Wieso verschmieren manche Tinten?

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tobiwei
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Re: Wieso verschmieren manche Tinten?

Beitrag von tobiwei » 26.06.2019 22:32

Thom hat geschrieben:
26.06.2019 3:08
tobiwei hat geschrieben:
25.06.2019 23:30
Verstehe aber nicht ganz, worauf du hinaus willst.
Na, ich will darauf hinaus, dass Du erstmal die postulierten feuchten Finger ausschließt, man kann ja einer nicht wasserfesten Tinte nicht vorwerfen, dass sie nicht wasserfest ist. Die Tinte kann trocken auch noch verwischen, dann liegt das häufig an einer (zu) großen Farbstoffmenge. Die oberen Farbstoffmoleküle haben keinen direkten Kontakt zum Papier, da liegen Farbstoffmoleküle auf Farbstoffmolekülen und bedingt durch die notwendige Füllertauglichkeit kann man die auch nicht unbegrenzt fixieren. Für mich ist so eine mangelnde Trockenwischfestigkeit dann ein k.o.-Kriterium. Ob die Tinte eingedickt sein könnte, da müsste man schon eine Vergleichsprobe haben.

V.G.
Thomas
Aber ich möchte meine zumindest nicht ungewöhnlich feuchten Finger oder Handballen nicht ausschließen, und ich möchte niemandem (und schon gar keine Tinte!) etwas vorwerfen. Ich suche nur eine Tinten-/Papierkombination, die für mich funktioniert. Und mit Diamine Florida Blue funktioniert es, wie ich zum Glück festgestellt habe.

Jetzt muss ich noch rausfinden, ob die Asa Blue frisch aus dem Fass auch so schmiert :)

Thom
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Re: Wieso verschmieren manche Tinten?

Beitrag von Thom » 27.06.2019 0:00

Theoretisch gäbe's da auch noch andere Möglichkeiten, z.B. Hygroskopie. Bei einer Kopiertinte vor 100 Jahren wäre das auch nicht unwahrscheinlich, aber heute stellte sich schon die Frage, warum ein Tintenhersteller eine Füllertinte so hygroskopisch machte, dass sie nicht trocknete. Ich schreibe hier gerade mit einer grauvioletten EG-freien Tinte und einer der ersten Schritte, die ich bei so einer Tintenherstellung mache, ist mit einem Blatt Papier über die Schrift reiben, damit ich sehe, ob die ausreichend wischfest ist. :)

V.G.
Thomas

DanielH
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Re: Wieso verschmieren manche Tinten?

Beitrag von DanielH » 21.07.2019 19:16

Hallo in die Runde,

Ich weiß nicht, ob Hygroskopie wirklich das große Problem ist. Vielleicht mal eben kurz als Erklärung, was Hygroskopie ist:
Hygroskopie ist die Eigenschaft von Stoffen, aus der Luft Wasser an sich zu ziehen. Dabei passiert es in den seltensten Fällen, dass die Stoffe mit dem Wasser reagieren. Sie bilden nur von sich aus den eine wie auch immer geartete Mischung mit Wasser. Viele anorganischen Salze binden Wasser als sog. Kristallwasser. Dabei wird das Wasser in den Kristall, also in den Feststoff, eingebaut. Andere ziehen so viel Wasser aus der Luft, dass sie sich im angezogenen Wasser lösen und die Kristalle dann zerfließen. Das ist zum Beispiel bei Eisen(III)-chlorid der Fall. Auch Flüssigkeiten können hygroskopisch sein. Ein wichtiges Beispiel ist das hier schon genannte Glycerin, das deswegen als Feuchthaltemittel verwendet wird. Glycerin verdunstet unter Normalbedingungen nicht, zieht aber Wasser an sich und kann so seine Umgebung (Stempelkissen!) vor dem Austrocknen bewahren.
Mein Eindruck ist eher, dass bestimmte Tinten, gerade kräftige Blautöne, nie richtig wischfest und - wie das der Eröffner dieses Threads völlig richtig festgestellt hat - dass das ganz besonders bei den ersten Zeilen oder bei einem fast leeren Füller der Fall ist. Gerade American Blue von Private Reserve ist ja in dieser Hinsicht ein wichtiger Kandidat. Diese Tinten scheinen mir extrem hoch konzentriert zu sein, also sehr viel Farbstoff zu enthalten. Ganz offensichtlich ist es bei diesen Blautönen wichtig, viel Farbstoff zu verwenden, um die gewünschte Sättigung der Farbe zu bekommen. Wenn nun die Tinte auf dem Füller leicht angetrocknet ist, weil sie lange auf dem Füller gestanden hat oder "von oben" kein Nachschub mehr kommt, dann nimmt diese Sättigung natürlich zu und dann passieren zwei Dinge: Erstens ist natürlich wesentlich mehr Farbstoff da. Und zweitens fehlt das Wasser, das diese große Menge ins Papier hinein schwemmen kann. Deswegen bilden sich - wie hier schon andiskutiert - Farbstoffschichten, die sich leicht verwischen lassen. Das wäre meine Erklärung. Hygroskopie einer solchen Schicht würde in meinen Augen eher dazu führen, dass das Papier mit der Tinte drauf leicht feucht wird und die "Schicht" zerläuft.

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HeKe2
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Re: Wieso verschmieren manche Tinten?

Beitrag von HeKe2 » 26.07.2019 15:59

Die Einschätzung von DanielH teile ich. Wenn ich da an die Tinten von Organic Studios (Nitrogen, Ralph Waldo Emerson) denke, dann waren gerade die extreme Beispiele dafür in meiner Tintensammlung. Auch diese Tinten sind stark gesättigt. Sie bilden eine Art Lack auf der Papieroberfläche, um diesen Sheen zu erzeugen. Das klappt aber nur, wenn diese Tintenbestandteile nicht zu tief in das Papier einziehen. Gleichzeitig sollen diese Bestandteile aber auch noch wasserlöslich sein und beim Trocknen nicht so sehr vernetzen, dass sie, falls sie im Füller trocknen, diesen nicht auf Ewigkeit verstopfen. Da liegt es eigentlich auf der Hand, das diese Tinten zum Verschmieren neigen.

Der gleiche Effekt tritt auf, wenn die Tinte aus irgendeinem Grund gesättigter aus dem Füller kommt, wie es z.B. am Anfang des Schreibens mit einem Füller der Fall ist, der vom Liegen schon ein Wenig eingetrocknet ist.
Beste Grüße
Hermann

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