Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

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Wurmbunt
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Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 13.12.2018 0:39

Hallo,
Nachdem der goldbraune Vacumatic im Beitrag: " Fälschen für Fortgeschrittene" so gut angekommen ist, und ich noch einen silbernen herum liegen habe, der soweit in Ordnung schien, dachte ich, ich stelle mal eine kurze Reparaturanleitung hier in's Forum.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Zerlegen des Füllers Baujahr 1944 war kein Ding - alles ging fast zu gut - und der Zustand der Bauteile war so aussergewöhnlich gut, dass ich hätte stutzig werden müssen.
Doch alles der Reihe nach: zerlegen.
Die Kappe wird nicht auseinander genommen, da sie sich in neuwertigem Zustand befindet.
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Ausgangszustand - füllen nicht möglich/Diaphragma defekt
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Leider zieht der Vacumatic keine Tinte also ein einfacher Service - Diaphragma austauschen.
Wenn ein Füller auseinander genommen wird, bin ich der Meinung, dass er komplett zerlegt werden sollte - reinigen und überprüfen der Komponenten gehört dazu.
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Einweichen der Sektion
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Nach dem obligatorischen Einweichen, sollte bei Vacumatics ein Fön zu Hilfe genommen werden - Haarfön geht - Heißluftfön ist besser, solange die Temperatur einstellbar ist.
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Temperatur regelbar über 100 Grad Celsius vermeiden!
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Achtung mit zu hohen Temperaturen - Celluloid ist da
empfindlich!
Dann den Bereich hinter der Sektion erwärmen - langsam und vorsichtig - immer wieder drehen und probieren, ob sich die Sektion anschrauben lässt (normales Rechtsgewinde).
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Sektion erwärmen
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Hilfreich bei dem Entfernen der Sektion ist eine gummierte Zange.
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Sektion gelöst
15446553305864.jpg (228.09 KiB) 1459 mal betrachtet
So Schaft und Sektion sind von einander getrennt - alles so sauber - bis jetzt sah noch alles gut aus!
Jetzt ist es aber spät - schreibe morgen weiter.
Gute Nacht,
Andi
Grüße Andi

Matthias MUC
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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Matthias MUC » 13.12.2018 10:57

Wurmbunt hat geschrieben:
13.12.2018 0:39
So Schaft und Sektion sind von einander getrennt - alles so sauber - bis jetzt sah noch alles gut aus!
Jetzt ist es aber spät - schreibe morgen weiter.
Gute Nacht,
Andi
Chapeau! Die hohe Kunst, bei der Reparatur eines Füllers einen veritablen Cliffhanger zu setzen.... 8-)

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Wurmbunt
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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 13.12.2018 19:31

Hallo,
habe mir gerade mein Geschreibsel von gestern angeschaut und festgestellt, dass ich mich etwas unklar ausgedrückt habe. Erstens muss es natürlich abschrauben und nicht anschrauben heißen (beim Entfernen der Sektion), und zweitens stelle ich den Luftstrom des Föns auf 100 Grad. Das Celluloid bleibt natürlich kälter - solange man es mit den Fingern anfassen kann ist es noch o.k.
- ja Matthias sorry für den Cliffhanger
weiter geht's.
Mit Hilfe eines Alublockes, in den ich verschieden große Löcher gebohrt habe, und eines Durchschlages mit Ebonitendstück wird nun die Feder und der Tintenleiter entfernt.
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15446553550806.jpg (186.01 KiB) 1144 mal betrachtet
Geschafft der Tintenleiter ist entfernt.
To be continued,
Ciao Andi
Dateianhänge
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Tintenleiter entfernt
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Demontagewerkzeuge
15446553738717.jpg (199.68 KiB) 1144 mal betrachtet
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 13.12.2018 21:16

Hallo,
Sektion gelöst, Feder und Tintenleiter entfernt, jetzt zum Herzstück des Vacumatic's - der Vacuumpumpe.
Es existieren 3 Versionen der Pumpeneinheit. Die früheste Ausführung ist das sogenannte " Lockdown" System, dabei wird der Pumpenstößel im hineingedrückten Zustand fixiert. Diese Bauweise wurde bis ende der 30er Jahre verwendet und vom "Speedfiller" System abgelöst, bei dem der Stößel nicht mehr arretiert wurde. Diese beiden Versionen hatten Pumpenstößel aus Aluminium. Das Speedfiller System wurde 1942 durch die 3. Variante der Pumpe abgelöst, die von der Funktionsweise her gleich ist, bei der aber die Aluminiumstößelstange durch ein Bauteil aus Celluloid ersetzt wurde.
Prinzipiell ist die Demontage bei allen Varianten gleich, allerdings haben die früheren Systeme einen anderen Gewindedurchmesser für die Kappe, was ein anderes Werkzeug zum Lösen erforderlich macht.
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Werkzeug zum Lösen der Pumpe
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Das Haltewerkzeug besteht im Prinzip aus einer geschlitzten Gewindehülse, die mit einem Hebel zusammengespannt wird.
Es sollte auch möglich sein die Pumpe mit der gummierten Sektionszange heraus zu bekommen - allerdings war mir die Gefahr, das doch recht feine Alugewinde zu vermurksen zu groß. Außerdem haben sich mittlerweile ein paar Vacumatic's bei mir angesammelt (ich finde sie einfach schön), so dass ich mir so ein Werkzeug von den
" Füllerdrachen" aus England mitbestellt habe.
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Werkzeug am Füllerschaft
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Statt der Abschlusskappe wird das Werkzeug aufgeschraubt und der Füllerschaft wieder erwärmt.
Wie schon vorher bei der Sektion - wärmen, probieren ob sich was bewegt, weiter wärmen...
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Mit Wärme und Gefühl
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Irgendwann bewegt sich was und die Pumpe kann herausgeschraubt werden ( Rechtsgewinde).
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Pumpe ist gelöst
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ACHTUNG - jetzt nicht versuchen die Pumpeneinheit nach hinten herauszuziehen!
Im Inneren des Schaftes befindet sich ein Konus, der zusammen mit dem Gummidiaphragma und dem Alugegenkonus der Stößelführung, die Abdichtung nach hinten bewerkstelligt.
Im Laufe der Zeit verklebt der Gummi mit dem Celluloid des Schaftes. Zieht man jetzt mit Gewalt am Stößel, stehen die Chancen gut, dass irgendwas nachgibt - nicht unbedingt der verklebte Gummi... :(
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Pumpe von vorne herausstoßen
15446554557283.jpg (236.45 KiB) 1122 mal betrachtet
Besser ist es die Pumpeneinheit von der Federseite aus herauszustossen.
Bis bald,
Andi
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 13.12.2018 23:18

Hallo und weiter geht's!
Ist die Pumpe draußen kommt ein unangenehmer Arbeitsgang. Der Füllerschaft und alle Teile der Pumpe müssen von angepappten Gummiteilen und Tintenresten befreit werden. Wichtig ist das vor allem an den Konusteilen (damit später wieder alles dicht wird) und im hinteren Bereich des Schaftes (hier bewegt sich das Diaphragma und es soll sich ja nicht an ausgehärteten festgeklebten Gummiteilen aufscheuern).
Der vordere Teil des Schaftes ist bei den meisten Vacumatic's Teiltransparent, so dass der Füllzustand betrachtet werden kann - es lohnt sich also auch hier ordentlich zu putzen.
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Der alte Gummi wird entfernt
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Bei diesem speziellen Füller gab es ausser Gummi wegkratzen kaum was zu tun. Die Pumpe und der Schaft präsentieren sich nach immerhin 74 Jahren wie neu. Auch was die Transparenz des Celluloids angeht habe ich so etwas noch nicht gesehen!
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Aussergewöhnlich transparent
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Nun ja der Füller sieht aus als wäre er noch nie befüllt/geschrieben worden. Aber sowohl die völlig klar erkennbare Prägung im Schaft als auch die kleine 4 am Fuss der Feder weisen eindeutig auf das Jahr 1944 hin (keine Punkte an der 4 am Schaft, was nach Parkernomenklatur 4. Quartal 1944 bedeutet).
War jetzt langsam etwas aufgeregt - musste das Ding schnell instandsetzen!
Also altes Diaphragma raus.
Am Ende der Stößelstange sitzt ein kleines halb sphärisches Bauteil aus Ebonit mit einer kleinen achsialen Bohrung.
Am Diaphragma, das im ausgerollten Zustand aussieht wie ein Tintensack, befindet sich eine Art Zitze, in welcher ein kleines Kügelchen aus weichem Material (Blei oder Zinn) eingebettet ist.
Die Passung zwischen der "Zitzenkugel" und der, sich nach hinten leicht erweiternden, Bohrung im Ebonitteil ist nun so, dass sich das Diaphragma nur mit sanfter Gewalt hinein drücken lässt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die alte Kugel vom vorherigen Diaphragma nicht heraus kommt!! :?
Es bleibt also nichts anderes übrig als die alte Kugel raus zu Bohren - dabei darf man natürlich nicht den Durchmesser der Bohrung im Ebonitteil erweitern, weil sonst das neue Diaphragma nicht mehr hält.
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"Dremel" hier Proxon mit Minifräser
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Ein Dremel oder vergleichbares Fabrikat, bestückt mit einem Minifräser, der am besten kugelig oder konisch ist, um vorne die Bohrung nicht zu vernudeln, leistet hier wertvolle Hilfe.
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Ausfräsen der alten Kugel
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Sollte beim Entfernen der alten Kugel die Bohrung doch etwas leiden, kann versucht werden das Ebonit mit dem Föhn warm zu machen und dann mit Gefühl die Lippe der Bohrung zusammen zu drücken - festhalten bis das Ebonit kalt ist - dann bleibt die Verformung dauerhaft.
Ist alles zur Zufriedenheit erledigt, kann das neue Gummiteil montiert werden.
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Diaphragmen sind in 3 Größen erhältlich
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Die richtige Größe des Diaphragmas richtet sich nach dem Schaftdurchmesser - zu lang sind sie alle!
So ausgerollt (Anlieferungszustand) sollte der Gummi leicht, ohne zu hemmen in den Schaft passen - später wird das Diaphragma noch umgestülpt, was den Durchmesser vergrößert.
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Passendes Diaphragma und Dorn zum einpressen
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Zur Montage des neuen Diaphragmas wird ein Dorn benötigt, der vom Durchmesser vorne in die Bohrung des Ebonitteils passt. Mit leichtem Druck sollte sich jetzt das Neuteil befestigen lassen.
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 14.12.2018 0:21

Hallo,
ist zwar schon spät, aber einer geht noch!
Diaphragma montiert.
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So sieht das montiert aus
15446555511620.jpg (207.76 KiB) 1086 mal betrachtet
Jetzt muss es noch auf die richtige Länge ( 2 x Weg der Stößelstange + Länge des Dichtkonuses + 1-2mm Reserve) zugeschnitten werden. Die volle Länge des Neuteils sollte man nicht lassen, um Kollisionen mit der "Breathertube" zu vermeiden.
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Sektion mit Breathertube
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Breathertube montiert
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Dieses Atemröhrchen ragt in den Tintnraum hinein und ist für die Funktion unabdingbar. Es sorgt dafür, dass beim betätigen der Pumpe, Luft durch die Röhre schnell abgeführt wird, während die schon im Schaft befindliche Tinte durch den engen Tintenkanal zurück strömen muss.
Beim Loslassen des Pumpenstößels wird Unterdruck erzeugt und sowohl über den Tintenleiter, als auch über die Breathertube wird Tinte angesaugt. Der untere Teil des Schaftes füllt sich, am Atemröhrchen bildet sich ein Luftpolster - beim erneuten Betätigen der Pumpe, wird Luft aus dem Luftpolster über die Breathertube erneut abtransportiert und - beim Loslassen neue Tinte angesaugt.
Nach 4-5 Pumpvorgängen ist der Schaft bis auf Höhe der Breathertube gefüllt - mehr geht nicht!
Also neues Diaphragma passend zuschneiden!
Ist die korrekte Länge ermittelt und alles zurechtgeschnitten, wird die Gummipelle aussen mit Talkum bestäubt - das hält den Gummi geschmeidig und beugt Verklebungen vor.
Dann kommt wieder ein Dorn/Essstäbchen/Pinselschaft etc. zum Einsatz, um den Gummisack umzustuelpen.
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Umfalten des Diaphragmas
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Der umgefaltete Teil wird nun Richtung Pumpeneinheit geschoben, bis der Dichtkonus erreicht ist.
Vor dem endgültigen Heranschieben an den Absatz des Pumpengehäuses ist ein Tropfen Schellack nicht verkehrt, um alles zu sichern.
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Schellack zur Sicherheit
15446555814542.jpg (184.8 KiB) 1086 mal betrachtet
Wenn alles geklappt hat, sieht die Pumpeneinheit dann so aus.
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Pumpe mit neuem Diaphragma
15446555913213.jpg (177.71 KiB) 1086 mal betrachtet
So ... Pumpeneinheit wieder hineinschrauben und sehen ob alles so geht wie es soll!
To be continued,
Andi
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 14.12.2018 1:20

Hallo, boa das sprengt ja fast den Rahmen.
Eigentlich wollte ich das viel kürzer halten! Jetzt ist der Abend schon wieder vorbei und ich bin immer noch nicht fertig - das erinnert mich fast ein bisschen an die Zeit kurz vor dem Abgabetermin für meine Diplomarbeit - da waren die Tage und Nächte auch immer irgendwie zu kurz!
Egal morgen habe ich eine Schulung - da kann ich mich ja etwas erholen.
Übrigens ist das keine Absicht von mir, diesen Beitrag unnötig aufzublasen oder Textbeiträge im Forum zu scheffeln - wird der Text zu lang, oder sind es zu viele Bilder, fliege ich einfach raus und kann nichts mehr anhängen. Deswegen die vielen Einzelposts - nichts für ungut.
Zurück zum Parker.
Die neu bestückte Pumpeneinheit wandert nun zurück in den Schaft.
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Hinein damit
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So das ganze hineinschrauben, aber nur mäßig fest - erstens sprengt bei roher Gewalt der Pumpenkonus den Schaft, zweitens dichtet ja der Gummi des Diaphragmas, und drittens sollte noch Luft für ca. 90 Grad Drehwinkel bleiben bevor der Schaft reisst.
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Eingeschraubt mit etwas "Luft"
15446556315971.jpg (194.64 KiB) 1077 mal betrachtet
Die 90 Grad Reserve zwischen " gerade dicht" und " noch ein bisschen und der Schaft reisst" benutze ich um das Muster im Celluloid zwischen aufgeschraubter Endkappe und Schaft abzugleichen. Bei den Vacumatic's sind die Ringe des irrisierenden Materials nicht überall am Umfang gleich gut zu sehen - es gibt "Vorzugsrichtungen".
Ist die Pumpeneinheit locker verschraubt, drehe ich die Bindkappe auf, und schaue wie das Muster harmoniert - stimmen die optischen Achsen nicht überein, kann das über ein weiteres einschrauben der Pumpe korregiert werden.
Wenn alles passt, wird noch Pro Forma das erzeugte Vacuum getestet.
Dazu einfach den Daumen nass machen, die Pumpe drücken, den Schaft mit der Öffnung für die Sektion auf den nassen Daumen drücken und die Pumpe loslassen - wenn's alles gut ist, saugt sich der Schaft regelrecht fest.
War hier leider nicht der Fall ...
Oh ein Cliffhanger 8-)
Ist aber tatsächlich schon 1 Uhr 16!
Also bis Morgen,
Ciao Andi
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 14.12.2018 17:13

Hallo erstmal,
kein Vacuum - das durfte doch nicht wahr sein!
Ich hatte schon die ganzen Bilder für den Beitrag geschossen und mich über den neuwertigen Zustand des Vacumatic's erfreut, und jetzt funktioniert das Teil nicht !?!
Schon vor dem Auseinanderbauen hatte ich alles mit der Lupe auf Risse oder Auflösungserscheinungen untersucht und absolut nichts finden können.
Jetzt verlassen wir den Bereich der Serviceanleitung, deswegen auch der seltsame Threadname.
Irgendwo geht das Vacuum verloren, zu sehen ist nichts und ich bin mir sicher die Pumpeneinheit richtig montiert zu haben. Da bleibt nur die gute alte Methode, wie auch ein Loch im Fahrradschlauch dingfest gemacht wird - in Wasser untertauchen, Druck aufbauen und sehen ob irgendwo Blasen entstehen, die da nichts zu suchen haben.
15446556440252.jpg
Die Oberfläche ist nass
15446556440252.jpg (194.24 KiB) 846 mal betrachtet
15446556610603.jpg
Die Pumpe betätigen und oben rechts bilden sich Blasen
15446556610603.jpg (183.22 KiB) 846 mal betrachtet
Unter Wasser hat's mit dem Foto nicht geklappt deswegen ist auf den Bildern nur die Oberfläche benetzt. Es ist nicht ganz klar zu erkennen, aber auf dem unteren Bild bilden sich oben rechts Blasen!
Aha bei genauerer Untersuchung mit der Lupe kommt auf dem letzten Gewindegang des Aussengewindes ein winziges Löchlein zum Vorschein. Offensichtlich ein Materialfehler und wohl auch der Grund dafür, dass der Füller nie benutzt wurde.
Ciao Andi
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Vespafahrer » 14.12.2018 18:53

Hallo Andi,

ich hab schon drei mal gute Erfahrungen mit Captain Tolley Dichtmasse Creeping Crack Cure gemacht.
Könnte auch bei Deinem Loch helfen. Sogar den Riss im Korpus einer Ovation konnte ich damit dauerhaft kleben.

Wenn das Celluloid das aushält wäre ein rundes Loch mit einem Fräßer, ein Tropfen 2k Klebstoff in Transparent gefolgt von leichtem Abdrehen auf der Drehbank mein alternativer Lösungsversuch.

Gruß
Holger

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 14.12.2018 22:31

Hallo,
weiter im Text. Es freut mich sehr, dass die Beiträge so aufmerksam verfolgt werden obwohl ich das Gefühl habe manchmal etwas zu ausführlich zu berichten.
Danke Holger für den Tipp mit der Dichtmasse - verwendet habe ich hier aber einfach Zaponlack - ist schließlich Celluloid in flüssiger Form ( na ja, fast).
15448161253030.jpg
Zaponlack - Nitrozellulose
15448161253030.jpg (311.97 KiB) 794 mal betrachtet
Mit Zaponlack habe ich früher schon Celluloid- Proben verklebt ( auch mit Aceton - was gut geht, aber keine Löcher füllt). Habe mir, bevor ich mich an historisches Material gewagt habe, erst mal Celluloidplatten aus dem Instrumentenbau besorgt und damit herumgespielt um ein Gefühl für den Werkstoff zu bekommen. Ist zwar off topic, passt aber vielleicht ganz gut hierher. Bohren, verkleben, sägen und warmformen - ich komme eben aus der Metallecke und musste mich erst einarbeiten!
15448171351400.jpg
Probestücke aus Celluloid
15448171351400.jpg (245.24 KiB) 794 mal betrachtet
Unten rechts auf dem Bild ist ein kleines Probestück zu sehen, das aus den größeren Platten zusammengeklebt wurde ( mit Zaponlack). Nach dem kleben war es plan und wurde anschließend, mit dem Heißluftfön erwärmt und gebogen - die Verbindung hielt!
Also gehe ich davon aus, dass die Lösemittel im Lack die Oberfläche ausreichend anlösen, um eine innige Verbindung der Klebefugen zu gewährleisten - ohne gleich alles im Umkreis zu erweichen, was bei Aceton schon mal vorkommt.
Doch jetzt zurück zum Parker.
Der Materialfehler hat sich eine ziemlich blöde Stelle ausgesucht um dem Füllerfreund das Leben möglichst schwer zu machen :oops: .
Am Ende des Kappengewindes, gerade so weit Richtung Füllerschaft, dass die eingeschraubte Sektion keine Dichtheit erzeugen kann. Trotzdem noch in einem Bereich an dem das Innengewinde für die Sektion geschnitten ist und eintretender Klebstoff verhindern kann, die Sektion bündig zum Schaft zu montieren!
Super - wenn ich einen Vacumatic mit einer einzigen, kleinen Bohrung, möglichst irreparabel ausser Gefecht setzen sollte, würde ich genau diese Stelle wählen.
Doch Gott sei Dank ist Adventszeit!
Da sind immer Kerzen im Haus :) .
15448161417081.jpg
Kerzen sind praktisch
15448161417081.jpg (284.67 KiB) 794 mal betrachtet
Gleich geht's weiter, bis bald
Andi
Grüße Andi

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 14.12.2018 23:37

Hallo,
die Kerze rettet das Projekt ;) .
Aus dem abgetrenntem Stück habe ich mir eine "falsche Sektion" gedreht. Zugegeben das geht vielleicht auch einfacher - mit einem bisschen flüssigem Wachs, das auf die Innenseite des Schaftes aufgetragen wird, und so die Gewindegänge vor dem Lack schützt. Habe aber vor ein paar Tagen einen Gewindestrehler mit 36 tpi Withworthgewinde bekommen (eigentlich für ein ganz anderes Projekt gekauft) und wollte den sowieso mal ausprobieren.
15448161553982.jpg
Kerze mit Wachssektion
15448161553982.jpg (295.46 KiB) 774 mal betrachtet
Sieht doch lustig aus oder?
Gut - nach dem Gewinde noch den konkaven Teil des Originalgriffstückes in die Kerze zu drehen, ist vielleicht etwas übertrieben ;) .
So meinem Spieltrieb ist genüge getan, jetzt wird endlich das Loch verfüllt.
15448161701163.jpg
Kerze in den Schaft geschraubt
15448161701163.jpg (257.98 KiB) 774 mal betrachtet
Kerzenstummel in den Schaft geschraubt - passt wie angegossen - cool, ich habe bis jetzt noch nie mit einem Strehler gearbeitet und gleich alles gut!
So jetzt das Löchlein mit einer Nadel Tröpfchen für Tröpfchen verfüllt und, was soll ich sagen, passt :) !
Nach dem Trocknen des Lackes die Vacuumprobe durchgeführt und ja, jetzt saugt sich der Schaft so fest, wie er soll. Geschafft!
Morgen baue ich wieder alles zusammen und zeige noch ein paar Bilder vom fertigen Vacumatic.
Bis dahin - Advent, Advent ein Lichtlein brennt.
15448161874694.jpg
Schöne Adventszeit wünsche ich euch
15448161874694.jpg (248.86 KiB) 774 mal betrachtet
Andi
Grüße Andi

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tinte&feder
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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von tinte&feder » 15.12.2018 0:27

Wie bekommt man mit einem Gewindestrehler denn die richtige Steigung hin? Führt man den per Hand und regelt sich das "von allein" da die Zacken von selbst in die richtige Steigung fallen wollen?

Viele Grüße
Kristof

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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Wurmbunt » 15.12.2018 10:33

Hallo Kristof,
im Prinzip genau so wie du es beschrieben hast - es gibt da auch YouTube Videos dazu. Wachs ist aber nicht sehr fest und ich wollte nicht 10 Kerzenstummel schreddern bis es endlich klappt. 36 turns per Inch entsprechen ziemlich genau einer metrischen Gewindesteigung von 0,7 - so habe ich das Gewinde einfach mit dem eingespannten Strehler auf der Drehbank mit 0,7 mm/ Umdrehung Vorschub geschnitten.
Servus
Andi
Grüße Andi

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parker_pen
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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von parker_pen » 15.12.2018 10:53

ganz tolle Arbeit leistest du da, ich bin echt begeistert mit welcher Herzblut du diese Reparatur Anleitung für uns erstellst.

Jetzt kann ich endlich auch mal die genaue Funktionsweise meines Vacumatic nachvollziehen. Ich hatte meinen zu so einer Reparatur ins Forum gegeben und ihn wie neu zurückerhalten. Toll was ihr hier so leistet. Bin ja eigentlich handwerklich nicht so ungeschickt, aber an so eine feine Arbeit habe ich mich noch nicht herangetraut.

Ich bin schon ganz gespannt wie es in dem Faden noch weitergeht :D
Liebe Grüße
Torsten

Die größte Macht hat das richtige Wort zur richtigen Zeit. "Mark Twain"

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Will
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Re: Eigentlich - Serviceanleitung für Parker Vacumatic's

Beitrag von Will » 15.12.2018 12:10

Hallo Andi,

Du machst eine super Arbeit und Deine Erläuterungen sind wirklich anschaulich sowie nachvollziehbar. Wenn ich wissen will, wie man einen solchen Füllhalter restauriert, kann es weder zuviele Worte noch zuviele Bilder geben. Für den Wissenden ist alles einfach und jeder Schritt logisch. Das, was für alle anderen den Unterschied zwischen einer erfolgreiche Reparatur und einem unglücklich zerstörten Füllhalter ausmacht, ist vielleicht nur ein fehlendes Wort oder Bild. Darum mach bitte weiter so in aller Ausführlichkeit. Wen es nicht interessiert, der brauch es ja nicht zu lesen.

Schöne Grüße

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!

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