Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

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Huly
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Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Huly » 18.11.2018 14:35

Ich dachte mir, wir machen den Faden für die Kurrent und die abgeleiteten Schriften schon mal auf, den ihr euch vorgestellt habt: viewtopic.php?f=17&p=238180#p238180.
Mein Vorschlag wäre einen Kurrentpfad zu eröffnen, wo Fragen, wie auch jegliche Übungen und Reinschriften, und auch Korrekturvorschläge ihren Platz finden. Der Pfad wäre dann offen für Anfänger und Perfektschreiber.
Ich fange gleich mit dem ersten Schriftbeispiel an, dass aber, bedingt durch den Füller, etwas groß geraten ist:
Dateianhänge
kurrentanfang.jpg
Noodler's Nib Creaper mit R&K Salix auf Calligraphe Student-Collegeblock (70g/m²).
kurrentanfang.jpg (212.38 KiB) 1637 mal betrachtet

pejole
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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von pejole » 18.11.2018 18:45

@Huly,


Ich vermute mal du hast direkt mit diesem kompletten Satz deine Kurrentschrift angefangen, besser wäre es jeden Buchstaben einzeln erstmal zu üben, wie damals in der Schule, da wurde auch jeder Buchstabe einzeln geübt. Ist auch heute noch so bei jedem Schreibkurs.
Aber alle Achtung vor deinem Versuch.

Versuche diesen Text nochmals zu schreiben und beachte dabei was ich im vorletzten Absatz im Parallelthread schrieb,


Egal in welcher Schräglage ihr schreibt, ob 70° oder 60° oder noch schräger, diese Schräglage muss unbedingt immer eingehalten werden. Abweichungen fallen sofort störend auf.


Versuche die Schräglage exakt einzuhalten vom ersten bis zum letzten Buchstaben, du wirst sehen wie das Ganze direkt besser wirkt. Wenn möglich schreibe auf kariertem Papier, hier lassen sich wenn du kein Linienblatt unterlegst die Größen der Buchstaben besser einhalten.

Gruß, Martin


Und es darf auch wieder - dass mit ß - geschrieben werden, ein doppeltes rundes s gibts in Kurrent nicht.

http://deutsche-kurrentschrift.de/index ... ln_fraktur

Da+ ß #eht
1.
am Ende de+ Worte+:
muß, naß, Biß, Haß
2.
am Ende der Silbe:
häßlic, unfaßbar, vergeßlic
3.
vor einem Konsonanten:
laßt, haßt, wißt, verpaßt, verläßlic
4.
nac langem Vokal:
grüßen, Straße, ]ießen, <ließen
5. nac
Doppellaut:
heißen, außen, <eußlic

Thom

Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Thom » 18.11.2018 18:58

Und jetzt holen wir uns die Kurrent um 1900 mal ran.
Die alte Ligatur sz ist da schon ein Einzelbuchstabe.


Bild

Huly
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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Huly » 18.11.2018 19:11

@pejole

Danke für die Tipps!

Tatsächlich war das hier ein wenig schnell dahingeschrieben, der Nib Creaper schreibt recht breit (jedenfalls meiner) und auf diesem Collegelock wird das nicht besser.


Dass ist auch nicht der erste Versuch, ich übe schon länger (der EG-Faden ist ansteckend).

Die Schräglage habe ich tatsächlich noch nicht so oft geübt.

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Mahlekolben
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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Mahlekolben » 18.11.2018 19:44

Versuche nicht die Buchstaben auswendig zu lernen. Alles steht in "einem Fluss" - das war Gebrauchsschrift: Nach den Übungen in der Schule wurde ganz schön rumgeschludert - trotzdem nennt man das "Schrift", welche auch immer.

Wenn man mal schaut, wie die "vereinfachte Ausgangsschrift" aus der Schule von der üblichen Handschrift abweicht, weißt Du, was ich meine: Da hat kaum was Gelerntes noch mit dem Niedergeschriebenen zu tun.

Einen guten "Look" bekommst Du in der alten Kurrent, wenn Du zwischen den einzelnen Buchstaben richtig Meter machst. "Flache" Buchstaben aceimnor(s)uvwx... etc. recht niedrig halten, Schleifen bei bdfghjklpq(s)tzyz... mit ordentlichem Schwung. Probiere das mal...

Doppelbuchstaben (wie z.B. das "m" bei "Kammer") nur einfach schreiben, dafür einen geraden Strich darüber setzen. Das macht die Verwirrung dann komplett, war aber wohl so gewollt...
Viele Grüße

Michael

Thom

Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Thom » 18.11.2018 19:50

Deshalb schrieb ich
Thom hat geschrieben:
16.11.2018 18:19
Es hätte ja keinen Sinn, wenn es jemand, der's nicht richtig kann, anderen zeigt, die's gar nicht können.
Das kann uns aber nicht abhalten, nur frisch an's Werk. Auch wenn wir uns auf die 1900er einschießen sollten,
die Kurrent wurde ca. 0,5 Jahrtausende geschrieben, d.h. die größte Zeitspanne sowieso mit Gänsekiel. Bild
V.G.
Thomas

Thom

Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Thom » 18.11.2018 20:26

Ich habe mal noch einen Beitrag rausgesucht, was Mahlekolben da schreibt, könnte nämlich von mir kommen. Nur wenn wir gleich so anfangen, können wir's auch gleich bleiben lassen. Eines kann ich versprechen, es ist komplett illusorisch, anzunehmen, wie Martin schreiben könne man in 2 Monaten lernen. Der von Mahlekolben beschriebene Effekt tritt schon von selbst ein.

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Mahlekolben
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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Mahlekolben » 18.11.2018 20:59

500 Jahre lang eine Schrift... und heute kommt sie uns befremdlich vor.

Irre.

Übrigens: Die Form Uhren, die über den bislang längsten Zeitraum überhaupt produziert wurden/werden, sind die Comtoise - heute auch etwas befremdlich...

Doch das nur nebenher. Bitte zurück zur Schrift!

Ich hatte hier mal was zum Besten gegeben:

viewtopic.php?f=11&t=17609&p=176003&hil ... er#p176003

Bin halt Anfänger...
Viele Grüße

Michael

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lobstergirl
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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von lobstergirl » 18.11.2018 21:30

Mahlekolben hat geschrieben:
18.11.2018 19:44
Versuche nicht die Buchstaben auswendig zu lernen. Alles steht in "einem Fluss" - das war Gebrauchsschrift: Nach den Übungen in der Schule wurde ganz schön rumgeschludert - trotzdem nennt man das "Schrift", welche auch immer.
Vielen Dank dafür, Michael, das ist auch meine Meinung. Aber vorsichtshalber sei betont, dass ich nicht die wunderschönen Kalligraphien niederreden will, die die Mitforisten z.T. hier präsentieren!!!

Für mich ist die Kurrentschrift eine Schrift, die ich auch im Alltag gebrauchen möchte und ich möchte sie auch einigermaßen schnell schreiben. Langsam und nach intensivem Üben kristallisiert sich endlich eine Handschrift heraus, die mir gefällt und meiner Vorstellung einer Kurrentschrift immer näherkommt. Kalligraphischen Ansprüchen genügt sie sicher nicht, aber das tun viele der Originaltexte auch nicht.
Allerdings bin ich im Gegensatz zu Michael schon der Meinung, dass man die Buchstaben erst richtig "drauf haben" sollte, sprich: auswendig gelernt, sonst entsteht der gewünschte Fluss nicht, wenn man immer wieder nachschlagen muss, wie doch gleich noch das große "P" geschrieben wird, und war das jetzt ein "x" oder ein "y". Ich übe das, indem ich eines meiner Lieblingsbücher abschreibe, und das ist dann ein Drill, der mir auch noch Spaß macht.

Wie haltet ihr das mit den Rechtschreiberegeln, wenn ihr eigene Texte, also z.B. Briefe, schreibt?
Ich schreibe zwar "daß" anstatt "dass", "Fluß" statt "Fluss" etc. und bemühe mich, endlich die verdammten s-Regeln richtig draufzubekommen, aber ich krame jetzt nicht die alten Rechtschreiberegeln wieder raus und verfalle in die "sehr vereehrte gnädige Dame"-Sprache.
--Silvia

He that breaks a thing to find out what it is has left the path of wisdom.
(Gandalf, to Saruman / The Two Towers)

Thom

Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Thom » 18.11.2018 21:46

Mahlekolben hat geschrieben:
18.11.2018 20:59
500 Jahre lang eine Schrift... und heute kommt sie uns befremdlich vor.
Die hat sich in der Zeit natürlich auch verändert. Du hast ja Recht, hier hast Du auch mal die Lautverdoppelung durch Überstrich in der vorletzten Zeile. Ich bin auch dafür, das nicht so kompliziert zu machen, bis keiner mehr durchblickt. Wir sollten die Messlatte aber wenigstens so hoch legen, dass wir nicht versehentlich drüber stolpern.

V.G.
Thomas

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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von fismoll » 18.11.2018 22:21

Kurrent war niemals Kalligraphie, sondern Gebrauchs-(Kanzlei-, Kontor-)Schrift. Aber diejenigen, die das damals gelernt haben, wurden darin gedrillt, nicht ganz ohne Grund. Ich hab irgendwo Feldpostkarten (WK I) von meinem Uropa, die sind mit Bleistift geschrieben, daneben haben wir hier noch Kochbuchaufzeichnungen von ca. 1870 - beide verraten geübte und geschulte Schreiber*innen.
Was ich damit sagen mag: Die persönliche "Note" kommt von allein; am Beginn könnte man versuchen, so historisch korrekt zu schreiben wie es eben geht, weil das ja nun die Grundlage sein soll. Damit geht auch eine Entschleunigung einher, da sich die Schrift nicht zum superschnellen Schreiben eignet. Wer das möchte, lerne Steno - einige Berühmtheiten haben zum Verdruss der Nachwelt ihre Aufzeichnungen darin hinterlassen.
So seh ich das wenigstens, aber andere dürfen das natürlich anders sehen ...
Beste Grüße - André

Hedwig hustet, Berta niest, Rita röchelt, Effie briest ...

agathon
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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von agathon » 18.11.2018 22:25

lobstergirl hat geschrieben:
18.11.2018 21:30

Wie haltet ihr das mit den Rechtschreiberegeln, wenn ihr eigene Texte, also z.B. Briefe, schreibt?
Das darf jeder so halten wie er will, da steht ja nix unter Strafe. Bei mir ist dabei ein Mix aus alter und neuer Rechtschreibung und aus alten und neuen Buchstaben herausgekommen.

Grüße

agathon

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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von agathon » 18.11.2018 22:28

fismoll hat geschrieben:
18.11.2018 22:21
Kurrent war niemals Kalligraphie, sondern Gebrauchs-(Kanzlei-, Kontor-)Schrift. Aber diejenigen, die das damals gelernt haben, wurden darin gedrillt, nicht ganz ohne Grund.
Gilt nicht für alle! Ich hab‘ da auch schon richtige „Sauklauen“ gesehen, die kaum zu entziffern sind.

Grüße

agathon

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Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von JulieParadise » 18.11.2018 22:28

Auch wenn ich jetzt wieder Haue bekomme: Bestens geeignet für das Schreiben von wahnsinnig feiner und spitzer Kurrent sind Füller wie der Pilot Falcon SEF, die Platinum-Modelle mit Ef oder UEF oder alte, sehr feine Federn, wie man sie etwa in Pelikan-Füllern findet. Eben alles, was fein und mindestens ein wenig flexibel ist.

Tauchfedern sind m.M.n. kein Muss.
Sina / Julie Paradise, bei Instagram @wwwjulieparadisede

Thom

Re: Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

Beitrag von Thom » 18.11.2018 22:55

Julie wird nicht gehaun. Ich sag' doch, die haben das auch mit Bleistift geschrieben. (ist dann aber kein ordnungsgemäßer Schwellzug)

Bleistiftkurrent.jpg
Bleistiftkurrent.jpg (375.73 KiB) 1444 mal betrachtet

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