Ich habe mir jüngst drei Sheen-Tinten angeschaut, die vom grundlegenden Farbton in mein Farbspektrum passen: Ortloffs x Diamine "Kölsches Rheinwasser", Berlin Notebook "N3 Green" und Krishna "Sea at Night".
Alle drei zeigen roten Sheen bei unterschiedlichen Grundfarben. Mich hat interessiert, welche Farbstoffe die drei Hersteller jeweils verwenden.
Diese Tinten sind mit Farbstoff hoch gesättigt, im Extremfall der "Sea at Night" erscheint die petrolfarbene Tinte im Swatch sogar schwarz. An dem Chromatogramm mit unverdünnten Tinten kann man das gut erkennen: die Front ist wellenförmig mit dunklem Rand, einzelne Farben werden in Streifen über das gesamte Chromatogramm mitgeschleppt. Was sich aber hier schon andeutet, ist die gemeinsame Hauptkomponente Blau.
Diese Gemeinsamkeit bestätigt sich bei einem weiteren Vergleich der unverdünnten Proben mit einem anderen Laufmittel. Anhand der eingezeichneten Kreise wird deutlich, dass das Blau bei allen drei Tinten in gleichen Zeiten gleich weit gelaufen ist. Das ist i. A. ein Beleg für denselben Farbstoff. Die komplette Zusammensetzung erschließt sich bei diesem Laufmittel allerdings wieder nicht.
Wird die Probe mit Ink Extender 1+1 verdünnt, ist das Ergebnis schon aussagekräftiger (Bild 2 unten). Allerdings ist Wasser als mobile Phase nicht gut geeignet, die Farbstoffe sauber zu trennen. Das gelingt nun wiederum mit einer ammoniakalischen Trinatriumcitrat-Lösung in der aufsteigenden Anordnung.
Das dunkle Cyan der "Kölsches Rheinwasser" entsteht aus dem gemeinsamen Blau mit etwas Gelb, das Grün des "N3 Green" hat neben dem Blau deutlich mehr (eines anderen) gelben Farbstoffs, "Sea at Night" zeigt neben Blau und Gelb noch einen Anteil Magenta. Der rote Sheen beruht in allen drei Tinten auf der hohen Konzentration desselben blauen Farbstoffs als einziger gemeinsamer Farbkomponente.
Mit der feinen Feder geschrieben zeigt sich wie erwartet bei keiner der Tinten der Sheen-Effekt, wohl aber mehr oder weniger deutliches Shading. Die "Sea at Night" gefällt mir von den dreien mit ihrem petrol-schwarz am Besten, die anderen beiden dürfen weiterziehen.
Drei ungleiche Schwestern
Moderatoren: MarkIV, Zollinger, desas, Linceo, Lamynator, JulieParadise, HeKe2
- mondindianer
- Beiträge: 749
- Registriert: 20.05.2013 17:39
- Wohnort: Wendland
Drei ungleiche Schwestern
Viele Grüße
Fritz
Fritz
Re: Drei ungleiche Schwestern
Guten Morgen Fritz,
Was für eine beeindruckende Analyse der drei Tinten. Vielen Dank dafür!
Viele Grüße, Micha
Was für eine beeindruckende Analyse der drei Tinten. Vielen Dank dafür!
Viele Grüße, Micha
Vernunft war da ... bis zum nächsten Füller.
Re: Drei ungleiche Schwestern
Hallo Fritz,
danke für den Vergleich der drei Tinten. Und es ist sehr interessant hierbei, dass der rote Sheen nur von einem Einzelfarbstoff abhängt, und nicht von der Tintenfarbe.
danke für den Vergleich der drei Tinten. Und es ist sehr interessant hierbei, dass der rote Sheen nur von einem Einzelfarbstoff abhängt, und nicht von der Tintenfarbe.
LG
Heinrich
Heinrich
- mondindianer
- Beiträge: 749
- Registriert: 20.05.2013 17:39
- Wohnort: Wendland
Re: Drei ungleiche Schwestern
Es freut mich, wenn es dir gefallen hat
Ja, das mit dem Sheen ist so eine mysteriöse Sache. Eine wirklich überzeugende Erklärung für den Effekt habe ich noch nicht gelesen (ohne hier eine weitere Diskussion lostreten zu wollen).
Viele Grüße
Fritz
Fritz
Re: Drei ungleiche Schwestern
Nur ganz kurz dazu:
Der blaue Farbstoff ist der mit der geringsten Löslichkeit, kristallisiert daher als erster aus, und dies an der Oberfläche, an der dann Absorption und Reflektion den roten Sheeneffekt ergeben.
Der blaue Farbstoff ist der mit der geringsten Löslichkeit, kristallisiert daher als erster aus, und dies an der Oberfläche, an der dann Absorption und Reflektion den roten Sheeneffekt ergeben.
LG
Heinrich
Heinrich
