Wässern, hoffen, ausschlagen?

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TheisFlo
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Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 13:28

Hallo allerseits,

vor ein paar Wochen ist mir ein Rifka Gold 80 mit einer wunderbar flexiblen Degussa Goldfeder auf dem Flohmarkt zugelaufen. Der Füller ist in einem guten Gesamtzustand und die Kolbendichtung ist bereits erneuert.
Es gibt allerdings ein Problem: Feder und Tintenleiter scheinen verwachsen zu sein.
Gewässert würde das gute Stück und einiges an roter Tinte kam raus aber das wars.
Kann ich also die Feder mit Tintenleiter mittels Schlüsselfeile, Wärme und ein wenig sanfter Gewalt rausbekommen oder soll ich’s lieber lassen? Ist die Feder am Ende noch in einer Federeinheit verbaut wie bei Pelikan und ich zerschieß mir bei dem Versuch eine Muffe die sich kaum beschaffen lässt?

Fragen über Fragen- hat hier jemand eine Idee, einen Ratschlag oder Erfahrung mit Rifkas? Wäre da sehr dankbar!

Vlg Flo
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Tenryu
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Tenryu » 13.04.2019 13:44

Schreibt er? Ist der Tintenfluß gut? Dann laß ihn in Ruhe. Was nicht kaputt ist, sollte auch nicht repariert werden. ;)

TheisFlo
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 13:52

Bis jetzt schreibt er und der Tintenfluss ist gut, allerdings wuchs bei der ersten Füllung „nib creep“(gibts dafür ein deutsches Wort?) an der Feder. Das hatte wohl noch mit den roten Tintenrückständen zu tun die ich rausgewaschen hatte.
Wie dem auch sei, das hat in mir den Wunsch geweckt dem Kleinen eine Riefenreinigung zu verpassen...

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Tenryu
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Tenryu » 13.04.2019 13:56

Eine Reinigung mit Ultraschall böte sich an. Diese Geräte für den Hausgebrauch sind nicht teuer, und man kann sie für alles Mögliche verwenden: Brillen, Uhren, Schmuck, Zahnersatz...

"Nib Creep" kann auch an der Tinte liegen. Zum Teil auch an der Feder. Das muß nicht unbedingt an Rückständen liegen.

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Edelweissine
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Edelweissine » 13.04.2019 14:03

TheisFlo hat geschrieben:
13.04.2019 13:52
„nib creep“(gibts dafür ein deutsches Wort?)
Hermann (HeKe2) hatte den schönen Begriff "Kristallbüschel" dafür erfunden.
HeKe2 hat geschrieben:
22.03.2018 0:48
Es bilden sich auf diese Art im Verlauf von zwei Wochen zwei bis drei Millimeter große braune Kristallbüschel auf der Feder. Diese lassen sich ganz leicht ablösen und verstopfen die Feder auch nicht, aber auffällig war das schon.
Gruß,
Heike

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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 14:11

Tenryu hat geschrieben:
13.04.2019 13:56
"Nib Creep" kann auch an der Tinte liegen. Zum Teil auch an der Feder. Das muß nicht unbedingt an Rückständen liegen.
Das stimmt natürlich, allerdings war die Tinte Altgoldgrün von R&K.

Die Idee mit dem Ultraschallgerät ist gut, werde mir mal eins besorgen. Bis jetzt hab ich keins gebraucht- fast alle meine Füller sind aus Ebonit, da ist Wasser nicht immer die beste Idee.

TheisFlo
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 14:14

Hallo Heike,

Kristallbüschel klingt gut, werde ich mir merken!

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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Thom » 13.04.2019 14:22

TheisFlo hat geschrieben:
13.04.2019 14:11
... Ultraschallgerät ...
Auch hierbei ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste und dieses Threads: viewtopic.php?f=7&t=12861&hilit=ultrasc ... 4t#p115938

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Thomas

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Will
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Will » 13.04.2019 14:38

Hallo Flo,

da es zwischen Feder und Ende des Mundstücks eine ringförmige Vertiefung gibt, würde ich auf ein verschraubtes Federaggregat tippen, also eine Montage mit Federbuchse/Spannring.

Sofern es keine zwingende Notwendigkeit gibt, würde ich das Teil auch nicht zerlegen. Bei den Pelikan 400NN wurden später Federbuchsen aus durchsichtigem Plastik verwendet, die schnell reißen, das ist eine hässliche Angelegenheit. Doch kann man das kaputte Teil ersetzen. Wie das mit dem Rifka aussieht, weiß ich nicht.

Falls das Federaggregat doch raus müsste, wäre die Feder mit dem Mundstück ins Wasser zu stellen und ein wenig einzuweichen, aber Vorsicht, Celluloid kann in Wasser aufquellen, also immer wieder kontrollieren. Dann das Mundstück mit dem Föhn vorsichtig erwärmen und immer wieder prüfen, ob sich das Mundstück rührt. Mit etwas Glück sind in der Federbuchse zwei schmale Vertiefungen für ein Spezialwerkzeug, welches Du Dir dann passend basteln müsstest, um das Federaggregat risikoärmer herauszuschrauben.

Ausschlagen würde ich Feder und Tintenleiter erst, wenn das Federaggregat heraus ist.

Viele Grüße

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!

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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 15:35

Will hat geschrieben:
13.04.2019 14:38
Sofern es keine zwingende Notwendigkeit gibt, würde ich das Teil auch nicht zerlegen. Bei den Pelikan 400NN wurden später Federbuchsen aus durchsichtigem Plastik verwendet, die schnell reißen, das ist eine hässliche Angelegenheit. Doch kann man das kaputte Teil ersetzen. Wie das mit dem Rifka aussieht, weiß ich nicht.
Mit diesen Mistdingern hatte ich bei meinen 140ern zu tun- glücklicherweise lassen sich die Muffen durch neue aus UK ersetzen.
Beim Rifka mach ich mir da allerdings weniger Sorgen, Teile der Mechanik sind noch aus Ebonit, da wird die Muffe nicht aus Plastik sein.

Leider hat er auch keine Vertiefungen wie Montblanc sie verbaut hat am 146/149 - die Gabel dazu hätte ich :lol:

Rein hypothetisch, würde ich Feder und Tintenleiter ausschlagen, bliebe die Muffe im Mundstück, hätte im besten Fall keinen Platz sich auszudehnen und bliebe heil. Wenns doof läuft platzt mir der Füller- das wäre zugegebener Maßen wenig erstrebenswert.
Ich habe halt Bedenken, dass diese Entscheidung nur aufgeschoben ist wenn ich alles so lasse. Früher oder später werde ich mich entscheiden müssen.
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 15:40

Ist auch spannend- scheinbar gibts von Rifka nicht so arg viele Füller im Umlauf. Auf Toms Penboard findet sich genau ein Exemplar, hier im Forum nur eine einzige Anfrage- viel ist das nicht. Dabei ist der Füller ein sehr angenehmer Zeitgenosse mit fantastischem Celluloid und einer umwerfenden Farbtiefe- für mich noch um einiges schöner als meine Pelikane.

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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Wolle_F » 13.04.2019 15:53

Hab kürzlich einen 50er Jahre Kaweco Dia 803G erstanden und hab die Feder auch zunächst nicht herausbekommen. Nach stundenlangem Wässern und mehrfachen Drehversuchen gelang es mir dann, Feder und Tintenleiter recht einfach herauszuziehen - da schien es, wider Erwarten eine Steckfeder zu sein und keine geschraubte Feder.

Glückauf
Wolfgang
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Thom
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von Thom » 13.04.2019 18:25

TheisFlo hat geschrieben:
13.04.2019 15:35
Ich habe halt Bedenken, dass diese Entscheidung nur aufgeschoben ist wenn ich alles so lasse.
Nein, wenn der Füller, wie Du berichtest, funktioniert und die Tintenablagerungen an der Feder, wie Du vermutest, aus dem Tintenleiter stammen, dann ist das wasserlöslich und gibt sich früher oder später von selbst, kann aber eine Weile dauern.
Die Frage ist dann nur, ob Du das unbedingt auseinandernehmen willst. :)

V.G.
Thomas

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stift
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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von stift » 13.04.2019 18:36

Wenn er eine ordentliche Reinigung erhalten soll musst du den Füller zerlegen damit meine ich auch die Mechanik raus und dann Feder mit Tintenleiter.
Da führt kein Weg vorbei und experimentieren kostet mehr Zeit als zerlegen und ordentlich Reinigen,das ist meine langjährige Erfahrung.
Bei mir wird jeder Füller den ich kaufe zerlegt,da wird nicht lange überlegt.Somit habe ich gleich die Arbeit und auch dann die Freude und brauche mich nicht zu ärgern.
Liebe Grüße
Harald
#Non, je ne regrette rien#

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Re: Wässern, hoffen, ausschlagen?

Beitrag von TheisFlo » 13.04.2019 20:06

Thom hat geschrieben:
13.04.2019 18:25

Die Frage ist dann nur, ob Du das unbedingt auseinandernehmen willst. :)
Hallo Thomas,

ich fürchte, Du hast mich ertappt. ;)
Natürlich ärgert es mich auch ein bisschen, dass ich diese Feder einfach nicht rausbekomme. Irgendwie widerspricht das meinem Ordnungsempfinden, dass alles andere an diesem Füller in Top-Zustand ist und im Tintenleiter die „Kristallbüschel“ (vielen Dank Heike :) )wachsen.
Da bin ich grundsätzlich wohl ähnlich wie Harald gestrickt -lieber einmal und dann richtig.

Tja, raus ist die Feder aber immer noch nicht...

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