Federhalter

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penpiper
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Federhalter

Beitrag von penpiper »

Guten Abend liebe Foristii,

wir haben beim Durchstöbern unseres Fundus für Federhalter und Federn folgendes Gerät gefunden, dessen Funktion wir nicht exakt bestimmen können.

Es handelt sich zweifelsfrei um einen Federhalter aus (vermutlich) Ebonit. ´mal davon abgesehen dass es sich um ein Werbegeschenk gehandelt hat, befindet sich noch folgende Inschrift: "GREISTRI'S (oder so ähnlich) PATENT" und darüber (vermutlich) "KLIO".

Die hintere Kappe lässt sich abschrauben und darunter kommt ein großer Hohlraum zum Vorschein. An Griff befindet sich ein Druckknopf und ein Hebel (hier fehlt wohl ein kleiner Aufsatz).

Ich vermute, daß der Hohlraum ein Tintentank ist und sich die Tinte mittels des Druckknopfes (oder -hebels) zur Feder transportieren lässt. Also ein Zwischenschritt zwischen klassischem Federhalter und modernem Füller?

Wer kann mehr zu diesem Federhalter sagen?
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Federhalter
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Marken
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Federaufnahme
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Tintentank?
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Der Hebelmechanismus
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Viele Grüße

Holger
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patta
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Re: Federhalter

Beitrag von patta »

"Deinhard" klingt nach Sektkellerei, das könnte auch zu "Coblentz" passen, welches seit (vermutlich) 1918 Koblenz heisst. Klio hab ich schon mal im Zusammenhang mit Bleistiften gehört und wenn ich mir das Bild "Federaufnahme" ansehe, könnte dies auch ein Minenhalter sein. Oder es fehlt ein Tintensack im Korpus und es ist doch ein Füllhalter?

Da kommen hoffentlich noch viele Antworten von Experten.

Viele Grüße, patta

Die Hälfte dessen, was man schreibt, ist schädlich, die andere Hälfte unnütz. - Friedrich Dürrenmatt
Frodo
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Re: Federhalter

Beitrag von Frodo »

Hi Penpieper
Ja, es ist ein Füllfederhalter von 1899/1901, also aus der Dinosaurierzeit der Flüssig- Schreibgeräte. In die Klemmen am vorderen Ende konnte eine Tauchfeder eingeschoben werden wie es sie auch heute noch zu kaufen gibt. Die Verbesserung im Vergleich zum Schreibgriffel war der Tintentank im Schaft, dieser scheint aus Hartgummi zu sein. Wie Du bereits richtig erwähnt hattest, konnte manuell mit der Tipp- Taste von Zeit zu Zeit ein kleines Tintenvolumen durchgelassen werden. Ob hier ein kleines Röhrchen fehlt, das die Tinte bis zum Mittelschnitt leitet, kann ich nicht sicher sagen. Wenn das Ventil noch einigermaßen funktioniert, kannst Du es aber ausprobieren.
Man experimentierte vor der Jahrhundertwende viel mit dem Gleichgewicht des Tintenerhalts im Tank und dem dosierten Fluss.
Das Patent stammt von Eduard Reisert aus Hennef, seine Firma KLIO gehörte zu den ältesten Füllerfabriken Deutschlands. E.Reisert ist auch das, was Du mit "Greistris" oÄ. identifiziert hattest. Der Stift hat eine Werbeeinprägung vom Cabinet- Keller in Koblenz. (Die nach dem Weingesetz von 1971 eingeführte Prädikatsstufe "Kabinett" ist daher entlehnt)
Und hier isser:
https://worldwide.espacenet.com/publica ... cale=en_EP
Gruss, Frodo
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Pennino
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Re: Federhalter

Beitrag von Pennino »

Danke, Frodo , tolle Info !

Pennino
" Il pennino è l'anima di una penna stilografica "
penpiper
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Re: Federhalter

Beitrag von penpiper »

Hallo Frodo,

vielen Dank für die erschöpfende Auskunft - da weiß ich nun doch was das für ein "Ding" ist :P
Viele Grüße

Holger
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Zoidberg
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Registriert: 03.07.2020 15:26

Re: Federhalter

Beitrag von Zoidberg »

Altes Thema, aber zu der augeklügelten Mechanik gibt es ein aktuelles Ebay-Angebot.

Hier das Patent http://www.fountainpen.it/images/7/77/P ... 264882.pdf

Und hier das Angebot https://www.ebay.de/itm/164826935920?ha ... Sw9Z1ggU1P

Nett konstruiert - aber nach der Zeit ist mit dem dünnen Gummischläuchlein wohl keine Funktion mehr wiederherzustellen.


Apropos Patent Klio: http://www.fountainpen.it/images/b/be/P ... 290998.pdf
Diese Doppelgewinde - Safety - Geschichte... kann doch niemals marktreif geworden sein.
Ich erahne im Tintenreservoir verlustig gegangene Federaggregate, sobald sich eines der Gewinde mal sperrt.
Dennoch, Hut ab!
Ich kämpfe mich hier durch die doppelten Maßstäbinnen :|
rubicon
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Re: Federhalter

Beitrag von rubicon »

Zoidberg hat geschrieben:
04.01.2022 18:56
Apropos Patent Klio: http://www.fountainpen.it/images/b/be/P ... 290998.pdf
Diese Doppelgewinde - Safety - Geschichte... kann doch niemals marktreif geworden sein.
Ich erahne im Tintenreservoir verlustig gegangene Federaggregate, sobald sich eines der Gewinde mal sperrt.
Dennoch, Hut ab!
Das finde ich eine richtig gute Idee, wirkt allerdings etwas filigran und als ob man ganz schön viel schrauben müßte. Und einfach so ins Mäppchen und dann in den Rucksack werfen, war wahrscheinlich auch nicht drin.
LG
Andrea
TheisFlo
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Re: Federhalter

Beitrag von TheisFlo »

Apropos Patent Klio: http://www.fountainpen.it/images/b/be/P ... 290998.pdf
Diese Doppelgewinde - Safety - Geschichte... kann doch niemals marktreif geworden sein.
Ich erahne im Tintenreservoir verlustig gegangene Federaggregate, sobald sich eines der Gewinde mal sperrt.
Dennoch, Hut ab!
Hallo allerseits,
zum Thema Klio - gebaut worden ist das System dennoch, hier als Long-Short zu sehen: https://www.penboard.de/pb/1/110472g.jpg
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Zoidberg
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Re: Federhalter

Beitrag von Zoidberg »

TheisFlo hat geschrieben:
06.02.2023 13:50


Hallo allerseits,
zum Thema Klio - gebaut worden ist das System dennoch, hier als Long-Short zu sehen: https://www.penboard.de/pb/1/110472g.jpg
Da kann die Feder, anders als im Patent, wenigsten nicht nach innen durchfallen.

Sehe ich das richtig, das Kappenkopfgewinde ist nur für die Kappenhülse da.
Und die hat sonst kein weiteres Gewinde um irgendwie Kraft zum Abdichten aufzubringen.

Funktionell dreht man zum Schließen also erst die Feder zurück (wie üblich) und schraubt dann das Gewindestengelchen der Kappe in den Federhalter/Sockel.
Und an dem kleinen Gewinde zieht sich dann der Sockel des Kappenkopfes zum Korpus der versenkten Federeinheit dicht.

Eine umgekehrte Reihenfolge scheint mir sicherer.
Erst die Kappe sauber und vollständig in die Federeinheit schrauben.
Dann erst Dichtheit über das hintere Gewinde und die Steigung der Mechanik herstellen.

Oder wie? So etwa?
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TheisFlo
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Re: Federhalter

Beitrag von TheisFlo »

TheisFlo hat geschrieben: ↑
06.02.2023 13:50


Hallo allerseits,
zum Thema Klio - gebaut worden ist das System dennoch, hier als Long-Short zu sehen: https://www.penboard.de/pb/1/110472g.jpg

Da kann die Feder, anders als im Patent, wenigsten nicht nach innen durchfallen.

Sehe ich das richtig, das Kappenkopfgewinde ist nur für die Kappenhülse da.
Und die hat sonst kein weiteres Gewinde um irgendwie Kraft zum Abdichten aufzubringen.

Funktionell dreht man zum Schließen also erst die Feder zurück (wie üblich) und schraubt dann das Gewindestengelchen der Kappe in den Federhalter/Sockel.
Und an dem kleinen Gewinde zieht sich dann der Sockel des Kappenkopfes zum Korpus der versenkten Federeinheit dicht.

Eine umgekehrte Reihenfolge scheint mir sicherer.
Erst die Kappe sauber und vollständig in die Federeinheit schrauben.
Dann erst Dichtheit über das hintere Gewinde und die Steigung der Mechanik herstellen.

Oder wie? So etwa?
So in etwa habe ich das auch verstanden - insofern ist das System vom kleinen Discus sogar noch ein wenig verrückter als bei dem im Klio-Patent.
Der Klio scheint ja "halbwegs" auslaufsicher zu sein, die Gefahr beim Öffnen die Feder zu verlieren sehe ich ehrlich gesagt auch nicht, im Gegenteil finde ich dieses Patent sehr spannend. Der Klio ist ein tolles Beispiel für "German-over-engineering" und zeigt eindeutig einen gewissen Faible für technische Spielereien - genau mein Ding🤣 - vor allem geht da auch noch eine Unmenge Tinte rein!
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