Seitz-Kreuznach Lavendel Lila

Moderatoren: Linceo, Lamynator, desas

Antworten
Der Zeitreisende
Beiträge: 180
Registriert: 10.12.2017 16:56
Wohnort: in der Galaxis

Seitz-Kreuznach Lavendel Lila

Beitrag von Der Zeitreisende » 08.08.2019 13:45

Seitz-Kreuznach Lavendel Lila

Die Firma Seitz-Kreuznach gehört wohl zu den besser bekannten Tintenverkäufern Deutschlands, aber die firmeneigenen Tinten sind in Europa eigenartigerweise viel weniger besprochen worden als in den USA. Nach meiner früheren Besprechung von ,Pflaumenblau‘ biete ich jetzt eine Besprechung von ,Lavendel Lila‘ an.

Die gescannte und hier hochgeladene Probe ist auf billigem Drucker- und Kopierpapier gemacht, was ich persönlich immer interessant finde, denn wenn man auf teuerem Papier von hoher Qualität schreibt, und mit einem teueren Federhalter von hoher Qualität, dann wird wohl jede Tinte gut aussehen; wenn man aber mit bescheideneren Federn auf Billigpapier schreibt, kommen die Stärken und Schwächen der Tinte besser zum Vorschein.

Farbe: Wie manchen andere Hersteller von Tinten hat auch Seitz-Kreuznach offenbar Probleme mit den Benennungen ihrer Produkte. Bei ,Lavendel‘ (und übrigens auch bei ,Lila‘) erwarte ich eine Farbe, die nicht so rötlich-purpur wie diese ist. Das Etikett auf der Flasche täuscht uns eine bläuliche Tintenfarbe vor. Diese Tinte ist nicht allzu störend oder reizend rot, und ich kann mir vorstellen, dass diese Tinte im privaten Gebrauch einen Platz finden kann. Allerdings könnte ein langer Text in dieser Tinte ein bisschen ermüdend wirken.

Spreizung und Ausbluten (,spread‘ und ,feathering‘), Durchbluten: Auch auf diesem billigen Papier dringt die Tinte (wie schon auch bei Seitz-Kreuznach Pflaumenblau beobachtet) nicht schnell ein und spreizt der Schriftstrich sich ziemlich, wodurch das Schriftbild dicker als mit manchen anderen Tinten wirkt; aber andererseits trocknet die Tinte nicht allzu langsam, und deshalb hält das ,feathering‘ sich sehr in Grenzen und blutet das Geschriebene gar nicht durch das Papier hindurch. – Sehr viel hängt von der benutzten Federbreite und / oder dem Füllfederhalter ab. Bei einem Diplomat Magnum mit M-Feder (siehe Bild) sieht man dieses Ausbluten ein bisschen; bei einem Diplomat Esteem mit F-Feder merkt man auch auf diesem Billigpapier praktisch nichts vom Ausbluten.

Nässe: Die Tinte wirkt in der Diplomat Esteem mit feiner Feder eher trocken, mehr noch als S-K Pflaumenblau; im Magnum mit M-Feder ist sie auf einmal viel nässer.

Sättigung und Schattierung: Diese Tinte ist nicht sehr gesättigt: hierdurch bleibt die Farbe lebhaft durch das Hindurchscheinen der Weiße des Papiers, obwohl die Tinte ziemlich matt trocknet. Bei besseren Papiersorten, wo die Tinte noch weniger schnell eindringt, gibt es ein kleines bisschen Schattierung.

Wasserresistenz: Die Tinte ist ziemlich wasserresistent, vor allem im Vergleich zu anderen Tinten in diesem Farbspektrum.

Trockenzeit, Verschmieren: Die Tinte ist innerhalb von etwa zehn Sekunden trocken, und wenn sie einmal getrocknet ist, verschmiert sie nicht.

Abschließende Bemerkungen: Für den persönlichen Gebrauch könnte die Tinte zum Einsatz kommen, aber es ist die Frage, ob man lange Texte in ihr lesen möchte. Sie könnte eher für feierliche und ornamentative Zwecke benutzt werden; die leicht rost-rötliche Schattierung könnte in längeren Texten auf Dauer irritierend wirken. Sie ist ziemlich wasserfest auf Papier, aber aus meinen Füllern und Konvertern ließ sie sich mit nur wenig Mühe wegspülen.

Verfügbarkeit: Es kann sein, dass diese Tinte mittlerweile aus der Produktion genommen worden ist, denn am 7. August 2019 wurde sie auf der Webseite von Seitz-Kreuznach nicht (mehr) angeboten.
S-K-Lavendellila-web50.jpg
S-K-Lavendellila-web50.jpg (239.3 KiB) 522 mal betrachtet
Aktuell hauptsächlich (nur hauptsächlich) mit Cleo Skribent, Diplomat, Platinum, Waterman und Pelikan schreibend.

Benutzeravatar
Strombomboli
Beiträge: 2507
Registriert: 27.03.2012 15:54
Wohnort: Berlin

Re: Seitz-Kreuznach Lavendel Lila

Beitrag von Strombomboli » 08.08.2019 16:03

Der Zeitreisende hat geschrieben:
08.08.2019 13:45
offenbar Probleme mit den Benennungen ihrer Produkte
Stimmt! Nach deinen Scans zu urteilen, hätte man die beiden Farben auch gerade andersherum benennen können. Obwohl ... ich finde, sie sehen beide nach Pflaume aus. Schöne Farben in jedem Fall. Vielen Dank für die Vorstellung!
Iris

Mein Avatar ist ein Gemälde von Ilja Maschkow (1881-1944): Selbstporträt; 1911, das in der neuen Tretjakow-Galerie (am Krimskij Wal) in Moskau hängt, wo ich es fotografiert habe.

Benutzeravatar
hoppenstedt
Beiträge: 913
Registriert: 13.10.2013 23:56
Wohnort: Südlich von Stuttgart

Re: Seitz-Kreuznach Lavendel Lila

Beitrag von hoppenstedt » 09.08.2019 3:40

Danke für die Mühe. Von Firma oder Tinte habe ich bislang noch nie etwas gehört...
"Nulla dies sine linea."
Grüße von Alfred :)

Andreas-54
Beiträge: 683
Registriert: 12.08.2015 9:47
Wohnort: FFB

Re: Seitz-Kreuznach Lavendel Lila

Beitrag von Andreas-54 » 09.08.2019 11:52

hoppenstedt hat geschrieben:
09.08.2019 3:40
Danke für die Mühe. Von Firma oder Tinte habe ich bislang noch nie etwas gehört...
Da habe ich in den letzten Jahren schon etliche Kawecos und Ersatzfedern bestellt.
Deren eigene Tintenmarke habe ich aber auch noch nicht ausprobiert.

Andreas

Antworten

Zurück zu „Tintenbetrachtungen / Ink-Reviews“