Der Hersteller
Kurz ein paar Informationen zum Hersteller, falls die Firma nicht allen geläufig ist. Die Schneider Schreibgeräte GmbH ist ein Familienunternehmen aus Tennenbronn im Schwarzwald (etwa 15 km nord-westlich von Villingen-Schwenningen). Bereits 1938 als Auftragsdreherei von zwei Metall-Mechanikern gegründet, steigen sie 10 Jahre später in die Entwicklung von Kugelschreiber-Minen ein, was sich als sehr erfolgreich erweist. Ab 1957 werden im Spritzguss auch eigene Schreibgeräte entwickelt und vermarktet. Zwei Jahre nach der Vorstellung des Tintenrollers Ball Pentel R50 durch die japanische Pentel Co. aus Japan beginnt 1974 die Rollerball- und Fineliner-Produktion bei Schneider.
Der Stift
Mein Modell ist ein - wie ich glaube - frühes Exemplar dieser Rollerballs. Die genaue Modellbezeichnung kenne ich nicht, eine Datierung ist auch nicht ganz einfach. Eine Anfrage beim Hersteller wurde freundlich beantwortet, Unterlagen aus den 70er Jahren waren aber nicht verfügbar. Ich gehe inzwischen davon aus, dass mein Modell in der Zeit zwischen 1975 und 1977 produziert wurde (die Recherche dazu erspare ich euch).
Schaft und Steckkappe bestehen aus fein gebürstetem Stahl. An beiden Enden sind blaue Kunststoffkappen verschraubt. Das Griffstück ist aus glattem, angenehm griffigem Kunststoff ohne sichtbare Pressnaht in derselben Farbe wie die Kappen. Geschlossen ist der Stift 14,2 cm lang, ohne Kappe 12,7 cm. Das Griffstück hat einen Durchmesser von 10,5 cm. Im Gewicht ist er mit 22 g vergleichbar mit dem Lamy Safari.
Die Mine
Ich wollte wissen, wie hier die Zufuhr der wasserbasierten Tinte erreicht wird, denn das war ja einer der Schwachpunkte bei den früheren Kugelfüllern. Zunächst einmal haben Minen (im Gegensatz zur Patrone bringt jede Mine das Schreiborgan mit) ja den Vorteil, dass i.d.R. keine Füllvorrichtung notwendig ist, der Tintenfluss also nur in einer Richtung geregelt werden muss. So handelt es sich auch bei diesem Kugelfüller um Einwegminen (dazu weiter unten mehr). Auf meine Anfrage erfuhr ich vom Hersteller "Diese Technologie in Verbindung mit flüssiger Tinte war damals eine große technische und chemische Herausforderung".
Der topball wird mit zwei Minen betrieben - einer Schreib- und einer Ersatzmine. Die Ersatzmine hält die Schreibmine in Position und gibt über eine gefederte Aufnahme hinten im Schaft bei großem Schreibdruck etwas nach.
Die ältesten, grauen Minen enthalten einen Filzstopfen, der mit Tinte getränkt ist. Die Tinte wird über ein Faserbündel, das sowohl im Filz wie auch in der Schreibspitze steckt, an die Kugel geliefert. Alle Minen waren eingetrocknet, ließen sich aber einfach zerlegen, reinigen und nach dem Trocknen neu befüllen. Der Filz kann ca. 0,8 ml aufnehmen, bevor überschüssige Tinte ausläuft. Das entspricht der Füllung einer Standarpatrone. Im Vergleich zu Füllfedern verbrauchen Roller Balls tendenziell weniger Tinte, im Filz bleibt allerdings auch ein unbekanntes Volumen zurück. Aussagen über die Vergleichbarkeit mit Tintenpatronen sind daher schwierig.
Die nächste Generation, die eine transparente Hülle hat, enthält flüssige Tinte, die wie bei der vorherigen über ein Faserbündel an die Schreibkugel kommt. Wie bei manchen Kugelschreiber-Minen ist das hintere Ende mit einem Fettstopfen verschlossen, der für den Druckausgleich bei abnehmendem Tintenvolumen hinreichend beweglich ist. Diese Anordnung soll zudem das Auslaufen der Tinte durch den durchbohrten Stopfen hinten verhindern (vgl. dazu z. B. Patent DE972361 vom 25.6.1959). Das erlaubt ein nutzbaren Volumen von 0,8 ml Tinte.
Die aktuelle Minenversion ist mit modernen, komplex geformten Ausgleichslamellen ausgestattet, die um ein längeres Faserbündel liegen, das wiederum in der Schreibspitze steckt. Es passen 0,7 ml Tinte hinein.
Die Schlussfolgerung
Die Lösung, die man bei Schneider gegen das Auslaufen und Tropfen von Tinte gefunden hat, besteht also darin, dass die Tinte nicht direkt an der Kugel ansteht, sondern über ein Faserbündel (ähnlich einer Filzstiftspitze) dosiert zugeführt wird. Anfangs war die Tinte in einem Filzstopfen enthalten und konnte nicht auslaufen, aktuell sorgen Ausgleichslamellen für einen kontrollierten Tintenfluss.
