Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

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mav71
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von mav71 »

Hallo,
ich hätte da mal eine Frage.
Ich habe da gerade etwas bei frechy gesehen.
Wäre es besser meine rotfließende von Tom im Kühlschrank aufzubewahren? Bisher habe ich die im Karton zusammen mit den anderen Tinten verwahrt. Oder ist das egal?
Euch einen lieben Gruß
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Richard von Weizsäcker
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frechy
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von frechy »

Hallo,

Ich bewahre meine Gebrauchstinten nicht im Kühlschrank auf, sondern benutze sie einfach und stelle sie nach Gebrauch ins Regal, zusammen mit allen anderen Tinten. Das funktioniert super und ich würde niemandem empfehlen, Tinten kalt aufzubewahren. Der Luftraum im Glas ist bei Eisengallustinten viel bedeutender und in kalter Flüssigkeit löst sich Sauerstoff theoretisch noch besser als bei Raumtemperatur.

Tintenlabor ist für mich aber etwas anderes, weil ich hier ein Produkt verkaufe. Ich lagere alle Lösungen aus Prinzip im Kühlschrank, weil sich auch Gerbstoffe in Lösung farblich ganz leicht verändern können, wenn man ihnen genug Zeit und Luft zum Atmen gibt. Im Kühlschrank dauert dies um ein Vielfaches länger und in der Kombi ohne Luft stelle ich bisher gar keine Veränderung fest. Es ist also eine reine Qualitätssicherungsmassnahme.
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mav71
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von mav71 »

Super, vielen lieben Dank für die schnelle Antwort.
Dann mach ich das weiter wie bisher im Tintenkarton, war Mal ein Schuhkarton für Arbeitsschuhe.
Nochmals Danke und liebe Grüße
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Richard von Weizsäcker
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Gast1
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Gast1 »

mav71 hat geschrieben: ↑
27.08.2026 14:35
Super ...
Bei dieser Kühlschrankgeschichte gibt's 2 Probleme. Erstens bleibt die Gallussäure bei den niedrigen Temperaturen nicht vollständig gelöst, sondern bildet in der Tinte feine Nadeln, also auch nach einem kalten Transport erstmal auf Raumtemperatur kommen lassen. Und Zweitens weiß man nie, wer an Silvester zu Besuch kommt.
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Gast1 »

Hier, Seite 234, es gibt nichts, was es im Eisengallus-Thread nicht gibt. viewtopic.php?p=447547#p447547
Lichtgeschützt und Raumtemperatur, also möglichst nicht bei 40°C auf dem Dachboden. Alles andere liegt in der Verantwortung der Tintenhersteller.
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Gast1 »

Da hat mich doch ein EG-Freund wieder auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der die vermutete mögliche Trennung von Einzelkomponenten im Papier untermauert (viewtopic.php?p=305545#p305545).

https://pubs.rsc.org/ja/article-abstrac ... m=fulltext

Das muss nicht zwangsläufig schon beim Schreiben passieren, das geht auch noch später, ist aber nicht gut.
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Andreas_Beutlin
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Andreas_Beutlin »

Gast1 hat geschrieben: ↑
24.09.2026 9:18
[…]

Das muss nicht zwangsläufig schon beim Schreiben passieren, das geht auch noch später, ist aber nicht gut.
Hallo Thomas,

vielen Dank, für den Link. Sehr spannend. Aber mir fehlt die Phantasie etwas bei der Vorstellung, dass der Papierfraß noch später passieren kann. Liegt das daran, dass das Fe(II), welches sich laut der Studie, bis in den Faserkern eindringt, erst viel später oxidiert?

Liebe Grüße,

Andreas
„Lernen ist nicht gleichbedeutend mit Wissen. Es gibt Wissende und Weise. Das Gedächtnis macht die einen, die Philosophie macht die anderen.”
- Abbé Faria in Der Graf von Monte Christo
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Gast1 »

Hallo Andreas,

das ist eine gute Frage. Solange die Ionen mobil sind, wandern die im Papier und das monate- und jahrelang. Das machen auch die Chlorid- und Sulfationen und erzeugen so das zeitabhängige Ionenbild der Schriftzüge. Der Tintenfraß hängt letztendlich vom pH-Wert ab und wir haben in den Schriftzügen Sulfationen, die mit der Luft Kontakt haben, d.h. in und um die Schriftzüge ist eine Quelle für Säurebildung. Im sauren pH-Bereich sind die Eisen-III-Ionen mobil und können als leichtes Oxidationsmittel auch wieder zweiwertig werden (deshalb sind die Alizarintinten in flüssiger Form so sauer gemacht). Dann haben wir sowohl die Schwefelsäure als auch die Eisenionen für den Tintenfraß im Papier. Ich denke aber, die aktuellen Papiere mit Kalziumverbindungen heben den pH-Wert so weit an, dass die Eisenionen stabile Eisenoxidhydrate bilden und die Sulfationen Kalziumsulfathydrate und sind deshalb gar nicht so empfindlich für Tintenfraß. Es stellt sich aber noch die Frage, sind diese Einzelkomponenten in der flüssigen Tinte überhaupt einzeln vorhanden (bzw. als Aquakomplexe) oder liegen die als Eisen-II-gallat-Komplexe vor? Da kann ich auch nur spekulieren, aber ich denke, bei dem niedrigen pH-Wert der Alizarintinten und den dadurch protonierten funktionellen Gruppen der Gerbsäuren ist es wahrscheinlich eine Mischung.

Viele Grüße
Thomas
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Gast1 »

Ich habe mal nochwas für die Chemiker rausgesucht. Das wird wahrscheinlich mit einem kleinen Teil der freien Eisenionen passieren, bis sie vollständig entfernt werden. Eine Haber-Weiss-Reaktion und eine Fenton-Reaktion laufen in sich wiederholenden Zyklen ab. Während sich die aktuelle amtliche Forschung schwerpunktmäßig mit der Tintenkorrosion zwecks Restauration befasst, ist das für die Tintenentwicklung aber nur eine von mehreren Fragen, andere sind
Wie verhält sich die Tinte gegenüber den wahrscheinlichen Schreibgeräten?
Wie verhält sich die Tinte beim Schreiben auf dem Beschreibmaterial?
Wie verhält sich die Tinte im Flakon und wie verhält sie sich, wenn der Flakon halb leer (und halb voll Luft) ist?
Und, last not least, wie verhält sich die Tinte bei Hautkontakt, denn ich weiß ja, wer sich alles vollschmiert. :)
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