Parker Ingenuity

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TomSch
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Parker Ingenuity

Beitrag von TomSch » 19.10.2011 20:04

Hallo "Gemeinde"!

Heimgekommen von einem kurzen Ausflug nach Hamburg und mit einem recht zwiespältigen Eindruck von einem Besuch bei einem hervorragend situierten Schreibwaren-Unternehmen muss ich direkt einmal im Plenum nach euren Ansichten zu einem neuen Schreiberling von Parker fragen: dem "Ingenuity" mit der sog. "5th technology".

Ich habe ihn eher zufällig als gezielt in der Chrom-black-Herrenvariante probegeschrieben.
Preislich liegt er zwischen ~130-180 Euro. Sieht auf den ersten Blick aus wie ein Füller mit einer fein ziselierten, verchromten Stahlfeder. Auf den zweiten Blick bemerkt man statt der Federspitze eine nur minimal weiter hervorstehende "Filzgleiter"-Spitze. Sie sitzt auf einem tintenleiter-ähnlichen Bau, der in eine Rollerballmine mündet.

Vom Schreibverhalten war ich äußerst erstaunt. Schreibe ich doch bewusst in den letzten Jahren wieder mit unterschiedlichsten Federn, so scheint diese neue Technologie der Benutzung einer wunderschön flexiblen Feder sehr nahe zu kommen.

Negativ allerdings empfinde ich folgende Details:
  • - die Schreibleistung bei der Tinte liegt - laut fountain pen network - bei gerade einmal 500 Metern, dann ist Schicht am Schacht, wie der Pöttler sagt, und eine neue Patrone fällig;
    - in den USA kostet ein refill 8$, also hierzulande vermutlich so um die 4-5 Euro! Heftig, wie ich finde!
    - Stellt sich die Frage: kann man diese Rollerball-Minen nachfüllen? Wenn nicht, denke ich auch so ein wenig an den Müll, dessen Entstehen man doch tunlichst vermeiden sollte.
Wie sind eure Eindrücke?
Viele Grüße,
Thomas
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Saarländerin
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Saarländerin » 22.10.2011 17:29

Danke, TomSch, für die sehr interessante Info.
Da mir das "damit-gut-schreiben-können" wichtiger ist als alles andere bei Schreibgeräten, interessiert mich dieser Parker durchaus.
Aber der Preis des Schreibers selbst und auch für die "Nachsorge" mit Schreibflüssigkeit schreckt (mich) ab. Es schaut (für mich) so aus, dass er nicht die Vorteile, sondern eher die Nachteile des Schreibens mit Füller/Fineliner in sich vereinigt? Und um rauszukriegen, ob mein (Vor-)Urteil stimmt oder falsch ist, ist mir ehrlich gesagt der Preis zu hoch.
Wochenendgrüße von Roswitha

Christian Mücke
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Christian Mücke » 22.10.2011 17:52

Hallo zusammen,

optisch finde ich die neuen Parkers sehr interessant. Technisch sind sie aber für mich eine seltsame Chimäre. Ein Rollerball, der sich als Füller tarnt? Wo ist da der Sinn? Oder liefert die Spitze nur die Tinte und die Feder übernimmt das "Schreiben"?

Viele Grüße
Christian

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Andi36
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Andi36 » 22.10.2011 19:43

ich denke das muss man sich mal ansehen. Ich werde den Ingenuity mal im Geschäft testen; ob die den bei uns schon führen !?.
Roswitha: hast Du schon probiert - weil Du schon über Kauf nachdenkst?

Gruß,
Andreas

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Saarländerin » 22.10.2011 20:04

Andi36 hat geschrieben:ich denke das muss man sich mal ansehen. Ich werde den Ingenuity mal im Geschäft testen; ob die den bei uns schon führen !?.
Roswitha: hast Du schon probiert - weil Du schon über Kauf nachdenkst?

Gruß,
Andreas
Nein, Andreas, ich hab das Dingens bisher weder gesehen (nur Fotos im Netz) noch getestet noch denke ich über den Kauf nach. Der Preis ist mir, obwohl ich ein ausgesprochener Parker-Fan bin, für ein derartiges Experiment zu hoch, zumal auch die Frage von Christian noch offen im Raum steht: liefert das Filz-Dingens die Tinte (warum ist das besser?) oder schreibt man damit und die Feder ist Tarnung?

Grübelnde Grüße von Roswitha

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TomSch
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von TomSch » 22.10.2011 21:11

Hallo zusammen.

Beginnen möchte ich mit einer Antwort an Dich, Roswitha, die Deine Kritik wahrscheinlich eher noch wachsen lassen wird.
Saarländerin - unter Rückgriff auf Christian - hat geschrieben: ... liefert das Filz-Dingens die Tinte (warum ist das besser?) oder schreibt man damit und die Feder ist Tarnung?
Man schreibt mit dem "Filz-Dingens" (von der Form her vergleichbar mit einem 0-8-15-Stabilo-Schreiber; vom Gefühl her ähnlich einer sehr biegsamen und 'anschmiegsamen' Feder, die sich dem Schreibdruck anpasst). Dieser "Nippel" (ohne Lasche :mrgreen: ) sitzt auf einem Pseudo-Tintenleiter, der sich direkt unterhalb der Feder befindet. Diese ist, schreibtechnisch gesehen, tatsächlich nur Tarnung, dient jedoch beim Schreiben als Gegengewicht zu den sehr weichen "Lamellen des Pseudo-Tintenleiters".
Ich hoffe, dass ich mit den zahlreichen Umschreibungen und Anführungszeichen nicht zu sehr verwirrt habe?!

Die Bilder im Netz bringen schon einiges zusätzliche Licht in die Vorstellungskraft, aber ich kann Andreas nur zustimmen: ein Probeschreiben wird wohl die beste Möglichkeit sein, eine Erfahrung zu machen. Was die verschiedensten Füller und Federn anbelangt, die wir hier be-schreiben, darunter können sich die meisten von uns aufgrund unserer zahlreichen Erfahrungswerte etwas Konkretes vorstellen. Dieses Schreibgerät ist zumindest ein in dieser Form noch nicht dagewesenes Novum.

Viele sonnige Grüße aus dem Norden,
Thomas
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Christian Mücke » 22.10.2011 21:36

TomSch hat geschrieben:Diese ist, schreibtechnisch gesehen, tatsächlich nur Tarnung, dient jedoch beim Schreiben als Gegengewicht zu den sehr weichen "Lamellen des Pseudo-Tintenleiters".
Danke für die Erklärung, Thomas.

Vermute auch, die Feder verhindert hauptsächlich, dass man beim Schreiben die dünne Spitze abbricht oder durchbiegt.

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Saarländerin » 22.10.2011 21:58

Auch ich möchte Dankeschön sagen für die Infos, die, von einem Penexchangeler, der das Schreibgerät (wie sollte man es bezeichnen?) schon in Händen gehalten hat, doch wesentlich überzeugender sind als die Infos (und Videos) von coloradopen
Ich mag die Stabilo-Fineliner. Und ich mag Parker.
Aber einen seltsam aufgehübschten Fineliner mit Feder, die nicht zum Schreiben sondern als Stütze des Filzknubbels dient werde ich nicht mögen - auch nicht von Parker :evil:

Sich irgendwie veräppelt vorkommende Grüße von Roswitha

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Christian Mücke » 22.10.2011 22:49

Ich muss schon etwas schmunzeln: Baut Parker da einen Pseudo-Füller für Leute, deren Handschrift derart degeneriert ist, dass sie mit einem echten Füller nicht mehr klarkommen? Wenn das wirklich nur ein verkappter Fineliner bzw. Faserschreiber ist, dann frage ich mich, wer eine solche Blenderei nötig hat?

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von TomSch » 22.10.2011 23:01

Hallo Christian.
Christian Mücke hat geschrieben:Ich muss schon etwas schmunzeln: Baut Parker da einen Pseudo-Füller für Leute, deren Handschrift derart degeneriert ist, dass sie mit einem echten Füller nicht mehr klarkommen? Wenn das wirklich nur ein verkappter Fineliner bzw. Faserschreiber ist, dann frage ich mich, wer eine solche Blenderei nötig hat?
Wahrscheinlich für Neureiche, die nach dem (Werbe-)Slogan vorgehen: "Mein Haus, mein Porsche, mein Pferdchen, mein Parker", und für die das Wort, falls sie es denn noch kennen, Füllfederhalter ein uncooles, erzkonservatives Schimpfwort ist.
Manchmal macht Lästern einfach nur Spasss :mrgreen:

Tschö, ich schreib' jetzt noch ein wenig mit meinem Lamy-rot gefüllten Aurora Style (M-Stahlfeder) Kommentare unter Klausuren :)
Thomas
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Saarländerin » 23.10.2011 17:21

Liebe Penexchangler,

nach längerem Nachdenken finde ich die Neuentwicklung von Parker doch nicht mehr so "daneben" wie zu Anfang.
Denn: wir schreiben doch alle letztlich mit dem Iridium- bzw. aus sonst was bestehenden Schreibkorn und nicht direkt mit der Feder (Ausnahmen wie Kalligraphiefedern lasse ich mal außen vor).
Parker hat nun exakt dieses Schreibkorn (und sonst nichts?) ersetzt durch einen Filzknubbel.
Was spricht dagegen, dass ein Filzknubbel nicht mindestens genau so gut (oder evtl. noch besser) die Feder und damit den Schreiber "unterstützt" als ein Iridium-Korn?
Vielleicht mag jemand meine Gedankengänge auf den richtigen Weg leiten, korrigieren, unterstützen...?
Was beeinflusst die Schrift in welchem Maße (Feder <-> Schreibkorn)?

Grübelnde Sonntagsgrüße von Roswitha

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von TomSch » 23.10.2011 18:01

Hallo Roswitha, moin Foristen!
Saarländerin hat geschrieben: Was beeinflusst die Schrift in welchem Maße (Feder <-> Schreibkorn)?
Eine gute Frage - aber bitte nicht soviel grübeln an einem solch tollen Tag ;)

Für mein Empfinden beeinflussen beide gleichermaßen die Schrift, und es kommen noch weitere Einflüsse hinzu.

Logisch, dass bei einer Feder das Schreibkorn unmittelbar mit dem zu beschreibenden Material in Kontakt kommt. Denke ich an die BB von Diplomat, an eine M bei einem 400er Souverän oder eine schöne, weiche EF bei einem 703er Geha bzw. bei einem Lamy 27/99, so ist das Schreibkorn sicherlich für das Endprodukt, die Schrift, hauptverantwortlich.

Das Ergebnis hängt jedoch auch von der Größe der Feder (Diplomat-Classic-Brummer, Mini EF bei Geha), ihrer Beschaffenheit (Stahl, Titanium, Gold) und ihrer Weichheit bzw. Flexibilität ab. Danach wiederum richtet sich die Haltung des Schreibwerkzeuges, dessen Gewicht ebenfalls zu Veränderungen der Handhaltung führt.
Nicht zuletzt - das gehört jedoch nur noch ansatzweise hierher - unterhalten wir uns auf Penexchange ja auch über verschiedene Tintensorten und Papierarten sowie deren Beschaffenheit. Hier liegen sicherlich weitere Einfluss-Prozente verborgen, was das Endprodukt, die Schrift, anbelangt.

Oha, ich hatte eigentlich nicht vor, an dieser Stelle eine Grundsatz-Diskussion anzustoßen, aber ich denke, Deine Frage, Roswitha, geht auch genau in diese Richtung. Deshalb wiederhole ich gern noch einmal meinen "platten" Hinweis: einfach mal in einen gut sortierten Schreibwarenladen gehen und zur Probe schreiben! Ich kann für mich nur sagen, dass ich - wie eingangs schon geschrieben - hin und her gerissen bin.

Wunderschön sonnige und warme Grüße,
Thomas
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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Saarländerin » 23.10.2011 18:21

Vielen Dank, Thomas, für die rasche und umfassende Antwort - und die sonnigen Grüße :D
Eine Grundsatzdiskussion wollte ich eigentlich nicht anstoßen, eher die Sache "runterbrechen" auf:
Ein Hersteller ersetzt das Schreibkorn aus Material X durch ein Schreibkorn aus Material Y.
Wie sich dies auswirkt, kann man erst wissen, wenn man Deinen Rat, es vorurteilsfrei selbst zu testen, befolgt hat.
Und deshalb frage ich mich (und die Penexchangler): Sind es nicht reine, völlig unbegründete Vorurteile, die mich bewogen haben, mich in einem meiner letzten Beiträge hier von Parker "veräppelt" zu fühlen? *schäm* :oops:
Oder gibt es handfeste Gründe, ein herkömmliches Schreibkorn nicht durch z.B. einen Filzknubbel zu ersetzen?

Mal wieder grübelnde Grüße von Roswitha

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Andi36 » 23.10.2011 18:32

einen gäbe es da: es wird wohl keinen Ersatz für den Schliff der Feder geben, der für ein variantes Schriftbild sorgt.
Ob das aber von Belang ist? Zum einen haben auch immer weniger FH mit Iridiumspitze einen ausgeprägten Schliff, zum anderen machen sich wahrscheinlich ausser uns Spinnern die allerwenigsten Menschen Gedanken dazu, und würden den Unterschied wohl gar nicht wahrnehmen.

Mich interessiert das System, ich bin da ganz offen; zuletzt haben mich die Schreibeigenschaften der Gel-Kugelschreiber überrascht. Zwar auch mit Mono-Linie, jedoch gleiten die Spitzen sagenhaft sanft über das Papier.

Gruß,
Andreas

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Re: Parker Ingenuity

Beitrag von Thomas Baier » 23.10.2011 18:41

Hallo allerseits,

interessant, auf was die Kreativen von Rubbermaid in den USA da kommen. Warum auch nicht, wird aber zu teuer sein, um ein Erfolg zu werden.

Offenbar versucht man, die heutige Mentalität (Gelschreiber, schnelles Kritzeln, etc.) mit dem Parker-Markennamen als einer DER klassischen Füllhalterhersteller zu verbinden und dabei auch einen entsprechenden Verkaufspreis anzustreben.

Aus amerikanischer Sicht sind ja viele Dinge denkbar, über die man in Europa erstaunt ist. Da ich gerade aus USA komme, ist mir die amerikanische Denkweise noch sehr präsent. Sie hat auch vieles für sich, weil man einfach mal was probiert.

Ansonsten ist das für mich die Rialto-Brücke in Las Vegas.

Ein Erfolg kann das nicht werden, weil die Preisvorstellung viel zu hoch liegt. Dafür gibt es in der Masse keine Käufergruppe. In einer anderen Preislage mag die Idee nochmal kommen (preisgünstigere Schreiber, Adressat Schüler, etc.).

Was man in den letzten Jahren für die Marke Parker versucht hat, ist leider alles nichts geworden. Schade.

Wie in anderen Bereichen auch, geht vielen amerikanischen Produkten die Luft aus.

Viele Grüße
Thomas

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