Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

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ai19
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 31.03.2019 19:02

So erkläre ich mir meine irrationale Bevorzugung von Nanopigmenttinten auf Ruß-Basis. Mal abgesehen davon, dass ich schon als Schüler und Student echt gerne mit 4001 Brilliantschwarz und den schwarzen Tintenstiften von Geha und später Pelikan geschrieben habe. (Damals kannte ich auch noch kein Papier mit blauer Lineatur, haha.)

Ich denke mir, so ein harmloses Kohlenstoff-Partikel macht in einer Zelluloseumgebung, die ja selbst aus Kohlenstoffketten besteht, keinen besonderen Stress. Aber dann weiß man ja nicht, was die sonst noch so beimixen, die Japaner.

Dennoch soll es wohl so sein, dass wohl auch manche Druckerschwärze Ruß enthält und die Probleme von EG offenbar nicht haben soll.

Spannendes Thema!

Letztens sah ich einen Film über Einstein, und in Jerusalem lagern die originalen Manuskripte seiner Publikationen zur Relativitätstheorie. Oder in Princeton? Egal wo.

Mit großer Wahrscheinlichkeit hat er diese mit EG-Tinte geschrieben; man konnte im Film deutlich sehen, dass seine Kladden und Manuskripte mit einem Füller geschrieben waren und nicht etwa mit Bleistift.

Ob die ein ähnliches Problem haben, dass denen langsam die Einstein-Handschriften verrotten?

Beste Grüße,
Arda

ai19
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 31.03.2019 21:00

Mal ne andere Frage.

Wenn EG-Tinte im Konverter/Kolben ist, und man schreibt den langsam leer, dann ist ja immer mehr Luft im Konverter.

Dann müsste doch mit die EG-Tinte im Füller immer stärker oxidieren, und je leerer der Konverter ist, die Tinte bereits immer dunkler herauskommen.

Zumindest ist das bei meinen Stiften der Fall.

Hat das irgendwelche ungünstigen Auswirkungen auf Tintenleiter etc.? Erzeugt das Ausfällungen mitten im Füller?

Beste Grüße,
Arda

Thom
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 01.04.2019 6:16

Das kann Ausfällungen im Füller erzeugen, hängt aber von der jeweiligen Tinte ab,
agathon untersucht unter anderem so etwas ja gerade.

ai19 hat geschrieben:
31.03.2019 19:02
So erkläre ich mir meine irrationale Bevorzugung von Nanopigmenttinten auf Ruß-Basis.
Die ist überhaupt nicht irrational. viewtopic.php?f=17&t=22791&p=237145&hil ... ri#p237145

V.G.
Thomas

bebna
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von bebna » 01.04.2019 11:33

ai19 hat geschrieben:
31.03.2019 21:00
Dann müsste doch mit die EG-Tinte im Füller immer stärker oxidieren, und je leerer der Konverter ist, die Tinte bereits immer dunkler herauskommen.
Hab ich erst kürzlich hinter mir, zufälliger weiße mit Thoms roten EG dich ich von Lamynator habe. Ich habe sie am 7.4.2018 erhalten und seit der Woche in einem Wing Sung 659 Demonstrator gehabt. Auch hatte ich sie in einem Lamy 2000, wo ich sie besser drin fand und dann aus Versehen den 659 vergessen hatte. Letztes Wochenende habe ich mich an weitere Kisten vom Umzug gemacht und paar Füller wieder gefunden unter anderem dem 659, immer noch betankt zu einem 1/3, wie ich es immer mache zum Testen einer Tinte.

Kurz drüber gewischt über die Feder und nach ein bisschen Abstreichen am Papier funktionierte sie auch wieder. Die Farbe der Tinte war nur leicht anders als die vom Lamy 2000, gefühlt hat sich also kaum oder nichts verändert. (Bin nicht so gut mit Sehen vom Rottönen, vll hab ich es auch einfach nicht gesehen.)

Habe sie danach aber ausgespült und musste den Füller ordentlich schrubben, hat sich einiges nieder gelegt an den Wänden und Kanten, aber nichts was nicht mit ein bisschen Fit und Papier nicht weg zu reiben war. Zwar hat sich der transparente Leiter nun grau gefärbt, aber die haben immer den Hang sich sofort zu färben je nach Tinte, welche man darin benutzt. Da sieht aber man eher den Nachteil von Plaste als Tintenleiter, als einen Nachteil der EG Tinte.

Hab jetzt in beiden Lamy Benitoite drinne, um weiter herauszufinden was mit den T53 Tinten los ist, trotz grauen Leiter funktioniert der 659 immer noch.

Bitte beachtet, dass meine Wing Sung 659s Goldfedern besitzen und nicht die vergoldeten Stahlfedern. Die silbernen Stahlfedern haben keine Probleme mit EG Tinte, aber bei den vergoldeten Federn sollte man sehr vorsichtig sein, da ihre Beschichtung nichts aushält.

Thom
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 01.04.2019 11:50

bebna hat geschrieben:
01.04.2019 11:33
Habe sie danach aber ausgespült und musste den Füller ordentlich schrubben, hat sich einiges nieder gelegt an den Wänden und Kanten, aber nichts was nicht mit ein bisschen Fit und Papier nicht weg zu reiben war. Zwar hat sich der transparente Leiter nun grau gefärbt, aber die haben immer den Hang sich sofort zu färben je nach Tinte, welche man darin benutzt. Da sieht aber man eher den Nachteil von Plaste als Tintenleiter, als einen Nachteil der EG Tinte.
Probiere mal Wasser/Ascorbinsäure-Lösung.
Thom hat geschrieben:
29.08.2018 16:26
Die Ascorbinsäure ist ein Reduktionsmittel (kann aber auch mit dem Eisen komplexieren), die führt das Eisengallat wieder zurück in seine wasserlösliche Form. Dazu muss sie ein bisschen einwirken. Allerdings ist es auch eine Säure, mit empfindlichen Metallapplikationen wäre ich schon vorsichtig.
V.G.
Thomas

bebna
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von bebna » 01.04.2019 12:12

Thom hat geschrieben:
01.04.2019 11:50
Probiere mal Wasser/Ascorbinsäure-Lösung.
Reicht eine Vitamin-C Brause Tablette?

Thom
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 01.04.2019 12:18

agathon hat, glaub ich, sogar schon Aspirin Plus C probiert, da macht die EG-Tinte garantiert keine Kopfschmerzen. :)
Ich würde lieber das Vitamin C-Pulver nehmen, das es in der Drogerie oder im Kaufland gibt, Brausetablette reicht vielleicht auch, da ist aber schon noch allerhand Zeugs mit drinnen.

V.G.
Thomas

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 01.04.2019 12:19

Bei Rossmann kriegst du ganz günstig eine Dose mit reinem Vitamin-C-Pulver.

Grüße,
Arda

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von agathon » 01.04.2019 13:25

Ne, ich hatte damals von einem Chemie-Kollegen Ascorbinsäure in Pulverform bekommen. Hat übrigens super funktioniert.

Grüße

agathon

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von thewritingsonthewall » 01.04.2019 13:31

Ascorbinsäure Bekommt man noch günstiger übrigens im türkischen Supermarkt.
Möge der Saft mit dir sein :mrgreen:

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HeKe2
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von HeKe2 » 01.04.2019 18:41

Man könnte meinen, 100g Ascorbinsäure kämen als Wertanlage in Frage. 😉
Wir reden von Preisen deutlich unter 5,- € auch in Apotheken.
Beste Grüße
Hermann

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von ai19 » 01.04.2019 19:21

HeKe2 hat geschrieben:
01.04.2019 18:41
Man könnte meinen, 100g Ascorbinsäure kämen als Wertanlage in Frage. 😉
Wir reden von Preisen deutlich unter 5,- € auch in Apotheken.
Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Also habe ich mir dann doch die Mühe gemacht, den Kassenzettel rauszusuchen, und finde:

Altapharma Vitamin C Pulver 100g, bei Rossmann: 1,99€

Das ist ein weißes, kristallines, in Wasser leicht lösliches Pulver.

Vitamin C ist übrigens auch bekannt als Ascorbinsäure.

Zum Thema unvergessen ein Fernsehbeitrag vom "Monitor" aus den 90er Jahren, als man einen ungeheuerlichen Skandal der Brotindustrie aufdeckte, und über all die chemischen Giftstoffe berichtete, die in unser Brot gemischt wurden.

Genannt wurden u.a. Ascorbinsäure und Alpha-Amylase, ein Enzym, das Stärke in Zucker spaltet und von unserer eigenen Mundspeicheldrüse produziert wird.

Ich rief in der Sendung an und nannte als Frage, warum man denn nicht dazu sagte, dass es sich bei Ascorbinsäure um Vitamin C handele, weil doch die meisten Menschen die Substanz unter dem Namen Vitamin C kennen.

Seltsamerweise wurde mein Anruf nicht in die Livesendung durchgestellt.

So lernte ich noch als Schüler kennen, was man heute wohl "Framing-Manual" nennt, ohne jedoch zu wissen, wie man das nennt. :)

Beste Grüße,
Arda

Thom
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 01.04.2019 20:01

ai19 hat geschrieben:
01.04.2019 19:21
So lernte ich noch als Schüler kennen, was man heute wohl "Framing-Manual" nennt, ohne jedoch zu wissen, wie man das nennt. :)
Vom Standpunkte einer Eisengallustinte ist das einfach nur ein weiteres Jahrhundert. (Ascorbinsäure nicht vergessen) :)

V.G.
Thomas

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von agnoeo » 26.07.2019 20:07

Wem etwas Show dabei nicht stört, ein englischer Beitrag über Eisengallus-Tinte:

https://www.youtube.com/watch?v=P582srfq_14

Schöne Grüße,
David

Thom
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 27.07.2019 14:18

Wie schon Benjamin Guggenheim sagte: "Wir sind angemessen gekleidet und bereit, wie Gentlemen unterzugehen". Sind nicht schlecht die Jungs, aber mit "Logwood" wird's mit roten Tinten nix Halbes und nix Ganzes. Das war dann schon eher ein Rotholz. Fernambuk nach der "Entdeckung" Amerikas, aber schon vorher andere Sorten aus Asien.

V.G.
Thomas

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