Pelikan 400

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Knorzenbach
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Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 05.08.2018 13:52

Ein Hallo in die Runde,

ich brauche mal Hilfe von Euch. Hier ist ein restaurierungsbedürftiger Pelikan 400 aus dem Jahr 1955. Die Hülse, in der der Kolben sitzt, ist der Länge nach bis über das Gewinde gebrochen. Das Gewinde selbst wurde an einer Stelle abgeschliffen, warum auch immer. Es funktioniert dennoch. Das Ende der Kolbenstange ist zwar ausgebrochen, funktioniert aber auch noch. Ich möchte mal wissen, was der Vorbesitzer mit dem Stift angestellt hat! Wahrscheinlich war der Kolben fest, und er hat mit sich mit Gewalt an dem schönen Teil zu schaffen gemacht. Fragen kann ich ihn nicht mehr.
Sei´s drum. Ich habe den Füller zwei Tage lang eingeweicht und die Reste des Königsblau mühelos entfernen können. Die Feder schreibt noch phantastisch. Das ist der Grund, weswegen ich den Stift gerne restaurieren möchte.
Frage: Soll ich den Füller an Pelikan senden? Gibt es solche Ersatzteile wie den Kolben und der Kolbenhülse überhaupt noch? Der Clip ist ordentlich verbogen. Kann man den richten?
Und noch eine Verständnisfrage: Wozu dient der leicht erhabene Punkt auf dem Schaft? Soll das ein Kappenstopper sein? Aber so weit reicht die Kappe gar nicht!
Und wieso hat der Schaft am Griffstück ein Gewinde, wenn die Kappe nicht verschraubt werden kann, weil dort das Gewinde fehlt?

2018_08_05_Pelikan_400_1_red.jpg
Der Pelikan 400 in Einzelteilen

2018_08_05_Pelikan_400_2_red.jpg
Der Kolben und die Kolbenhülse

2018_08_05_Pelikan_400_1_red.jpg
Die punktförmige Einarbeitung (Stopper?)

Über Vorschläge und Lösungsversuche von Eurer Seite freue ich mich!
Schönen Sonntag noch,
Tomm

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Eliza Winterborn
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Eliza Winterborn » 05.08.2018 14:29

Diesen erhabenen Punkt habe ich noch nie gesehen, auch meine beiden 400er aus demselben Fabrikationszeitraum haben ihn nicht. Ich tippe auf eine Blase im Kunstharz oder einen nachträglichen Klebertropfen.

Wurde das Gewinde der Kappe bearbeitet? Vielleicht aus Faulheit gegenüber dem Aufschrauben ;) Es gab sogenannte Desk-Pens, die man in eine feste Schreibtischhalterung stecken konnte, aber dann wäre der Schaft gewindelos – und nicht die Kappe.

Denke nicht, dass Pelikan dafür Ersatzteile hat – sie bieten bei solchen Anfragen gelegentlich aus Kulanz eine Kaufpreisreduzierung auf einen Neukauf. Es sei denn, die Mechanik des M400 passt exakt da rein. Das kann dir hier aber sicher gleich jemand sagen.

Den Clip kann man mit handwerklichem Geschick vorsichtig geradebiegen, falls die Oberfläche an der Knickstelle nicht gerissen ist. Dazu müsstest du die Kappenkrone losschrauben. Früher war sie nicht verklebt, soweit ich weiß.
Viele Grüße
Eliza

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Knorzenbach
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 05.08.2018 14:49

Hallo Eliza,
danke für Deine rasche Antwort! Also die Kappe hatte definitiv kein Gewinde. Die Abarbeitungsspuren müßte man sehen.
Der Clip läßt sich drehen, die Kappenkrone nicht. Vielleicht bin ich da zu vorsichtig. Ich will den Stift nicht nochmal so übel malträtieren, wie er es schon erleben mußte.
Gruß
Tomm

agathon
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Re: Pelikan 400

Beitrag von agathon » 05.08.2018 14:55

Du kannst die Kappenkrone mit einem Gummiring umwickeln, dann hast du einen besseren Griff und kannst die Krone besser lösen.

Grüße

agathon

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Knorzenbach
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 05.08.2018 15:36

Danke für den Tipp, agathon. Habe ich gleich ausprobiert. Die Krone rührt sich nicht, auch nicht unter Zuhilfenahme einer Zange. Ich glaube, die Krone ist echt verärgert ;) .
Gruß
Tomm

UweL
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Re: Pelikan 400

Beitrag von UweL » 05.08.2018 17:30

Hallo Tomm,
sieh dich in den Auktionshäusern nach Einzelteilen um.
Einen Korpus mit funktionierender Mechanik bekommst du schon für sehr wenig Geld und in deutlich besserem Zustand. Die Feder ist meist das, was Geld kostet.
viele Grüße Uwe

Old Boy
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Old Boy » 05.08.2018 18:02

Mit der Zange klemmst du aber ggf. alles stärker zusammen, was das Lösen wiederum verhindert.
Wie sieht's denn mit Wärme aus ... in kleinen Portionen, um mehr Spiel zu bekommen!

Sieh dir dieses Video mal an: https://youtu.be/9RCtY099OKc
Tintenblaue Grüße ... und immer ein gutes Tröpfchen in Reserve
Old Boy

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Will
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Will » 05.08.2018 18:31

Hallo Tomm,

bringe Deinen Patienten doch am 21.9. zum Hub mit, dann schaue ich ihn mir gerne an.

Liebe Grüße

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!

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Knorzenbach
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 05.08.2018 22:31

Hallo zusammen,

danke für die vielen Tipps, die ich von Euch bekommen habe. Da der Füller, an dem ich sehr hänge, nun seit Jahrzehnten inkognito nach mehreren Umzügen in irgendeiner Schublade dahinvegetierte, will ich mir jetzt Zeit lassen, um das kostbare Stück wieder zum Schreiben zu bringen. Nein, er schreibt ja, aber sein Innerstes sollte wieder zu 100 Prozent in Ordnung sein. Mit einem verbogenen Clip kann ich leben, das ist eher marginal.

@Will

Ja, Gerd, dann werde ich das Sorgenkind mit zum Hub nehmen. Vielleicht hast Du ja eine Lösung für das Problem.

Liebe Grüße,
Tomm

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Re: Pelikan 400

Beitrag von duckrider » 05.08.2018 22:45

Schöner Füllhalter, der es wert ist, wieder seine Arbeit aufzunehmen!
Diesen Knubbel habe ich mal im Zusammenhang mt Demo-Modellen gesehen. Die hatten eine Bohrung, damit man sie nicht mit Tinte befüllen konnte. Ein versierter Bastler verschließt das Loch und schreibbereit ist das gute Stück.

Viel Erfolg
Thomas
Zuletzt geändert von duckrider am 05.08.2018 22:47, insgesamt 1-mal geändert.
Scribere qui nescit, nullum putat esse laborem.

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Re: Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 05.08.2018 23:27

Hallo Thomas,
Dein Einwurf ist interessant. So viel ich weiß, wurde der Füller 1955 regulär in einem Geschäft in Kaiserslautern gekauft. Könnte es sein, daß es Rabatt auf einen Demo-Füller gab? Möglich ist alles.

Gruß
Tomm

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Re: Pelikan 400

Beitrag von dnic » 09.08.2018 14:21

Schaumuster von Pelikan hatten die Löcher meines Wissens, um diese mit einer Heftzwecke oder Nadel im Schaufenster aufzuhängen, wie in dem Foto zu sehen:

Bild

Von den Löchern abgesehen waren eine Reihe weiterer Punkte geändert um eine spätere Nutzung (auch von Teilen) im Verkauf auszuschließen. Sicher je nach Zeit und Modell abhängig. Keine Goldfedern verbaut, verklebte Teile, die offenen Schaumuster mit festgeklebter Kappe, Zierringe und Clipring durchgezwickt.

Der Füller hat einfach schon ein Leben begleitet und dabei seine Spuren abbekommen. Wie auch immer das passiert ist, das wichtigste ist - er lebt ;-)

Gruß
Dominic

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Re: Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 28.12.2018 22:54

Liebe Pelikan-Enthusiasten,

ich habe gute Kunde zu vermelden. Der alte Pelikan 400 schreibt wieder! Hurra! Daß ich das noch erleben durfte, grenzt an ein Wunder. Dieses Wunder habe ich einem guten Fee (sic!), einem Rauschgoldengel gleich, zu verdanken, der sich liebevoll um den Füller gekümmert hat.

Aber der Reihe nach. Der Pelikan 400 wurde 1955 von meiner Schwiegermutter in Kaiserslautern gekauft. Der Füller war ihr Traum, und sie hat damals einen nicht unerheblichen Teil ihrer ersten Gehälter dafür ausgegeben. Geschätzt 25 Mark. Das war für damalige Verhältnisse richtig viel Geld. Aber sie war glücklich mit dem Füller, der sie regelmäßig zur Arbeit begleitete und treue Dienste erwies.

Die Situation änderte sich, als sie nach Familiengründung mit drei Kindern zu Hause blieb und ihre Arbeit aufgeben mußte. Da der Füller schon damals Statussymbol war, hat sich ihr Ehemann des kleinen Pelikan bemächtigt, obwohl er mit seinen großen Händen gar nicht damit schreiben konnte, höchstens mit aufgesteckter Kappe. Er hat seinen Namen in den Schaft eingravieren lassen, um zu zeigen, daß der kleine Pelikan nun seiner sei. Daß er mit dem Füller nicht zurecht kam, zeigen die Zerstörungen, die ich zu Beginn des Threads dokumentiert habe. Ich weiß nicht, was er damals mit dem Pelikan angestellt hat und warum, jedenfalls landete er gedemütigt in der Schublade. Jahrelang.

Meine Frau fand ihn irgendwann und so gelangte er zu uns. Aber auch da lag er nach zahlreichen Umzügen unerkannt in der Schublade. Im August dieses Jahres suchte ich nach meinen Rotring Art-Pens, und entdeckte dabei den Pelikan 400. Ich traute meinen Augen nicht, da für uns der Füller als verschollen galt. Der Traumfüller meiner Schwiegermutter war plötzlich wieder da! Wie aus dem Nichts. Ich dachte sofort, daß dem geschändeten Füller Genugtuung geleistet werden mußte. Da hängen so viele Erinnerungen meiner Frau dran, daß ich gleich gewillt war, diesen schönen 400er restaurieren zu lassen.

Tja, und dann kam meine Anfrage ans Forum. Ich dachte, wenn jemand Ahnung hat, dann jemand aus dem Forum. Und so kam es dann ja auch.

Hier zunächst der generalsanierte Füller, den meine Frau am Tag gefühlt 15 Mal streichelt:
2018_12_28_Pelikan_400_red.jpg

Und hier der gute Fee, der das alles ermöglicht hat. O.k., das rauschgoldengelhafte Haar befindet sich eher auf der Unterseite des Hauptes, aber dafür umso mehr!

2018_12_28_Will_1_red.jpg

Tausend Dank Gerd! Tränen der Freude haben Deine Arbeit begleitet!

Liebe Grüße,
Tomm

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Pelle13
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Re: Pelikan 400

Beitrag von Pelle13 » 29.12.2018 0:11

Was für ein schönes Happy End! :) Ich freue mich immer, wenn schöne, alte und vor allem defekte Schreibgeräte aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden können, um dass zu tun, was sie am besten können ... schreiben.
Bei Deinem M400 hatte ich allerdings nicht wirklich geglaubt, dass dies möglich sein würde - umso mehr freut mich das tolle Ergebnis!

Viel Spaß mit dem wunderschön restaurierten Stück,
Dagmar
Freude am Schauen und Begreifen ist die schönste Gabe der Natur. (Albert Einstein)

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Re: Pelikan 400

Beitrag von Knorzenbach » 29.12.2018 0:28

Hallo Dagmar,
ja, das ist ein schönes Happy End! Ich habe es auch nicht geglaubt, daß der alte Pelikan 400 jemals wieder schreiben könnte. Aber dank Gerds Hilfe wurde das wieder möglich. Und das kleine Kerlchen schreibt so wunderbar...

Gruß
Tomm

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