Vorstellung e+m Contract (Classic Oak und Marble)

Moderatoren: MarkIV, Zollinger, desas, Linceo, Lamynator

Antworten
Benutzeravatar
Boetheras
Beiträge: 10
Registriert: 09.03.2026 18:14
Wohnort: 270° 33km vom Schlossturm

Vorstellung e+m Contract (Classic Oak und Marble)

Beitrag von Boetheras »

Vorbemerkungen zu Hersteller, Bezugsweg, Beziehung zum Hersteller

(Alle Angaben zum Hersteller habe ich aus dessen Veröffentlichungen bezogen)
e + m Holzprodukte aus Neumarkt / Oberpfalz stellt seit 1899 gedrechselte Federhalter her; seit den 1980er Jahren Kugelschreiber aus einheimischen Hölzern. Die Manufaktur ist eine GmbH mit 10 Mitarbeiter:innen und fertigt, außer Schreibgeräten, Holzdrehteile in Klein- und Großserien, Werbeartikel und Zulieferteile für die Industrie.

Das Design für die Contract - Serie wurde 2019 von Dominik Harborth (WORKS - BUERO HARBORTH) geschaffen. Aktuell werden vier verschiedene Versionen angeboten aus heller Eiche, Ahorn, Lärche und schwarz gefärbter Eiche. Das verbaute Feder-Triple ist ein FH 452 mit Kappendichtung von Schmidt.

Im Frühjahr 2025 schlenderte ich durch die leider sehr regnerische Altstadt von Heidelberg, hatte bereits sehr nett mit den Damen im Lamy-Flagshipstore gesprochen und auch ein paar Kleinigkeiten erworben. In der Unteren Straße, die kleine, weniger touristenüberflutete Schwester der Hauptstraße, fiel mein Blick auf die winzige Ladenfront von Marcus Wollners Laden "Letter & Co.".
Ein paar reichliche Minuten später war ich, freundlichst beraten, stolzer Besitzer eines e+m Contract Classic Oak (und einiger Tinte und Postkarten und, und, und...).

Im September 2025 auf der Bremer Fine Writing World traf ich dann am Stand von e+m den Geschäftsführer Matthias Bellan und erzählte ihm von meinem Heidelberger Erlebnis, ohne mich genauer an das Geschäft erinnern zu können. "Ah, Sie waren bei Herrn Wollner!" wusste er, wie aus der Pistole geschossen, meine ungenaue Beschreibung zuzuordnen. Wie sympathisch ist doch ein Unternehmer, der seine Geschäftspartner so gut kennt! Kurz darauf war ich dann im Besitz eines Contract Marble, allerdings eines nicht nur golden, sondern dreifarbig marmorierten Modells.

e+m verkauft seine Produkte über ein gutes Dutzend, leider etwas ungleichmäßig über Deutschland verteilte Schreibwarenläden, unterhält aber auch einen hauseigenen Werksverkauf mit Versand.

Offenlegung (Disclosure): Ich habe keine geschäftliche Beziehung zum Hersteller, die über den Kauf des Schreibgerätes hinausgeht.
Die folgende Vorstellung enthält ausschließlich meine persönliche Meinung, meine persönliche Erfahrung, nach bestem Vermögen erhobene Messwerte und objektive Beschreibungen.

Messwerte

Länge (geschlossen): 149,9 mm
Dicke der Kappe: zylindrisch 14,6 mm
Dicke des Schaftes: zylindrisch 13,9 mm
Masse (gesamt, inkl. 1 gefülltem Patrone): 46,7 g (Oak) und 46,9 g (Marble)
Masse ohne Kappe: 28,8 g (Oak) und 29,0 g (Marble)
Länge Griffstück (ohne Gewinde): 21,3 mm
Durchmesser Griffstück: 9,7 mm - 11,3 mm
Federgröße: # 6

IMG_3326.jpeg
IMG_3326.jpeg (122.72 KiB) 26 mal betrachtet

Beschreibung

Die Kappe besteht, wie alle Beschlagteile, aus Messing; beim Contract Oak sind alle Messingteile platiniert. Das Kappenende ist halbkugelförmig ausgeführt, ein kleiner, pilzförmiger Ansatz dient als Rollstopp. Auf der "Rückseite" (gegenüber des Rollstopp) ist am unteren Kappenrand sehr dezent das "e+m" - Logo mit dem Laser eingraviert.
Eine Kunststoff-Innenkappe schützt die Feder vor dem Austrocknen und bildet auch das Innengewinde, so dass Kunstoff auf Metall schraubt. Das Kappengewinde ist eingängig und braucht 2 1/2 Umdrehungen zum Auf- oder Zuschrauben.

Das Griffstück ist leicht kegelförmig, glatt, aber mit einem deutlich akzentuiert ausgedrehten Schutzring vor der Feder ausgeführt.
Beim Marble mit den messingfarbenen Beschlägen ist die Edelstahlfeder vergoldet, beim Oak in Edelstahl belassen.

Der Schaft wird innen mit einem Metallrohr verstärkt und schließt mit einem halbkugelförmigen Beschlag ab, der ein kurzes eingängiges Gewinde (ungefähr 1/3 Umdrehung) zum sicheren Posten der Kappe bereithält.
Der Contract fasst zwei kurze oder eine lange International Standard-Patronen oder auch einen Standard-Konverter, der beiliegt.
In beiden Füller ist eine Edelstahl-Feder in M verbaut, die fehlerlos schreibt (wie oben schon geschrieben ist es eine Schmidt-Feder); die Feder ist im originalen Schmidt-Design belassen.

Die Balance ist für mich gut. Mit hinten aufgeschraubter Kappe ist er ein wenig hecklastig, aber noch in einem akzeptablen Rahmen. Zudem hat der Rollstopp dann auch eine Funktion beim geöffneten, schreibbreiten Füller.

Contract Oak: Der Schaft aus dem mittelbraunen, klar und leicht glänzend lackiertem Eichenholz hat eine schöne Längsmaserung. Das Holz ist natürlicherweise empfindlicher gegen Druck als andere (Tropen-) Hölzer, daher würde ich ihn nicht mit anderen harten Gegenständen einfach in die Hosentasche stecken. Die platinierten Metalloberflächen geben eine kühlen, sachlichen Lock, den der Designer in die Tradition der Sachlichkeit der 1920er Jahre einordnet.

Ausser der hier gezeigten Oak Classic - Version gibt es auch eine längere Oak Long Version, zu der ich leider keine näheren Informationen habe.

Marble: Der Schaft aus hellem Ahornholz, der in einem (wohl recht aufwändigen, wie ich gehört habe) Tauchverfahren mehrfarbig marmoriert und dann nochmals leicht matt überlackiert wurde, beeindruckt durch das Farbenspiel zwischen grün, blau und gold auf der hellen, fein gemaserten Oberfläche des Holzes. Der Goldton des Messings schafft dazu eine freundliche Wärme

Größenvergleiche

IMG_3327.jpeg
IMG_3327.jpeg (155.99 KiB) 26 mal betrachtet

von links nach rechts: Jan Zander Design cocoon; MB Meisterstück 149; e+m Contract classic; e+m Contract Marble; Lamy Safari

IMG_3328.jpeg
IMG_3328.jpeg (161.3 KiB) 26 mal betrachtet


Verpackung und Lieferumfang

IMG_3325.jpeg
IMG_3325.jpeg (97.73 KiB) 26 mal betrachtet

Der e+m Contract wird in einer flachen, rechteckigen Holzschatulle geliefert (ich vermute aus Ahornholz), die auf der Unterseite mit einem dicken, samtigen Gewebe bezogen ist. Innen liegt der Füller sicher in einer ausgeschnittenen Schaumstoffform, ebenso der mitgelieferte Konverter. Eine kleine "Grußkarte" der Herstellerfirma und eine Kurzanleitung liegen bei.

Die Holzschatulle wird in einer engen, abstreifbaren Papphülle geliefert, auf der ein paar Informationen zum Hersteller und eine Seriennummer aufgedruckt sind. Die Nummer habe ich allerdings nicht auf dem Füllfederhalter entdecken können, sie scheint nur auf der Pappe zu stehen.

Meine persönliche Meinung und Bewertung

Ein optisch sehr gelungenes Design; besonders der pfiffige Rollstopp und die Möglichkeit, die Kappe durch aufschrauben zu posten, gefallen mir. Er schreibt gut, die Präsentation in der schlanken, eleganten Holzschatulle zeigt auch, dass e+m viel Erfahrung in der Produktion von hochwertigen Geschenkartikeln hat.
Mit knapp 300 € ist der Contract nicht billig. Aber er ist solide gefertigt, gut designed, wie man so schön sagt: deutsche Wertarbeit.
Ist er seinen Preis wert? Für Füllerfreunde, die etwas Aussergewöhnliches suchen, denke ich schon.
e+m legt in seinen Veröffentlichungen großen Wert auf Nachhaltigkeit, großen Anteil an Handarbeit, Made in Germany usw. . Auch das sollte man mit in eine Kalkulation einfließen lassen, wenn man es sich denn leisten möchte.
Conquiesce!
Antworten

Zurück zu „andere Marken / different brands“