Welcher 400-er ist das?

Moderatoren: Linceo, Lamynator, desas

Antworten
JohannesG
Beiträge: 36
Registriert: 19.01.2019 19:03
Wohnort: München

Welcher 400-er ist das?

Beitrag von JohannesG » 30.04.2019 17:21

Aus der kleinen Bucht ist mir ein lieblicher Wasservogel zugeflogen, doch er verrät mir seinen genauen Namen nicht. Vielleicht kann hier ein /-e Experte /-in weiterhelfen?

Die Maße sind:

Gesamtlänge: 126 mm
Schaftlänge: 102 mm
Kappenlänge: 57.4 mm
Dicke: 11.8 mm
Gewicht: 17 gr

Besonderheiten:

schreibt mit Linienbreitenvariation, aber überraschend schmal für eine „OB“ - Feder
Ebonit – Tintenleiter
Tintenleiter / Feder gesteckt, nicht geschraubt
keine Beschriftung auf Kappenrand
keine Angabe Federstärke auf Füllknopf
vor dem Füllknopf, also schon im „Stresemann-Grünen“ ist die Beschriftung „Pelikan Günther Wagner“ eingraviert. Diese Gravur ist so schwach, daß sie eigentlich nur mit starker Lupe sichtbar und kaum zu fotografieren ist

Das alles könnte nach all dem, was ich so gelesen habe, für einen frühen Pelikan 400 sprechen.

Dagegen spricht ein Detail der OB – Feder: Die „Tannenbaum-Äste“ reichen nicht bis zum Tintenleiter, was auf ein Produktionsdatum nach 1964 deuten würde.

Was meint Ihr?

Viele Grüße, Johannes
Dateianhänge
closed.jpg
closed.jpg (269.71 KiB) 1539 mal betrachtet
open.jpg
open.jpg (198.59 KiB) 1539 mal betrachtet
disassembled.jpg
disassembled.jpg (163.48 KiB) 1539 mal betrachtet

PeliJoerg
Beiträge: 470
Registriert: 21.03.2013 15:04

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von PeliJoerg » 30.04.2019 17:54

Hallo Johannes!

Möglichkeit 1: Es ist genau das passiert, was wir auf Deinem "disassembled"-Foto sehen. Will meinen: der Füller wurde zerlegt und eine später produzierte Feder in den "frühen" 400er eingesetzt. Vielleicht, weil die Originalfeder einen Unfall erlitten hatte - vielleicht,weil man zwei Füller zum Reinigen zerlegt und dabei die Federn einfach vertauscht hat.
Reparaturen durch kleine Schreibwarengeschäfte, bei denen es weniger um Erhaltung des Originalzustandes als vielmehr um ein rasches Wiederherstellen der Funktionstüchtigkeit des einzigen Schreibgerätes in der Hand des Besitzers ging, waren damals an der Tagesordnung.

Möglichkeit 2: Der ganze Füller ist später produziert und hat gar keine gesteckte, sondern eine geschraubte Tintenleiter-/Feder-Einheit. Wo, bitte, ist denn der dritte Teil dieser Einheit, nämlich die Hülse, die Feder und Tintenleiter zusammenhält, auf Deinem Foto? Ich kann sie nicht sehen. Wenn Du sie also nicht einfach verlegt hast, dann steckt sie noch im Griffstück, in das sie möglicherweise eingeschraubt ist - der Tintenleiter und die Feder sind nach meinem Kenntnisstand immer in die Hülse gesteckt, auch bei der geschraubten Hülse. Könnte gut sein, dass im Schraubgewinde so viel angetrocknete Tinte steckt, dass beim Versuch des Ausbaus sich der Tintenleiter einfacher von der Hülse gelöst hat als dass sich die Hülse aus dem Griffstück drehen/schrauben ließ. Eine Hülse muss aber auf jeden Fall da sein - die Frage ist eben: ist die Hülse ins Griffstück gesteckt oder geschraubt? Aber Vorsicht: die Hülsen aus diesen Produktionsjahren sind brüchiger als Glas (da hatte man das mit dem Weichmacher im Kunststoff noch nicht so im Griff ...).

MfG
Jörg

JohannesG
Beiträge: 36
Registriert: 19.01.2019 19:03
Wohnort: München

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von JohannesG » 30.04.2019 21:23

Hallo Jörg,
ooops, ich hoffe, ich habe da nichts kaputt gemacht? Du hast vermutlich recht, die Hülse dürfte noch im Griffstück sein. Ich muß etwas weiter ausholen um zu erklären, was passiert ist:

Die Berichte von den sehr leicht brechenden Lamellen der Ebonit – Tintenleitern ist mir geläufig, deshalb war es zunächst gar nicht meine Absicht, den Tintenleiter überhaupt auszubauen.

Als der Füller bei mir ankam, stellte ich leichte Kratzigkeit fest. Grund waren offenbar verschieden hoch stehende Schenkel der Feder. Mit Daumennagel rechts in Kombination mit Zeigefingernagel links habe ich das zurechtgebogen. Da mir die Übung noch etwas fehlt und ich vorsichtig vorgegangen bin, habe ich bestimmt 7 bis 8 mal ansetzen müssen, bis das Ergebnis stimmte. Als ich mein Werk abschließend betrachtete fiel mir auf, daß ich dabei versehentlich auch die Feder radial zum Tintenleiter – mit der Füllerhauptachse als Drehachse – um einige Grad verschoben hatte. Einfacher gesagt: Selber Effekt wie hier viewtopic.php?f=3&t=22934
schon für einen neuen Souverän M600 beschrieben wurde.
Mit den zuvor schon beschriebenen Fingernägeln habe ich das dann wieder zurückgedreht, ging ohne besonderen Kraftaufwand, meine Fingernägel blieben unbeschädigt.

Da das ganze so leicht ging kam mir erst jetzt der Gedanke, auch Feder und Tintenleiter zu ziehen. Zunächst habe ich daher nach den Nuten gesucht, in die das dort
https://www.pelikan-collectibles.de/de/ ... ng_toc_j_9
beschriebene Spezialwerkzeug zum ausdrehen von Ebonit-Tintenleitern eingreifen kann. Solche Nuten habe ich nicht finden können! Als Referenz diente mir ein original Pelikan 120, der sich seit den frühen Fünfzigern hier in Familienbesitz befindet. Dort sind diese Nuten leicht auszumachen, wenn auch schwer zu fotografieren. Meine Schlußfolgerung: Wo nix zum drehen ist darf gezogen werden!

Mit mäßigem Kraftaufwand – also ohne Werkzeug, mit bloßen Fingern - oben und unten auf Feder und Tintenleiter gegriffen und gezogen. So, als wollte ich Feder und Tintenleiter aus meinem Brause Calligraphy Pen ziehen, die Erfahrung habe ich. Was soll ich sagen? Ging raus, als müßte das so sein.

Was nicht unerwähnt bleiben darf: Zu meiner allergrößten Überraschung hatte der Verkäufer (ich kenne ihn nicht weiter, aber sicher kein Professioneller Händler) das Innenleben des Stífts vor dem Verkauf gründlich gereinigt: Keinerlei alte Tintenreste irgendwo, alles blitzblank! Ok, ich gebe zu, das schließt Deine Überlegung nicht aus, daß alte Tintenreste noch die Hülse im Schaft zurückhalten. Falls stimmt, daß dieselbe brüchig wie Glas sein könnte, wie klug wäre es jetzt von mir, das Teil ohne Not irgendwie ausbauen zu wollen? Der Füller ist jetzt vollgetankt und schreibt, gut sogar. Die Füllung schreibe ich in aller Ruhe leer, dann sehe ich weiter.

Zurück zu meiner Ausgangsfrage: Wie alt isser denn nu?

Grüße, Johannes

Benutzeravatar
Will
Beiträge: 1287
Registriert: 13.07.2011 5:45
Wohnort: Römerberg bei Speyer

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von Will » 30.04.2019 22:21

Hallo Johannes,

wenn sich Feder und Tintenleiter bei einem 400er Pelikan sehr leicht ziehen lassen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Federbuchse (Federhülse) gerissen/gebrochen. Über kurz oder lang wird der Füllhalter undicht

Ich halte dies für einen Pelikan 400 aus den 50er Jahren, bei welchem die Feder ersetzt wurde.

Viele Grüße

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!

Benutzeravatar
Tenryu
Beiträge: 4802
Registriert: 10.06.2004 0:45
Wohnort: Basel

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von Tenryu » 30.04.2019 23:11

Hat man nicht schon in den frühen 50ern das Design der Feder geändert? Ich dachte, nur die allerersten Modelle hatten noch die Feder mit der gepunkteten Pelikan-Schrift.
Wenn man die Feder nachträglich getauscht hätte, hätte man doch höchstwahrscheinlich die ganze Einheit ersetzt und nicht nur die Feder selbst.

Benutzeravatar
Will
Beiträge: 1287
Registriert: 13.07.2011 5:45
Wohnort: Römerberg bei Speyer

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von Will » 01.05.2019 2:54

Hallo Tenryu,

lt. Dominic Rothemel gab es das neue Federdesign mit Pelikanlogo ab Dezember 1954 (Tannenbaumfeder - Linien des Tannenbaums treffen sich am Federschlitz). Das Kappenband ohne Gravur wurde nur bis Ende 1953 produziert.

Im Originalzustand hätte der 400er, da er keine Gravur am Kappenband aufweist, also noch eine Feder mit Pelikanschriftzug ohne Logo haben müssen.

Bei der verbauten Tannenbaumfeder enden die Linien des Tannenbaumes jedoch kurz vor dem Federschlitz. Diese Federpunze gab es erst ab 1964 beim 400NN.

Beim 400NN wurde ebenfalls noch der Ebonittintenleiter mit Längsrillen verbaut. Diese späteren Federaggregate hatten allerdings bereits die durchsichtigen Plastikfederbuchsen (Federhülsen) welche zum Brechen neigen, was die leichte Entnahme der Feder und des Tintenleiters wiederum erklären würde.

Liebe Grüße

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!

JohannesG
Beiträge: 36
Registriert: 19.01.2019 19:03
Wohnort: München

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von JohannesG » 01.05.2019 19:52

Danke Jörg
und
Danke Gerd

für den klaren Hinweis, daß da demnächst eine Tinten-Sabberei stattfinden könnte. Gut, wenn man drauf vorbereitet ist. Die Mehrheitsmeinung scheint also hier zu sein, alter 400 – er aus den 50-ern mit später getauschter Feder. Danke auch für diese Info.

Ich habe das Foto von meinem Tintenleiter noch mal genauer mit dem verglichen, was so über die verschiedenen 400-er Tintenleiter veröffentlicht wurde. Und da muß ich in der Tat konstatieren, daß diese Bauform wohl mit geschraubtem und nicht mit gestecktem Tintenleiter korreliert. Daraufhin habe ich mir nochmal das sichtbare Teil (also den obersten Rand) von meinem Stift im Stereomikroskop angeschaut und mit meinem 120-er verglichen. Bei dem 120-er wurde noch nie versucht, das Federaggregat rauszubauen, dementsprechend ist die Oberfläche dort auch glatt, ohne jede Macke, und die beiden Öffnungen für den Eingriff des Federschlüssels bilden sich mit klarer Kantendefinition ab.
Beim 400-er hingegen ist die Oberfläche der Hülsenoberkante an mehreren Stellen vermackt und verkratzt. Da wurde wohl schon mehrfach versucht, rein- oder rauszuschrauben. Zwei von diesen Stellen liegen auf dem äußersten Rand und ziemlich genau gegenüber auf 180 Grad. Daher denke ich jetzt, die zwei versaubeutelten Eingriffsnuten gefunden zu haben.
Die übrigen Macken sind bei eingebautem Tintenleiter schwer zu beurteilen, gut möglich, daß die eine oder mehrere davon Anfang oder Ende einer Rißbildung sind, die langsam aber sicher Richtung Tintenreservoir wandert.
Ich fasse jetzt Feder und Tintenleiter von dem Stift nicht mehr an, schreibe aber weiter damit. Kann ja noch ein paar Tage oder Wochen gut gehen.
Gleichzeitig darf ich jetzt wohl damit anfangen, mir einen behelfsmäßigen Federschlüssel zu basteln. Da ich kaum der erste sein werde, dem dies widerfährt: Falls es irgendwo schon eine gute Bastelanleitung oder sonstiges KnowHow dazu gibt, wäre ich für Hinweise sehr dankbar.

Liebe Grüße,
Johannes

Benutzeravatar
TomSch
Beiträge: 2611
Registriert: 28.05.2008 20:55
Wohnort: Ostfriesland

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von TomSch » 01.05.2019 20:43

Hallo Johannes,

Regel Nummer 1: Wässern, wenn das nichts nutzt, heißen Regel Nummer 2 und 3 gleich: also: Füller mit dem Griffstück kopfüber in ein Wein-Probierglas mit lauwarmem Wasser stellen und warten. Nach ein bis zwei Tagen Wasser wechseln, spülen und den Federring zum Beispiel mit dem Heck eines Federhalters vorsichtig zu lösen versuchen (das hat bei mir letztens bestens geklappt).

Sollte der Federring noch intakt sein, kannst du nach dem Procedere zahlreicher Anleitungen im Netz Feder plus darunterliegendem Tintenleiter einfach wieder einstecken.

Viel Erfolg, Thomas
Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.
Dalai Lama

Gesa
Beiträge: 123
Registriert: 07.03.2016 15:44
Wohnort: NRW

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von Gesa » 02.05.2019 20:21

Falls der Federring kaputt sein sollte (ich habe noch keinen durchsichtigen Federring gesehen, der noch intakt war), findest Du hier Ersatz:

https://www.custompenparts.co.uk/pelika ... ector.html

Benutzeravatar
TomSch
Beiträge: 2611
Registriert: 28.05.2008 20:55
Wohnort: Ostfriesland

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von TomSch » 02.05.2019 20:36

Moinsen,

da kann ich Gesa nur zustimmen. Die Bestellung dort verlief problemlos, der Preis ist wirklich günstig, und: die Federringe passen genau so wie sie sollen. :mrgreen:

Tschö, Thomas
Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.
Dalai Lama

JohannesG
Beiträge: 36
Registriert: 19.01.2019 19:03
Wohnort: München

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von JohannesG » 03.05.2019 18:53

Danke für die tollen Tipps, Gesa und Thomas!
Von den Federringen werde ich mir dann gleich mal zwei bestellen, die werde ich ja dann demnächst brauchen.
Ein schönes Wochenende noch,
Johannes

Benutzeravatar
Will
Beiträge: 1287
Registriert: 13.07.2011 5:45
Wohnort: Römerberg bei Speyer

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von Will » 03.05.2019 20:47

Hallo Johannes,

solltest Du die Federbuchse eines modernen M400 oder M200 rumliegen haben, kannst Du diese ebenfalls verwenden. Du musst allenfalls den Innendurchmesser minimal reduzieren, das Gewinde passt und ist dicht.

Viele Grüße

Gerd
Blauer Hautausschlag, erhöhte Temperatur, Bewusstseinstrübungen - oh Gott, das muss Flexfieber sein!

JohannesG
Beiträge: 36
Registriert: 19.01.2019 19:03
Wohnort: München

Re: Welcher 400-er ist das?

Beitrag von JohannesG » 20.05.2019 16:50

Er hat jetzt 7 Wochen und zwei Tankfüllungen lang brav geschrieben ohne auszulaufen. Als die Ersatzfederbuchsen von Customerparts da waren habe ich das Federaggregat rausgebaut und siehe da: Die Experten hier hatten recht, die durchsichtige Federbuchse hatte einen feinen Riß. Ging mit dem Ersatzteil leicht zu reparieren. Übrigens: die Customerparts Ersatzteile haben keine Eingriffsnuten für den Federschlüssel, da durfte ich selber noch mit der Feile welche nachschneiden. Kein großer Akt.
Gruß an alle,
Johannes

Antworten

Zurück zu „Pelikan“