Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

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Rusti
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Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Rusti »

Guten Tag allerseits :)
Ich habe kürzlich beim Aufräumen unseres Kellers eine kleine Tüte mit alten Schreibutensilien gefunden. Zwischen zig Bleistiftminen, Linealen und Kugelschreibern war ein Füllfederhalter von Pelikan dabei. Er sieht schon ziemlich mitgenommen aus und ich habe auch keine Tinte, um diesen zu befüllen...meint ihr der Aufwand würde sich noch lohnen oder hat er seine guten Tage bereits eher hinter sich gelassen?
Ausserdem habe ich zwischen den Sachen diese winzigen Glasfläschchen gefunden...kann mit eventuell jemand sagen, was das ist? :/ Da bei den Sachen ausschließlich Schreibutensilien lagen, gehe ich davon aus, dass sie irgendwo dazugehören...
Schon mal vielen Dank für die Hilfe :)
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werner
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von werner »

Hallo Rusti,

bei dem gefundenen Füller kann ich weiterhelfen. Nach meinem Dafürhalten ist das ein Pelikan Modell IBIS produziert nach 1949 mit einer sehr schönen 14-Karat Goldfeder.
Bei dem Füller lohnt sich das Reinigen ganz sicher. Hier im Forum findest Du über die "Suchfunktion" ganz viele Hinweise, wie man soetwas bewerkstelligt. Ein Glas Tinte ist im Fachhandel schnell besorgt und nicht teuer. Du wirst sehen, mit dem Füller macht das
Schreiben Spaß.
Bei den Glasfläschchen und den Textilwuscheln würde ich ganz spontan auf Typenreiniger für Schreibmaschinentypen raten. Da kann ich aber auch ganz falsch liegen. :wink:

Viele Grüße
Werner
Leserlichkeit ist die Höflichkeit der Handschrift. (Friedrich Dürrenmatt)
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Will
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Will »

Hey Rusti,

und so schlecht sieht der Ibis doch garnicht aus. Ordenlich spülen bzw. reinigen und wenn der Kolben noch dicht ist, hat man einen klasse Füllhalter, mit Ebonittintenleiter und voraussichtlich flexibler Feder, die ganz vorzüglich schreibt. Ich habe einen mit breiter Feder und die schreibt ganz wunderbar. Selbst wenn der Kolben nicht mehr dicht ist, wäre eine Reparatur nicht verschwendet. Also freu Dich über das alte Stück und nimm ihn wieder in Betrieb.

Grüße aus der Pfalz

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!
Rusti
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Rusti »

Gerd und Werner, vielen Dank für die tollen und schnellen Antworten :D
Das hört sich echt gut an, was ihr über den Ibis schreibt! Ich werde ihn dann auf jeden Fall demnächst auf Vordermann bringen und ausprobieren, bin jetzt schon gespannt wie er sich so schreibt! Mit einer Goldfeder habe ich nämlich noch nie geschrieben...mal sehen wie das so ist :wink:
Schöne Grüße
thobie
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von thobie »

werner hat geschrieben: Bei den Glasfläschchen und den Textilwuscheln würde ich ganz spontan auf Typenreiniger für Schreibmaschinentypen raten. Da kann ich aber auch ganz falsch liegen. :wink:
Hallo Werner,

m.E. liegst Du genau richtig. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurden die Dinger nicht zerlegt. Vielmehr drückte man einmal Kräftig auf die Plastikpatrone. Das Glasfläschchen zerbröselte darin und gab die streng riechende Flüssigkeit frei. Die tränkte dann von den Stoff und damit hat man dann die Typen der Schreibmaschine gereinigt. Man, ist das schon lange her. Aber den Geruch habe ich noch in der Nase. Lösungsmittel pur.

Gruß
Thomas
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amarti
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von amarti »

Im Büro von meinem Vater im Briloner Rathaus durfte ich als Kind früher mal damit die Schreibmaschine reinigen. Durch das Band mit dokumentenechter Tinte und die fast permanenter Arbeit mit teils mehreren Durchschlägen war die dicke Schreibmaschine immer versifft. Kein Vergleich zur privaten Monika.

Ausserdem war das frühere Papier die reinste Staubkanone. Überhaupt kein Vergleich zu heutigem preiswerten Verwaltungspapier.

Andreas
Rusti
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Rusti »

thobie hat geschrieben:
werner hat geschrieben: Bei den Glasfläschchen und den Textilwuscheln würde ich ganz spontan auf Typenreiniger für Schreibmaschinentypen raten. Da kann ich aber auch ganz falsch liegen. :wink:
Hallo Werner,

m.E. liegst Du genau richtig. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurden die Dinger nicht zerlegt. Vielmehr drückte man einmal Kräftig auf die Plastikpatrone. Das Glasfläschchen zerbröselte darin und gab die streng riechende Flüssigkeit frei. Die tränkte dann von den Stoff und damit hat man dann die Typen der Schreibmaschine gereinigt. Man, ist das schon lange her. Aber den Geruch habe ich noch in der Nase. Lösungsmittel pur.

Gruß
Thomas
Aaaaah, nun wird mir einiges klar :D Deshalb war es also so verdammt schwer die Plastikverpackung aufzukriegen...ich musste sie regelrecht aufschneiden. Aber mein Interesse ist geweckt! Davon will ich mir ein Näschen keinesfalls entgehen lassen :wink:
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Tenryu
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Tenryu »

Aber Vorsicht: Früher hat man noch bedenkenlos Lösemittel wie Tetrachlorkohlenstoff u.a. verwendet, für deren Besitz und Verwendung man heute zehn Spezialbewilligungen und einen Vollschutzanzug mit Preßluftatemgerät bräuchte. :D
georg52
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von georg52 »

noch eine Ergänzung:

den Typenreiniger nicht für den Füller-Korpus verwenden :!: , das könnte dem Material schlecht bekommen und wäre bei so einem Erbstück doch schade :cry:

Viel Erfolg wünscht
Jürgen
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YETI
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von YETI »

Tenryu hat geschrieben:Aber Vorsicht: Früher hat man noch bedenkenlos Lösemittel wie Tetrachlorkohlenstoff u.a. verwendet, für deren Besitz und Verwendung man heute zehn Spezialbewilligungen und einen Vollschutzanzug mit Preßluftatemgerät bräuchte. :D
Und diejenigen, die damals ohne Bedenken damit gearbeitet haben, treiben heute den Altersdurchschnitt in die Höhe. :mrgreen:

Gruß

Andreas
Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.
Rusti
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Rusti »

Tenryu hat geschrieben:Aber Vorsicht: Früher hat man noch bedenkenlos Lösemittel wie Tetrachlorkohlenstoff u.a. verwendet, für deren Besitz und Verwendung man heute zehn Spezialbewilligungen und einen Vollschutzanzug mit Preßluftatemgerät bräuchte. :D
Na solche Aussagen machen einen doch nur noch neugieriger :twisted:
georg52 hat geschrieben:noch eine Ergänzung:

den Typenreiniger nicht für den Füller-Korpus verwenden :!: , das könnte dem Material schlecht bekommen und wäre bei so einem Erbstück doch schade :cry:

Viel Erfolg wünscht
Jürgen
Nene, keine Sorge! Da werde ich erstmal schauen wie man das vernünftig macht und dann erst drangehen...der Reiniger wird höchstens an den Fingernägeln meiner Freundin ausprobiert, wenn Sie ein Nickerchen macht :P
YETI hat geschrieben: Und diejenigen, die damals ohne Bedenken damit gearbeitet haben, treiben heute den Altersdurchschnitt in die Höhe. :mrgreen:

Gruß

Andreas
Falls du da auch mitmachen möchtest, könnte ich dir mal so ein Schnupper-unsterblichkeits-fläschchen rüberschicken :wink: :mrgreen:
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YETI
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von YETI »

Rusti hat geschrieben:Falls du da auch mitmachen möchtest, könnte ich dir mal so ein Schnupper-unsterblichkeits-fläschchen rüberschicken :wink: :mrgreen:
Nö, nicht nötig. Wenn du wüsstest, woran ich in meinem Berufsleben schon alles geschnüffelt habe.... :roll:
Ich glaube, deshalb geht auch keine Bazille mehr freiwillig an mich ran.

Aber mal im Ernst, was heute als hochgiftig gilt, war früher sehr oft vollkommen normal. Es ist gut, wenn heute davor gewarnt wird, aber mit etwas Augenmaß kann man diese Mittelchen auch jetzt noch ohne Panikattacken anwenden.

Gruß

Andreas
Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.
DanielH
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von DanielH »

Was früher als harmlos galt, ist in seiner Langzeitwirkung oft schwer unterschätzt worden. Ich würde an Deiner Stelle die Typenreiniger zu einer Gefahrstoffsammelstelle bringen. Wenn da wirkich Tetrachlorkohlenstoff drin ist, dann ist damit wirklich nicht zu spaßen. Dieses Zeug habe ich während meines gesamten Chemiestudiums ein einziges Mal in die Hand bekommen. Und wenn man es schon Chemiestudenten nicht gibt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass es wirklich gefährlich ist.
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Tenryu
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von Tenryu »

Das ist alles relativ. Von Zigaretten soll man angeblich langfristig auch Krebs bekommen. Und dennoch sind die nicht verboten worden.
Quecksilber in Fieberthermometern ist giftig und hochgefährlich - Quecksilber in Gasentladungslampen ist völig harmlos und darf jederzeit auch in Kinderzimmern eingesetzt und eingeatmet werden. :roll:

Als ich zur Schule ging, wurden die Hektographien mit Methylalkohol gemacht. Wir haben alle gerne an den frischen Kopien geschnuppert. :D

Heute sind wir zu einer schizophernen Angstgesellschaft verkommen. Einerseits wird alles verboten, auf jeder Plastetüte stehen ein halbes Dutzend Warnhinweise, auf der anderen Seite (da wo es um viel Geld geht), wird die Umwelt schlimmer verpestet denn je.

Tetrachlormethan... davon hatte ich eine Flasche im Putzmittelschrank stehen. Hatte es das eine oder andere Mal als Fleckenmittel gebraucht. Der Rest ist in den letzten dreißig Jahren allmählich verdunstet. Offensichtlich habe ich es überlebt. :)
Ich weiß gar nicht, wo das überhaupt herkam. Vermutlich hatte es damals jemand in einem Chemielabor mitgehen lassen. :oops:

Was den sorglosen Umgang betrifft: Das erinnert mich an ein Erlebnis aus meiner Jugend. Damals gab es einen Tag der offenen Tür in einem Chemiewerk. Da konnte man auch die Labors besichtigen. In einem der Labors, wo Versuche für Kinder gezeigt wurden, stand die Tür des Chemikalienschrankes weit offen. Und was stand da direkt auf Augenhöhe? Eine Flasche mit ca. 200g Natriumzyanid! :shock:
DanielH
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Re: Füllfederhalter noch zu retten und was ist das...?

Beitrag von DanielH »

Entschuldigung, aber Du vergleichst hier gerade Äpfel mit Kartoffeln, Tenryu.

Zigaretten: Ginge es um die Gesundheit, wären Zigaretten schon gestern verboten worden. Aber überleg' Dir mal, was dann los ist.
Fieberthermometer/Gasentladungslampen: Das Quecksilber ist absolut harmlos, solange die entsprechenden Gegenstände nicht zerbrechen. Solange sie ins Glas eingeschmolzen sind: Kein Problem. Nur die die Wahrscheinlichkeit des Brechens beim Fieberthermometer wesentlich größer als bei einer Leuchtstoffröhre, die unter der Decke hängt. Außerdem gibt es mit der Digitaltechnik heute andere Methoden des Fiebermessens.
Methanol: Das Zeug ist beim Verschlucken schweinegiftig, hat aber eine Langzeittoxiztät, die absolut vernachlässigbar ist. Ergo: Solange man keine gefährliche Menge abbekommt, wird das vom Körper verstoffwechselt und gut ist. Im Übrigen ist Methanol hervorragend biologisch abbaubar. Das gilt für Tetrachlorkohlenstoff nicht. Das Zeug bleibt im Körper und in der Umwelt und kann noch lange nach seiner Freisetzung Schaden anrichten.

Die diesbezüglichen Regelungen haben schon ihren Sinn und sind nicht alle Produkt einer schizophrenen Angstgesellschaft (die ich aber angesichts mancher anderer Regelungen durchaus selbst sehe).
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