TWSBI Midnight Blue

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HeKe2
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TWSBI Midnight Blue

Beitrag von HeKe2 » 07.01.2021 22:44

Hallo liebe Tintenfreunde!

Diese Tinte habe ich gekauft, weil mich ein Bericht von MarkIV auf TWSBI-Tinten neugierig gemacht hat. In Marks Bericht geht es um die blauschwarze Tinte von TWSBI, da ich aber eher Blautöne ohne Schwarzanteil bevorzuge, habe ich eine andere Tinte versucht. Geliefert wird die Tinte in einem weißen Karton in dem sich ein gefrostetes Glas befindet, dass ein Wenig an das Tintenfass aus dem Struwwelpeter erinnert. Es geht um die
TWSBI
Midnight Blue

Siebzig Milliliter sind auch ausreichend Inhalt für viele lange Schreibabende. Mir gefällt das Glas. Es sieht nicht nur gut aus, es ist mit seiner breiten Öffnung und der mittleren Höhe auch recht funktionell. Die 30ml Diamine Behälter sind zum Vergleich zu eng an der Öffnung und die 50ml Behälter von Robert Oster zu hoch, um den letzten Rest aus dem Fass zu bekommen.
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Sollte ich die Analyse eines Wasser abgeben und man würde mir diese Tinte vorsetzen, würde sie etwa so anfangen: „Eingereicht wurde eine kräftig dunkelblaue Flüssigkeit mit deutlichem Geruch nach Phenol.“ Tatsächlich ist dieser phenolige Geruch recht persistent. Man riecht ihn beim Füllen des Füllers, man riecht ihn an der Feder, man riecht ihn beim Schreiben und man riecht ihn sogar nach dem Schreiben, wenn man an der getrockneten Tinte riecht. Gut konserviert dürfte die Tinte also sein. Das reine Phenol wird es wohl nicht mehr sein, aber irgendein artverwandtes Desinfektionsmittel wird wohl reichlich zum Einsatz gekommen sein.
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Kommen wir zu den Eigenschaften der Tinte, die gemeinhin für Tinten relevant sind. Wenn man mal vom Geruch absieht, der einem durchaus auf die Nerven gehen kann, wenn man nicht daran „vorbeiriechen“ kann, handelt es sich ansonsten um eine sehr gut zu handhabende Tinte. Die Tinte zeigt ein wirklich schönes Dunkelblau und man ist geneigt zu sagen dass sie ein ganz klein wenig Violettanteil hat. Ich sage deshalb geneigt zu sagen, weil ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher bin, ob das Violette wirklich in der Farbe liegt, oder ob es sich dabei um Sheen handelt, der dezent so gut wie über jeder Stelle der Tinte liegt. Ich vermute, dass es eher der Sheen ist, der diesen violetten Eindruck erzeugt, denn im Gegenlicht durch das Papier betrachtet, wirkt die Tinte eher graublau.
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Wenn Sheen vorhanden ist, dann ist die Tinte meistens auch deutlich gesättigt, so ist es auch bei dieser Tinte. Wie bei vielen derartiger Tinten kann man auch bei dieser einen violett schimmernden Rand am Rand der Entnahmeöffnung des Tintenglases erkennen. Stark gesättigte Tinten haben auch oft kaum Shading, bei dieser Tinte ist das jedoch nicht immer der Fall. Schon der erste Stich ist tiefblau und die Tinte benetzt auch gut das Papier, sodass die Tinte sich kaum am Ende des Striches sammeln kann. Dadurch bleibt aber auch ein übertriebener Sheen aus, was nur zum Vorteil des Farbeindrucks ist. Stattdessen schimmert der ganze Strich ganz leicht violett. Wenn man jedoch einen geeigneten Füller einsetzt, kann man sehr wohl Shading erzeugen, in Kombination mit dem richtigen Papier sogar recht deutliches Shading.
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Das funktioniert auch auf anderen, Papieren recht gut. Besonders deutlich wird das auf Oxford Optik Papier zeigen:
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Ich habe die Tinte mal in mein Arbeitstier, einen Italix Parsons Essential mit „Cusive Italic“ Feder gefüllt. Weil die Tinte so gut das Papier benetzt und auch recht gut fließt, schreibt es sich mit der Tinte wirklich leicht und flüssig. Personen, die wie ich einen satten Tintenauftrag mögen, werden ihre helle Freude haben. Es macht wirklich Spaß, mit der Tinte zu schreiben. Die Farbe ist auch äußerst alltagstauglich, weil das bisschen Sheen wirklich sehr dezent auftritt.

Der einzig mögliche Nachteil der Tinte könnte sein, dass sie nach längerem Liegen im Füller möglicherweise Anschreibprobleme verursacht, was durch die hohe Sättigung der Tinte bedingt sein könnte. Ich habe die Tinte noch nicht lange genug im Füller, um das wirklich beurteilen zu können, aber ich hatte nach längeren Schreibpausen heute den Eindruck, dass es so sein könnte. Wenn die Tinte erst einmal fließt, dann läuft es auch ohne Probleme.
Das schnelle Einziehen in das Papier bedingt, dass sie auf Kopierpapier auch sehr schnell trocknet. Nach fünf Sekunden ist sie wischfest. Das ist schon rekordverdächtig. Dabei franst die Tinte selbst auf Kopierpapier nicht aus oder blutet gar durch. Sie scheint auch nicht übermäßig durch, was die Tinte auch für schlechtere Papierqualitäten geeignet erscheinen lässt. Auf besseren, weniger saugfähigen Papierqualitäten braucht die Tinte deutlich länger, um zu trocknen, je nach Dicke des Tintenauftrags bis zu mehr als 80 Sekunden.

Wasserfest ist die Tinte im Übrigen nicht. Auf Papier aufgetragen und unter fließendes Wasser gehalten werden 80% der Farbe weggewaschen, unabhängig vom verwendeten Papier.



Die Tinteneigenschaften im Einzelnen (Maximalwert 10):
Ausbluten, Ausfransen: 10
Durchscheinen: 9
Durchbluten: 8,5
Tintenfluss: 9
Wasserfestigkeit: 1,5
Sättigung: 7
Shading: 5
Sheen: 3
Trocknungszeit auf Navigator Universal Multifunktionspapier, 80g/m² (Cross, „B“e): ~5 sek.
Trocknungszeit auf Tomoe River Papier 52g/m² (Cross Townsend, „B“): 40 bis 80 sek.

Eingesetztes Material:
TWSBI Midnight Blue
Italix Parsons Essential, Cursive Italic Stahlfeder, 1,3 mm
Visconti Homo Sapien Bronze, 23k Palladiumfeder, Stub
Navigator Universal Multifunktionspapier 80g/qm
Oxford Optik Paper, 90g/qm
Tomoe River Papier, 52g/m², weiß
Fritz Schimpf, Feinpost


Fazit:
Das ist eine Tinte nach meinem Geschmack. Ein kräftiges Blau, wie ich schon so einige habe (Akkerman Shocking Blue, Diamine Regency Blue, Diamine Oxford Blue). Ich mag dunkle Blaus. Diese hier ist ziemlich gesättigt, was es vielleicht etwas schwierig macht, sie schnell wieder irgendwo herauszuwaschen und vielleicht trocknet sie dadurch auch mal etwas schnell im Tintenleiter an, was aber noch nicht bewiesen ist, aber ansonsten ist es eine herrlich unproblematische Tinte mit hervorragenden Schreibeigenschaften und zudem noch für fast jedes Papier geeignet.

Nachtrag:
Nachdem der Füller nun eine Nacht gelegen hat, konnte ich keine Anschreibprobleme mehr feststellen. Füller und Tinte mussten sich wohl erst aneinander gewöhnen.
Beste Grüße
Hermann

mbf
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Re: TWSBI Midnight Blue

Beitrag von mbf » 08.01.2021 11:08

Danke, das ist auch was für meinen Geschmack. Satte Blautöne kann man nie genug haben, und wenn sie dann noch robust in der Anwendung sind, umso besser.

Nur der Geruch, es muss ja kein Phenol(derivat) sein, sondern auch etwas anderes. Diamine beispielsweise hat auch Tinten im Sortiment, die etwas gewöhnungsbedürftig sind. Da frage ich mich immer, ob das denn wirklich sein muss... mir vergällt so etwas schnell die Lust an einer ansonsten tollen Tinte.
Grüße, Matthias

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Man kann durchaus zu viele Füller, Papiere und Tinten haben - aber niemals genug.

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