7 Tinten verschiedener Hersteller im Test

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Katharsis
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7 Tinten verschiedener Hersteller im Test

Beitrag von Katharsis » 29.05.2006 16:30

Hallo Plenumfreunde,

Da ich heute von Herrn Thiel wieder ein paar Tinten bekommen habe, möchte ich gerne einen kurzen Erfahrungsbericht schreiben.

Es handelt sich um folgende Tinten, die ich beschreiben möchte:

De Atramentis (Jansen) Weintinte "Chianti"
De Atramentis (Jansen) Weintinte "Bordeaux"
Montblanc "Bordeaux"
Montblanc "Dunkelgrün"
Montblanc "Schwarz-Blau"
Private Reserve "Midnight Blues"
Waterman "Schwarz"

Erstmal möchte ich eine Empfehlung aller Tinten aussprechen, sie gefielen mir alle recht gut im Schreibverhalten und/oder Farbgebung.

De Atramentis (Jansen) Weintinte "Chianti"
Diese Tinte duftet tatsächlich stark nach Wein, sowie auch die Bordeaux; leider auch etwas sauer bzw. gewöhnungsbedürftig. Der Geruch des Chianti ergibt sich erst bei genauerem Riechen, ansonsten ist kaum ein Unterschied zum Bordeaux auszumachen... die Basis wird wohl die selbe sein.
Die Farbe auf dem Papier scheint mir ein wenig hell, habe aber keinen Vergleich derzeit zum echten Wein... es könnte aber hinkommen. Überwältigend wirkt die Farbe auf mich nicht, aber das ist Geschmacksache. Der Fluss ist auf jeden Fall sehr gut, die Feder gleitet schön über das Papier und die Farbe ist recht konstant, also keine hell/dunkel-Schwankungen.

De Atramentis (Jansen) Weintinte "Bordeaux"
Sehr kräftige Farbe und schön dunkel. Trifft genau meine Vorstellung eines Bordeaux und sie ist genauso wie ich sie mir auch vorgestellt und gewünscht habe. Schreibeigenschaften sind wie beim Chianti, obwohl hier Schwankungen in der Farbe auftreten. Allerdings liegt dies ziemlich sicher an der Feder (ich habe diese Tinte in eine flexible Feder gefüllt), welche bei geringem Druck nicht nur sehr dünn sondern auch sehr hell und trocken schreibt. Bei größerem Druck fließt weit mehr Tinte, also wird es wohl eine Eigenschaft des Füllers sein. Ich werde aber die Tinte bestimmt in eine nicht-flexible Feder auch füllen um dies bestätigen zu können. Nichts desto Trotz sehen diese Schwankungen meiner Meinung nach hübsch aus bei dieser Tinte - Es ist wie wenn man ein Glas Bordeaux schwenken würde und zu den Rändern hin die Farbe heller wird. Wunderbares Schriftbild also!

Montblanc "Bordeaux"
Sieht der oben genannten Weintinte unglaublich ähnlich. Es ist wohl nicht so leicht zu unterscheiden. Bei genauem Betrachten bzw. bei der Gegenüberstellung sieht die MB Tinte leicht matter und fahler aus, es fehlt also minimal das gewisse Etwas. De Atramentis' Bordeaux sieht eben minimal kräftiger aus und vielleicht sogar dunkler. Diese Unterschiede sind allerdings wie schon erwähnt minimal.
Die Gleitfähigkeit der Monblanc Tinte ist zwar nicht schlecht, aber oben genannte Tinten lassen die Feder etwas besser auf dem Papier gleiten.
Tintenfluss ist ebenfalls in Ordnung - keine Anschreibprobleme, keine Aussetzer, allerdings trocknet die Tinte auch etwas leichter (Auf der Feder von Nachteil, auf dem Papier von Vorteil!)

Montblanc "Dunkelgrün"
Ein hübsches, dunkles und ebenfalls kräftiges Grün, welches äusserst natürlich aussieht - Ein Grün, welches oft in der Natur zu sehen ist. Um es sich vorstellen zu können: Man stelle sich Spinat ein wenig dunkler vor. Das würde den Ton gut treffen, also keine Tendenz ins blaue oder türkise sondern kräftiges und natürliches grün.
Der Fluss und die Gleitfähigkeit sind ungefähr gleich wie bei den anderen Montblanc Tinten.

Montblanc "Schwarz-Blau"
Eine interessante Farbe, meiner Meinung aber nicht unbedingt schwarz-blau. Eher grau-blau. Sie wirkt etwas fahl und blass und mit wenig Seele, gefällt mir aber dennoch. Sie passt zu verregneten, kalten Tagen und ihre Farbe trift die selbe Tristesse.
Fluss und Gleitfähigkeit - typisch Montblanc-mäßig.

Private Reserve "Midnight Blues"
Farblich gesehen: eines meiner Favoriten. Während Montblanc "Schwarz-blau" recht grau und fahl wirkt, gibt es hier ein sehr kräftiges blau zu sehen. Zur leichten Vorstellung würde ich sagen, dass es der Farbe der Jeans recht gut ähnelt (etwas dunklere). Die Farbe hält sich sehr konstant, also sie wirkt an Ecken nicht hellblau und manchmal Schwarz sondern behält ihren schönen Ton immer bei.
Tintenfluss und Gleitfähigkeit sind phenomenal, mehr gibt es hierzu nicht zu sagen. Übertrifft in diesen Punkten alle von mir verwendeten Tinten.
Das wird auf jeden Fall die Haupttinte für meinen schwarz-blau gestreiften Pelikan M805, zu welchem diese Tinte einfach perfekt passt.

Waterman "Schwarz"
Ich habe noch nicht viele schwarze Tinten getestet, einfach aus dem Grund weil mir die Pelikan Brilliantschwarz zu dick aufträgt und andere schwarze Tinten entweder einen Braun- oder einen Grünstich haben. Die Waterman hat einen leichten Blaustich, was meinen Geschmack besser trift aber grundsätzlich ist die Farbe schwarz... tiefes, dunkles Schwarz.
Die Tinte fließt ziemlich stark, aber nicht störend. Gleitfähigkeit setze ich persönlich direkt hinter die Private Reserve Midnight Blues - also hervorragend.


Ich bin wie gesagt von allen Tinten positiv gestimmt, aber zu meinen Favoriten zählen folgende:
Private Reserve "Midnight Blues"
Waterman "Schwarz"
De Atramentis (Jansen) Weintinte "Bordeaux"

Diese Tinten werden ich auf jeden Fall immer parat haben, die anderen sind aber auch empfehlenswert.

Fotos von den Bildern werde ich auf Wunsch evtl. auch noch hereingeben wenn ich mehr Zeit habe.


Hoffentlich kann Euch dieser Bericht etwas weiterhelfen und euch manche Entscheidungen erleichtern.

Beste Grüße
Giulian

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 29.05.2006 17:44

Übrigens habe ich noch etwas vergessen zu erwähnen:

Beide Weintinten zeigen einen interessanten Effekt beim Schreiben: Sie verändern leicht ihre Farben über wenige Minuten. Vorallem sichtbar ist es bei der Bordeaux, welche beim Schreiben selber relativ hell und kräftig-rot aussieht und mit der Zeit dunkler wird. Dieser Effekt ist schön mit anzusehen wenn man schreibt und sich den Verlauf des Geschriebenen ansieht und die Farbe oben am dunkelsten wirkt und nach unten hin noch "frischer".

Ausserdem scheint es, wie wenn die Tinten nun besser und angenehmer riechen. Vielleicht sind anfängliche Gase entflohen oder eventuell haben die Dämpfe längst meiner sich bemächtigt :roll:
Naja, jedenfalls erkennt man jetzt auch einen definitiven Unterschied zwischen dem Geruch der Tinten.

HU
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Wetere Erfahrungen mit einer Weintinte

Beitrag von HU » 01.06.2006 12:46

Zusatz zu den Weintinten: Ich habe die Weintinte von Manufactum (Spätburgunder von Jansen, wenn mich nicht alles täuscht).

Was ich sehr positiv festgestellt habe ist, daß diese sich sehr resistent gegenüber Auswaschen und Sonnenlich verhält (also relativ dokumentenecht zu schein seint).
Auch gefällt mir die Farbe, die sich jedoch auch in den ersten Stunde etwas zu verändern scheint.

Negativ fällt aber auf:
- Der Geruch. Sehr sauer.
- Scheint gerne etwas "wehement" einzutrocknen, so daß man mal etwas Tinte in die Feder hinendrücken und wieder herausziehen muß. Und auch die Feder sollte häufig von unten gereinigt werden, um einen zufriedenstellenden Tintenfluß zu haben. Deswegen habe ich mich bisher noch nicht getraut sie in meinen M800 zu füllen.

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 01.06.2006 13:34

Hallo,

Das wollte ich auch noch schreiben. In meinem M300 mit M Feder macht die Tinte keine Probleme; in meinem M620 mit F Feder auch nicht, aber in meinem alten 400 trocknet die Tinte schnell ein. Wenn ich die Kappe für ein paar Minuten draufgebe (!! also nicht den Füller offen lasse), habe ich fast immer Anschreibprobleme. Am Anfang als ich die Tinte eingefüllt habe, dachte ich mir, sie ist perfekt für flexible Federn, da der Tintenfluss bei extremer Spreizung nicht abbrechen wollte. Aber seit dem die Tinte ein wenig länger in der Feder verharrt hatte, traten eben die Anschreibprobleme auf und der Tintenfluss brach bei Spreizung sehr rasch ab. Möglicherweise vergeht dieses Phänomen aber nachdem man ein paar Sätze geschrieben hat. (Es handelt sich übrigens um die Bordeaux Tinte die gerade im 400er drinnen ist). Hier sollte also doch noch etwas verbessert werden. Generell würde ich die Weintinten also nur für Füller mit gutem Tintenfluss empfehlen (mein 400er schreibt ziemlich trocken bei geringem Druck, bei Spreizung steigt der Fluss aber immer weiter).

Bzgl. des Geruches:
Am Anfang war es wirklich extrem sauer, es hat sich aber etwas gelegt und nun würde ich "sehr sauer" dazu sagen :roll:
Wenn man aber die Kappe vom Füller herunternimmt, kommt einem ein angenehmer Weinduft entgegen (also nicht mehr so intensiv wie aus dem Glas).

Grüße
Giulian

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