Versuch eines Buchbindethreads

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Tenryu
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Tenryu » 19.08.2017 12:29

Weiß zufällig jemand, wie man das Papier nennt, aus dem die Paperblanks-Notizbücher bestehen? Wenn man es gegen das Licht hält, hat es die typische Maserung von hangeschöpftem Papier, gleichwohl es natürlich maschinell hergestellt wird und viel glatter ist als Büttenpapier.
Und kann man solches auch irgendwo als Bogen kaufen?

paul
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von paul » 22.03.2018 0:57

Hoffentlich für einige der Leute interessant, die ihre Notizbücher selbst binden:
heute bin ich über diesen Beitrag gestolpert. Ist ein Review von Notizbüchern des estnischen „Studio Tartuensis“ mit der netten Idee, den Covern von alten, aussortierten Büchern (aus Bibliotheken etc) ein neues, leeres Innenleben zu verpassen. Hat seinen ganz eigenen Charme, wie ich finde.

PS: eure selbstgemachten Notizbücher, und das Buchbinden im Allgemeinen finde ich faszinierend – spätestens seit ich damals Tintenherz las ;-)

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bella
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von bella » 22.03.2018 5:42

@Tenryu,

findest Du unter der Bezeichnung Vergé Papier oder auch Papier mit Wasserlinien bzw. geripptes Papier

SimDreams
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von SimDreams » 22.03.2018 19:16

...und ist manchmal ein "pain in the a..." zum Beschreiben.

Ich habe das "C by Clairefontaine" in der Vergé Form; das macht mir keinen Spaß mit Füllhaltern. Das Papier sieht sehr gediegen auch und fasst sich auch so an, die Füller gleiten aber (liegt es an der Handhaltung?) nach nicht gut und der Tintenauftrag ist unregelmäßiger. Durch die Rippen hängt die Feder halt oftmals in der Luft. Auf meiner Lederschreibtischauflage geht´s einigermaßen, auf hartem Untergrund ist es widerlich. Ich nutze es nur noch für wichtigere Drucksachen.

Grüße, Uwe
Da die Schreibgeräteakquise nicht das einzige Hobby ist - Fotografie und Dein Notizbuch nach Maß: http://www.flickr.com/photos/simdreams/

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bella
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von bella » 22.03.2018 20:23

Zum Schreiben finde ich es auch nicht gut ..... als Linkshänder sind eh alle Papiere mit Struktur wie steil Bergauflaufen mit Gepäck :mrgreen:

twstern
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von twstern » 27.05.2018 0:38

Also, ich muss schon sagen, Holunderbeeere, deine Bücher sind Klasse!
Habe den Thread erst neulich entdeckt und lüpfe meinen Hut.
Da können meine bescheidenen Versuche lange nicht mithalten.
Ich konnte mich allerdings nie so richtig für die Art wie du sie bindest begeistern. Mit den Bändern kam ich ins hadern weil sie mir zu locker waren, und Lagen einzusägen um die Schnur zu versenken!? Das kam mir wie Blasphemie am Papier vor.
Und, ich habe auch keinerlei Maschinen.
jetzt mache ich das so, wie das der Herr Cockerel vorschlug. :mrgreen:
(eines das ich mal für ein Forum gemacht hab)
NobuchDSFO.jpg
NobuchDSFO.jpg (313.77 KiB) 1157 mal betrachtet
Das hält wenigstens mindestens 2 Jahre Dauermitschleppen und benutzen aus.
Wie ich das mache ist hier beschrieben:
https://www.theostern.de/NotizbuchKomplett.html

Das Papier, das ich dafür verwende ist nicht immer für Füller geeignet, oder grade so. Vokabelhefte nehme ich deshalb, weil ich die Lineatur gut finde. Die gibt es in D leider nicht in der Größe A4, sonst könnte ich mir das besser selbst zurechtfalten. Ob das amerikanische gelbe Papier da besser geeignet ist?
Das gäbe es immerhin in dieser Lineatur, ist mir aber zu teuer um das auszuprobieren.
Blankes Papier nehme ich für meine Töchter, die wollen das und das haut bei denen auch hin, wenn ich 60 oder 80 Gramm Briefpapier nehme.

Ach ja, eines der Ergebnisse der Sachen, die ich da drin aufschreiben musste natürlich nach dem Ausdrucken auch ein haltbares Kleid bekommen:

Bild

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Querkopf
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Querkopf » 28.01.2019 0:26

Holunderbeere hat geschrieben:
11.08.2015 12:11
... Ich würde gern alle einladen, ihre selbst oder im Auftrag hergestellten Papierwaren hier zu zeigen...
Ok, das ist offenbar nicht nur für richtige Bücher gedacht. Also traue ich mich mal. Was das Zeigen betrifft, muss ich freilich um Geduld bitten: Bisher war ich mit Was-geht-wie-am-besten-Fragen zugange und habe noch nix fotografiert. Aber ein paar Dinge möchte ich trotzdem schon mal posten. Erstens zur allgemeinen Ermutigung :) . Zweitens, weil ich auf Anregungen von euch Erfahrenerern hoffe, wie sich dies oder das besser erledigen lässt.
SimDreams hat geschrieben:
11.08.2015 13:23
... Meine kleinen Bastelarbeiten sind keine "echten" Buchbinderarbeiten... Bei mir waren es ganz pragmatische und keine ästhetischen Gründe, warum ich zu Nadel und Faden gegriffen habe. Es gab einfach nicht das zu kaufen, was ich haben wollte. ...
Genau das war/ ist auch meine Motivation zum Selbermachen. Und auch bei mir geht's um simple Hefte.

Ich schreibe einfach mal her, was ich mir dazu als "Gebrauchsanleitung" notiert habe.

Notizhefte aus Tomoe River-Papier, rückengeheftet, Marke Eigenbau

Vorbild: Moleskine-Cahiers im Pocket-Format
Ihre Vorteile: 9x14 cm, handlich, passt in Jacken- und Gürteltaschen; üppige 80 Seiten, trotzdem dünn, leicht, flexibel; Fadenheftung, ergo haltbar; Zetteltasche; Blankopapier.
Ihr Nachteil: Das Papier ist absolut nicht tintenfest. Das macht sie für Füllerschreiber unbrauchbar.

Handliche Notizhefte aus Tomoe River-Papier gibt's im Handel leider nicht. Bleibt nur, sie selber zu fabrizieren. Doof. Und noch nie gemacht... Probieren zeigt: Ist nicht schwierig. Obendrein kostengünstig. Denn im Gegensatz zum Büchermachen fordert das Verfertigen schlichter Hefte weder spezielles Material noch spezielles Gerät. Das Nötige hat man eh in der Küchen- oder Schreibtisch-Schublade, in der Werkzeugrolle, im Nähkästchen. Und weil das Papier trocken bleibt (kein Leimkontakt), spielt dessen Laufrichtung keine Rolle.

Was man braucht, ist:

Material:
- Tomoe River-Papier, die üblichen losen DIN A4-Bögen
- Einbandmaterial: festes Papier (z. B. Marmorpapier, Carta Florentina o.ä., 90-100g/qm) und/ oder Pappe – Tonpapier (130g/qm), Fotokarton (300g/qm) oder was dazwischen. Tonpapier und Fotokarton bekommt man im DIN A4- oder A5-Format; spart Schneidarbeit, ist aber teurer als in Bögen. Ausnahme: Tonpapier-Ähnliches für Drucker, A4, gibt’s günstig, auch farbig. Sonst: Bögen, meist 50x70cm; das bedeutet mehr Messen & Schneiden, ist dafür günstig.
- Nähfaden: gut zu verarbeiten, robust und enorm dauerhaft ist Leinenzwirn Nm 30. Als "Buchbinderzwirn", dünne Sorte, in verschiedenen Farben zu haben, Rollen à 25g = 150m – genug für ein ganzes Hobby-Heftemacher-Leben. Als "Sternzwirn" gibt’s auch Kärtchen mit je 20m, gleiche Stärke; da muss man genau hingucken, Leinengarn ist mittlerweile viel seltener zu finden als Kunstfaser. (Ich nutze zzt. uralten Ackermann-Leinen-Sternzwirn aus einem geerbten Nähkästchen, das Produkt gibt’s so schon seit den 1980er Jahren nicht mehr...)
- Leim/ Kleber, der sich dünn verstreichen lässt und nicht durchschlägt; ich habe ein Fläschchen "Buchbinderleim" von guardi zur Hand.

Werkzeug:
- Für knackige Knicke: Falzbein (oder halbrunder Messergriff, Essstäbchen o.ä.).
- Zum Teilen der Papierbögen: Messer mit dünner, sehr scharfer Klinge (bewährt: Steakmesser ;) ).
- Zum Einband-Zuschneiden: Skalpell/ Cuttermesser, Stahllineal, Schneidunterlage (ggf. Holzbrett).
- Zum Löcher-Stechen: Ahle oder Leder-Nähnadel, Dorn (oder dicker Stahlnagel) & Hammer.
- Für den Beschnitt der Papierkanten: Hebelschneider (ideal: Stapelschneider, habe ich leider nicht zur Verfügung), wenn vorhanden; sonst Skalpell/ Cuttermesser & Lineal.
- Zum Leimen: schmaler Borstenpinsel, um den Kleber fein zu verteilen.
- Zum Zusammenheften: Buchbindernadel oder andere lange Nadel mit 2 mm-Öhr.
- Zum Abrunden der Ecken, sofern man sich das antun will: Eckenstanze/ Eckenrunder.

Die eventuelle Start-Investition sieht so aus:
- 1 Päckchen (=2 Karten) Leinen-Sternzwirn, ca. 2-3 Euro
- 1 Satz Nadeln, falls man keine passenden hat, ca. 2-3 Euro
- 1 Skalpell/ Cuttermesser, falls man noch keins hat, ca. 3 Euro
- 1 Stahllineal, 50 cm, falls man noch keins hat, ab ca. 4-5 Euro
- 1 Buddel Leim, 3,5 Euro
- evtl. 1 Eckenstanze, ca. 6 Euro
Hält sich sehr in Grenzen. Und reicht für viele, viele Hefte :) .

Los geht's:
In 10 Schritten zum Heft im Format DIN A6 (ungefähr, fertig ist's etwas kleiner) mit 80 Seiten.

1. Den Papierblock vorbereiten. 5 DIN A4-Blätter mittig falten, mit sehr scharfem Knick (Falzbein). Mit superscharfem Messer Falz aufschneiden. Die entstandenen A5-Blätter erneut mittig falten. Same procedure mit zweitem Blätter-Fünfer. Beide Päckchen ineinander fügen.
2. Mittleres Blatt im Innenfalz anzeichnen für die Heftung, mittig und je dreimal rechts und links, Abstand jeweils 1,5 Zentimeter.
3. Im Mittelblatt an den Anzeichnungen Heftlöcher vorstechen (Ahle, alternativ Leder-Nähnadel).
4. Gesamtes Papierpäckchen zusammenklemmen und die Löcher im Falz durch den ganzen Stapel stechen (mit der Ahle schaffe ich das bei dieser Dicke nicht mehr, also Dorn – alternativ: Stahlnagel – und Hammer mit Holzbrett drunter).
5. Dünnen Faden durch die drei mittleren Löcher ziehen, vorheften, Faden verknoten.
6. Dank des provisorischen Heft-Zusammenhalts kann man nun die Papierkanten glattschneiden (Hebelschneider – wenn es, wie bei mir, kein Stapelschneider ist, muss er u. U. mehrmals ran, mit Teilportionen Papier; alternativ Skalpell/ Cuttermesser und Schneidelineal).
7. Den Einband vorbereiten. Ich habe drei Varianten ausprobiert.
a) Florentinerpapier pur: Streifen schneiden, 14,4-14,5cm hoch, 32cm breit. In der Mitte der langen Seite nach innen knicken. Vom Falz aus beidseitig 10,1-10,2cm abmessen, je nachdem, wie breit nach dem Beschnitt der Heftblock ist (Achtung: Zur Blockbreite 1-2mm pro Seite zugeben, sonst guckt das Papier aus dem Einband); dort für die Zetteltaschen die Ränder nach innen knicken. Obere Taschenkanten ein Stückchen schräg nach innen einschlagen, Einschläge festleimen. Untere Taschenkanten schmal an die Einband-Innenseite leimen.
b) Pappe mit Umschlag: Wo Florentinerpapier solo zu weich ist, muss Verstärkung her. Mir gefällt Tonpapier mit Florentinerpapier als Umschlag gut. Tonpapier-Streifen schneiden, 14,5x21cm, in der Mitte der langen Seite knicken (Maße ggf. anpassen, sprich: nachschneiden – der Karton muss, siehe a), auf jeder Seite 1-2mm breiter sein als der Papierblock, darf aber nicht zu weit überstehen). Umschlag vorbereiten, siehe a) – außer der Taschen-Aktion. Dünn Leim auf die Karton-Außenseite auftragen und den Umschlag fixieren, Taschen-Unterkanten auf den Karton leimen.
c) Karton pur, wenn man sich die Umschlag-Aktion sparen will oder einen extrastabilen Einband möchte. Zetteltasche ist hier ein Extra-Arbeitsgang: Stückchen festes Papier oder dünne Pappe zuschneiden und innen in den Deckel leimen. Bei Karton pur ist sinnvoll, dass der Einband bündig abschließt mit dem Papier, ohne Überstand.
8. Umschlag außen anzeichnen (siehe 2.), Löcher stechen. Anzeichnungen wegradieren.
9. Nähfaden (ideal: Leinenzwirn, 30 Nm) zuschneiden, doppelt bis dreimal so lang, wie das Heft hoch ist. Umschlag und Heft zusammenklemmen. Vom mittleren Loch ausgehend das Ganze so (bitte runterscrollen zur Skizze mit fünf Heftlöchern! - ich hantiere mit sieben, aber das Prinzip ist gleich) heften.
10. Faden straffziehen, innen verknoten, etwas Überstand in die Naht wickeln, Rest abschneiden. Den Vorheft-Faden entfernen. Zum Schluss, vielleicht, möglicherweise, in seeehr geduldiger Stimmung: Bei Karton-pur-Heften sind abgerundete Ecken nützlich zur Eselsohren-Vorbeugung. (Ist mit Hobby-Eckenstanzen fummelig, weil sie jeweils nur wenige Blätter fassen – Stapel-Stanzen sind Profi-Teile und richtig teuer, das lohnt nicht. Aber mit dem Skalpell ist das Eckenrunden noch viel fummeliger :roll: ...)
Fertig :) !

Das ist das - vorläufige - Ergebnis aus Net-Lektüre und allerlei try and error. Wo gehe ich da Umwege, was lässt sich besser/ einfacher machen? Über Feedback würde ich mich freuen.
Und noch mehr würde mich freuen, wenn "echt" buchbinderisch ambitionierte Foristi sich mal wieder zu Wort melden würden!

P.S. Bilder folgen, dauert aber noch ;) .
Schöne Grüße
Doris

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Pruppi
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Pruppi » 28.01.2019 8:50

Liebe Doris,
ich bin schon sehr gespannt auf deine Ergebnisse und freue mich auf Fotos vom Endergebnis.
Viel Spaß beim rumprobieren. :)
Liebe Grüße
Nicole

SimDreams
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von SimDreams » 28.01.2019 9:43

Diese Woche bin ich im Urlaub, ich kann gerne mal eine bebilderte Anleitung als Ergänzung schreiben oder evtl. ein Video drehen (habe ich zwar noch nicht gemacht, aber man lernt ja dazu).

Doris, was deine Arbeit erheblich erleichterte, wäre ein Hebelschneider (mit dem kannst du sämtliche Schneidarbeiten der kleinen Formate meistern und hast einen Anschlag, so dass du vor dem Schneiden nicht vorknicken musst) und eine gute Stechahle z.B. diese hier von Schmedt (nehme ich auch): https://www.schmedt24.de/buchbindereibe ... rer-spitze Die sticht durch Papierstapel und Einband. Dort bekommst du auch Buchbinderzwirn (ich habe schon mehr als eine 100 Meter Rolle durch).

Ich habe die vorgezeichneten Löcher aller regelmäßig benötigten Heftformate auf einer Schablone, die ich innen in den Papierstapel lege. Dann kommt das Ganze mit Einband auf ein dickes Buch, und ich kann direkt durchstechen. 20 Blatt wie oben sind kein Problem.

Grüße, Uwe
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Querkopf
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Querkopf » 28.01.2019 21:43

Lieber Uwe,

danke dir für die Tipps!
SimDreams hat geschrieben:
28.01.2019 9:43
... was deine Arbeit erheblich erleichterte, wäre ein Hebelschneider ...
Ich hab' einen, aber einen sehr einfachen, bei dem man das Papier nicht fest einklemmen kann. Deshalb hatte ich bisher kein Vertrauen zu seiner "Formattreue". (Liegt wohl auch dran, dass ich, ähemm, mäßige Erfahrungen gemacht habe mit der "Cut-Cat" - Schneidgerät mit Rollmesser -, die hier aus uralten SW-Foto-Zeiten noch rumsteht: Die hat eine ähnliche labberige Kunststoffklemme fürs Schnittgut, und sobald es mal mehr wird als ein, zwei PE-Fotopapiere, verrutscht beim Schneiden leicht was.) Ich werde mal mit einem Stäpelchen Kopierpapier testen. Wenn das klappt, erspart's etliche Handgriffe und einiges an Zeit.
SimDreams hat geschrieben:
28.01.2019 9:43
... und eine gute Stechahle...
Hab' ich auch, hat beim ersten Versuch aber nicht geklappt. Ich habe vermutlich nicht energisch genug gepiekst ;). Wird auch neu probiert. (Und vorsichtshalber besorge ich Ersatznadeln, die sind irgendwie verlorengegangen.)
SimDreams hat geschrieben:
28.01.2019 9:43
... Ich habe die vorgezeichneten Löcher aller regelmäßig benötigten Heftformate auf einer Schablone, die ich innen in den Papierstapel lege. Dann kommt das Ganze mit Einband auf ein dickes Buch, und ich kann direkt durchstechen. ...
Schablone hatte ich schon geplant. Stechen auf dickem Buch?! Weia, geht das nicht durch?
SimDreams hat geschrieben:
28.01.2019 9:43
... ich kann gerne mal eine bebilderte Anleitung als Ergänzung schreiben...
Das wäre klasse :).
SimDreams hat geschrieben:
28.01.2019 9:43
...Buchbinderzwirn (ich habe schon mehr als eine 100 Meter Rolle durch)...
Das ist gigantisch angesichts der Kleinportionen, die man pro Heft braucht - demnach hast du ganz, ganz viel Erfahrung :).

Genieße deinen Urlaub!
Merci & schöne Grüße
Doris

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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von desas » 28.01.2019 21:47

Auf dem "Tisch" eines Hebelschneiders lässt sich der Stapel oftmals mit Holzleisten und Schraubzwingen in Position zwingen.

Dann rutscht auch nix mehr rum.

Klappt allerdings nicht mit jedem Hebelschneider
Beitrag in schwarz: desas als Füllerfreund - Beitrag in grün: desas als Moderator

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Querkopf
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Querkopf » 28.01.2019 22:07

Super - danke, wird auch probiert :).
Schöne Grüße
Doris

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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Querkopf » 29.01.2019 10:03

Auf die Schnelle:
Nochmals danke für die Hinweise, Uwe!

Hab' probiert: Mein Hebelschneider ist viel vertrauenswürdiger, als ich dachte. Formatgetreues Blätter-Teilen kann er lässig. Und mit Trick 17 schafft er sogar den Kanten-Beschnitt des kompletten Heftpäckchens. Hurra!
Ansonsten habe ich gelernt, dass Werkzeug-Improvisation doch Grenzen hat ;): Meine Ahle ist eine Nähahle, in grauer Vorzeit mal für Lederbastelei benutzt - zum Papierstapel-Stechen nicht gut. Der Dorn aus der Werkzeugrolle kann's auch nur schlecht.
Jetzt ist eine richtige Stechahle unterwegs zu mir...
Damit wird's dann viel schneller gehen, etliche Arbeitsschritte werden überflüssig.
Schöne Grüße
Doris

DanielH
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von DanielH » 27.07.2019 8:04

Hallo in die Runde,

Ich habe dieses Thema immer nur am Rande verfolgt, aber interessiert hat mich das Buchbinden schon länger. Ursprüngliche Idee war, mal ein Notizbuch zu binden. Weil aber in den letzten Jahren bei mir einiges an privaten Manuskripten angefallen ist und ich eines davon mal als Buch in den Händen halten wollte, habe ich die Phase zwischen zwei Jobs genutzt und bin mal ans Werk gegangen. Problem: Das Manuskript, das ich binden wollte, hatte schon in Form eines A4-Skriptes 391 Seiten!

Die erste Herausforderung war, das Ganze auf ein entsprechendes Format zu bringen. Da das Manuskript mit LaTeX geschrieben war (ein Textsatzsystem, das gerade von Physikern sehr oft verwendet wird und das ich aus meiner früheren Berufstätigkeit her sehr gut kenne), konnte man an allen Dingen wie Papierformat, Zeilenabstand, Satzspiegel und was der Späße mehr war, nach Herzenslust herumspielen, wenn man sich nur ergoogelte, wie es geht. Herausgekommen ist dann eine Buchform à 763 Seiten, die ich in einem Format gehalten habe, das sich an meiner gebundenen Ausgabe von Günter Grass' "Beim Häuten der Zwiebel" orientierte, also ca. 190x115 mm. Das hat den Vorteil, dass man es auf einem A4-Laserdrucker mit zwei Seiten auf jeder Blattseite ausdrucken kann. Aber das ist ja noch nicht alles. Denn um das Ganze binden zu können, braucht man ja nicht einfach ein Skript, sondern Lagen mit den Seiten in einer ganz bestimmten Reihenfolge. Um die zu bekommen, habe ich noch einmal in meinem Schatz an Computerpraxis gewühlt und ein Programm geschrieben, das mir ausgibt, an welcher Position welche Seite liegen muss. Das ist gar nicht so schwer, wenn man einen Moment überlegt. Wenn man zum Beispiel eine Lage à neun Blatt hat, die also 36 Buchseiten umfasst, dann müssen auf die erste Seite des ersten Blattes die Seiten 1 und 36 und auf die Rückseite 2 und 35. Auf das nächste Blatt kommen die Seiten 3 und 34 sowie 4 und 33 und so weiter. Das Computerprogramm erzeugt diese Zahlenfolge, die man dann wiederum in eine LaTeX-Datei füttern kann, die dann die Seiten des Buches entsprechend umsortiert. Ein Ausschnitt davon sieht so aus:
\includepdf[pages={
1, 2, 35, 36,
3, 4, 33, 34,
5, 6, 31, 32,
7, 8, 29, 30,
9, 10, 27, 28,
11, 12, 25, 26,
13, 14, 23, 24,
15, 16, 21, 22,
17, 18, 19, 20,
37, 38, 71, 72,...

733, 734, 763, ,
735, 736, 761, 762,
737, 738, 759, 760,
739, 740, 757, 758,
741, 742, 755, 756,
743, 744, 753, 754,
745, 746, 751, 752,
747, 748, 749, 750,
Diese umsortierte Datei wurde also ausgedruckt und dann ging es völlig analog weiter.

Werkzeug:
  • Buchbinderahle
  • Nähnadel
  • Falzbein
  • Alulineal
  • Bleistift
  • Schere
  • Schraubzwingen
  • Holzbrett
  • große Holzkiste
  • Pinsel
  • Cuttermesser
  • großes Geodreick
Material:
  • Kopierpaper (da es nicht tintenfest sein musste, war es nicht nötig, hier Edelpapier zu benutzen)
  • Heftfaden (Baumwolle)
  • Backpapier
  • unbenutzte Pizzakartons (gesponsort von einer Pizzeria, die gefühlt die beste Pizza Düsseldorfs macht)
  • Rössler-Papier 160 g/m² (2 Bögen A4)
  • UHU-Alleskleber
  • Buchbinderpappe (2mm dick, beidseitig kaschiert)
  • Graupappe (0,7 mm dick)
  • Buchbinderleinen
  • tesa-Gewebe-Klebeband
  • doppelseitiges Klebeband
  • Heftgaze]
  • Kapitalband
  • Buchzeichenband
  • Collal-Buchbinderleim
Und dann ging es los. Die Heftanleitung war ein youtube-Video einer Schülerin, die sich so ihr Bulletjournal selbst gebunden hat. Ich habe mit Lagen à 9 und 8 Blatt gearbeitet (eine Excel-Tabelle hilft dabei, auszurechnen, wieviele Lagen man in welchem Umfang braucht) und jeweils gefaltet, markiert und gelocht. Als Unterlage zum Lochen dienen die Pizzakartons, die einen wirklich tollen Job machen. Die Buchbinderahle ist nämlich extrem gut und hat mir bei meinen ersten Versuchen, bei denen ich nur eine amazon-Versandpappe untergelegt hatte, erstmal den Tisch zerlöchert. Zum Heften habe ich eine umgebogene Nähnadel genommen und weil ich es am angenehmsten finde, wenn die Sachen beim Nähen etwa auf Augenhöhe sind, habe ich die Holzkiste, in der auch die Buchbindeutensilien untergebracht sind, neben mir auf den Tisch gestellt und die Lagen zum Nähen darauf gelegt.
Die Nähtechnik ist recht einfach, die ersten beiden Lagen aber Fummelkram. Man muss eine gerade Anzahl von Löchern vorstanzen (ich habe sechs genommen) und die erste Lage wird in klassischer Heftbindung angelegt, sprich: Faden oben von außen einstechen, dann abwechselnd innen und außen von Loch zu Loch führen bis man wieder am Ausgangspunkt angekommen ist, dann den Faden um den bereits eingehefteten Faden knoten und wieder herausführen. An dieser Lage hat man außen und innen zwischen allen Löchern je einen Faden stehen, so wie bei uralten, blauen Schulheften. Dann kommt die zweite Lage. Hier sticht man wieder von außen ein, führt den Faden innen zum zweiten Loch, sticht dort hindurch, fädelt ihn dann um die beiden Fäden der ersten Lage, die dort heraus kommen und wieder zurück nach innen. Ab der zweiten Lage verläuft der Faden bis auf die Verschlingungen mit den unteren Lagen komplett innen und erzeugt so auf der Außenseite Heftbünde, die ein bisschen wie Häkel- oder Strickmaschen aussehen. Bei der zweiten Lage ist das noch sehr fummelig, weil man um die horizontal verlaufenden Fäden der ersten Lage herum fädeln muss. Ab der dritten Lage geht es deutlich einfacher, weil man dann die Nadel einfach zwischen den Lagen hindurch um den Heftbund führen kann. Dabei macht sich die gebogene Nadel sehr bezahlt. Eine Polsterernadel funktioniert nicht, weil sie zu dick ist. Wahrscheinlich würden Nadeln aus dem chirurgischen Bereich sehr gut gehen, aber ich habe einfach eine selbst gebogene Nähnadel genommen.
Mein Buchblock hatte am Ende 23 Lagen. Die kamen dann zwischen zwei Bögen Backpapier, oben drauf ein Holzbrett und die Schraubzwingen dienten dazu, das Ganze erstmal kräftig zu pressen. Anschließend wurden die beiden Rössler-Bögen genau gefaltet und als Vorsatz an die vorderste und die hinterste Buchseite geklebt. In meiner improvisierten Presse wurde das Ganze dann trocknen gelassen.

Schön und gut, jetzt haben wir einen Buchblock im A5-Format, der natürlich auch nicht glatt ist - es ist ja Handarbeit. Was also tun, um ihn aufs richtige Format zu bringen. Schneiden! Aber wie? 392 Blatt nimmt ja nicht mal ein Stapelschneider. Dafür braucht man eher etwas von dezentem Guillotinencharakter. Da bei mir einmal um die Ecke eine Druckerei ist, habe ich dort mal nachgefragt. Der Chef beäugte meinen Buchblock einmal, ging kurz nach nebenan nachdem ich ihm gesagt hatte, was ich für ein Format möchte und kam mit einem glatt geschnittenen Buchblock zurück - für ein paar Euro. Er meinte noch, das sehe aber gut aus und ich sollte ihm doch auf jeden Fall das Endresultat zeigen.

Zurück zuhause wurde der Buchrücken nochmal gerade geklopft, wieder zwischen die Backpapierlagen gepresst und mit dem Pinsel eine Lage Leim aufgetragen. Der musste trocknen, anschließend wurde genau vermessen: Wie breit ist der Rücken, wie genau (auf Millimeter) ist das Fomat? Dann wurden Kapitalband (sieht man an gebundenen Büchern als Kordel oben und unten am Buchrücken und Heftgaze zurechtgeschnitten, ein Stück Zeichenband parat gelegt und nochmal der Rücken mit Leim eingepinselt. Das Zeichenband kam oben am Buchrücken in die Mitte, das Kapitalband darüber, über alles die Gaze - nochmal trocknen lassen. Als Unterlage zum Leimen eignet sich das Backpapier ganz hervorragend: Daran klebt nämlich nichts - Leimreste kann man einfach abziehen. Und Pappe zurechtschneiden: Die beiden Deckel und den Rücken. Für die Deckel nehme ich die dicke Pappe, für den Rücken die dünnere, flexiblere Graupappe. Die Deckel werden so geschnitten, dass sie ein paar Millimeter über den Buchblock überstehen, der Rücken sollte genau passen. Dann wird alles vorsichtig so mit Gewebe-Klebeband verbunden, dass die drei Pappstücke jeweils einen Abstand von fünf bis sechs Millimeter haben. Am besten probiert man dann einmal, ob das Ganze auch um den fertigen Buchblock herum passt.

Der Einband wird nun als Erstes mit Leinen kaschiert. Dazu klebt man an die Ränder der Außenseite genau passende Streifen doppelseitiges Klebeband und klebt dazu noch einige in die Mittelfelder der Pappen. Beim Abmessen und Zuschneiden der Klebebandstreifen ist das Backpapier wieder eine große Hilfe, weil es wirkt wie die Schutzfolie auf dem doppelseitigen Klebeband. Das Leinen (das auf einer Seite mit Papier beschichtet ist, was das Abmessen und markieren sehr erleichtert) schneidet man so zu, dass es an allen Seiten ca. 5 mm übersteht. Dann klebt man Pappe für Pappe vorsichtig darauf. Auf der Innenseite der Pappen bringt man auf die gleiche Weise doppelseitiges Klebeband an. Dann knickt man die Ränder des Leinens um, so dass sie auf den Klebestreifen auf der Innenseite zu haften kommen. Dann kommt der Buchblock. Er wird auf den Rücken gestellt und dann der erste Vorsatz an den Deckel geklebt, dann der zweite. Fertig. Ich war selbst verblüfft, wie professionell gemacht das Resultat aussah. Interessant war, dass mein Freund, der ein Exemplar geschenkt bekommen hat, den gleichen Eindruck hatte wie ich: Es sieht aus wie ein Gebet- oder Gesangbuch. Hier ein paar Bilder, wobei ich ein paar sehr persönliche Dinge entfernt habe.
buch1.jpg
Es sieht aus wie ein Gebetbuch...
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Der Vorsatz aus cremefarbenem Rösslerpapier
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Der Schmutztitel
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Die Titelseite
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Die Widmung ist übrigens in Levenger Claret mit einem Pelikan M620 geschrieben - passend zur Farbe des Buchleinens.

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Strombomboli
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Re: Versuch eines Buchbindethreads

Beitrag von Strombomboli » 27.07.2019 12:34

Lieber Daniel,

ich bin schwer beeindruckt -- nicht nur vom Ergebnis, sondern auch von der ausführlichen Beschreibung. Vielen Dank!
Iris

Mein Avatar ist ein Gemälde von Ilja Maschkow (1881-1944): Selbstporträt; 1911, das in der neuen Tretjakow-Galerie (am Krimskij Wal) in Moskau hängt, wo ich es fotografiert habe.

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