Cleo Werksverkauf

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DanielH
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Cleo Werksverkauf

Beitrag von DanielH » 26.06.2017 14:03

Hallo,

Mein Freund und ich planen demnächst eine längere Reise durch die neuen Bundesländer und ich habe ihn überzeugen können, Bad Wilsnack in unseren Reiseplan aufzuehmen, ganz einfach weil ich dem dortigen Werksverkauf mal einen Besuch abstatten würde. Ich habe in jedem Fall gehört, dass es dort einen geben soll, aber kann mir eventuell jemand sagen, ob der sich lohnt?

Viele Grüße,
Daniel

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Grimbart
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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von Grimbart » 26.06.2017 21:38

Lieber Daniel,

ja, es gibt in Bad Wilsnack einen Werksverkauf von Cleo. Der befindet sich in der Alten Schule, Jahnstraße 12. Das ist nicht weit weg vom Bahnhof.
Ich habe dort bereits vor der Tür gestanden, aber das war an einem Sonntag. Entsprechend war geschlossen. Leider - und das wirst Du ja auch schon gesehen haben - gibt Cleo auf seiner Seite keine Öffnungszeiten an. Nicht einmal ein Hinweis auf diesen Werksverkauf findet sich dort. Ich empfehle Dir deshalb, dort vorsichtshalber per Mail oder Telefon anzufragen.

Aber auch ohne Cleo lohnt sich ein Abstecher in die Prignitz. Eine sehr schöne Landschaft mit viel Geschichte.
In Plattenburg nahe Bad Wilsnack steht eine Wasserburg, in Wolfshagen gibt es ein schönes Schloß der Edlen Gans zu Putlitz, einer alten märkischen Adelsfamilie, in Meyenburg ein Modemuseum und in Heiligengrabe ein altes Kloster, das im Zuge der Reformation in ein Damenstift umgewandelt wurde.

Ich wünche euch eine schöne Reise!

Gernot
Gruß von Gernot

DanielT
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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von DanielT » 27.06.2017 18:31

Hallo Daniel,

der Werksverkauf lohnt. Zumindest war es vor geraumer Zeit so. Ich war lange nicht dort.

Es Lößen sich alle Modelle testen und seinerzeit auch Cleo-Tinten.

Ein Besuch in der Wilsnacker Kirche lohnt im Jahr des Reformationsjubiläums: Sie war im späten Mittelalter eine sehr populäre Wallfahrtskirche mit einer wundertätigen Hostie.

Gute Reise wünscht DanielT

DanielH
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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von DanielH » 20.08.2017 16:05

Wahrscheinlich wird niemand, der unbedarft nach Bad Wilsnack kommt, dort eine "Manufaktur edler Schreibgeräte" erwarten. Der Ort liegt in der Prignitz, einer verhältnismäßig dünn besidelten Niederungslandschaft, die sich an der Elbe im Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt befindet. Wie der Ortsnamenszusatz schon vermuten lässt, ist Bad Wilsnack Kurort - Moorbäder mit heilkräftigem, eisenhaltigem Schlamm aus der Umgebung bestimmen dort das Geschäft. Und der Ort hat die Anmutung eines gemütlichen, ruhigen Touristenortes mit einigen Restaurants, Geschäften des täglichen Bedarfs und einer recht guten Beschilderung, die es dem Gast leicht macht, sich zurecht zu finden.

Das Ortsbild wird dominiert von einer gewaltigen Backsteinkirche aus dem Spätmittelalter. Dieses Werk der Backsteingotik entstand, weil Wilsnack im 14. und 15. Jahrhundert Wallfahrtsort war. Man verehrte dort drei Hostien, die sich angeblich rot verfärbt hatten und die damit nach damaliger Vorstellung zum Blut Christi geworden waren. Die "Wilsnackfahrt" muss seinerzeit sehr populär gewesen sein und Besucher aus ganz Europa angezogen haben, die oft wertvolle Votivgaben in der Kirche ließen. Davon hat nur ein winziger Bruchteil die Reformation überlebt. Die riesige Kirche ist für den Ort heute viel zu groß, zumal die Kirchengemeinden in den neuen Bundesländern meistens sehr klein sind. Zur Zeit laufen Renovierungsarbeiten, die auch, nach dem Eindruck des Inneren der Kirche zu urteilen bitter nötig sind. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, weil die Kirche räumlich sehr beeindruckend ist. Vor Ort wird durch Informationstafeln außerdem die Wallfahrtstradition sehr interessant nachgezeichnet.

Cleo hat zwei Standorte in Bad Wilsnack. Am Ortsrand - eingerahmt von Wiesen und Feldern - liegt - offenbar in einer alten Wassermühle mit Nebengebäuden - die Produktion. Hier werden die schreibenden Präziosen zusammengesetzt. Ich bin ganz kurz am späten Nachmittag vor Ort gewesen und habe keine Anzeichen für eine Besuchs- oder Führungsmöglichkeit gefunden. Ich könnte mir vorstellen, dass das für ein kleines Unternehmen wie Cleo schwierig zu leisten ist. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass man sich dort sperren würde, wenn man freundlich fragt.

Vertrieb und Werksverkauf sind mitten im Ort - einige hundert Meter entfernt von der Kirche in einem alten, dunkel verputzten Gebäude: Der ehemaligen Grundschule. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts wurden dort Kinder unterrichtet. Ein großer Füller über der Tür zeigt schon von weitem, dass man am richtigen Ort ist und ein kleines Schild weist auch auf den Lagerverkauf hin. Der Lagerverkauf ist Montags bis Donnerstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Freitags schließt man schon um die Mittagszeit. Termine müssen nicht gemacht werden, man muss allerdings klingeln, um eingelassen zu werden.

Das Gebäude hat noch ganz den Charme eines alten Schulgebäudes, wie man ihn als kinderloser Erwachsener nur noch anlässlich von Wahlen erleben kann, die oft in solchen Gemäuern stattfinden. Gekachelter Fußboden, etwas düstere Gänge. Eine freundliche Firmenangestellte ließ mich hinein und führte mich in den Verkaufsraum, der gleichzeitig ein wenig Museum ist. Dort werden nämlich in Glasvitrinen auch frühere Modelle - teilweise auch aus DDR-Zeiten - ausgestellt, was recht sehenswert ist. Auf dem Verkaufstisch liegt eine volle Sammelmappe mit allen aktuellen Produkten zum Ausprobieren. Selbstverständlich sind nicht nur Füller dabei, sondern auch Kulis und Tintenroller, an denen ich aber so gut wie kein Interesse habe.

Ich hatte bereits vor meinem Besuch mit einem Skribent geliebäugelt, den ich dort auch ausführlich testen konnte. Er war in den Versionen Platinum und Gold vorrätig - der Platinum in schwarz, der Gold in blau. Der Gold wurde auch mal in bordeaux vermarktet und auf meine Nachfrage hin telefonierte die Dame noch mit einer Kollegin, die daraufhin das letzte noch vorrätige Exemplar brachte, das ich schlussendlich auch kaufte.

Der Service dort ist sehr freundlich, Kunden dürfen die ausgelegten Probeexemplare gern ausprobieren, bei anderen Stücken gibt man sich etwas zugeknöpfter. Wirklich ausführlich in die Hand nehmen durfte ich den Roten erst als klar war, dass ich ihn wirklich kaufe. Da das genau das Modell war, das ich hatte sehen und möglichst auch kaufen wollen, war das keine große Debatte, aber ich habe mich dazu doch ein kleines bisschen gedrängt gefühlt ("Sie nehmen den ja, oder?"). Dabei könnte allerdings auch eine Rolle gespielt haben, dass ich an dem Tag sehr schwitzte. Ich hatte ihn einmal kurz angefasst und die Dame vom Verkauf putzte den Füller anschließend sofort mit einem Brillenputztuch. Wahrscheinlich ist man beim Hersteller damit allerdings auch vorsichtiger, wenn man so ein Stück eventuell noch einem Händler verkaufen muss.

Die Rabatte im Werksverkauf sind vernachlässigbar. 283 Euro war der Listenpreis für den Roten, darauf bekam ich 3 Euro Rabatt (ich habe allerdings nicht gehandelt). Als Vorteil bleibt, dass man alle Cleo-Modelle sehen kann, was ja sonst im Verkauf überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist. Was ich Bad Wilsnack-Besuchern allerdings empfehlen kann ist, sich das örtliche Gutscheinheft zu besorgen, das z.B. auch Rabatte in der Gastronomie und in einigen Geschäften etc. ermöglicht. Ab einem Einkauf von 50 Euro im Werksverkauf bekommt man damit 10 Euro Rabatt. Leider bekamen wir das Gutscheinheft erst anschließend beim Einchecken im Kur- und Wellnesshotel im benachbarten Ort Legde, das wir als Unterkunft für Prignitz-Besucher uneingeschränkt empfehlen können: Eine herrliche Anlage, auf der man Sauna und Schwimmbad jederzeit kostenlos benutzen kann, ausgesprochen freundlicher Service, ein sehr gutes Frühstücksbuffet und ausgesprochen annehmbare Preise.

Interessant ist eine Begegnung, die ich am nächsten Tag in einem (oder dem einzigen, genau weiß ich es nicht) Bekleidungsgeschäft in Bad Wilsnack hatte. Ich hatte die Tragetasche mit dem Fülleretui dabei und die beiden Verkäuferinnen schauten sehr interessiert darauf. Sie fragten, ob ich ihnen mal zeigen könnte, was ich da gekauft hätte, man würde die Produkte des Unternehmens ja sonst kaum zu sehen bekommen. Cleo ist also offensichtlich bekannt im Ort, die Produkte aber nicht. Daran etwas ändern zu wollen ist aber wahrscheinlich für eine Firma in Cleos Marktsegment auch ausgesprochen schwierig, denn es wird der Firma ja kaum möglich sein, ihr Sortiment über Geschäfte in dem kleinen Provinzort anzubieten.

Die Produktion von Schreibgeräten, die im Cleo-Marketing als "`Manufaktur'' bezeichnet wird, ist übrigens nicht alleiniger Nutzer der technischen Infrastruktur in Bad Wilsnack. Aus dem Schreibgerätehersteller heraus wurde das Unternehmen Weiß&Weber gegründet, das allgemein feinmechanische Präzisionsteile herstellt, die nicht nur für Schreibwaren, sondern auch für Uhren, optische Geräte und Maschinen zum Einsatz kommen.

Fazit: Der Besuch in Bad Wilsnack ist nichts für Schnäppchenjäger. Man wird aber bei Cleo sehr individuell bedient und hat auch die Chance, bereits ausgelaufene Modelle zu erwerben. Außerdem lohnt sich ein Besuch der Gegend, die landschaftlich sehr schön ist und in der es zum Beispiel eine Menge Störche gibt. Der Ort Havelberg, der vielleicht 20 Kilometer entfernt liegt, ist auch ausgesprochen sehenswert, besonders der alte Dom.

Zum Thema Preise: Bitte mein Posting weiter unten beachten! Ich hatte hier einen offenbar veralteten Vergleichsmaßstab!

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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von Strombomboli » 20.08.2017 16:23

Vielen Dank, lieber Daniel! Diese Kirche ist wirklich sehr beeindruckend (die Kristalltherme allerdings auch). Das wäre mal ein schönes Ausflugsziel, auch ohne Werksverkauf and all that jazz.
Iris

Mein Avatar ist ein Gemälde von Ilja Maschkow (1881-1944): Selbstporträt; 1911, das in der neuen Tretjakow-Galerie (am Krimskij Wal) in Moskau hängt, wo ich es fotografiert habe.

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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von DanielH » 20.08.2017 17:04

Ich muss mich in einem Punkt ganz erheblich korrigieren: Die Rabatte sind doch gar nicht schlecht! Ich hatte beim Schreiben des Textes offenbar veraltete Listenpreise im Kopf. Der Skribent Gold-Füller hat eine UVP von 353 Euro. Demgegenüber habe ich doch einen sehr guten Rabatt bekommen! Bei Volker im Onlineshop liegt der Skribent Gold bei 303 Euro, dementsprechen hatte ich einen sehr guten Preisnachlass!

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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von patta » 20.08.2017 17:06

Danke, Daniel, für den anschaulichen Bericht!
Der Schnäppchenjäger in mir meint, die 3 € Rabatt hätte man lieber nicht gegeben. Entweder man bleibt beim Listenpreis oder man gibt als Hersteller den Rabatt, den auch der Händler erhalten würde :|
In Havelberg war ich bereits und mag den Dom gern. An Füller hab ich da (noch) nicht gedacht.
Richtig lachen musste ich über
DanielH hat geschrieben:Das Gebäude hat noch ganz den Charme eines alten Schulgebäudes, wie man ihn als kinderloser Erwachsener nur noch anlässlich von Wahlen erleben kann, die oft in solchen Gemäuern stattfinden.
Das steht uns ja in fünf Wochen wieder bevor :o

Gruß patta

Die Hälfte dessen, was man schreibt, ist schädlich, die andere Hälfte unnütz. - Friedrich Dürrenmatt

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Re: Cleo Werksverkauf

Beitrag von patta » 20.08.2017 17:35

OK, dann ändere ich meine Einschätzung zum Rabatt (s.o.) auch noch: 20% ohne Handeln ist völlig ok, das entspricht cum grano salis den Händlerrabatt.
Da hat man die Fahrtkosten schon fast wieder raus :mrgreen:

Grüße patta

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