Die Handschrift ist nicht alles

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NicolausPiscator
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Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von NicolausPiscator » 22.10.2019 10:11

Liebe Füller-, Feder-, Papier-, Tinten- und Schreibbegeisterte,

schon mehrfach haben wir über das Handschreiben diskutiert. Meinen Standpunkt kennt Ihr ja: Alles hat seinen Zweck, seine Zeit und hängt mit vielem zusammen, insbesondere den persönlichen Präferenzen. Deshalb möchte ich Euch den folgenden Artikel aus der FAZ zu Eurer Kenntnis bringen:

https://www.faz.net/aktuell/karriere-ho ... 37443.html

vanni52
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von vanni52 » 22.10.2019 10:53

Zunehmende feinmotorische Probleme bei Kindern sollten unbedingt dazu führen, dem Schreibunterricht in der Grundschule einen höheren Stellenwert einzuräumen. Zusätzlich sollten, erst recht durch uns Foristen, unsere Kinder, Enkel etc. entsprechend beeinflusst werden.
LG
Heinrich

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Tenryu
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Tenryu » 22.10.2019 11:18

Schreiben erlernt man durch Üben und Repetieren. Aber gerade das überfordert die digitale Generation mit einer minimalen Aufmerksamkeitsspanne und Frustrationstoleranz massiv.

Thom
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Thom » 22.10.2019 11:32

Danke, Nils!

"Da das Tippen grundsätzlich schneller gehe, sei es dabei nicht so sehr notwendig, Informationen stark zu abstrahieren."
Das ist z.B. wieder so ein Satz, bei dem ich nicht die Bohne Ahnung habe, was damit gemeint ist.

V.G.
Thomas

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desas
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von desas » 22.10.2019 11:42

Wer mit der Hand schreibt, muss sich laut verschiedener Studien mehr darauf konzentrieren, reflektiert daher bereits während des Schreibens im Kopf. Wer tippt, hingegen weniger.








OT: Was dann auch auf Facebook und Co. für manche Beiträge erklärt, warum da unreflektierter Krams steht.
Beitrag in schwarz: desas als Füllerfreund - Beitrag in grün: desas als Moderator

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lobstergirl
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von lobstergirl » 22.10.2019 15:28

desas hat geschrieben:
22.10.2019 11:42
Wer mit der Hand schreibt, muss sich laut verschiedener Studien mehr darauf konzentrieren, reflektiert daher bereits während des Schreibens im Kopf. Wer tippt, hingegen weniger.

OT: Was dann auch auf Facebook und Co. für manche Beiträge erklärt, warum da unreflektierter Krams steht.
Das kann ich so bestätigen. Ich kann von Beruf wegen sehr schnell tippen und bin es gewöhnt, dass man mir direkt "in die Maschine" diktiert (jawohl, solche Chefs gibt es auch heute noch). Da tippe ich in rasendem Tempo mit, ohne nachzudenken, was ich schreibe. Könnte ein Rezept für Erbseneintopf sein oder ein Todesurteil, egal. Erst beim Nach- und Bearbeiten sehe ich den eigentlichen Text.

Wenn ich dagegen mit der Hand Notizen mache, muss ich konzentriert zuhören, was ich zu Papier bringe, weil ich nicht so schnell schreiben kann wie tippen, d.h. ich muss eine Vorauswahl treffen, was ich mitschreibe.

Allerdings kann man auch mit Papier und Stift unreflektierten Kram von sich geben ;)
--Silvia

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Damian
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Damian » 22.10.2019 16:07

lobstergirl hat geschrieben:
22.10.2019 15:28
Das kann ich so bestätigen. Ich kann von Beruf wegen sehr schnell tippen und bin es gewöhnt, dass man mir direkt "in die Maschine" diktiert (jawohl, solche Chefs gibt es auch heute noch). Da tippe ich in rasendem Tempo mit, ohne nachzudenken, was ich schreibe. Könnte ein Rezept für Erbseneintopf sein oder ein Todesurteil, egal.
Was arbeitest Du, dass Du Todesurteile wie Rezepte für Erbseneintopf diktiert bekommen könntest?
Persönliche Assistentin von Kim Jong Un oder Mohammed bin Salman?
Oder eine leitende Funktion bei der CIA oder beim FSB?

Thom
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Thom » 22.10.2019 16:49

Danke, Damian. :) Ich kann auch sehr schnell rennen. Nur deshalb renne ich aber nicht ständig.

V.G.
Thomas

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doubleyoukay
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von doubleyoukay » 22.10.2019 16:55

Vielen Dank für den Link. Ein interessanter, wenn auch leidlich kurzer Artikel. Ich hätte mir etwas mehr Hintergrundinformationen und vielleicht auch ein paar empirische Daten gewünscht. Ich finde aber den Ansatz, beides ungefähr gleichwertig zu berücksichtigen, sehr gut. Zumindest theoretisch, denn ob das so im Unterrichtsalltag untergebracht werden kann, sei erstmal dahingestellt. Dazu können sicherlich die Pädagogen mit dem Schwerpunkt Primarstufe mehr sagen.

Aber zumindest deckt sich das mit meinen eigenen Erfahrungen. Meine Ausbildung war bis zum Abitur vollkommen analog, ohne jeglichen Computer-Einfluss. Erst während der Bundeswehrzeit kam ich dann durch die Tätigkeit in einem hochtechnisierten Bereich in Kontakt mit den ersten Computern und arbeitete mich autodidaktisch in Betriebssysteme, Software und Programmierung ein. An der Uni konnte ich durch die zu der Zeit eher seltenen Computerkenntnisse recht lukrative Nebenjobs bekommen und so erwarb ich dann den ersten schwachbrüstigen PC (IBM-XT-Klon) mit dem berüchtigten grünen Monochrom-Monitor und MS-DOS. Ab da bin ich ziemlich nah an der technischen Entwicklung (AT/286, 386, etc.) dran geblieben.

Jedenfalls habe ich eine ziemlich lange Zeit fast alles digital gehandhabt - teilweise auch zu Lasten der Produktivität. Vor ein paar Jahren habe ich dann durch meinen aus der Versenkung aufgetauchten Oberstufenfüller (Lamy 25P) die Freude an der Handschrift wiederentdeckt. Sie hat sich dann sukzessive einige Arbeitsbereiche zurückerobert. Mittlerweile haben sowohl digitale als auch analoge "Werkzeuge" ihren Platz in meinem Alltag und ich möchte weder die einen noch die anderen missen. Es gibt kein Dogma, was wofür genommen wird, ich entscheide das entsprechend der Umstände (Praktikabilität, Effizienz, etc,).

Ich denke, wenn wir den Kindern genug von beidem mit auf den Weg geben, um selbständig entscheiden zu können, was sie bei welcher Gelegenheit benutzen wollen, dann bieten wir ihnen damit eine flexible und umfassende Grundlage für ihr Leben. Hoffentlich lässt sich das auch an höherer Stelle so umsetzen und wird nicht einfach auf die Lehrer abgewälzt.
Gruß aus dem Münsterland

Wilhelm
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lobstergirl
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von lobstergirl » 22.10.2019 17:49

Damian hat geschrieben:
22.10.2019 16:07
Was arbeitest Du, dass Du Todesurteile wie Rezepte für Erbseneintopf diktiert bekommen könntest?
Persönliche Assistentin von Kim Jong Un oder Mohammed bin Salman?
Oder eine leitende Funktion bei der CIA oder beim FSB?
Vorstandsassistentin :D :D
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Damian
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Damian » 22.10.2019 17:52

lobstergirl hat geschrieben:
22.10.2019 17:49
Vorstandsassistentin :D :D
OK, das erklärts... ;-)
Thom hat geschrieben:
22.10.2019 16:49
Danke, Damian. :) Ich kann auch sehr schnell rennen. Nur deshalb renne ich aber nicht ständig.
Ich bewege mich eh zu wenig, sagt man.

Thom
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Thom » 22.10.2019 17:59

Wilhelm fasst es schon gut zusammen. ;)

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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Damian » 22.10.2019 18:31

doubleyoukay hat geschrieben:
22.10.2019 16:55
Ich denke, wenn wir den Kindern genug von beidem mit auf den Weg geben, um selbständig entscheiden zu können, was sie bei welcher Gelegenheit benutzen wollen...
Solange die Kleinen nicht mit einem Füllfederhalter auf ein Display zu schreiben versuchen... :mrgreen:

Fakt ist, dass ich beim analogen Schreiben äusserst selten Buchstabendreher korrigieren muss... oedr übershee.

Thom
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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Thom » 22.10.2019 18:46

Damian hat geschrieben:
22.10.2019 18:31
Solange die Kleinen nicht mit einem Füllfederhalter auf ein Display zu schreiben versuchen... :mrgreen:
Auch das ginge. Was allerdings nicht geht, ist die Zeit zurückdrehen. Jedenfalls nicht mit vertretbaren Mitteln.

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Re: Die Handschrift ist nicht alles

Beitrag von Reformator » 22.10.2019 21:36

desas hat geschrieben:
22.10.2019 11:42
Wer mit der Hand schreibt, muss sich laut verschiedener Studien mehr darauf konzentrieren, reflektiert daher bereits während des Schreibens im Kopf. Wer tippt, hingegen weniger.

OT: Was dann auch auf Facebook und Co. für manche Beiträge erklärt, warum da unreflektierter Krams steht.
Ich kann aber auch handschriftlich und reflektiert den allergrößten Unfug von mir geben.
Bis demnächst...
Helge

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