Pelikan 100 schwarz - Pflege?

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siebenstern
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Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von siebenstern » 13.01.2020 10:18

Hallo zusammen,

seit einiger Zeit hat mich die Fülleritis wieder neu gepackt und ich lese still hier im Forum mit und bin begeistert über all die Informationen und Eindrücke. :)

Aus dem Nachlass meiner Großmutter besitze ich einen alten Pelikan 100. Nachdem ich mich grob eingelesen habe, datiere ich ihn (unter Vorbehalt!) mit seinen Merkmalen auf ca. 1936 (zwei Streifen an der Kappe, wieder zwei Luftlöcher statt 4, altes Pelikanlogo mit vier Küken, Federstärke EF am Füllknopf angegeben).

Der Zahn der Zeit hat heftig an ihm genagt, auch wenn er seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt wurde.
Kann ich ihm irgendwas Gutes tun, was das angegriffene Material(?) vor dem Zerbröseln bewahrt? Ist er aus Bakelit gefertigt?

Ein Tintensichtfenster kann ich nicht mehr erkennen, offenbar ist er so voller Tintenreste, dass er komplett schwarz geworden ist.
Ich erinnere mich, dass er in meiner Kindheit - als ich mich zum ersten Mal für Füller und Federn begeistert habe, in den späten 1980ern, noch reibungslos betankt werden konnte und auch ohne Problem geschrieben hat. Ich bekam dazu extra mein erstes Glas Tinte spendiert.

Ihn auseinander zu nehmen, traue ich mich nicht ohne Weiteres, weil ich Angst habe, dass der Schaft bricht. Der Füllknopf lässt sich minimal bewegen (ca. 1/4 bis 1/2 Drehung), mehr ginge nur mit deutlich mehr Kraftaufwand.

Was würdet ihr mir empfehlen? Ich muss nicht unbedingt damit schreiben können (wäre natürlich perfekt :)) - aber ich möchte auch nicht, dass er im Laufe der Zeit komplett zerfällt.

Schon jetzt vielen Dank für eure Mühe - bitte nicht wundern, wenn ich nicht direkt reagieren kann, ich habe tagsüber nur eingeschränkt www-Zugriff.

Viele Grüße
Eva
~siebenstern

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TomSch
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von TomSch » 13.01.2020 16:21

Hallo Eva,

ein wunderschönes Familien-Erbstück hast du da!
So wie es aussieht, bestehen Kappe und Füllknopf aus Hartgummi; diese Verfärbungen und "Abstumpfungen" sind also völlig normal.
Zunächst würde ich ihn mit dem Griffstück und der Feder voran in Probliergläschen mit mäßig warmem Wasser stellen und warten. Nach einem Tag das Wasser wechseln und vorsichtig den Füllknopf zu drehen probieren. Wenn's nicht weiter geht, das ganze von vorn. Wenn sich auch nach 3 Tagen nichts tut, könntest du vorsichtig den dunkleren Abschnitt vor dem Füllknopf zu drehen versuchen.
ACHTUNG!
Die Hartgummischraube zum Betätigen des Füllmechanismus funktioniert zum Vorschub des Kolbens links herum, zum Füllen rechts herum.
Der dunklere Abschnitt davor öffnet den Füller und macht den Weg zum Kolbenmechanismus frei. Diese Schraube öffnet man rechts herum!
Hast du Angst, zu viel Kraft zu gebrauchen, schick ihn lieber einem Spezialisten hier im Forum.

Viel Erfolg, Thomas
Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.
Dalai Lama

siebenstern
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von siebenstern » 13.01.2020 16:41

Vielen Dank für die blitzschnelle Antwort, Thomas! Er bekommt jetzt dann zunächst mal ein vorsichtiges lauwarmes Teilbad. Mal schauen, wie er reagiert und ob sich was bewegen lässt :)

Viele Grüße
Eva

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stift
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von stift » 14.01.2020 8:05

Wenn du dich nicht auskennst würde ich da nicht viel herum experimentieren,
Wenn du damit schreiben willst dann schicke den Füller zum Service das zwar etwas kostet aber dann hast du für Jahre einen wunderschönen Pelikan der schreibt.

Oder es gibt auch hier im Forum Leute die auch selber restaurieren.

Weil ob der Kolben sich bewegt oder nicht ist für dich nicht relevant,den der Kolben bzw.Kork gehört neu gemacht den der ist scher nicht mehr dicht.
Auch der Clip gehört gerichtet was ich gesehen habe,und der Hartgummi geht auch wieder zurück zu polieren damit der ganze Füller wieder schwarz ist.
Liebe Grüße
Harald
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siebenstern
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von siebenstern » 14.01.2020 8:16

Auch dir vielen Dank für deine Rückmeldung zu meiner Frage und die konstruktiven Hinweise, Harald. :)



Gruß
Eva

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duckrider
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von duckrider » 15.01.2020 6:33

Ich darf mich noch mit dem dringenden Hinweis anhängen, Kappe und Drehknopf nicht allzu lange im Wasser bad stehen zu lassen.
das Ebonit ist nicht nur sonnenlichtempfindlich, sondern auchWasser lässt es sehr unschön braun werden.
Ist mit mit einem uralten Graphos leider mal passiert :(

Wenn du arg geduldig bist (der 100er hat's verdiennt!) würde ich ihn senkrecht mit Feder nach oben stellen und um die Feder herum immer wieder Wasser tröpfeln. Irgendwann zieht die Kappilarkraft das Wasser rein zum Kolben.

Viel Erfolg
noch'n Thomas
Scribere qui nescit, nullum putat esse laborem.

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stift
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von stift » 15.01.2020 7:36

duckrider hat geschrieben:
15.01.2020 6:33
Ich darf mich noch mit dem dringenden Hinweis anhängen, Kappe und Drehknopf nicht allzu lange im Wasser bad stehen zu lassen.
das Ebonit ist nicht nur sonnenlichtempfindlich, sondern auchWasser lässt es sehr unschön braun werden.
Ist mit mit einem uralten Graphos leider mal passiert :(

Wenn du arg geduldig bist (der 100er hat's verdiennt!) würde ich ihn senkrecht mit Feder nach oben stellen und um die Feder herum immer wieder Wasser tröpfeln. Irgendwann zieht die Kappilarkraft das Wasser rein zum Kolben.

Viel Erfolg
noch'n Thomas
Ebonit bzw. Hartgummi hat absolut nichts im Wasser zu suchen,das haben wir hier im Forum schon oft genug besprochen.

Wenn der Kolben hängt kann man wie du schon gesagt von oben versuchen ein zu tröpfeln,und dann wird sich auch der Kolben wieder bewegen lassen.

Kappe zerlegen geht nur wenn mit Wärme,und das geht ganz einfach.

Kappe und Drehknopf geht zurück zu polieren.

Man nehme eine Scheuermilch aus der Küche und ein Tuch oder Fetzen wie man bei uns sagt und fängt damit zu polieren an.
Ist eine dreckige Arbeit und man muss Geduld und etwas Kraft anwenden den von ein wenig wird der nicht mehr schwarz.
Wenn man soweit ist und man ist mit dem Ergebnis zufrieden dann gehört der Füller oder Teile gut abgebürstet und mit Öl oder Fett oder Silikonfett eingelassen .Und dann wir der Füller mit einen trockenen fest poliert ,wer eine Poliermaschine hat tut sich leichter.
So und das ist der ganze Zauber.
Aber wie ich schon sagte sollte der Füller zum Service,entweder hier im Forum oder es gibt ja einige Profis die das machen.

Hier einige Kontakte die den Füller wieder instandsetzen :http://www.penboard.de/shop/



Liebe Grüße
Harald
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von stift » 15.01.2020 9:24

Hier noch ein Beispiel von einen Waterman Safety 42.
Habe ich so gemacht wie ich es vorher geschrieben habe,also nicht so schwer denke ich.
Und das haben mir die Amerikaner(Sammler) auf Facebook nicht abnehmen wollen wie ich das hin bekommen habe. ;) ;)
Nur muss ich dazu sagen das nicht jeder Ebonit eine gute Qualität ist und daher die Resultate auch unterschiedlich sein können.
Liebe Grüße
Harald
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von duckrider » 15.01.2020 15:05

...wenn ich mir das Werkzeug auf dem zweiten Bild oben anschaue, dann hätte ich als Waterman auch sehr schnell kooperiert ;)
Thomas
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stift
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von stift » 15.01.2020 15:12

duckrider hat geschrieben:
15.01.2020 15:05
...wenn ich mir das Werkzeug auf dem zweiten Bild oben anschaue, dann hätte ich als Waterman auch sehr schnell kooperiert ;)
Thomas
Hahaha das Cuttermesser ist nur zum Kork schneiden,da ich ja die Dichtung original mit Kork mache.
Ja umgehen kann ich schon damit hatte es ja die letzten 30 Jahre täglich bei mir,und auch fast zweimal die Finger damit abgeschnitten.
Eigentlich ist es in meinen Händen eine Waffe,und eine gefährlich dazu.
Liebe Grüße
Harald
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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von siebenstern » 16.01.2020 13:12

Noch einmal ganz herzlichen Dank für eure nachvollziehbaren Tipps, Hinweise und Anleitungen! :)

Ich habe das alte Schätzchen nicht komplett gebadet und auch noch noch geschrubbt, poliert oder auseinandergenommen. Klar ist, dass ich nur etwas unternehmen werde, was ich selbst sicher und ohne Beschädigungen ausführen kann, alles andere überlasse ich gerne beizeiten einem Profi.

Mir geht es für den Moment darum, noch Schlimmeres zu verhindern und dafür Sorge zu tragen, dass er uns noch ein Weilchen erhalten bleibt, denn es hängen einfach viele Familienerinnerungen daran.

Den Tipp mit der Kapillarwirkung der Feder habe ich behutsam nachverfolgt, indem ich ihn mit der Federspitze bis zum Luftloch in lauwarmes Wasser gestellt und abgewartet habe. Tatsächlich lässt sich der Drehknopf nun ohne Kraftaufwand drehen und der Kolbenmechanismus funktioniert einwandfrei.
Ich habe mehrfach mit lauwarmem Wasser gespült und eingeweicht - das Tintensichtfenster ist im Gegenlicht wieder grün-transparent und es gibt offenkundig auch keinerlei Risse etc., es leckt auch nichts.

Dass nach so langer Zeit die ursprünglichen Korkdichtungen mit Sicherheit das Zeitliche gesegnet haben werden, erscheint mir auch ohne Zerlegung logisch - ob ich selbst jedoch da Hand anlege, weiß ich aktuell noch nicht.

Im nächsten Schritt werde ich nun versuchen, Kappe und Drehknopf mit Ebonitpolitur für Pfeifenmundstücke aufzufrischen, die habe ich bestellt, nachdem ich hier im Forum ein bisschen 'eingetaucht' bin - der Oldie muss für mich auch im Endergebnis nicht wie neu aussehen, ich freue mich aber, wenn er ein wenig ansehnlicher wird.

Für Tipps und Hinweise bleibe natürlich dankbar - ihr habt mir schon sehr geholfen! :)

Gruß
Eva

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Re: Pelikan 100 schwarz - Pflege?

Beitrag von HeKe2 » 16.01.2020 19:51

Hallo Eva!

Das hört sich doch schon ganz gut an. Jetzt kannst du versuchen Wasser hochzuziehen. Gelingt das, ist die Korkdichtung noch nicht völlig im Eimer. Vielleicht quillt die Korkdichtung dann auch noch etwas. Klappt das nicht, kommst du da um einen kleinen Eigriff nicht herum, wer auch immer den dann durchführt. Aber du siehst, dass man in kleinen Schritten stetig vorwärts kommen kann.

Viel Erfolg weiterhin.
Beste Grüße
Hermann

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