Schreibverhalten HS Bronze mit Stub-Feder

Moderatoren: Linceo, Lamynator, desas

Antworten
Benutzeravatar
HeKe2
Beiträge: 842
Registriert: 21.03.2018 23:31

Schreibverhalten HS Bronze mit Stub-Feder

Beitrag von HeKe2 » 13.01.2019 15:52

Diesen Füller habe ich erst kürzlich erstanden und es sind mir einige interessante Eigenheiten an der Feder dieses wunderschönen Füllers aufgefallen. Ich möchte sie hier mal mitteilen, weil mich interessiert, wie andere Forumsmitglieder diesen Füller erlebt haben.

Vorweg einige allgemeine Bemerkungen zu Füller, Tinte und Papier:
  • Füller: Visconti Homo Sapiens Bronze Oversize
  • Feder: 23k Palladium “DreamTouch”, 1,3 mm Stub
  • Tinte: Graf von Faber-Castell “Kobaltblau”
Ganz ehrlich, ich verstehe nicht, was an den Federn so „DreamTouch“ ist. Die Feder schreibt gut, kommt aber nicht an das butterweiche Schreibgefühl der Feder meines Pelikan Souverän M800 heran. Ganz offensichtlich sind die modernen Federn von Visconti auch keine Flexfedern, diese Feder ist im Gegenteil sogar etwas steif und erinnert eher an die zugegebenermaßen sehr gute Stahlfeder meines Diplomat Aero. Andererseits ist die Feder das, was auf englisch mit „springy“ bezeichnet wird. Sie federt etwas. Daraus ergibt sich dann doch eine gewisse Strichvariation über das hinaus, was allein durch die Art einer Stubfeder (Wechselzugfeder) ergibt. Dabei wird die Feder durch dieses Federn nicht etwa zur Schwellzugfeder, sondern der Tintenfluss verändert sich mit dem Schreibdruck und der Strichrichtung.

Ein Ergebnis dieses Verhaltens ist, dass der Tintenfluss unterschiedlich ist, je nachdem ob man mit leichter oder schwerer Hand schreibt. Man kann das unten auf den Bildern sehen. Dabei muss man, um diesen Effekt zu erreichen gar nicht mal allzu heftig aufdrücken.

Weiterhin ist der Tintenfluss bei quer gezogenen Linien deutlich geringer, als bei senkrecht gezogenen Linien. Klar, quer kann man nicht so heftig aufdrücken, das heißt, man lässt ganz automatisch im Druck nach.

Ich fand diese Eigenschaften auffällig. Ich habe so was in dieser Ausprägung vorher noch nie gesehen. Auch meine Pelikan Füller schreiben satt, aber der Tintenfluss bleibt konstant in jeder Richtung und auch bei mehr oder weniger Druck.

Dennoch: Dieser Füller ist ein wirklich schöner Füller. An seine Schreibeigenschaften muss man sich gewöhnen. Aber vielleicht macht das ja auch gerade das Besondere aus. Das Material ist ein absoluter Handschmeichler. Auch die Balance des Füllers finde ich sehr gut. Leider fehlt mir der Vergleich zu den älteren Feder. Ich kann nicht beurteilen, ob sich da wirklich etwas verändert hat. Anschreibprobleme, wie sie von den älteren Federn beschrieben werden, oder gar einen übermäßigen Tintenfluss konnte ich aber nicht feststellen. Er schreibt nass, von mir aus auch sehr nass bei schwererer Hand, aber nicht unmäßig nass.

So, das waren meine bisherigen Erfahrungen mit dem Homo Sapiens. Vielleicht sind sie hilfreich für einige, vielleicht hat jemand andere Erfahrungen gemacht. Für mich bleibt es ein toller Füller, auch oder gerade weil er seine Eigenheiten hat.
Dateianhänge
HS1.jpg
HS1.jpg (639.25 KiB) 836 mal betrachtet
HS2.jpg
HS2.jpg (644.28 KiB) 836 mal betrachtet
HS3.jpg
HS3.jpg (489.8 KiB) 836 mal betrachtet
Beste Grüße
Hermann

Benutzeravatar
hoppenstedt
Beiträge: 836
Registriert: 13.10.2013 23:56
Wohnort: Südlich von Stuttgart

Re: Schreibverhalten HS Bronze mit Stub-Feder

Beitrag von hoppenstedt » 14.01.2019 23:45

Danke, Hermann, für die Mühe der Berichterstattung und die Scans deines Tests.

Ich habe keinen Visconti, bleibe aber immer mal wieder da "hängen".
Nur könnte ich mir vorstellen, jetzt, da OMAS in die ewigen Jagdgründe gewechselt hat :cry: , dass du bei Scribo eher so etwas findest, wie dui insgeheim suchst(?): nämlich eine Flex-Feder. An einer italienischen Diva...
"Nulla dies sine linea."
Grüße von Alfred :)

Benutzeravatar
HeKe2
Beiträge: 842
Registriert: 21.03.2018 23:31

Re: Schreibverhalten HS Bronze mit Stub-Feder

Beitrag von HeKe2 » 15.01.2019 0:33

Hallo Alfred!


Da stellst Du eie Frage, die ich mir selber gar nicht so richtig beantworten kann. Was suche ich eigentlich?

Flex? Und wenn ja, wozu? Ich habe mich in deutscher Kurrentschrift versucht, aber die extreme Schräglage ist so gar nicht meins und ich schreibe auch lieber mit Füllern als mit Tauchfedern. Und der Schwellzug? Ist ja nett, aber ich stelle meine Buchstaben nach fünf Worten schon wieder viel zu senkrecht. Da muss ich noch gaaaaaanz viel üben. Da fahre ich mit der Offenbacher viel besser. Mittlerweile habe ich auch begriffen, dass ich mir irgendwann vor über 40 Jahren diese Schrift und nicht die deutsche Schreibschrift beigebracht habe. Man sieht es auch an einigen Buchstaben, zum Beispiel dem kleinen "k". Ich suche eigentlich mehr nach dem Schriftbild, dass die Füller meiner Eltern produzierten (Pelikan/Lamy). Die wurden so um 1960/61 gekauft und ich fand die schon als kleiner Junge einfach nur toll. Dieser satte Tintenfluss! Nicht so ein armseliger Rinnsal wie mein Pelikano. Und die Feder nicht so schmal und ein wenig stubbig. Ein bisschen davon hat der HS übrigens.

Italiener? Eigentlich eher nicht. Wenn ich mir so meine Füller ansehe, dann sind Pelikan und Lamy eindeutig in der Mehrheit. Dann folgt TWSBI und dann ganz lange nichts. Pelikan ist immer noch mein Favorit. Da bin ich wohl schon als Grundschüler in der Wolle gefärbt worden. Da gibt es noch so eine deutsche Marke, nur von der habe ich interessanterweise gar keinen Füller. Merkwürdig, aber die haben mich bisher überhaupt nicht interessiert.

Und warum nun der Homo Sapiens? Den HS finde ich einfach nur schön und er hat auch ein gewisses Gewicht, was ich bevorzuge. Er war auch immer so eine Zielvorstellung von mir nach dem Motto: Den musst du haben. Nun habe ich ihn und es ist sicher kein Fehlkauf. Aber: "Ein jeder Wunsch, kaum er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge". Einer fehlt mir deshalb noch: der M1000. Den hätte ich auch am liebsten als Stresemann, so wie er in dem Thread benannt wird, in dem über die Pelikan-Neuheiten 2019 spekuliert wird. Der HS ist jedenfalls auch ein toller Füller. Ja, ein bisschen divenhaft ist er, aber doch sehr gut zu handhaben.


Das war jetzt ein klein Wenig OT, aber die Frage die du stelltest, musste ich mir erst einmal selbst beantworten.
Beste Grüße
Hermann

Benutzeravatar
Schaumburger
Beiträge: 226
Registriert: 10.03.2018 5:14
Wohnort: Norddeutschland

Re: Schreibverhalten HS Bronze mit Stub-Feder

Beitrag von Schaumburger » 15.01.2019 23:04

Ich suche eigentlich mehr nach dem Schriftbild, dass die Füller meiner Eltern produzierten (Pelikan/Lamy). Die wurden so um 1960/61 gekauft und ich fand die schon als kleiner Junge einfach nur toll. Dieser satte Tintenfluss! Nicht so ein armseliger Rinnsal wie mein Pelikano. Und die Feder nicht so schmal und ein wenig stubbig. Ein bisschen davon hat der HS übrigens.
Hallo,

erst mal Glüchwunsch zu der Feder, die Linienvariationgefällt mir sehr.
Wenn ich mir die Schriftbeispiele ansehe, habe ich den Verdacht, das Du mit etwas rotiertem Stift schreibst?
Experten hier können das eventuell kompetenter beurteilen als ich...
War der elterliche Pelikan ein OB? Das waren herrliche angeschrägte flexfähige Stubfedern in den 1950ern (im Pelikan 140 bei mir).

Beste Grüße
Jens
.....................................................................................................
was mich sonst so interessiert:
https://www.flickr.com/photos/136145166@N02/albums

Benutzeravatar
HeKe2
Beiträge: 842
Registriert: 21.03.2018 23:31

Re: Schreibverhalten HS Bronze mit Stub-Feder

Beitrag von HeKe2 » 16.01.2019 17:42

Hallo Jens!

Ich meine mich zu erinnern, dass zumindest der Lamy 27 eine OB-Feder hatte, der Pelikan M30 meiner Mutter war soweit mich nicht alles täuscht eine B-Feder. Beide sind leider nicht mehr auffindbar. Der Lamy hatte einen Riss im Griffstück und der Kolben des Pelikan war festgelaufen. Heute würde ich einen Rettungsversuch unternehmen, das Forum fragen usw. Leider zu spät, die sind schon mind. 10 Jahre weg.

Beim Schreiben rotiere ich übrigens nicht mit der Feder, aber Du hast mein Problem gesehen: Bestimmte Züge mag die Feder nicht als schnellen Zug, das gibt tatsächlich Aussetzer, als wenn man die Feder dreht. Der Verkäufer hatte mir Schriftbeispiele geschickt, auf denen sah man genau die gleichen Problemchen. Sein Frau hatte die Aussetzer nicht. Vielleicht, weil sie den Füller flacher hält, nicht so schnelle Oberlängen schreibt oder insgesamt langsamer schreibt. Rasendes Tempo mag dieser Füller eher nicht. Aber wir gewöhnen uns auch langsam aneinander. Die Aussetzer werden weniger, und ich verkante die Stub-Feder nicht mehr so häufig. Anfangs habe ich gelegentlich mit der Federecke ins Papier gehakt, was mir mit anderen Stub-Federn nicht passiert ist. Es mag auch an der etwas hohen Griffhaltung liegen, mit der ich den HS halte. Ich halte ihn mehr oder weniger am Kappenbajonett, was sicherlich nicht die komfortabelste Art ist, aber weiter unten ist mir bei diesem Füller zu tief. Das Griffstück selbst ist auch relativ kurz.
Beste Grüße
Hermann

Antworten

Zurück zu „Omas, Aurora, Montegrappa, Visconti, Stipula, Delta und andere ital.Marken“