Wann ist SITB "gefährlich"?

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blueliberty
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Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von blueliberty » 18.10.2015 18:30

Hallöchen,

bin was Füller angeht ein ziemlicher Newbie und hätte daher eine (vermutlich eher) spezielle Frage an die Füller-Langzeituser unter euch.

Ich habe einen mit Lierre Sauvage (J.Herbin) betankten Füller erstmalig 2 Wochen unbenutzt herum liegen lassen. Als ich ihn wieder benutzt habe, musste ich feststellen, dass er immer wieder Aussetzer hatte. Also hab ich die im Konverter befindliche Rest-Tinte schnell ausgeschrieben und den Füller dann durchgespült. Dabei sah ich auf einmal etw. algenähnliches im Konverter (ca. 1 cm lang) und auch als ich den Füller dann komplett zerlegte (ist ein Jinhao X750) sah ich, dass etw. algenähnliches auf dem "feed" (wie nennt man das auf deutsch?) war.
Ich hab dann auf FPN herum gesucht und herausgefunden, d. d. möglicherweise SITB ist.

J. Herbin hatte scheinbar in der Vergangenheit Probleme mit Schimmel in den Tinten - aber angeblich hatten sie das Problem schon seit einigen Jahren gelöst. Daher sollte es keine Probleme mehr mit den Tinten geben. Ich habe meine Tinte (wenn ich mich richtig erinnere) im Februar oder März dieses Jahres gekauft - sie ist also nicht wirklich alt. Betankt wurde diese Tinte immer nur mit dem selben Füller.

Ich habe mein Tintenfass (soweit möglich) begutachtet und kann jedoch absolut keinen Schimmel (also absolut nichts weißes) entdecken und es ist auch nichts "schlammiges" in der Tinte. Es schwimmt auch sonst nichts im Fass herum, soweit erkennbar. Also glaube ich, d. die Tinte doch keinen Schimmel-/Pilzbefall hat.

Kann es daher sein, dass es zu dieser "Algenbildung" nur gekommen ist, weil ich mit dem Füller 2 Wochen nicht geschrieben habe?
J. Herbin benutzt ja (soweit ich gelesen habe) nur natürliche Inhaltsstoffe.

Nachdem es kein Schimmel ist, kann ich doch die Tinte weiter benutzen, oder?
Bzw. was würde passieren, wenn ich sie weiter benutze? Kann ich damit den Füller zerstören (falls ja, in welcher Weise)?

Hattet ihr schon einmal sowas algiges in einer eurer Tinten?
Falls ja, was habt ihr gemacht?

Vorab danke für eure Antworten!

LG,
Doris

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Tombstone
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Tombstone » 18.10.2015 18:44

Moin Doris,

ich gehe mal direkt zu meinen Gedanken:

- ich gebe zu, dass ich von SITB zum ersten Mal höre.

- ich gebe zu, mir bisher auch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht zu haben

- ich verfahre nach der Devise "so lange die Tinten nicht stinkt, mach ich mir auch keine Gedanken" - und wenn sie das macht, dann schütte ich sie weg

- der Füller ist aus Plastik, was soll daran also kaputt gehen

- und am Ende ist es ein Jinhao, d.h. er war wahrscheinlich billiger als das Tintenglas selber.

Resümee:

Die Tinte gefällt Dir und man kann mit ihr schreiben? Super - dann benutze sie einfach weiter. Und wenn Du Dir unsicher bist, dann schütte sie eben weg. Ohne Bilder i8st es am Ende eh schwer zu beurteilen...
Ciao - Peter

Handle stets so, dass die anderen sich wundern, warum sie Dir noch keine reingehauen haben...

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Tenryu
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Tenryu » 18.10.2015 19:19

Tinten mit einem hohen ph-Wert (6-9) und organischen Inhaltsstoffen sind prädestiniert, zu verschimmeln oder von Mikroorganismen befallen zu werden. Die meisten klassischen Tinten sind mehr oder weniger sauer. Darin gedeihen keine Mikroben oder Schimmel. Deshalb halten z.B. die Eisengallus- oder die königsblaue Tinte (ph-Wert ~2) jahrzehntelang.

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audace
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von audace » 18.10.2015 19:59

Hallo Doris,

in 2 Gläsern Herbin-Tinte hatte ich dieses Phänomen auch. Ich habe "es rausgefischt" (was relativ einfach war) und anschließend eine Tintenpatrone und im anderen Fall einen Konverter mit einer Spritze (Kanüle) aufgefüllt.
Das mache ich übrigens nicht zum ersten Mal, die Füller schreiben wie gewohnt und ohne Probleme. Ich achte halt nur darauf, ob die Tinte in den Gläsern noch klar und nicht umgeschlagen ist und es keine untypische Geruchsentwicklung gibt.

Schöne Grüße!

Schöne Grüße, Audace

Il n'est jamais plus tard que minuit!

Dying-Flutchman
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Dying-Flutchman » 19.10.2015 0:38

Tombstone hat geschrieben: - ich verfahre nach der Devise "so lange die Tinten nicht stinkt, mach ich mir auch keine Gedanken" - und wenn sie das macht, dann schütte ich sie weg
Dazu habe ich eine Frage: Wann "stinkt" Tinte? Ich habe mittlerweile einige Gläser hauptsächlich Herbin, Pelikan und Lamy und die riechen alle ausnahmslos nach nichts eigentlich. Allerdings riecht mein eines Glas Yama-Dori. Nicht unangenehm aber wirklich deutlich eigen. Ist das normal?

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Tenryu
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Tenryu » 19.10.2015 3:53

Viele Tinten haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Eigengeruch. So lange sie nicht schimmelig, faulig oder modrig riechen, braucht man sich deswegen nicht zu beunruhigen.
Manchmal ändert sich auch die Rezeptur. Watermans südseeblaue Tinte hatte früher (bis vor ca. 10 Jahren) noch einen sehr starken eigentümlichen Geruch; heute riecht sie kaum noch.

Ex Libris
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Ex Libris » 19.10.2015 11:35

Hallo,

ich hätte da mal eine doofe Frage am Rande: Wofür steht die Abkürzung SITB? Dass es was mit Schimmel in Tinte zu hat, konnte ich aus dem Gesprächsverlauf feststellen, aber ich höre von diesem Akronym zum ersten Mal. :D

Viele Grüße,
Florian

MCA
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von MCA » 19.10.2015 12:26

Vielleicht "Siff in the Bottle"? :mrgreen:
Grüße,
Manuel

mirosc
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von mirosc » 19.10.2015 13:29

Ex Libris hat geschrieben:Wofür steht die Abkürzung SITB
Slime in the Bottle.

manche vergangene Herbin Tinten, und häufiger auch Private Reserve Tinten neigen gelegentlich dazu, glibberige Schleimwesen in der Tinte entstehen zu lassen. Im Extremfall sieht das so aus wie unten.
Manchmal sind das auch "nur" Schimmel oder Bakterien, die sich fleißig ausbreiten, wenn die Biozide nicht/nicht mehr wirken, etc. Manches kann auch entstehen, wenn man unverträgliche Tinten mischt. Da gab es mal hübsche Experimente auf FPN, wo kleine Glibberglubscher entstanden sind. Leider habe ich diesen Thread nicht mehr gefunden.
Manchmal können die Klümpchen in der Tinte auch normal und erwartbar sein, wenn z.B. die Eisengallustinte ausfällt. Dennoch sollte man das mit dem Füller nicht aufsaugen...

Bild
zu finden in: FPN
Gruß, Michael

blueliberty
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von blueliberty » 19.10.2015 14:22

Tenryu hat geschrieben:Tinten mit einem hohen ph-Wert (6-9) und organischen Inhaltsstoffen sind prädestiniert, zu verschimmeln oder von Mikroorganismen befallen zu werden. Die meisten klassischen Tinten sind mehr oder weniger sauer. Darin gedeihen keine Mikroben oder Schimmel. Deshalb halten z.B. die Eisengallus- oder die königsblaue Tinte (ph-Wert ~2) jahrzehntelang.

Wow danke! Das ist sehr, sehr interessant! Gibt's da irgendwo eine Liste wo ich nachschauen kann, welche Tintenfarben einen niedrigen ph-Wert haben und daher haltbarer sind?

Oder kann man pauschal sagen, d. alle grünen Tinten eher schimmelanfällig sind und die blauen (ganz gleich welcher Hersteller) fast ewig halten?
Falls es nach Farbe geht, wie ist das dann mit "Rot" und "Braun"?

Oder ist das eher nach Hersteller - also J.Herbin schnell aufbrauchen da die nicht so haltbar sind und bei zB Pelikan muss man nichts befürchten?

Noch eine Nebenfrage: Würde es bei leicht schimmligen Tinten helfen, diese Tinte (vor allem im Sommer) im Kühlschrank aufzubewahren? Würde das die Haltbarkeit verbessern?

LG,
Doris

blueliberty
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von blueliberty » 19.10.2015 14:28

Dying-Flutchman hat geschrieben:
Tombstone hat geschrieben: - ich verfahre nach der Devise "so lange die Tinten nicht stinkt, mach ich mir auch keine Gedanken" - und wenn sie das macht, dann schütte ich sie weg
Dazu habe ich eine Frage: Wann "stinkt" Tinte? Ich habe mittlerweile einige Gläser hauptsächlich Herbin, Pelikan und Lamy und die riechen alle ausnahmslos nach nichts eigentlich. Allerdings riecht mein eines Glas Yama-Dori. Nicht unangenehm aber wirklich deutlich eigen. Ist das normal?
Hm, dein Post verunsichert mich nun doch ein wenig. Denn einen Geruch kann ich bei der grünen Herbin Tinte schon feststellen (im Vergleich zu meiner Orange Indien von Herbin). Aber es riecht nicht unbedingt nach Moder und man riecht es nur, wenn man mit der Nase direkt über das Tintenfass geht. Beim Schreiben selbst riecht man absolut gar nichts.

Illoran
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Illoran » 19.10.2015 15:21

blueliberty hat geschrieben:
Tenryu hat geschrieben:Tinten mit einem hohen ph-Wert (6-9) und organischen Inhaltsstoffen sind prädestiniert, zu verschimmeln oder von Mikroorganismen befallen zu werden. Die meisten klassischen Tinten sind mehr oder weniger sauer. Darin gedeihen keine Mikroben oder Schimmel. Deshalb halten z.B. die Eisengallus- oder die königsblaue Tinte (ph-Wert ~2) jahrzehntelang.

Wow danke! Das ist sehr, sehr interessant! Gibt's da irgendwo eine Liste wo ich nachschauen kann, welche Tintenfarben einen niedrigen ph-Wert haben und daher haltbarer sind?

Oder kann man pauschal sagen, d. alle grünen Tinten eher schimmelanfällig sind und die blauen (ganz gleich welcher Hersteller) fast ewig halten?
Falls es nach Farbe geht, wie ist das dann mit "Rot" und "Braun"?

Oder ist das eher nach Hersteller - also J.Herbin schnell aufbrauchen da die nicht so haltbar sind und bei zB Pelikan muss man nichts befürchten?

Noch eine Nebenfrage: Würde es bei leicht schimmligen Tinten helfen, diese Tinte (vor allem im Sommer) im Kühlschrank aufzubewahren? Würde das die Haltbarkeit verbessern?

LG,
Doris
Moin,

das lässt sich so ganz allgemein nicht sagen. Allerdings behauptet J.Herbin das seine Tinten pH neutral seien mit einigem Gutwill hieße das so im Bereich pH 6-8 in dem sich auch viele Mikroben wohlfühlen. Pelikan dagegen durchspannt einen großen Bereich der pH-Skala. Laut Sicherheitsdatenblatt fängt das bei Blauschwarz mit pH 2.25
und geht bis 8.5 bei Brilliant-Schwarz und Brilliant-Rot. Noodler's Tinten ihrerseits sind nach Herstellerangaben alle exakt pH neutral verwenden aber verschiedene organische Lösungsmittel die Bakterien und Pilze eher weniger schätzen. Ein allgemeiner Trend lässt sich kaum ableiten, das hängt immer davon ab welche Eigenschaften der Hersteller der Tinte geben will (Viskosität, Trockenzeit usw.) und welche Farbstoffe (pH-Indikatoren, Solvochrome oder farbstabile) verwendet werden.

mfg Illo

Dying-Flutchman
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von Dying-Flutchman » 19.10.2015 15:24

blueliberty hat geschrieben:
Dying-Flutchman hat geschrieben:
Tombstone hat geschrieben: - ich verfahre nach der Devise "so lange die Tinten nicht stinkt, mach ich mir auch keine Gedanken" - und wenn sie das macht, dann schütte ich sie weg
Dazu habe ich eine Frage: Wann "stinkt" Tinte? Ich habe mittlerweile einige Gläser hauptsächlich Herbin, Pelikan und Lamy und die riechen alle ausnahmslos nach nichts eigentlich. Allerdings riecht mein eines Glas Yama-Dori. Nicht unangenehm aber wirklich deutlich eigen. Ist das normal?
Hm, dein Post verunsichert mich nun doch ein wenig. Denn einen Geruch kann ich bei der grünen Herbin Tinte schon feststellen (im Vergleich zu meiner Orange Indien von Herbin). Aber es riecht nicht unbedingt nach Moder und man riecht es nur, wenn man mit der Nase direkt über das Tintenfass geht. Beim Schreiben selbst riecht man absolut gar nichts.

Lierre Sauvage habe ich nicht, aber ich werde von den anderen mal einen tiefen Zug nehmen, um zu schauen, ob nicht doch was riecht.

blueliberty
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von blueliberty » 19.10.2015 17:57

Illoran hat geschrieben:
blueliberty hat geschrieben:
Tenryu hat geschrieben:Tinten mit einem hohen ph-Wert (6-9) und organischen Inhaltsstoffen sind prädestiniert, zu verschimmeln oder von Mikroorganismen befallen zu werden. Die meisten klassischen Tinten sind mehr oder weniger sauer. Darin gedeihen keine Mikroben oder Schimmel. Deshalb halten z.B. die Eisengallus- oder die königsblaue Tinte (ph-Wert ~2) jahrzehntelang.
Moin,

das lässt sich so ganz allgemein nicht sagen. Allerdings behauptet J.Herbin das seine Tinten pH neutral seien mit einigem Gutwill hieße das so im Bereich pH 6-8 in dem sich auch viele Mikroben wohlfühlen. Pelikan dagegen durchspannt einen großen Bereich der pH-Skala. Laut Sicherheitsdatenblatt fängt das bei Blauschwarz mit pH 2.25
und geht bis 8.5 bei Brilliant-Schwarz und Brilliant-Rot.
mfg Illo
Spannend... Hätte nie gedacht, dass die Tinten alle so verschieden sind.
Dann muss ich wohl meine Pelikan Schwarz auch schnellst möglichst aufbrauchen. Schade, das ist mein Lieblingsschwarz - aber wenn die eher schnell "schlecht" werden, werde ich mich nach einer anderen Schwarz umsehen. Nachdem das Pelikan Schwarz ziemlich Wasser-Resistent ist, dachte ich, d. da ev. ein wenig Eisen-Gallus mit drinnen wäre (sowie bei der Blau-Schwarz)?
Hättest du (oder auch jemand anderer) einen Tipp für ein länger haltbares Schwarz?

blueliberty
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Re: Wann ist SITB "gefährlich"?

Beitrag von blueliberty » 19.10.2015 18:02

Dying-Flutchman hat geschrieben:
Lierre Sauvage habe ich nicht, aber ich werde von den anderen mal einen tiefen Zug nehmen, um zu schauen, ob nicht doch was riecht.[/quote]

:D

Danke Dying-Flutchman - das ist sehr nett von dir! Hab selbst nicht soviel Vergleichsmöglichkeiten (meine J. Herbin Tinten begrenzen sich auf Orange Indien u. die Lierre Sauvage).

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