Ta Tung 717 - Chinesischer "billig" Schulfüller mit "Twist" & "Kick"

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SteamDevil
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Ta Tung 717 - Chinesischer "billig" Schulfüller mit "Twist" & "Kick"

Beitrag von SteamDevil » 12.06.2022 3:23

Ta Tung (Da Dong) "717" - "Da Dong" = "Greater East"

Technische Daten:

Länge: 125mm (12,5cm)
Durchmesser Schaft: 11mm
Durchmesser Griffsektion: 8,5mm - 9mm (verjüngend)
Gewicht: 10g (leer)

Erhältliche Farben: Blau, Rot, grün
Federstärken: Ausschließlich "F"

Befüllsystem(e): Kolbenfüller

Besonderheiten: Ebonit Tintenleiter, Feder in Größe #4

Baujahr: ca. 1990 - 1994

Preis: ca. € 5,80 (inkl. Versand)

Bezugsquelle: AliExpress - Old Stock Chinese Vintage DD Fountain Pen Ink Pen Fine Nib Stationery Office school supplies
(Noch ca. 95 Stück pro Farbe erhältlich)
Noch ein kleiner Hinweis:
Wer tatsächlich einen erwerben möchte, sollte unbedingt bei den angegebenen Versandkosten in der Auswahl durch anklicken auf "Free Shipping" umstellen.


Angaben zur Aussprache des Namens und dessen Bedeutung, sowie zum Baujahr habe ich von Bobby persönlich erhalten, der dem ein oder anderen Besitzer von China-Füllern ein begriff sein dürfte.

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Erster Eindruck:

Angekommen in der üblichen Luftpolster-Folie, fiel als erstes das geringe Gewicht auf. Noch in der ungeöffneten Verpackung, glaubte ich gar nicht erst, dies könnten die bestellten Füller sein, sondern irgend eine andere Kleinigkeit.
Na, die 3 zusammen wiegen grad so viel wie einer meiner mittelschweren Füller. Selbst den wirklich leichten Jinhao 992 empfinde ich als deutlich schwerer.

Ausgepackt sieht er aus wie (wie soll ich es beschreiben?) irgendwie normal und vertraut und doch irgendwie anders. So ein Zwischending eben, zwischen etwas altbekannten und völlig unbekannten. Oder eher seltsam Fremd und doch ganz gewöhnlich.
Ich hoffe, ihr versteht worauf ich hinaus will.

Nun, eine Schönheit ist er wahrlich nicht. Eher so die "graue Maus", die sich auf einen Modell-Contest verirrt hat.
Aber doch interessant anzusehen, vor allem wegen seinem komplett transparenten Tank.
Vielleicht ist es ja diese Hybrid-Optik zwischen normalen Füller und einem Demonstrator, der mich so verwirrt.
Irgendwie nix halbes und nix ganzes... Aber eben nicht im negativen Sinn.


Bild

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Zerlegen und erforschen:

Zerlegen lässt sich dieser Füller recht einfach, un damit auch sehr gut Warten und Reinigen.
Was einem dabei sofort auffällt ist, der Füller kann nur als Kolbenfüller benutzt werden. Er nimmt keinerlei Patronen auf und kann auch nicht zum Eyedropper umgebaut werden.
Dabei ist der Konverterartige Tank mit Hubkolben mittels Gewinde an der Griffsektion angebracht. Ähnlich dem Konverter im "Noodler's Ahab" oder dem "Kanwrite Desire" (und anderen meist "indischen" Füllern).
Der Kolben selber versteckt sich dann unter der großen Endkappe.

Entgegen den meisten Füllern ist der Tintenleiter aus Ebonit (Ja, richtig gelesen: EBONIT) in der Griffsektion nicht durch eine "Wand" vom Tintentank getrennt, sondern ragt vollständig in diesen hinein. Das ist auch der Grund dafür, das er keine Patronen aufnehmen kann.

Bild
Bild

Im fast komplett zerlegten Zustand sieht er dann so aus:

Bild

Auf dem transparenten Tintentank ist dan auch der "Markenname", Modellbezeichnung und Herstellungsland eingeschmolzen.
Zu lesen ist da:

Ta Tung
"717"
Made in China


Bild

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Befüllen und Schreiben:

Das Befüllen ist -typisch Kolbenfüller- denkbar einfach. Kolben runter drücken, in's Tintenfaß eintauchen, Kolben wieder hoch... und das ganze ca. 3x wiederholt und schon ist der Tank fast komplett gefüllt. Nur eine kleine Luftblase bleibt zurück, diese aber ist deutlich kleiner als ich es von den meisten anderen Kolbenfüllern her gewohnt bin. Schon mal nicht schlecht.
Der Tank selbst ist dann auch der Schaft des Füllers, ganz so, wie bei Kolbenfüllern in der Regel üblich.

Und damit sind wir schon beim Schreiben. Der Hauptdisziplin eines jeden Füllers.
Was uns unweigerlich zur Feder führt, denn mit der steht und fällt ein Füller nun mal.
Die Feder selber ist zuerst einmal ganz "putzig" anzusehen, was wohl an ihrer weniger gebräuchlichen Größe #4 liegt.
Genau, eine Feder für Tintenleiter mit 4mm.
Und die sieht so aus:

Bild

Na ja, auf dem Bild sieht die Feder irgendwie komisch aus, so als wäre die Spitze vorne ungleichmäßig bzw. die 2 "Zinken" unterschiedlich lang. Was aber definitiv nicht der Fall ist. Scheint wohl am Licht und am Aufnahmewinkel zu liegen.
Aber egal, weiter im Text...

Bringt man diese Feder nun mit einem Blatt Papier in Berührung, verstehen sich beide Parteien auf Anhieb und dienen in hervorragender Weise der Tinte als Sender und Empfänger. Und so entsteht eine wunderbare Dreiecksbeziehung zwischen den Beteiligten.
Was für den eigentlichen Schreiber äußerst befriedigend ist.

Und dank dem Tintenleiter aus Ebonit kommt auch immer genug -und vor allem zuverlässig- Tinte an die Feder.
Sollte dem mal nicht so sein, dann ist der Tintenleiter ganz leicht und unkompliziert zu tunen.

Ganz ehrlich?
Ich bin tatsächlich überrascht von dieser kleinen ca. 30 Jahre alten chinesischen Edelstahl-Feder.
Wie will ich das Gefühl beschreiben?
Nun ja, ich kann lediglich Vergleiche mit anderen, mir bekannten Federn anstellen. Und da fallen mir ad hoc nur 2 (nicht-chinesische) ein, die auch anderen hier recht bekannt sein dürften - mehr oder weniger.
  1. Platinum Preppy Feder 03 (="F")
  2. Lamy ABC Feder "A"
Auf diesem Niveau in etwa bewegt sich die Feder im Ta Tung.
Sie ist nicht kratzig und trotz der recht kleinen Bauform in Größe #4 nicht wirklich "hart" bzw. steif. Zumindest bei weitem nicht so steif wie eine #3er hodded Feder oder manch #5er Feder von Baoer, die sich anfühlen wie ein Stahlnagel.

Einzig die Länge des Füllers trübt ein wenig das Vergnügen.
Das ist aber kein Fehler im Design an sich, denn der Füller ist eigentlich auch nicht für Erwachsene konzipiert.
Er ist definitiv ein Schul-Füller, der für Schulkinder designed und gebaut wurde.
Das aber ist auch kein wirkliches Manko, denn für Erwachsenenhände lässt er sich ganz einfach bequem nutzbar machen. Man muß nur die Kappe hinten aufstecken (posten) und schon passt er perfekt auch in größere Hände.
Und so läßt es sich dann auch recht bequem damit schreiben.
Na gut, die Griffsektion ist vielleicht etwas sehr schmal am unteren Ende, aber man kann ja etwas höher greifen, denn im oberen Bereich sind es ja im 9mm.

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Persönliches Fazit:

Zugegeben, für (Erwachsene) Vielschreiber und jene, die etwas zum Repräsentieren brauchen, ist dieser Füller nun wahrlich nichts. In so fern nicht von geringstem Interesse.
Wofür er aber wirklich besonders gut geeignet ist, ist folgendes:
  • Als Füller für unterwegs im Notizbuch.
    Etwas, was man ohne größere Verlustängste mit sich führen kann.
    Günstig, klein, schmal, praktisch und bei Verlust leicht zu ersetzen.
  • Für Schulkinder, deren Eltern sich mal den Spaß machen wollen ihren Kindern einen nicht herkömmlichen Füller mitzugeben, der auch nicht leicht zu verwechseln und damit fast schon "Diebstahlsicher" ist.
    Nur sollten die Eltern auch immer darauf achten das er ausreichend befüllt ist. Es seie denn, das Kind ist geschickt genug ihn bereits selber zu befüllen (wie meine Enkelin z.B.).
  • Für (hardcore) Sammler, die grundsätzlich jede Art von Füller in ihre Sammlung aufnehmen, unabhängig von Marke, Preis, Herkunft und was weiß ich noch allem.
    Und von denen gibt es ja auch nicht gerade wenige.
Und natürlich muß ich noch einmal darauf eingehen:
Ein Füller für nicht mal € 6,- wartet mit einem Tintenleiter aus EBONIT auf!
Wo gibt's denn so was?
Mit Ausnahme von Noodler's, welcher im Preisgünstigen Segment noch Ebonit Tintenleiter anbietet, kenne ich keinen wirklich günstigen Füller, der damit noch aufwartet.
Im Gegenteil.

Und zum Schluß wollte ich noch mal auf den Namen des Herstellers eingehen:
Selbst für "Kenner" chinesischer Füller ist dieser vollkommen unbekannt und auch Bobby konnte mir zu dem nichts sagen.
Fest steht nur, daß dieser nur kurze Zeit existierte und seit 1995 von der Bildfläche verschwunden ist.
Auch wurde diese "Firma" nicht von anderem namhaften Konzernen übernommen oder aufgekauft.
Der Name selbst wurde durchaus bewusst gewählt. Mit ihm wollte man schon den Schulkindern die ideologische Überlegenheit Chinas gegenüber dem kapitalistischen Westen näherbringen.
Man hat also mit diesem Füller ein Stück "politischer Schul-Erziehung" in Händen.

So...
Und damit hoffe ich euch wieder ein wenig unterhalten zu haben.
Die ein oder andere Meinung/Reaktion würde mich durchaus freuen.

Liebe Grüße
SteamDevil.

:mrgreen:
Über Afrika lacht die Sonne...
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