Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

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Cepasaccus
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Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von Cepasaccus » 21.06.2021 12:53

Ich hab mal vor einiger Zeit eine Laser-Ablation-Massenspektrometrie einer der guten alten, flexiblen Waterman-Goldfedern machen lassen. Ich glaube, ich hab die Analyse hier noch nicht vorgestellt. Die Zusammensetzung ließt sich für mich wie eine ganz normale 14k-Goldlegierung. Die Magie liegt also nur in der Verarbeitung.

Cepasaccus

Kupfer 19.2% +/-0.1%
Silber 24.1% +/-0.2%
Gold 56.7% +/-0.2%

(mg/kg)
Palladium 4.6 +/-0.2
Platin 3.6 +/-0.2
Eisen 330 +/-140
Zink 117 +/-22
Arsen 15.5 +/-0.6
Cadmium 6.6 +/-0.2
Zinn 40 +/-7
Antimon 10.1 +/-0.3
Tellur 1.7 +/-0.6
Blei 61 +/-11
Bismut 0.9 +/-0.1

V-Li
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von V-Li » 21.06.2021 13:17

Cepasaccus hat geschrieben:
21.06.2021 12:53
Die Zusammensetzung ließt sich für mich wie eine ganz normale 14k-Goldlegierung. Die Magie liegt also nur in der Verarbeitung.
Vielen Dank. Und in der Geometrie.

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vanni52
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von vanni52 » 21.06.2021 13:18

Sehr beeindruckend.
Vielleicht könnte man die Spurenanalyse dazu verwenden, Originalfedern von Ersatzfedern zu unterscheiden?
LG
Heinrich

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Cepasaccus
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von Cepasaccus » 21.06.2021 23:58

Walzen, Glühen, Ausstanzen, Sägen, Schleifen hab ich jetzt mal alles zur Verarbeitung gerechnet. Die guten Waterman-Flex-Federn sind die längsten.

Man kann mit Hilfe der Spurenanalyse altes von modernem Gold unterscheiden. Gab es schon irgendwo den Fall, dass eine alte Feder gefälscht wurde?

pan51
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von pan51 » 22.06.2021 8:34

Moin,
Cepasaccus hat geschrieben:
21.06.2021 12:53
Die Zusammensetzung ließt sich für mich wie eine ganz normale 14k-Goldlegierung. Die Magie liegt also nur in der Verarbeitung.
wirklich interessant, danke Dir. Ich darf aber mal widersprechen: das einzig "normale" an 14ct Gold sind die 58% Goldanteil. Das Verhältnis von Silber/Kupfer ist aber - innerhalb bestimmter Grenzen - frei und führt zu unterschiedlichen Eigenschaften. Insbesondere Kupfer hat einen Einfluß auf die Härte der Legierung (mehr Kupfer = härter), aber auch auf die Farbe (mehr = rötlicher). Die Magie liegt also auch in der Zusammensetzung der Legierung.

Interessant wäre jetzt, noch jeweils eine Feder anderer Hersteller durch das Massenspektrometer zu schicken, um zu sehen, inwieweit sie sich unterscheiden.

Viele Grüße,
Axel
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pelifan
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von pelifan » 22.06.2021 13:24

Ich frage mich aber, ob es so sehr auf das Material ankommt?
Schließlich sind alte Spitzfedern aus Stahl und sehr flexibel (z.B. Brause).
Grüße von Cordula
..............................................................................................................................

Takt ist die Fähigkeit, einem anderen auf die Beine zu helfen, ohne ihm auf die Füße zu treten.
Curt Goetz

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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von V-Li » 22.06.2021 15:23

pelifan hat geschrieben:
22.06.2021 13:24
Ich frage mich aber, ob es so sehr auf das Material ankommt?
Schließlich sind alte Spitzfedern aus Stahl und sehr flexibel (z.B. Brause).
Stahl kann man sehr stark legieren und hervorragende Federstähle daraus herstellen. Aber Austenite ("Edelstähle") sind da nicht so gut für geeignet, dafür korrodieren sie nicht so schnell.

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Cepasaccus
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von Cepasaccus » 25.06.2021 20:06

Von Waterman gibt es auch flexible 18kt-Federn fuer den französischen Markt. Die haben zwangsweise ganz andere Silber- und Kupferanteile.

Crovax
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Re: Zusammensetzung einer alten Flex-Feder

Beitrag von Crovax » 26.06.2021 0:49

Die Zusammensetzung alleine hilft nicht. Die Metallbearbeitung ist auch wichtig. Heute werden Federn in der Regel einfach aus gewalztem Blech gestanzt, es gibt aber etliche Hinweise in anderen Foren, dass die Bleche alter Flex-Federn gehämmert statt gewalzt wurden, was einen massiven Einfluss auf das Gefüge hat.
Hier ist eine historische Beschreibung der Federherstellung in manueller Kleinserie, bei der die Federn ebenfalls sehr sorgfältig gehämmert wurden, um eine gute Qualität zu erhalten:
https://archive.org/details/historyofin ... 0/mode/2up
gruß
stephan

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