Alter Reform Original mit Edel Feder?

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StephanHX
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Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von StephanHX » 05.02.2019 18:55

Hallo zusammen,

ich freue mich immer wie Bolle wenn ich auf etwas altes Schwarzes stoße, was es ja damals von vielen Herstellern gab und dann trotzdem viele Variationen in der Gestaltung feststelle. Hier also nun ein „Reform Original D.R.G.M.“ - Ich finde die Gestaltung des Clips toll (Form und Imprint - das geflügelte „R“), dann die Optik des Kappenrings. Eine Rändelung an Kappenkopf und Blindkappe machen den Füller auch nicht unbedingt hässlicher. Und das die Verschraubung der Mechanik messingfarben schimmert, hatte ich auch noch nicht.

Ich freue mich, eine weitere Firma aus Frodos Füllerlandkarte in meinem Besitz zu haben, auch wenn es jetzt nicht so das pompöse Stück ist. Ich finde dass sich der Reform nicht verstecken muss - mit 125mm Länge und 12mm Durchmesser ist er auch schön griffig. Mir ist auch schon geflüstert worden, dass dieses Modell wahrscheinlich noch aus Ramstadt / Odenwald stammt und nicht aus Heidelberg.

Die Feder wird wohl mal getauscht worden sein, auf der steht „Edel - Chromstahl - 1. Qual“

Edel Federn habe ich in der Bucht schon in mehreren alten Füllern gesehen, kann jemand da mehr zu sagen? War „Edel“ ein Produzent?
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Grüße.
Stephan

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stift
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von stift » 06.02.2019 7:53

"EDEL" Ist nur eine Qualität Bezeichnung, aber wer die gemacht hat, weiß eventuell hier im Form wer.
Der Reform dürfte späte 30er Jahre sein, seinen Kappenband nach.
Grüße Harald
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StephanHX
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von StephanHX » 06.02.2019 9:26

stift hat geschrieben:
06.02.2019 7:53
Der Reform dürfte späte 30er Jahre sein, seinen Kappenband nach.
...hat schon Stil und Flair 😃
Grüße.
Stephan

Frodo
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Frodo » 06.02.2019 20:34

Hallo Stephan
Nein, auf keinen Fall muss sich "Reform" hinter anderen Markenartikeln verstecken. Den Ruf als Massenware gab es erst zum Ende der Existenz der Marke durch den Reform 1745, einen der letzten preisgünstigen Kolbenfüller.
Reform kann auf eine vermutlich 100jährige Gründung zurückblicken, Ludwig Jung (nicht "Ludwig", wie auf meiner Karte fälschlicherweise ausgedruckt war, vielen Dank übrigens für die freundliche Nennung), Ludwig Jung kam nach dem ersten Weltkrieg aus Holland zurück wo er gearbeitet hatte und konnte mit seinen werbeständigen Gulden eine kleine Fabrik gründen, zunächst in St. Ilgen, einem kleinen Ort südlich von Heidelberg und dann, seit 1922 in Heidelberg selbst. Jung hatte zwei Mitarbeiter von der Kaweco abgeworben, Heinz und Fordran, die er zu gleichberechtigten Firmeninhabern machte. Die Firma vergrößerte sich bis 1928 auf etwa 100 Mitarbeiter und zog, da kein geeignetes Grundstück für eine weitere Expansion zur Verfügung gestellt wurde, mit einem Großteil der Mitarbeiter nach Nieder- Ramstadt im Hessischen Odenwald. In direkter Nachbarschaft wurden auch Galalith- und Celluloid- Halbzeuge hergestellt.
Die Verwendung des Firmennames "Reform" war mir immer etwas schleierhaft. (Wenn ich an Reformkost denke, kriege ich, wohl völlig unbegründet, immer einen etwas spelzigen Geschmack auf die Zunge). Nachdem Anfang des Jahres vieles über die Gründung des "Bauhauses" zu hören war und immer wieder beteuert wurde, dass es sich hierbei weder um einen Bau- noch um einen Design- Stil gehandelt hat, konnte ich mich mit folgender Idee anfreunden: Das Bauhaus war eine Lehranstalt, die nach dem Krieg wieder gute und ästhetische Gebrauchsgegenstände und Bauwerke, zurückhaltend aber doch künstlerisch gestaltet, hervorgebracht hatte. Nach dieser Reform- Bewegung könnte auch die neue Füllhalter- Firma ihren Namen gefunden haben. Das geflügelte "R" war dann wohl ein Ausdruck der neuen Leichtigkeit nach der überstandenen bleiernen Zeit.
So ist für mich der "Reform"- Füller das Schreibgerät der Bauhaus- Zeit unabhängig davon, dass ein anderes Unternehmen dieses als "Design- Stil" für sich requiriert.
Reform war ein weltweit exportierendes Unternehmen, welches den 2. Weltkrieg gut überstand. Mit dem USA konnte sogar direkt nach dem Krieg ein Dispositionskredit über die Lieferung von Schreibgeräten ausgehandelt werden, bei dem die Dollars schon in den Kassen waren, noch bevor die Füllhalter produziert worden waren.
Der Firmengründer Ludwig Jung starb in der Nachkriegszeit, seine Firma wurde bis 1955 weitergeführt.
Dann wurden die Produktionskapazitäten von der Firma ERO übernommen, der weltweit gut eingeführte Name wurde von der Firma Mutschler in Heidelberg angekauft.
Man sieht auf dem Foto Deines Füllers schön den Unterschied zwischen Gravur und Prägung: Die Gravur eines Schreibgeräts wird mit einem schnell rotierenden Stichel spanabhebend gemacht, dabe entstehen gerade scharfe Kanten der Buchstaben. Prägungen werden mit erhitzten Metallklischees in die Oberfläche eingedrückt. Dabei quillt, wie auf dem Foto gut zu erkennen ist, geschmolzenes Material an den Kanten der Buchstaben heraus.
So weit ich gesehen habe, ist noch eine Kleinigkeit zu bemerken, von der sonst wohl niemand mehr Kenntnis hat: Am Aufstrich des geflügelten "R" sind sehr feine Linien zu sehen, mit Über- und Unterschwingungen, die man für Arabesken halten könnte. Es sind aber die die Anfangsbuchstaben der Firmengrunder Jung, Heinz und Fordran.
Viel Spass mit Deinem Füller, Vielleicht gibts irgendwo einmal auch eine Original- Feder und vielleicht gibts auch einmal eine neue Landkarte mit allen Herstellern.
Gruss, Frodo

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Will
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Will » 06.02.2019 21:33

Frodo hat geschrieben:
06.02.2019 20:34
Hallo Stephan
Nein, auf keinen Fall muss sich "Reform" hinter anderen Markenartikeln verstecken. Den Ruf als Massenware gab es erst zum Ende der Existenz der Marke durch den Reform 1745, einen der letzten preisgünstigen Kolbenfüller.
Reform kann auf eine vermutlich 100jährige Gründung zurückblicken, Ludwig Jung (nicht "Ludwig", wie auf meiner Karte fälschlicherweise ausgedruckt war, vielen Dank übrigens für die freundliche Nennung), Ludwig Jung kam nach dem ersten Weltkrieg aus Holland zurück wo er gearbeitet hatte und konnte mit seinen werbeständigen Gulden eine kleine Fabrik gründen, zunächst in St. Ilgen, einem kleinen Ort südlich von Heidelberg und dann, seit 1922 in Heidelberg selbst. Jung hatte zwei Mitarbeiter von der Kaweco abgeworben, Heinz und Fordran, die er zu gleichberechtigten Firmeninhabern machte. Die Firma vergrößerte sich bis 1928 auf etwa 100 Mitarbeiter und zog, da kein geeignetes Grundstück für eine weitere Expansion zur Verfügung gestellt wurde, mit einem Großteil der Mitarbeiter nach Nieder- Ramstadt im Hessischen Odenwald. In direkter Nachbarschaft wurden auch Galalith- und Celluloid- Halbzeuge hergestellt.
Die Verwendung des Firmennames "Reform" war mir immer etwas schleierhaft. (Wenn ich an Reformkost denke, kriege ich, wohl völlig unbegründet, immer einen etwas spelzigen Geschmack auf die Zunge). Nachdem Anfang des Jahres vieles über die Gründung des "Bauhauses" zu hören war und immer wieder beteuert wurde, dass es sich hierbei weder um einen Bau- noch um einen Design- Stil gehandelt hat, konnte ich mich mit folgender Idee anfreunden: Das Bauhaus war eine Lehranstalt, die nach dem Krieg wieder gute und ästhetische Gebrauchsgegenstände und Bauwerke, zurückhaltend aber doch künstlerisch gestaltet, hervorgebracht hatte. Nach dieser Reform- Bewegung könnte auch die neue Füllhalter- Firma ihren Namen gefunden haben. Das geflügelte "R" war dann wohl ein Ausdruck der neuen Leichtigkeit nach der überstandenen bleiernen Zeit.
So ist für mich der "Reform"- Füller das Schreibgerät der Bauhaus- Zeit unabhängig davon, dass ein anderes Unternehmen dieses als "Design- Stil" für sich requiriert.
Reform war ein weltweit exportierendes Unternehmen, welches den 2. Weltkrieg gut überstand. Mit dem USA konnte sogar direkt nach dem Krieg ein Dispositionskredit über die Lieferung von Schreibgeräten ausgehandelt werden, bei dem die Dollars schon in den Kassen waren, noch bevor die Füllhalter produziert worden waren.
Der Firmengründer Ludwig Jung starb in der Nachkriegszeit, seine Firma wurde bis 1955 weitergeführt.
Dann wurden die Produktionskapazitäten von der Firma ERO übernommen, der weltweit gut eingeführte Name wurde von der Firma Mutschler in Heidelberg angekauft.
Man sieht auf dem Foto Deines Füllers schön den Unterschied zwischen Gravur und Prägung: Die Gravur eines Schreibgeräts wird mit einem schnell rotierenden Stichel spanabhebend gemacht, dabe entstehen gerade scharfe Kanten der Buchstaben. Prägungen werden mit erhitzten Metallklischees in die Oberfläche eingedrückt. Dabei quillt, wie auf dem Foto gut zu erkennen ist, geschmolzenes Material an den Kanten der Buchstaben heraus.
So weit ich gesehen habe, ist noch eine Kleinigkeit zu bemerken, von der sonst wohl niemand mehr Kenntnis hat: Am Aufstrich des geflügelten "R" sind sehr feine Linien zu sehen, mit Über- und Unterschwingungen, die man für Arabesken halten könnte. Es sind aber die die Anfangsbuchstaben der Firmengrunder Jung, Heinz und Fordran.
Viel Spass mit Deinem Füller, Vielleicht gibts irgendwo einmal auch eine Original- Feder und vielleicht gibts auch einmal eine neue Landkarte mit allen Herstellern.
Gruss, Frodo
Lieber Frodo,

ganz herzlichen Dank für Deinen tollen Beitrag. Besonders faszinierend sind die "Arabesken" am Firmensymbol. Ob mir dieses interessante Detail aufgefallen wäre, habe ich Zweifel.

Herzliche Grüße

Gerd
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Wurmbunt
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Wurmbunt » 06.02.2019 21:40

Hallo,
bin ja eigentlich kein Freund von Beiträgen ohne konkreten Inhalt :roll: .
Trotzdem muss ich das jetzt schreiben, weil ich sehr schätze, wie unglaublich umfangreich und detailliert hier Wissen weitergeben wird!
Danke!
Grüße Andi

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StephanHX
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von StephanHX » 06.02.2019 21:54

Ich schließe mich an, erneut vielen Dank Frodo, dass Du so umfangreich an Deinem Wissen teilhaben lässt.

Die Füller Landkarte ist und bleibt praktisch, wenn man auf einem Flohmarkt mal „schnell gucken kann“, ob der Füllerhersteller auf der Karte erwähnt ist. Und wenn ich dann der Meinung bin, dass man so einen Füller hier ruhig mal darstellen kann, werde ich das weiterhin tun - gerade wenn man die Bilder dann mit den tollen Erläuterungen von Dir und Euch kombiniert bekommt.

Ich habe das Logo nochmal groß aufgenommen, damit der Hinweis auf „J, H, F“ nochmal deutlicher wird.
Dateianhänge
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Grüße.
Stephan

usagi
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von usagi » 08.02.2019 8:24

@ Stefan: Herzlichen Glückwunsch zu diesem wunderschönen "Oldie". Diese alten Schätzchen haben immer was ganz Besonderes.

@ Frodo: Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag, da hab ich wieder eine Menge gelernt!!!

Viele Grüße
Heike

buchfan
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von buchfan » 08.02.2019 9:36

Das ist echt spannend zu lesen und zu gucken!
lg
mecki

Frodo
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Frodo » 09.02.2019 19:17

Wurmbunt hat geschrieben:
06.02.2019 21:40
Hallo,
bin ja eigentlich kein Freund von Beiträgen ohne konkreten Inhalt :roll: .
Trotzdem muss ich das jetzt schreiben, weil ich sehr schätze, wie unglaublich umfangreich und detailliert hier Wissen weitergeben wird!
Danke!
Hi
So ganz verstehe ich ja nicht, warum das ein Beitrag ohne konkreten Inhalt sein soll. Ich bin da vielleicht extrem altmodisch aber penex wurde als Forum gegründet, in dem Sammler von historischen Füllern einen Wissens- und Informationsaustausch pflegten. Der erste link der Kopfzeile zeigt das immer moch an, ist aber heute nur noch das Hintergrundrauschen einer sehr frühen Zeit. Zum Umfang des Wissenspools um ein historisches Schreibgerät zählt auch die Zusammenstellung von Firmengeschichten und ihre Verwandtschaftsverhältnisse untereinander, die Darstellung der politischen und sozialen Hintergründe sowie die Welt der Arbeit, zu der das in Frage kommende Schreibgerät hergestellt worden war. Auch die vielen verwendeten Materialien, die technischen Schwierigkeuten, die in zahllosen Patentschriften in den Griff genommen wurden. Und selbst die heutzutage verpönte Frage: "Ist der was wert?", ohne die sich nie die Spreu vom Weizen hätte trennen können.
Vielleicht in umfassendem Sinn: "Was können wir wissen?"
Es gibt immer ein paar Leute, die das mit Interesse lesen aber ich muss auch zugeben, dass der größte Teil der penex- Gemeinde wenig damit anfangen kann. Deshalb war mein kleiner essayistischer Auszug auch überschriftlich an Stephan gerichtet.
Es dauert Jahre, bis man das Gesammtbild einer Marke darstellen kann. Mit dem, was man heute so flapsig "Onlinerecherche" nennt, ist das nichtzu machen.
Gruss F

Nitschewo
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Nitschewo » 09.02.2019 20:06

Frodo, ich habe Andis/Wurmbunts Bemerkung über "Beiträge ohne konkreten Inhalt" eher so verstanden, dass er seinen eigenen Beitrag so sieht. Weil der ja eigentlich nichts Informatives zum Thema beiträgt, sondern nur eine gewisse Bewunderung für dein Wissen ausdrückt.

Da schließe ich mich übrigens gerne an. :)

Viele Grüße,
Bianka

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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Will » 09.02.2019 20:11

Da möchte ich Bianka beipflichten - ich halte dies ebenfalls für ein Missverständnis. Es wäre auch paradox eine Danksagung mit der Herabwürdigung des Bedachten zu beginnen. 8-)

Liebe Grüße

Gerd
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Frodo » 09.02.2019 22:50

Ja, entschuldigung, dann hab ich da was falsch verstanden
Gruss F

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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Wurmbunt » 09.02.2019 23:41

Hallo Frodo,
wie Gott sei Dank schon Bianka und Gerd geschrieben haben, meinte ich tatsächlich meinen eigenen Beitrag!!!
Ich habe allergrößten Respekt vor deinem Wissen und freue mich immer etwas von dir zu lesen!
Entschuldige bitte wenn ich mich missverständlich ausgedrückt habe.
Im Gegenteil - was du für Sachen (z. B. im Böhler Thread) aus dem Keller holst oder auch einfach deine Fachkenntnisse über Füller Hersteller - einfach unglaublich.
Übrigens war die Reihe "alles Plastik" für mich unter anderem ein Grund, dem Forum überhaupt beizutreten.
Auch finde ich die ursprüngliche Ausrichtung des Forums und das Beleuchten der Hintergründe der damaligen Zeit keineswegs"altmodisch" - mein neuester Füllfederhalter ist ein Pelikan M400 aus den 50er Jahren - natürlich interessiert mich auch die Zeitgeschichte.
Frodo hat geschrieben:
09.02.2019 19:17
Hi
...
Der erste link der Kopfzeile zeigt das immer moch an, ist aber heute nur noch das Hintergrundrauschen einer sehr frühen Zeit. Zum Umfang des Wissenspools um ein historisches Schreibgerät zählt auch die Zusammenstellung von Firmengeschichten und ihre Verwandtschaftsverhältnisse untereinander, die Darstellung der politischen und sozialen Hintergründe sowie die Welt der Arbeit, zu der das in Frage kommende Schreibgerät hergestellt worden war. Auch die vielen verwendeten Materialien, die technischen Schwierigkeuten, die in zahllosen Patentschriften in den Griff genommen wurden. Und selbst die heutzutage verpönte Frage: "Ist der was wert?", ohne die sich nie die Spreu vom Weizen hätte trennen können.
Vielleicht in umfassendem Sinn: "Was können wir wissen?"
Es gibt immer ein paar Leute, die das mit Interesse lesen aber ich muss auch zugeben, dass der größte Teil der penex- Gemeinde wenig damit anfangen kann...
Ganz so pessimistisch weigere ich mich das heutige Forum einzuschätzen. Da ich selbst ein Neuling bin, und mich genau dieses "Hintergrundrauschen" interessiert, und ich denke, dass es vielen Quereinsteigern genauso geht, hoffe ich doch, dass uns Beiträge wie du sie verfasst, erhalten bleiben!
Entschuldigung für diese "Off Topic" Rede - es lag mir einfach am Herzen.
Grüße Andi

Nitschewo
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Re: Alter Reform Original mit Edel Feder?

Beitrag von Nitschewo » 10.02.2019 9:21

Lieber Frodo, auch wenn sich die thematische Gewichtung im Forum in den letzten Jahren doch sehr stark vom ursprünglich zentralen Komplex "Historische Schreibgeräte" weg entwickelt hat: Für einige von uns - für mich zum Beispiel - ist der Komplex immer noch von unschätzbarem Wert. Wenn ich vom Flohmarkt nach Hause komme, wird erstmal recherchiert, was mir denn da in die Hände gefallen ist. Und bislang bin ich in der foreneigenen Schatzkammer des Wissens immer noch fündig geworden. Dafür also als erstes nochmal vielen Dank!

Und nun versuche ich einen Schwenk zur "konkreten Information" und klinke mich in die Sachdiskussion ein. :)
Frodo hat geschrieben:
06.02.2019 20:34
Die Verwendung des Firmennames "Reform" war mir immer etwas schleierhaft. (Wenn ich an Reformkost denke, kriege ich, wohl völlig unbegründet, immer einen etwas spelzigen Geschmack auf die Zunge). Nachdem Anfang des Jahres vieles über die Gründung des "Bauhauses" zu hören war und immer wieder beteuert wurde, dass es sich hierbei weder um einen Bau- noch um einen Design- Stil gehandelt hat, konnte ich mich mit folgender Idee anfreunden: Das Bauhaus war eine Lehranstalt, die nach dem Krieg wieder gute und ästhetische Gebrauchsgegenstände und Bauwerke, zurückhaltend aber doch künstlerisch gestaltet, hervorgebracht hatte. Nach dieser Reform- Bewegung könnte auch die neue Füllhalter- Firma ihren Namen gefunden haben.
Das Bauhaus würde ich nicht mit der Reformbewegung als solcher in Verbindung bringen. Es gab in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Begriff der "Reformbewegung", der sich jedoch gegen Industrialisierung und Urbanisierung wandte und eine ökologische Romantisierung transportierte. Mit der Assoziation "Reformkost" lagst du also nicht ganz falsch. :? Immerhin brachte er auch die Reformkleider hervor, die den weiblichen Körper aus der Tyrannei des Korsetts befreiten.

Während das Bauhaus für den technologischen Fortschritt stand und in der Industrialisierung die Moderne sah, wollte also die Reformbewegung den Menschen zurück zur Natur bringen.

Vielleicht wählte Ludwig Jung den Namen einfach nur, weil der Begriff "Reform" damals in aller Munde war. Wenn man bedenkt, dass er die später aufkommende Spritzgusstechnik vehement ablehnte - und mit dieser streng auf Qualität setzenden Unternehmenspolitik nicht mehr konkurrenzfähig war -, dann war die Namensgebung vielleicht im Hinblick auf die Ablehnung der zunehmenden Industrialisierung mit ihren immer unkontrollierbarer werdenden Mechanismen recht passend.

Viele Grüße,
Bianka (die jetzt ganz schnell zum Flohmarkt muss!)

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