßig auf die Finger, das macht das Schreiben wesentlich angenehmer.
Die Balance mit Kappe hinten ist einfach schlecht...

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Fazit.

Die Firma Élysée, gegründet 1925 in Pforzheim von Alfred Dummert, produzierte von 1981 bis 2000 (von 1991 bis 2000 unter der Führung von Staedtler) Schreibgeräte die ich in die obere Mittelklasse einordnen würde.

Der Serie 60 Füller hat ein elegantes Design, das unter Anderem auf seinem schlanken Korpus, dem langen Clip und der ungewöhnlich aussehenden Feder beruht. Die Verarbeitungsqualität ist wertig. Der Korpus und die Kappe sind aus Metall, der Übergang zwischen den beiden Teilen ist kaum spürbar. Der Clip ist massiv und stramm. Lediglich des Griffstück aus Kunststoff passt nicht so recht zur Wertigkeit des Füllers.

Mein Exemplar weist bis heute keine Schäden oder Schwächen auf. Nur der Ring am Ende des Griffstücks hat an mehreren Stellen seine goldfarbene Beschichtung verloren. Man kann die dunklen Flecken am Ring auf dem zweiten Foto erkennen. Ich vermute das es eine Folge der Tinte ist, die über all die Jahre immer wieder am Ring auftauchte. Ich habe sie zwar immer wieder entfernt, aber eben nicht nach jedem Abziehen der Kappe...Also vermutlich nicht nur die Schuld des 60er.

Das Schreiben mit dem Élysée macht mir Spaß, auch wenn die OM Feder erst noch beherrscht werden will. Sie ist für mein Schreibverhalten gerade richtig flexibel und mit der Pelikan Tinte schreibt sie ausreichend nass damit es keine Probleme gibt. Es ist schon ein wenig besonders mit einem 60er zu schreiben.
Irgendwie finde ich auch daß das "Brilliantgrün" zu ihm passt.

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Élysée_7.JPG (33.26 KiB) 254 mal betrachtet

Stichwort "Konverter".
Ein Online Standardkonverter passt hinein und der Korpus kann auch darüber geschoben werden.
Aber.....
Im Korpus befindet sich ganz oben eine Druckfeder, die beim Zusammenschrauben auf die Patrone/n drückt um zu verhindern das die gesteckte herausrutscht.
Das klappt auch auch bei den langen Patronen.
Der Online Konverter ist ein Drehkonverter. Wenn beim Zudrehen die Feder im Korpus an den Konverter stößt, was unweigerlich passiert weil der Konverter länger ist als zwei Standardpatronen, gibt es erstmal noch kein Problem. Der Konverter wird ja mit dem Uhrzeigersinn aufgezogen.
Will man den Füller dann aber wieder öffnen kann das böse schiefgehen. Dann passiert ja genau das Gegenteil vom Zudrehen: Die Druckfeder im Korpus dreht die Spindel im Konverter ein Stück mit und, falls noch Tinte drin ist, gibt das eine ziemliche Kleckerei.
Man sollte diesen Umstand eigentlich immer im Kopf haben wenn man den Füller mit gestecktem Drehkonverter wieder aufschrauben will.
Als Vorsichtsmaßnahme fällt mir nur ein den Füller während des Öffnens mit der Feder nach oben zu halten, damit die Tinte in den Konverter zurückläuft.
Als Alternative bietet sich nur ein Konverter mit Schiebespindel an. Der darf aber auch nicht zu lang sein, sonst wird der schon beim Zuschrauben wieder zum Teil geleert. Ebenso wenn man nicht aufpasst beim Aufschieben des Korpus...

Konverterbetrieb ist also mit Vorsicht zu genießen.

Ich sehe die Élysée Serie 60 Füller als wertige und zuverlässige Schreibgeräte an, an denen man auch nach über dreißig Jahren Freude haben kann.

VG Mike

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vanni52
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Re: Élysée Serie 60, Schwarz-Gold von 1985

Beitrag von vanni52 » 13.09.2020 17:31

Hallo Mike,

ich kann mich nicht erinnern, hier im Forum in den letzten Jahren von einem Elysee-Füller
gehört bzw. ein Exemplar gesehen zu haben.
Auf Pforzheim als Produktionsort wäre ich wohl auch nicht gekommen.
Deshalb herzlichen Dank für die schöne Vorstellung dieser sehr eleganten Schreibgeräte.
Und Schubladenwiederentdeckungen sind schon etwas besonderes.
LG
Heinrich

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Wollschaf
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Re: Élysée Serie 60, Schwarz-Gold von 1985

Beitrag von Wollschaf » 16.09.2020 9:41

Hallo Heinrich.

Danke.
Wiederentdeckt hatte ich ihn schon vor einiger Zeit, aber halt nur zur Kenntnis genommen das er noch da war. Obendrauf lag eine Box mit einem Set Parker Vector.
Ich hab den Élysée dann erst einmal wieder drunter gelegt und wollte ihn irgendwann mal wieder raus holen. Vor ein paar Wochen habe ich dann meinen alten "Fundus" gesichtet, und da war er wieder.
Jetzt ist er wieder im Gebrauch und macht Spaß.
Elegant sind die 60er, das finde ich auch.

VG Mike

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