Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Conklin, Wahl-Eversharp, Krone, Franklin Christoph

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Nitschewo
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Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von Nitschewo » 06.06.2022 15:47

Seit Ende letzten Jahres sind bei mir drei Conklins aus moderner Produktion eingezogen. Über die Marke ist eher wenig zu lesen, daher möchte ich meine Stifte kurz vorstellen.

Conklin wurde 1898 in Ohio gegründet und 1938 an ein Chicagoer Syndikat verkauft (Quelle: Andreas Lambrou, Füllfederhalter). Irgendwann in den 40ern scheint die Firma untergegangen zu sein.

2009 wurden die Markenrechte von Yafa Brands gekauft, die auch Monteverde produzieren und Marken wie Stipula, Pineider oder Online in Nordamerika vertreiben.

Die ersten modernen Conklins scheinen qualitativ nicht gerade auf einem guten Niveau gewesen zu sein, es finden sich viele Klagen über schlechte Verarbeitung und kaum schreibfähige Federn im Netz. Über den Produktionsstandort wurde viel gerätselt, Ohio war es definitiv nicht, und in Kalifornien an der Geschäftsadresse von Yafa schien es keine Produktionshallen zu geben. Vermutlich wurden die Stifte, wie so viele andere auch, in Asien hergestellt und mit Jowo-Federn bestückt; wo genau, bleibt unklar. Irgendwann wurde dann die Herstellung in die Produktionsstätte von Stipula verlegt; wann genau dieser Wechsel stattfand, konnte ich ebenfalls nicht recherchieren.

An meinen drei Exemplaren -- einem Nozac aus den ersten Produktionsjahren, einem Mark Twain und einem All American -- lassen sich durchaus Unterschiede in der Verarbeitung feststellen, die sich im Lauf der Zeit sichtlich gebessert hat, wie ich meine.

Nozac, All American, Mark Twain: Alle drei haben eine imposante Große. Der Mark Twain wird durch Druck auf einen Tintensack befüllt, die beiden anderen nehmen Standard-Konverter/-Patronen.
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Der Nozac hatte ursprünglich eine schlichte Stahlfeder, die erbärmlich schrieb. Anders als beim All American und beim Mark Twain ließ sich die Federeinheit nicht als Triple herausschrauben, Tintenleiter und Feder konnten jedoch leicht gezogen werden. Die Omniflex-Feder musste ich ein wenig bearbeiten, damit sie auf den Tintenleiter passte. Beim Mark Twain deutlich sichtbarer Fehler: Feder und Crescent sind nicht aufeinander ausgerichtet.
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Das Gewinde am Schaft ist beim Nozac ziemlich unsauber geschnitten, im Vergleich der All American. Auch der Absatz ist deutlich schärfer.
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Immerhin punktet der Nozac mit einem soliden Innengewinde aus Metall. Das Außengewinde am Griffstück ist bei allen dreien aus Metall.
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Bei genauerem Hinsehen (natürlich nimmt der Pen-Addict hier die Lupe zur Hand! ;) ) zeigen sich beim Nozac zahlreiche kleine Unebenheiten.
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Der All American hingegen ist an der Oberfläche spiegelblank poliert.
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Auch am abgesetzten Kappenkopf hätte ein bisschen Politur nicht geschadet. Das Kappenband war beim Eintreffen abgefallen und wurde mit Schellack neu fixiert.
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Im Vergleich zum Mark Twain (unten) wirkt der Clip des Nozac ziemlich klobig und unausgewogen.
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Und wie schreiben die drei? Durchaus angenehm; rigide, aber nicht kratzig, und mit gutem Tintenfluss Die Omniflex-Feder braucht schon ordentlich Druck, um wirklich zu flexen, als normale Schreibfeder tut sie aber brav ihren Dienst. Am besten gefällt mir definitiv die Stub im All American, die sich weich und flüssig schreibt..
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Wenn ich einen Tipp auf die Produktionsstätte meiner drei abgeben sollte, würde ich beim Nozac auf "irgendwo in Asien" wetten; beim All American auf Stipula; und beim Mark Twain auf ein halbwegs gelungenes Exemplar aus asiatischer Fertigung.

Alle drei sind mir "New Old Stock" zugelaufen, begleiten mich täglich und sind, ihren kleinen Makeln zum Trotz, zuverlässige Schreiber. Die Qualität dürfte sich seit den Neuanfangstagen 2009 mit der Verlagerung der Produktion zu Stipula deutlich verbessert haben.

Wer also heute mit einem Conklin liebäugelt: Ich glaube, man kann ihnen ruhigen Gewissens eine Chance geben.
Viele Grüße

Bianka

V-Li
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von V-Li » 06.06.2022 16:58

Mit dem Mark Twain habe ich schon öfter geliebäugelt, aber meine Erfahrungen mit Monteverde haben mich bisher immer abgehalten.

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vanni52
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von vanni52 » 06.06.2022 22:08

Nitschewo hat geschrieben:
06.06.2022 15:47

Wer also heute mit einem Conklin liebäugelt: Ich glaube, man kann ihnen ruhigen Gewissens eine Chance geben.
Definitiv. Der Duragraph ist bei mir seit etlichen Jahren im Dauereinsatz und die 1.1 Stub ist eine meiner besten Stahlfedern.
Von den drei gezeigten Füllern gefällt mir der All American ausgesprochen gut. Mit einem zurückhaltenden Design, das das wunderschöne Material in den Mittelpunkt stellt. Und auch im Detail überzeugt, etwa bei der farblichen Abstimmung von Feder und Clip sowie dem Crescent Motiv auf der Feder. Oder dem Imprint auf dem Korpus.
Danke auch für die Infos zur Firmenhistorie, die weit über Lambrou hinausgehen.
LG
Heinrich

buchfan
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von buchfan » 07.06.2022 11:22

Auch von mir vielen Dank für die Informationen. Eine Frage habe ich dazu:
Wenn du schreibst, dass Conklin-Füller in den Produktionsstätten von Stipula hergestellt werden, dann meinst du amerikanische Produktionsstätten? Oder wo liegen die Produktionsstätten von Stipula?
lg
mecki

Der Zeitreisende
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von Der Zeitreisende » 07.06.2022 12:00

buchfan hat geschrieben:
07.06.2022 11:22
[…] Oder wo liegen die Produktionsstätten von Stipula?
Italien: http://www.stipula.com – oder haben sie vielleicht auch anderswo Produktionsstätten?
Danke, ich bin schon bekehrt – das Schreiben mit Füller ist der Weg ins irdische Paradies.

Nitschewo
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von Nitschewo » 07.06.2022 14:02

Der Zeitreisende hat geschrieben:
07.06.2022 12:00
buchfan hat geschrieben:
07.06.2022 11:22
[…] Oder wo liegen die Produktionsstätten von Stipula?
Italien: http://www.stipula.com – oder haben sie vielleicht auch anderswo Produktionsstätten?
Ich gehe auch davon aus, dass in Florenz gefertigt wird. Yafa hat ja für Stipula lediglich den Vertrieb in Nordamerika inne.
Viele Grüße

Bianka

buchfan
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von buchfan » 07.06.2022 18:40

Da muss ich noch mal ganz naiv nachfragen: Conklin ist eigentlich eine US-amerikanische Firma gewesen, wird aber jetzt in Italien produziert, und zwar von Stipula, richtig?
lg
mecki

Nitschewo
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Re: Conklin und die kleinen qualitativen Unterschiede

Beitrag von Nitschewo » 07.06.2022 20:02

Nach den spärlichen Informationen, die ich zusammen klauben konnte, lässt Yafa bei Stipula fertigen, deren Produktionsstätten in Florenz liegen. Das war zumindest von Händlern zu hören, die Conklin im Programm haben.

Mir scheint das ganz schlüssig, wenn ich mir die Unterschiede zwischen dem Nozac aus der Anfangszeit und dem All American ansehe. :)
Viele Grüße

Bianka

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