Vorab:
Meine Füllerleidenschaft begleitet mich mittlerweile seit über 25 Jahren und hat sich demgemäß auch vielfach gewandelt: von Klassikern aus Deutschland über die hübschen bunten Diven aus Italien zu den edlen japanischen Füllern und wieder zurück und hin und her. Mittlerweile hat sich zwar eine kleine Kernsammlung herauskristallisiert, allerdings gab es in der gesamten Zeit eigentlich keine Konstanten – mit einer Ausnahme: Egal, in welcher Sammelphase ich mich gerade befand und wo mein präferiertes Sammelgebiet gerade lag, verschiedene Modelle des Kaweco Sport sind über die Jahre immer wieder dazu gekommen. Los ging es damit, als ich vor gut 20 Jahren erstmals einen solchen Füller bei Manufactum in Hamburg gesehen habe (schwarz schräggestreift). Seither hat mich dieses Konzept eines Taschenfüllers nicht mehr losgelassen und ich persönlich empfinde den Kaweco Sport nach wie vor als einen der ganz Großen in diesem Segment – wortwörtlich, denn im Gegensatz zu den allermeisten anderen echten Taschenfüllern passt der Mini-Konverter rein und das ist für mich einfach genial gelöst.
Seit ich 2007 in Wien erstmals mit vintage Füllern in Berührung kam, keimt der Wunsch eines Kaweco Sport in Ebonit, was ich hier über die Jahre auch in einigen Reviews immer mal wieder eingeflochten habe. Und jetzt plötzlich – zu meiner wirklich großen Überraschung – ist es tatsächlich so weit. Als ich letztens in Münster beim Fachsimpeln mit den Herren Hille und Thoben auf das Thema Sport Ebonit kam und es tatsächlich Neuigkeiten zu dem Thema gab, hab‘ ich mich riesig gefreut. Und um euch an meiner Freude diesbezüglich teilhaben zu lassen, habe ich euch weiter unten ganz viele Bilder gemacht

Eigentliches Review:
Verpackung:
Das Set zum 140. Firmen-Jubiläum kommt in einer Pappschachtel mit Goldprägungen des Firmenlogos und -namens. In schwarzem Geschenkpapier eingeschlagen finden sich darin das übliche Heftchen mit Pflegehinweisen, ein Aufkleber, ein Heftchen mit der Firmenhistorie, eine 10er Pappschachtel mit Patronen in allen aktuellen Kaweco-Tintenfarben, der eigentliche Füller und separat der güldene Logo-Clip. (Ich hätte mir hier zusätzlich einen Mini-Konverter, ein schwarzes Lederstecketui und eine zweite Federeinheit in schwarz gewünscht.)
Korpus:
Das wunderhübsche Stück ist leicht… sehr leicht… meine Waage zeigt 9 Gramm an.
Zum Vergleich: Die Kunststoffversion liegt ebenfalls bei 9 Gramm, die Alu-Version bei 19 Gramm und die Messingversion bei 45 Gramm…
Die sonstigen Abmessungen sind identisch mit denen der anderen Kaweco Sports, wobei ich subjektiv den Eindruck habe, dass der Ebonit sich in der Hand schmaler anfühlt und sogar leichter als der Kunststoff-Sport; meine Schieblehre und Waage strafen mich diesbezüglich allerdings Lügen: identisches Gewicht, identische Dimensionen…
Material:
Eboniiiiit! Herrlich! Ich mag das Material sehr. Generell Ebonit, aber auch ganz konkret diese (bräunlich)rot-schwarze Version. (Ich bin immer versucht, ‚red ripple‘ zu sagen, aber es ist gar kein ‚ripple‘-Muster, sondern schlicht gestreift.)
Es fühlt sich in der Hand wunderbar warm an, ist hervorragend poliert und dennoch nicht rutschig, nicht einmal bei 30° Außentemperaturen mit schwitzigen Fingern, weshalb es gerade bei Griffstücken auch noch so lange zum Einsatz kam (und dort zumindest von mir auch heute noch schmerzlich vermisst wird). Apropos: Eine höfliche Anfrage bei Herrn Wunschel (Head of Marketing bei Kaweco) hat übrigens einen kleinen Überblick über die Materialgeschichte Ebonit bei Kaweco zutage gefördert: Der letzte vollständig aus Ebonit gefertigte Kaweco war 1937-45 der Colleg #603. Der Sport hatte noch in den Jahren 1952-58 eine Ebonit-Kappe (der Korpus war seinerzeit aus Zelluloid). Womöglich wichtiger allerdings, dass auch der erste Kaweco Sport aus Ebonit hergestellt wurde – in dieser Farbgebung. Sowohl das Material als auch die Produktion des Füllers sind übrigens in Deutschland beheimatet. Es handelt sich um alte Bestände, die der Senior-Chef Michael Gutberlet für eine passende Gelegenheit gelagert hatte. Im Februar dieses Jahres erschien die Gelegenheit dann offenbar passend, denn dort wurde die Idee eines Ebonit Sport zum 140. Jubiläum geboren (- an dieser Stelle meinen Dank für die Mühe der Recherche an Herrn Wunschel).
Nib & Feed: Standard vergoldete Kaweco-Stahl-Einheit. Hier werden die Meinungen auseinander gehen. Wer den eher trockenen Tintenfluss und die vergleichsweise kleine Feder per se nicht mag, wird sich auch hier daran stören. Andere hätten sich für diese Version sicher eine Goldfeder gewünscht. Ich ganz persönlich finde die Goldfedern von Kaweco in ihren Schreibeigenschaften den Stahlfedern in keinster Weise überlegen und freue mich daher eher über die Stahlversion, zumal hier diverse handgeschliffene Stubs liegen, die einfach austauschbar sind und gut zu dem Füller passen. Den Aufpreis für eine Goldfeder hätte ich hier tatsächlich nicht gern gesehen. Zudem bleibt die Firma sich diesbezüglich erfreulich treu: Auch die anderen Special Editions wie jüngst der Bronze haben ab Werk die Stahlfeder.
Fit & Finish:
Impeccable. Da gibt’s wirklich nichts zu deuteln: Gewinde tippitoppi, Politur makellos, Firmen- und Seriennamen gestochen scharf, Kappenlogo pikobello. Die Kappe verfügt – im Gegensatz zu meinem Sport Messing – nicht über einen innenliegenden Ring, der dafür sorgt, dass der Schaft mittig in der Kappe liegt, dennoch hat der Schaft bei aufgeschraubter Kappe symmetrisch ringsum gleich viel Abstand zur Kappe. Und keine Sorge, austrocknen tut da auch nichts: eine Innenkappe zur Abdichtung der Feder oben in der Kappe gibt’s auch im Ebonit. Die Bereiche um das Innengewinde des Griffstücks zum Korpus sind nicht poliert, was etwas mehr Griffigkeit bei der Schraubverbindung bietet. Ob es sich wie bei den Kunststoff-Sport-Modellen als Eyedropper eignet, vermag ich nicht zu sagen, wohl aber, falls ihr es ausprobieren wollt: Vorsicht mit Vaseline! Wenn ich mich recht entsinne, verträgt Vaseline sich als Petrolat nicht mit Ebonit (korrigiert mich gerne, wenn ich falsch liege). Aber insgesamt macht diese Eyedropper-Sache bei Kaweco ja vor allem bei den transparenten Kunststoffversionen Spaß, weil man da den Füllstand im Auge hat.
Preis: Die Preise variieren im Netz stark: unter den europäischen Anbietern ist alles zwischen grob 260€ und 350€ drin. Wie bei allen anderen Füllern aller anderen Hersteller gilt auch hier: Kann man drüber streiten. Wenn ich mir die aktuellen Modelle in Ebonit von anderen Herstellern anschaue, liegen wir preislich meist ähnlich oder drüber. Insofern mag sich hier jeder selbst seine Meinung bilden.
Gesamteindruck:
Ich sagte einleitend, dass ich mich riesig über die Ankündigung gefreut habe. Und das Gesamtpaket wird meinen Erwartungen voll gerecht. Mir gefallen besonders die Details: Ich mag die schlichte, zeitgemäße und umweltfreundliche Verpackung aus Papier. Ich mag, dass nicht eine blaue Patrone, sondern ein ganzes Päckchen reingelegt wurde. Insbesondere mag ich daran, dass es eine Testpackung mit allen Farben ist. Ich finde es äußerst praktisch, sich im Rahmen des Lieferumfangs auf diese Weise ganz einfach durchs Tintensortiment testen zu können, ohne jeweils ein Päckchen Patronen kaufen zu müssen, um dann festzustellen, dass die Farbe auf dem Papier doch ganz anders ist, als das Päckchen suggeriert. Ich mag den beigelegten Clip, der allerdings nicht vorab angebracht ist, weil es mit Kratzern einher ginge, die einige vermutlich vermeiden möchten. Und vor allem mag ich den Füller: Dieses klassische und angenehme Material passt einfach hervorragend zu diesem klassischen Füllerentwurf. Ich würde mir Mittelfristig tatsächlich weitere Ebonit Sondereditionen wünschen; bspw. eine schwarze Version mit den Schrägstreifen, die es seit über 20 Jahren nach wie vor bei Manufactum gibt – nur eben aus Ebonit. Wie dem auch sei, ich freue mich auf die neuen Materialien der nächsten Jahre bei der Kaweco-Sport-Serie, die seit ihrer Einführung für mich kein bisschen langweilig geworden ist.
Und nun zu den lang ersehnten Bildern
