Pelikan Lehrer Shop

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Goldmund
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Re: Pelikan Lehrer Shop

Beitrag von Goldmund »

Pen-Tagon hat geschrieben:
20.09.2026 11:52
Solange ein MB146 neu günstiger ist als ein etwas besseres Allerwelts IPhone, verschwimmen die Grenzen von Luxus, oder was man dafür hält. Ich denke, jeder wirklich(!) Schreibinteressierte, egal aus welcher Gehaltsklasse, ist in der Lage, sich so einen Stift zu kaufen. Statt alle 2-3 Jahre ein neues Telefon, einmal einen MB oder Pelikan, der macht genauso Freude und hält ein Leben lang. Alles eine Frage der Präferenzen.

Pelikan wird die Souveräns nicht teurer machen als vergleichbare MBs, dafür reicht das aktuelle Standig bei den kaufbereiten Bürgern dann leider doch noch nicht aus. Aber vielleicht kann Hamelin das ja ändern.
Luxus ist für mich ohnehin etwas, das unabhängig vom Preisschild definiert werden sollte (lustigerweise war das erst gestern oder vorgestern Thema in einem anderen Thread). Ein Grund dafür ist folgendes Beispiel: Eine (normale) Immobilie für den Eigenbedarf ist kein Luxus, kostet aber doch das Vielfache eines Drei-Sterne-Restaurant-Besuchs mit vorherigem Abstecher beim Konzessionär, wo man sich noch eine Omega Seamaster kauft (was ein extremer Luxus wäre). Luxus ist all das Erkaufte, das über die Funktion steht und nur Gefühl vermittelt. Es steht beim Drei-Sterne-Restaurant nicht das Sattwerden im Fokus, darum geht es nicht (es wird aber dennoch erwartet). Es geht bei der Omega nicht darum, die Uhrzeit abzulesen. Bei der (normalen) Immobilie für den Eigenbedarf geht es aber ums Wohnen als primäres Anliegen, das ist kein Luxus. Ich hole schon wieder zu weit aus :lol: Aber ja, dann ist das neuste IPhone (in den meisten Fällen) auch ein reiner Luxus. Ein Samsung A57 z.B. tut es auch.

Aber der Satz, dass jeder Schreibinteressierte in der Lage sei, sich so einen Stift zu kaufen, ist interessant. Erstens kommt es auf die Lebensrealität (vor allem Familie und Gesundheit) an, zweitens ist nicht alles grundsätzlich kaufbares auch eine vernünftige Kaufentscheidung. Dass es unvernünftig ist, sich das neuste IPhone zu kaufen, wenn man wirklich auf die parallele Ratenzahlung beim 24 oder 36 Monate-Vertrag angewiesen ist, würdest du vermutlich unterschreiben. Dann wäre es aber mindestens genauso unvernünftig, wenn sich dieselbe Person einen Montblanc kauft. Konsumentscheidung A zu kritisieren und stattdessen Konsumentscheidung B nahezulegen ist... schwierig, vor allem, wenn sich die Person nur eine der beiden Entscheidungen leisten könnte.

Nun aber zum eigentlichen Punkt: Dass Pelikan die Souverän-Füller nicht teurer machen wird als die vergleichbaren Meisterstücke ist wohl jedem klar. Aber genau diese Preisangleichung zwischen den beiden Firmen ist das, was manche wohl sehr befürchten. Denn das wäre ein massiver Preisanstieg. Derzeit bekomme ich noch immer einen neuen M1000 für knapp über 500€, ganz egal welche UVP Pelikan drauf schreibt. Dafür bekommst du aber nichtmals einen neuen MB146, geschweige denn ein 149. Und der entscheidende Unterschied zwischen Pelikan und Montblanc ist, dass Montblanc seine UVP durchgedrückt bekommt (wenn man von Sales absieht). Um das zu erreichen, dürfte Pelikan nur noch Vertragspartner beliefern, die sich an Pelikans Bedingungen halten. Die Fine Writing Umfrage, die vor ein paar Wochen hier im Forum verlinkt wurde, beinhaltete auch eine Antwortmöglichkeit zum Verkauf. Um genau zu sein gab es die Option, den Verkauf von Pelikanprodukten durch Pelikan selbst (auf deren Website) hervorzuheben. Auch das könnte ein subtiles Fühlen in diese Richtung sein. Denn gibt es nur noch den eigenen Shop und die Vertragspartner, ist es auch aus mit starken Händlerrabatten (z.B. bei Füllermaus für einige Pelikane).

Was für dich also nur ein "Pelikan wird schon nicht teurer als MontBlanc" ist, ist für andere schon eine absurde Preissteigerung - und ich muss sagen zu Recht. Zumindest ich sehe keinen Grund darin, einen vierstelligen Betrag für einen M1000 zu zahlen. Nicht einmal 700 würde ich für diesen Stift zahlen und das, obwohl ich meinen sehr gut finde und auch durchaus schon Füller in dieser Preisregion gekauft habe! Aber dieser (und damit alle Souveräne) sind es nicht wert. Du kommst recht marktliberal rüber und zur Marktliberalität gehört auch, dass Unternehmen, die es nicht schaffen so kostengünstig zu produzieren, dass ihre Produkte einen (End-)Preis annehmen, der konkurrenzfähig ist und den die Kunden als bezahlenswert erachten, eben ihre Marktstellung verlieren und allmählich untergehen.
richard545
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Re: Pelikan Lehrer Shop

Beitrag von richard545 »

Aus Sicht von Hamelin mag es vielleicht Luxus sein, einen Lehrer-Shop zu betreiben, denn das dafür erforderliche Personal steht ja einer totalen Gewinnmaximierung entgegen, zumal auch noch die Produkte vergünstigt angeboten würden.
Hamelin schloss bekanntlich einige Pelikan-Standorte und in Frankreich sogar traditionelle Papiermühlen. Da wurde die Produktion von Oxford zum Teil in die Türkei verlagert, weil es dort noch rentabler ist. Es folgten Proteste in Frankreich bis hin zu Boykottaufrufen.
Ein gutes Markenimage lässt sich halt nicht allein dadurch aufrecht erhalten, daß besonders teure Produkte auf den Markt gebracht werden und Konzerngewinne über allem stehen. Die Leute wollen sich mit einer Marke auch identifizieren können. Dafür ist eine gesellschaftliche Verwurzelung natürlich sinnvoll.
Bei einer radikalen Gewinnmaximierungs-Strategie entsteht auch der Eindruck, Hamelin möchte zahlenmäßig Pelikan für einen möglichst hohen Preis zum Weiterverkauf optimieren. Das veränderte Markenimage könnte da allerdings kontraproduktiv wirken.
Grundsätzlich wäre also u.a. der Lehrer-Shop allein zur Imagepflege schon nicht zu vernachlässigen.

Zum Vergleich mit dem Smartphone möchte ich anmerken, daß es sich hierbei tatsächlich um die alltäglichen Begleiter handelt, die eben viel viel viel mehr können, als nur ein Kolbenfüller. Diese ständigen Begleiter sind auch für alle leichter verfügbar, denn auch "bessere Apfelware" wird mit Vertrag, also in Raten, für 20 € im Monat, sehr breit angeboten. Sicher würde sich niemand einen Konsumkredit für einen Luxus-Füller antun ;)
Freundliche Grüße

Richard
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Pen-Tagon
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Re: Pelikan Lehrer Shop

Beitrag von Pen-Tagon »

@Goldmund

"Konsumentscheidung A zu kritisieren und stattdessen Konsumentscheidung B nahezulegen ist... schwierig, vor allem, wenn sich die Person nur eine der beiden Entscheidungen leisten könnte."

Ähm, ich sprach oben von Präferenzen, davon, einmal alle paar Jahre ein teures Telefon auszulassen, um etwas zu kaufen, wovon man ein Leben lang was hat. Das Problem der Branche im höheren Preissegment ist, dass es zuwenig Schreibinterressierte gibt, die sich dieser Entscheidung stellen wollen. Und was die von Dir angesprochenen Lebensumstände betrifft, so kann ich mir auch keinen Ferrari leisten. Aber reden wir hier von so einem Luxus? Wir reden hier über Stifte (ich weiß, MB kann auch richtig teuer) im Gegenwert eines Kaffeevollautomaten, eines besseren Telefons,... selbst ein bescheidener Urlaub ist damit kaum machbar. Schreiben ist ein Kulturgut der Menschheit, auf ein Mobiltelefon konnte ich gut bis in die 90er verzichten, und danach brauchte ich es auch nicht wirklich.

"Du kommst recht marktliberal rüber"

Liegt an meiner Ausbildung, ich kann nicht anders. ;)

Und bei den weiteren Konsequenzen hast Du Recht. Liegt der Preis über der subjektiven(!) Wertschätzung des Konsumenten für das Produkt, hat das Unternehmen ein Problem (nicht immer). Für diese banale Feststellung gab's auch mal einen Nobelpreis, ich glaube Angus Deaton, 2015.

Hier wird der Homo Öconomicus mit all seinen teils irrationalen Entscheidungen in den Mittelpunkt gestellt, während ansonsten Volkswirte in ihren Modellen von mehr oder weniger homogenen Sektoren ausgehen.

Egal, ein Unternehmen muss Gewinn machen, denn das ist nicht nur die Triebfeder jeglicher Innovation, sondern hat auch eine starke soziale Komponente, insbesondere der Arbeitsplätze, und allem was in diesem Zusammenhang noch zu bezahlen ist (Rente, Gesundheit, soziales Netz,..)

Insofern sollte man ein Unternehmen einfach mal machen lassen, entweder es funktioniert, oder es geht langfristig unter.

Und Pelikan stand schon 1982 nicht vor, sondern in der Pleite. Danach ist es durch verschiedene Hände gereicht worden. Hier gibt's eine neue Chance.
Gruß
Knut
maggutefueller
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Re: Pelikan Lehrer Shop

Beitrag von maggutefueller »

solange die transparenz der streifen-souverän nicht wieder hergestellt wird, oder als zwingend (nicht €€€) begründet wird, ändert sich nichts.
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Pen-Tagon
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Re: Pelikan Lehrer Shop

Beitrag von Pen-Tagon »

maggutefueller hat geschrieben:
21.09.2026 8:44
solange die transparenz der streifen-souverän nicht wieder hergestellt wird, oder als zwingend (nicht €€€) begründet wird, ändert sich nichts.
👍
Gruß
Knut
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Goldmund
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Re: Pelikan Lehrer Shop

Beitrag von Goldmund »

richard545 hat geschrieben:
21.09.2026 8:20
Bei einer radikalen Gewinnmaximierungs-Strategie entsteht auch der Eindruck, Hamelin möchte zahlenmäßig Pelikan für einen möglichst hohen Preis zum Weiterverkauf optimieren.
Wer weiß, vielleicht kauft Richemont in 10 Jahren Pelikan, wenn Hamelin seinen Job gut macht. Pelikan als Montblancs Schwestergesellschaft :lol:

Pen-Tagon hat geschrieben:
21.09.2026 8:35
so kann ich mir auch keinen Ferrari leisten. Aber reden wir hier von so einem Luxus? Wir reden hier über Stifte
Stimmt, aber wie du selbst sagst, gibt es ohnehin zu wenig potenzielle Kunden. Ich bin mir relativ sicher, dass der Durchschnittsmensch eher Verständnis für den Kauf eines limitierten 2,5 Mio. Euro teuren Autos hat als für den Kauf eines 1.400€ teuren Füllers (auch wenn es in meinen Ohren absurd klingt). Ich bin mir auch relativ sicher, dass der durchschnittliche Besserverdiener sich eher ein 250.000€ Auto finanzieren würde, als sich für 700€ einen Stift zu kaufen. Also ich will nur darauf hinaus, dass weil es nur Stifte sind, kaum jemand mehr als ein, höchstens zwei Stellen dafür ausgeben will.

maggutefueller hat geschrieben:
21.09.2026 8:44
solange die transparenz der streifen-souverän nicht wieder hergestellt wird, oder als zwingend (nicht €€€) begründet wird, ändert sich nichts.
Stimmt. Hoffentlich haben das genug (ähm alle) in der Umfrage mit angegeben. Eigentlich wollte ich mir mal neben meinem Stresemann und Grüngestreifen ein rotes oder ein blaues Streifenmodell zulegen, liegt aber wegen der fehlenden Transparenz auf Eis. Zumindest haben die meisten Special Editions noch Tintenfenster. Wobei die Füller der Art Collection Reihe auch keins haben und dort scheinen es die Kunden (auch hier im Forum) zu akzeptieren (ich selbst ja auch).
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