vorweg: das ist nichts für schwache Nerven, oder für den "ichMUSSmeinenFüller-im-absolutenOriginal-Sammler-Zustand-haltenEnthusiasten"
Ich habe meinen Pilot Custom 823, den ich mir vor etwas über 2 Jahren (glaube ich) zugelegt habe, nie wirklich geschont.
Es ist eine Menge Tinte mit verschrieben worden, darunter überwiegend Rohrer & Klingner Dokumentus und später dann Eisengallustinten von Rohrer & Klingner (Salix, Scabiosa, 2023 Ivory) und Akkerman #10.
Da diese Tinten einen etwas höheren Wartungsaufwand erfordern und ich zwischendurch auch mal andere Tinten ausprobiert habe, wurde der Füller in den letzten zwei Jahren gefühlt 50 x zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt.
Dabei sind leider, durch mein eigenes Verursachen, weil ich die Verschraubung, womit die Vakuumkolbenstange in den Schaft am oberen Ende verschraubt ist, zu feste angezogen habe, eine ganze Reihe Haarrisse entstanden, welche vom oberen Teil bis ca 1/3 des Schaftes verliefen und einer davon bis fast ganz unten zum Griffstück (insgesamt 5 Risse).
Bevor ich die Risse bemerkt habe, hatte ich die Dichtung in Verdacht, durch meine starke Eisengallus Nutzung, kaputt gegangen zu sein, doch das war schon der erste Vorbote eines Risses, den ich schlicht übersehen habe und es dann vermutlich noch schlimmer gemacht habe.
Also... keine Garantie mehr und der Schaft, bzw. diese Tank-hülse ohnehin nicht mehr nutzbar, habe ich versuchsweise zwei Gummibänder um die Hülse gewickelt (recht stramm) und so geprüft, ob es ausreicht, damit der Füller wieder funktionsfähig sein Vakuum aufbaut/hält und natürlich damit auch dicht ist. Und es hat funktioniert, was mich auf den Trichter brachte, ich lege zwei ganz stramme Wicklungen an aus Zwirns-garn gebettet in 2 Komponenten Epoxid Kleber
Die untere, kleinere Wicklung musste sein, ich wollte damit nur für den Fall, den Riss, der bis fast ganz unten geht, stabilisieren.
Dann habe ich noch entdeckt, dass an beiden Verschraubungen O-Ringe sitzen, welche für die Dichtigkeit zuständig sind (war mir vorher nie aufgefallen). Somit brauchte ich die auch gar nicht so starkt festziehen, wie ich das bislang gemacht habe.
Jedenfalls ist das gute Stück repariert und funktioniert wieder einwandfrei.
Die Wicklungen habe ich absichtlich so gewählt, dass sie auffallen, da ich den Gedanken des perfekt Un-perfekten irgendwie mag, ähnlich wie diese mit Gold reparierten, japanischen Porzellanwaren (Kintsugi).
Parallel hatte ich über die Pilotpen.de Seite auch den dortigen Support kontaktiert und stehe mit denen im Austausch, ob ich einen neuen Schaft als Ersatzteil bekommen kann. Weil ich ohnehin keine Garantie mehr habe wollte ich auch vermeiden eine mögliche, langwierige Aktion über Japan zu haben, wo ich am Ende eventuell genauso viel bezahle, wie für einen neuen Füller.
auf dem zweiten Bild sieht man den Riss recht gut, wie er über die Hülsenwandung längs läuft.
