Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

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ErDe
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Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von ErDe » 10.10.2017 9:49

Hallo Gemeinde,

habe bislang noch keine Anleitung hier im Forum zum gemeinhin genannten "tool" zur Demontage der MB 146er gefunden. Die bisweilen angebotenen CNC gefertigten Werkzeuge (neudeutsch: Tools) sind preislich großteils überirdisch. Eigentlich geht´s doch nur darum: Zwei rechteckige Löchlein im Messingteil unterhalb des Aufziehknopfs des Füllhalters, darin ein Hebel anzusetzen ist. Und dieses Hebelchen kann man doch basteln..

Gebogene Heftklammern sieht man in manchen (amerikanischen) Foren als Geistesgeburt. Ich hab´den Käse probiert. Viel zu weich das Zeugs, untauglich, verbiegt sich sofort. Zudem sollen die Zapfenwinzlinge die vorgegebene Form dieser Löcher haben. Runde Zapfen in eckige Form ergibt nur Krater an den Viereckseiten aufgrund der punktuellen Belastung. Was nehmen? Irgendeinen Stahldraht in dünner Form, der Standfestigkeit besitzt. Aha, ein Blick in Frauchens Besteckkasten und ich hatte das Rohmaterial! Ein Spießchen für Rindsrouladen, harter Stoff! Mein Ehegespons in matter Begeisterung: Sie brauche ALLE, bekommt ansonsten die Anzahl der Rouladen nicht zuwege. Bei der Entscheidung Rindsroulade vs. Füllhalter-tool muss man leidgeprüft Prioritäten setzen. Ich verabschiedete mich von einer Roulade ... (Positiv: Karenzzeit für ein Euter tragendes Rindvieh).

Die nachfolgenden Fotos zeigen die Vorgangsweise: Das Spießchen wird gebogen, die Enden abgeknipst. Es reicht eine Schenkellänge von rund 3cm. Beide Spitzen werden wiederum um 90° gebogen, wobei diese Zapfen etwa 2mm lang und zueinander parallel stehen müssen. Diese Zäpfchen feilt man dann mit einer Nagelfeile viereckig, wobei sie zum Ende hin leicht konisch zulaufen sollen. Die Proteste der Ehefrau wegen Mißbrauchs der Nagelfeile ignoriere man in chauvinistischer Weise kurzfristig (längere Ignoranz nicht ratsam wegen unabwägbarer Langzeitfolge).

Ganz wichtig: Mit feinem Schleifpapier/Mesh die konischen Vierecke entgraten, damit diese Zäpfchen, falls der Löseversuch der Füllermechanik nicht gleich klappt, keine Kratzer am Messing oder Kunststoff des Füllers verursachen.

Und nun viel Vegnügen


Örwin


P.S.: Die Bastelei dieses Werkzeugs nahm keine Viertelstunde in Anspruch
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ddss
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von ddss » 10.10.2017 18:16

Hallo ErDe,

tolle Idee, tolles Werkzeug und über die Entstehungsgeschichte habe ich mich königlich amüsiert (kommt mir irgendwie bekannt vor).

Liebe Grüße

Michael

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stift
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von stift » 10.10.2017 18:24

Hallo
Habe mir vor ein paar Tagen mit einer Essgabel einen Schlüssel gemacht aber nur für die Feder Einheit.

Das was du da gemacht hast ist ein tolles Tool!!!

Grüße Harald
#Non, je ne regrette rien#

Hansn
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von Hansn » 10.10.2017 19:31

Nicht das ich so ein Teil bräuchte, aber schon alleine der möglichen Reaktionen seitens der Angetrauten muss man(n) schon beinahe sowas basteln.

Gruß
HANS

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hoppenstedt
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von hoppenstedt » 29.12.2018 23:30

Sehr geniale Lösung, Danke dafür! :D

Funktioniert das auch für einen 149 neuer Bauart?
"Nulla dies sine linea."
Grüße von Alfred :)

SimDreams
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von SimDreams » 02.01.2019 0:12

Selbstverständlich.
Da die Schreibgeräteakquise nicht das einzige Hobby ist - Fotografie und Dein Notizbuch nach Maß: http://www.flickr.com/photos/simdreams/

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Horsa
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von Horsa » 02.01.2019 16:23

Klasse beschriebener Tipp!
Danke für die wirklich nett präsentierte Ideenspende.
LG
Horsa

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pelikanjog
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Re: Montblanc 146 Zerlegewerkzeug (Schaft) - Eigenkonstruktion

Beitrag von pelikanjog » 04.01.2019 17:02

Hallo,

bei Pelikan bin ich inzwischen nach der Methode 'trial and error' kundig. Aber MB - da habe ich mich noch nicht dran getraut.

Der "Missbrauch" einer Gabel für das Aufschrauben der Federeinheit war mir theoretisch bekannt.
Bei mir hakt es an der praktischen Frage, ob dieses Federeinheit irgendwie "gesichert" ist, weil ich sie nicht auf bekam - ich wollte einfach nicht zuviel Kraft anwenden.
Oder braucht es Wässern oder leichtes Anwärmen (ich habe in Erinnerung, dass das wg einer plastischen Dichtung nicht über 55°C sein sollten)?
Gibt es da einen Unterschied zwischen älteren (1955 - 60) und neueren Modellen (ca. 1990) oder zwischen den Meisterstücken 144, 146, 149?
Und weiter, kann man Feder und Tintenleiter ohne Weiteres trennen, oder ist da eine Sicherung / Dichtung (s.o.), die Schaden nehmen würde oder ersetzt werden muss?

Eine letzte Frage zu einem MB 144 von ca. 1960:
Hat die Füllknopf-Einheit ein Links- odert Rechtsgewinde - und muss man Wärmen?
Der hat in dem Messingteil nur ein Loch quer und nicht sehr tief. Mit welchen 'tool' kommt man da weiter?


Soviel - bevor ich 'trial and error' zu weit treibe - es sind ja ein 'ganzer Haufen' Fragen.

Mit guten Wünschen für das gerade begonnnene neue Jahr

Hansjürgen

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