Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

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Nitschewo
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Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Nitschewo » 03.11.2019 11:22

Liebe Mitforisten,

gestern kam in einem PN-Austausch die Frage nach Weißgoldfedern auf: Gibt es die überhaupt?

In Verkaufsanzeigen: Ja. Füller mit weißen Federn werden fast immer "mit 585 (...) Weißgoldfeder" angeboten. Auch in Foren und auf Sammlerseiten trifft man die Beschreibung häufig an.

Bei einigen meiner weiß gefiederten Füller-Senioren zeigen sich jedoch deutliche Abriebspuren, die Gelbgold offenbaren (Lamy 81, Pelikan Signum).

Sowas lässt dem Erbsenzähler ja dann keine Ruhe. Anstatt die Küche zu putzen, musste ich zwanghaft auf den Herstellerseiten recherchieren, ob dort wirklich Weißgoldlegierungen als Federmaterial angeboten werden. Tatsächlich ist das nicht der Fall. Ob Lamy 2000, Pilot Capless oder Montblanc - die Feder ist aus "585 Gold, platinveredelt" (Lamy) oder rhodiniert.

Werden/wurden tatsächlich schon mal Weißgoldfedern verwendet? Oder würden die sogar Probleme verursachen, weil die Beimengungen Platin oder Palladium die Feder zu weich/instabil werden ließen?

Viele Grüße,

Bianka (die jetzt die Küche putzen geht.)

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Reformator
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Reformator » 03.11.2019 13:56

Hallo Bianka,

Platin und Palldium sind härter als Gold. Weißgoldfedern müßten also eher härter sein. Da Weißgold aber erst kurz von dem 1. Weltkrieg entwickelt wurde, folgt man Wikipedia, vermute ich eher eine Tradition. (Das war ja noch nie da. Das machen wir immer so. Wo kommen wir denn da hin?)
Und wer heute eine besondere Feder will, nimmt Titan.
Bis demnächst...
Helge

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Strombomboli
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Strombomboli » 03.11.2019 14:24

Nitschewo hat geschrieben:
03.11.2019 11:22
Werden/wurden tatsächlich schon mal Weißgoldfedern verwendet?
Über Legierungen weiß ich nichts, kann aber aus meiner persönlichen Erfahrung berichten, daß die Weißgoldfedern in meinen Pelikan-Silvexas, von denen eine seit über 40 Jahren täglich im Gebrauch ist, keinerlei Abrieb zeigen, also nicht golden werden, sondern silbern, d. h. natürlich: weißgolden glänzen wie am ersten Tag.

Den Wechsel von silber- zu goldfarben kenne ich nur von Kappen. Die Farbe, die zum Vorschein kommt, ist aber nicht wirklich gülden, sonden eher "irgendwie goldfarben". Welches Metall genau sich da zeigt, kann ich nicht sagen. Experten, übernehmt!
Iris

Mein Avatar ist ein Gemälde von Ilja Maschkow (1881-1944): Selbstporträt; 1911, das in der neuen Tretjakow-Galerie (am Krimskij Wal) in Moskau hängt, wo ich es fotografiert habe.

Nitschewo
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Nitschewo » 03.11.2019 15:20

Reformator hat geschrieben:
03.11.2019 13:56
Platin und Palldium sind härter als Gold. Weißgoldfedern müßten also eher härter sein.
Dann spräche rein technisch schon mal nichts dagegen.
Strombomboli hat geschrieben:
03.11.2019 14:24
Über Legierungen weiß ich nichts, kann aber aus meiner persönlichen Erfahrung berichten, daß die Weißgoldfedern in meinen Pelikan-Silvexas, von denen eine seit über 40 Jahren täglich im Gebrauch ist, keinerlei Abrieb zeigen, also nicht golden werden, sondern silbern, d. h. natürlich: weißgolden glänzen wie am ersten Tag.
Laut Pelikan-Preislisten aus den 60er-/70erjahren tragen die Silvexas 14c-Goldfedern, platinveredelt. Dieselbe Beschreibung also wie bei den Lamy-2000-Federn. Ich habe das als "platinbeschichtet" gedeutet; bezöge sich die Veredelung auf die Legierung selbst, läge die Verwendung des Begriffs "Weißgold" wohl näher als die umständliche Beschreibung.

Ich schließe mich Iris' Ruf nach Expertenwissen an. ;)

Gruß,
Bianka

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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von fountainpen.de » 03.11.2019 19:26

Weißgoldfedern ... nein, gibt es nicht. Das sind beschichtete Federn, d.h. Gelbgold und dann z.B. platiniert.
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Zollinger » 03.11.2019 20:49

fountainpen.de hat geschrieben:
03.11.2019 19:26
Weißgoldfedern ... nein, gibt es nicht. Das sind beschichtete Federn, d.h. Gelbgold und dann z.B. platiniert.
Dem möchte ich widersprechen. Es gibt Ausnahmen. Eine solche ist zum Beispiel die Feder des Pilot Elite aus Sterling Silber von 1975. Seine Feder ist klar mit 18K - W.G. geprägt - was meines Wissens für "White Gold" steht.

BildPilot 18Kt - WG 1975 by C.M.Z, auf Flickr

Die Feder ist in diesem Füller zu finden:

BildPilot Elite Pocket Pen Sterling Silver 1975 by C.M.Z, auf Flickr

Im Vergleich zum Silber weist die Weissgoldfeder immer noch deutlich mehr gelben Farbanteil aus:

Zitat Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gold#Wei% ... d_Graugold
Weißgold als Sammelbegriff bezeichnet Goldlegierungen, die durch Beimischung deutlich entfärbender Zusatzmetalle eine weiß-blassgetönte Goldlegierung ergeben. Als Legierungszusätze werden hauptsächlich das Platinnebenmetall Palladium, (früher sehr häufig) Nickel oder bei niedrigen Goldgehalten Silber verwendet. Die Entfärbung des von Natur aus gelben Goldes tritt kontinuierlich ein und setzt eine gewisse Menge des entfärbenden Zusatzes voraus...
Z.
Zuletzt geändert von Zollinger am 03.11.2019 20:53, insgesamt 2-mal geändert.
Bild

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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von fountainpen.de » 03.11.2019 20:52

ok, dann konkretisiere ich ... bei Montblanc gibt es beispielsweise definitiv keine Weißgoldfedern. Mir wurde damals in der Federfertigung erklärt, dass für Weißgoldfedern ein anderer Druck und deshalb auch andere Stanzwerkzeuge notwendig wären. Das lohnt sich finanziell nicht, da ist platinieren viel billiger.

Zumindest wurde mir damals dort auch gesagt, dass es auch bei den Wettbewerbern keine Weißgoldfedern gab/gibt ...
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Wurmbunt » 03.11.2019 23:20

Hallo,
jetzt gebe ich auch noch meinen Senf dazu.
Weißgold - hmm, eine helle Goldlegierung, die gerne mit Palladium legiert ist.
Da möchte ich noch die Firma Sheaffer in's Spiel bringen.
Hierbei bewege ich mich auf sehr dünnem Eis, denn ausschlaggebend für "richtiges" Weißgold ist der Goldstempel. Sheaffer hat auf seinen Palladiumfedern nie eine Goldpunze angebracht. Es war zwar, meines Wissens, eine Palladium/Gold Legierung, aber Palladium stellte den Löwenanteil, so daß keine Goldpunze aufgebracht wurde.
Dafür bewegen wir uns am Ende der 40er Jahre - was ja für Weißgold relativ früh wäre.
15728180574201.jpg
Sheaffer "Snorkel" Set der ersten Generation
15728180574201.jpg (297.19 KiB) 831 mal betrachtet
Der Snorkel kam ja Ende der 1940er Jahre heraus, und nur die erste Serie ( 2 Jahre gebaut) hatte ein Ansaugrohr aus 14 Karat Gold.
Dieser hier, aus besagter Serie, hat eine Palladium-Feder, die im weitesten Sinne als Weißgold gesehen werden kann.
15728180374720.jpg
Palladiumfeder im first Modell Snorkel
15728180374720.jpg (421.91 KiB) 831 mal betrachtet
Na ja fast jedenfalls - es ist zumindest keine Beschichtung.
Grüße Andi

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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Zollinger » 04.11.2019 5:53

Auf der Feder eines PFM den ich mal hatte steht PdAg - das wäre dann eine Palladium-Silber Legietung, richtig?
BildSheaffer PFM II von -C.M.Z-
Z.
Bild

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duckrider
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von duckrider » 04.11.2019 6:39

Ich quetsch' mich mal mit einem Zitat eines Kenners hier zwischen:
"Wegen des Verbots Goldfedern herzustellen, werden in der Zeit von 16. Mai 1938 bis 10. Februar 1940 nun Federn aus Palladium verwendet. Diese tragen die Prägung PD."
aus
https://www.pelikan-collectibles.de/de/ ... index.html

Leider ist mir noch kein 100er mit Palladiumfeder untergekommen, aber PD pur geht, da sollten auch Legierungen bis zum Weißgold kein Problem bereiten.

guten Wochenstart
Thomas

p.s.: Eine meiner absolut angenehmsten Federn ist eine CrNi-Stahlfeder in einem Pelikan 100, was einen Gold-Snob wie mich irritieren mag, aber die Feder ist einfach nur ein Genuss!

pps:
Ag/Pd Legierungen werden in de Schmuckproduktion eingesetzt, für Federn geht's augenscheinlich auch, sollte aber nicht soooo dolle glänzen, Christofs Foto des PFM scheint mir ein Beleg dafür.
https://www.bruno-welz.de/index.php/id- ... erung.html
Scribere qui nescit, nullum putat esse laborem.

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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Thom » 04.11.2019 9:14

"Palliag" (Palladium/Argentum). Der Sheaffer sieht aber nicht nach 1940 aus.

V.G.
Thomas

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Edelweissine
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Edelweissine » 04.11.2019 9:41

Und hier taucht auch gerade eine Weißgoldfeder auf:
viewtopic.php?f=53&t=25819&p=275563#p275563
Gruß,
Heike

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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von fountainpen.de » 04.11.2019 9:59

zu den Platin- Palladiumfedern ... klar, neben Gold gibt es auch andere Materialien ... auch noch Stahl, Titan usw. Ich dachte aber, hier geht es nur um Weißgold...

Montegrappa:
Spannend !
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von Nitschewo » 04.11.2019 16:24

Da kam ja noch richtig Bewegung rein ... :) Ich hatte schon die leise Vermutung, dass sich, wenn überhaupt, eher bei den älteren Modellen eine echte Weißgoldfeder findet. Die Feder am Pilot sieht tatsächlich ganz anders aus als die beschichteten Federn, die mir bislang begegnet sind. Vielen Dank für das erhellende Foto an Zollinger.

Beim Sheaffer ist die Feder vermutlich nicht punziert, weil der Goldanteil in der Legierung zu niedrig ist, um die Feder als Echtgold verkaufen zu dürfen (so wie in Frankreich Goldfedern mit weniger als 18 K nicht als solche bezeichnet werden durften)?

Echte Weißgoldfedern scheinen tatsächlich Raritäten zu sein. Und der überwiegende Teil der schönen weißen Federn - wie aus der Antwort von Montblanc hervorgeht - ist platiniert. Wie es mit dem verlinkten Montegrappa aussieht ... wer weiß ...?

Vielen Dank und viele Grüße,
Bianka

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ddss
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Re: Weißgoldfeder oder weiße Goldfeder?

Beitrag von ddss » 04.11.2019 17:54

Der Aurora Hastil hatte ursprünglich gemäß Original-Beipackzettel eine Weißgoldfeder (mit 14K-Stempel). Folgerichtig listet MB den (zugekauften) 1225 (=VIP 1) in der Preisliste 2/73 in den Federeigenschaften auch mit "Weißgold 14 kt.".

Die aktuelle Produktion des Hastil wird dagegen (z.B. von lacouronneducomte) mit einer rhodinierten Gelbgoldfeder angeboten.

Da hat Aurora wohl etwas geändert.
VG
Michael

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