Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Moderatoren: Linceo, Lamynator, desas

Antworten
Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 18.08.2019 13:35

Martins Schreibtest mit Spitzfeder auf suboptimalem Papier setze ich hier mal mit rein. Die schwarze Tinte links oben ist eine Tauchfedertinte. Salix und Scabiosa halten schonmal gut mit. Immernoch ein Geheimtipp für Füller auf Billigkopierpapier
ist die Lamy Blau.

Bild

V.G.
Thomas

ai19
Beiträge: 206
Registriert: 23.12.2018 9:50
Wohnort: Rheinland

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 18.08.2019 14:41

Ich kann Thoms Nachtblau eine sehr hohe Wischfestigkeit und Wasserfestigkeit attestieren.

Vor allem ist der Farbton spitze, aber das ist wie immer Geschmackssache. Er erinnert mich an Pelikan Tanzanite, den ich sehr mag, halt nur in wasserfest.

In kurzer Zeit ist dieses Nachtblau zu meiner Standard-EG-Tinte aufgestiegen. :)

Beste Grüße,
Arda

ai19
Beiträge: 206
Registriert: 23.12.2018 9:50
Wohnort: Rheinland

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 24.10.2019 12:29

Ein winziger Info-Schnipsel zum Thema "Nachtblau" und "Schwarzfließend".

Ich habe so ein paar Notizbücher aus den 2000er Jahren vom Karstadt, die ich gehamstert hatte, weil sie 400 Seiten stark sind und ich damals so viel gerechnet habe. Ich benutzte nur Bleistift, also hatte ich mit dem Papier natürlich kein Thema.

Wegen meiner neu entflammten Füller-Leidenschaft probierte ich also mehrere Tinten aus auf diesem Papier.

Das Ergebnis war sehr enttäuschend. Obwohl es glatt ist, saugt es relativ stark. Das hat den sehr unangenehmen Effekt, dass sich der Strich stark verbreitert. Aber vor allen Dingen schlagen die meisten Tinten durch.

Sogar die vielgerühmte Lamy T10 königsblau schlägt durch. Also probierte ich ein paar EG-Tinten.

Zuerst probierte ich die Salix in einem Faber-Castell EF, die punktuell durchschlägt. Nun gut.

Aus Spaß probierte ich (ebenfalls in einem Faber-Castell EF) Thoms Spezialmischung "Schwarzfließend" aus, und entdeckte zu meiner Überraschung, dass die Tinte zwar durchscheint, auch wie alle anderen breiter wird, aber nicht durchschlägt!

Neugierig geworden, schrieb ich mit meinem Parker Premier, der sehr nass läuft, und der von Diamine Registrar's Ink umbefüllt wurde auf Thoms Nachtblau, auf dieses Papier. Papier saugt sich voll, extrem breiter Strich... aber trotzdem kein Durchschlagen auf die Rückseite!

Ich bin ein wenig beeindruckt. :)

Beste Grüße,
Arda

PS. Ich werde wohl doch auf diesem Papier weiter mit Bleistift schreiben.

Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 24.10.2019 13:01

ai19 hat geschrieben:
24.10.2019 12:29
Ich bin ein wenig beeindruckt. :)
Absolut. :) Die Nachtblau wird aber mit der Zeit Gerbsäure ausfällen. Die ist auf alle Fälle zum Schreiben gedacht,
keinesfalls zum Sammeln.

V.G.
Thomas

ai19
Beiträge: 206
Registriert: 23.12.2018 9:50
Wohnort: Rheinland

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 24.10.2019 13:49

Thom hat geschrieben:
24.10.2019 13:01
ai19 hat geschrieben:
24.10.2019 12:29
Ich bin ein wenig beeindruckt. :)
Absolut. :) Die Nachtblau wird aber mit der Zeit Gerbsäure ausfällen. Die ist auf alle Fälle zum Schreiben gedacht,
keinesfalls zum Sammeln.

V.G.
Thomas
Deswegen ist die Tinte ja auch in mehreren Füllern und nicht im Fass ;)

Übrigens Kompliment an das verwendete Tintenglas. Letztens machte ich auf, und ein Zischen war zu hören. Das Glas wurde zuletzt bei sehr warmem Wetter verschlossen, und neulich bei deutlich kühlerer Temperatur wieder geöffnet.

Mal 'ne andere Frage: Wie lange überlebt die Tinte im Glas? Ich würde wahrscheinlich die Tinte nicht ganz aufbrauchen, sondern in regelmäßigen Intervallen frisch beschaffen.

Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 24.10.2019 14:09

Das ist eine sehr spezielle Form der Alterung. Die Tinte wird auch in mehreren Jahren nicht verkeimen. Die Ausfällungen machen sich auch nicht wirklich im Schreibverhalten bemerkbar, aber die Schriftzüge auf dem Papier werden schneller altern. Ich würde die Tinte schon binnen Jahresfrist aufbrauchen, wenn es tatsächlich auf die Stabilität der Schriftzüge ankommt.
Zum Einkaufszettelschreiben wäre das aber irrelevant, bis zum REWE hält sie auf alle Fälle noch durch. :)

V.G.
Thomas

ai19
Beiträge: 206
Registriert: 23.12.2018 9:50
Wohnort: Rheinland

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 24.10.2019 16:06

Thom hat geschrieben:
24.10.2019 14:09
Das ist eine sehr spezielle Form der Alterung. Die Tinte wird auch in mehreren Jahren nicht verkeimen. Die Ausfällungen machen sich auch nicht wirklich im Schreibverhalten bemerkbar, aber die Schriftzüge auf dem Papier werden schneller altern. Ich würde die Tinte schon binnen Jahresfrist aufbrauchen, wenn es tatsächlich auf die Stabilität der Schriftzüge ankommt.
Zum Einkaufszettelschreiben wäre das aber irrelevant, bis zum REWE hält sie auf alle Fälle noch durch. :)
Trifft dasselbe auf die Salix zu?

Anfangs mochte ich sie nicht so, weil ich sie in Füllern ausprobiert hatte, die einen zu schwachen Fluss hatten. Aber in einem Füller mit kräftigem Fluss sieht die Salix echt gut aus.

Viele Grüße,
Arda

Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 24.10.2019 17:08

Die Salix macht mit der Zeit und Luft im Flakon auch Ausfällungen. Ob das mehr EG oder mehr Gerbsäure ist, weiß ich nicht. EG-Ausfällungen würden die Tinte nicht eisenlastiger machen, aber den EG-Gehalt verringern.

V.G.
Thomas

Benutzeravatar
Cepasaccus
Beiträge: 2923
Registriert: 29.08.2012 18:31
Wohnort: Nürnberg

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 28.10.2019 21:42

Lichttest 4 seit dem 9.12.2015.

0: Montblanc Royal Blue
1: Hello Kitty!-Preppy
2: Thoms Franken-EG
3: Thoms Beste 2
4: Thoms Blauschwarz
5: De Atramentis Dokuemntentinte blau (Manufactum)
6: Rohrer & Klingner dokumentus dunkelblau
7: TDK CD/DVD Pen blau
8: Thoms rote EG

Der Streifen hing also seit praktisch 4 Jahren nun am Fenster (Südseite). Das sind schon ziemlich harsche Bedingungen. Das Papier ist dabei auch etwas vergilbt. Die neumodischen Dokumententinten haben es fast unbeschadet überstanden. Alle EG-Tinten sind noch lesbar. Der Rest ist wech.

Da ich nicht glaube, dass man da in weiteren ein, zwei oder fünf Jahren neue Erkenntnisse gewinnt, erkläre ich hiermit den Test für beendet.

Cepasaccus
191028-lichttest4-0001-2.jpg
191028-lichttest4-0001-2.jpg (245.06 KiB) 788 mal betrachtet

pejole
Beiträge: 1530
Registriert: 12.08.2010 1:59
Wohnort: Mönchengladbach

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von pejole » 29.10.2019 13:57

@Cepasaccus

Interessant sind für mich die Dokumententinten die ich (noch) nicht habe mir aber wenn ich wieder mal in Düsseldorf bin zulegen werde.

Ich habe meinen Test mit ca 20 Tinten am Nordfenster durchgeführt, Beginn 6.6.15, ist also ein halbes Jahr älter als dein Test, und bis auf die im Foto gezeigten Tinten ist von den anderen nicht mehr viel oder gar nichts mehr zu sehen. Bestens gehalten hat sich die Montblanc Blue Permanent, auch noch gut die R&K Blau permanent, die EGTinten und auch die Nussbaumtinte und noch mehr die Salix haben schon gelitten wobei die EG von philS aus dem Forum sich noch am besten gehalten hat, total enttäuscht bin ich von der 4001 blau-schwarz wie auch der Atramentis dunkelblau.

Gruß, Martin
Dateianhänge
20191029_132420-02-756x754.jpeg
20191029_132420-02-756x754.jpeg (221.18 KiB) 725 mal betrachtet

Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 29.10.2019 16:50

Danke, Cepasaccus! Da sieht man die Auswirkung der Eisenlastigkeit vor allem bei der Franken-EG
in den Bereichen, wo sie nicht belichtet wurde.

V.G.
Thomas

Benutzeravatar
Cepasaccus
Beiträge: 2923
Registriert: 29.08.2012 18:31
Wohnort: Nürnberg

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 29.10.2019 23:08

@pejole

Von einer Blauschwarz darf man keine Wunder erwarten. Der Blauanteil ist flugs weg und damit die Schrift deutlich heller, und auch deutlich heller als Thoms tunkle Tinten. Für einen Vergleich mit dauerhafteren Tinten ist das keine gute Startposition. Aber wie Thom ja schon häufiger darauf hingewiesen hat, ist das Szenario, dass etwas 4 Jahre in der Sonne auf der Südseite hängt, sehr selten in der Praxis anzutreffen. Und wenn man die blauschwarzen mit der königsblauen vergleicht, dann ist sie ja auch sehr robust.

@Thom

Es fallen die Buchstaben aber noch nicht raus.

Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 29.10.2019 23:19

Bei den alten Eisengallustinten mit hoher Pigmentierung war das noch etwas anderes. Aber dieses neumodische Zeugs aus dem 19.Jh. wird ab einer bestimmten Stärke eher schlechter als besser, Schwärze hin oder her. Ich werde jetzt mal, in Auswertung dieser Unterlagen, den Eisengehalt der Besten 2 auf die Art der Blauschwarz nehmen und 300mg Gerbsäureausfällung auf 100ml einplanen.
Mal sehen, was das wird.

V.G.
Thomas

Benutzeravatar
Cepasaccus
Beiträge: 2923
Registriert: 29.08.2012 18:31
Wohnort: Nürnberg

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 29.10.2019 23:21

Kann es sein, dass die da auch noch Ruß rein getan haben?

Thom
Beiträge: 1104
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 29.10.2019 23:29

Eisengallus-Ruß-Tinten gab es. Ich weiß aber nicht, vielleicht mehr im arabischen Raum. Hier war eher Blauholz als Zusatz en vogue. Findet man manchmal auch bei Eisengallustinten nach "mittelalterlicher Rezeptur". Das ist natürlich Quatsch, weil dazu erstmal jemand offiziell Amerika entdecken musste.

V.G.
Thomas

Antworten

Zurück zu „Die Tinte und der Tintenfluss / Ink and the ink flow“