Eisengallus - schwärzer im Sommer?

Moderatoren: Linceo, Lamynator, desas

Antworten
ai19
Beiträge: 138
Registriert: 23.12.2018 9:50
Wohnort: Rheinland

Eisengallus - schwärzer im Sommer?

Beitrag von ai19 » 27.07.2019 19:16

Hallo zusammen,

meine chemischen Kenntnisse sind recht rudimentär. Meistens ist es so, dass höhere Temperatur eine chemische Reaktion beschleunigt - wieso auch nicht die Reaktion, die EG-Tinten auf dem Papier dunkel werden lässt?

Bei den augenblicklichen sommerlichen Temperaturen habe ich mal wieder die Diamine rausgeholt.

Dabei fiel mir auf, dass auf manchen Papieren die Diamine zuerst das charakteristische blauschwarz, dann aber richtig schwarz wird.

Mir gefällt das, aber ich versuche zu verstehen, ob es eine Systematik hinter diesem Phänomen gibt.

Augenblicklich habe ich 5 Füller mit der Diamine getankt:
- Platinum PTL-5000A
- Waterman Carène
- Parker Premier
- Faber-Castell Essentio EF
- Faber-Castell Gripsy EF, der Schulfüller

Alle diese Füller kommen gut mit der Diamine klar. Überrascht bin ich vom Waterman, der einen echt satten Tintenfluss durchlässt, und trotz Steckkappe nicht schnell austrocknet.

Mein Ziel ist es, diese schöne schwarze Schrift mit der Diamine zu reproduzieren.

Ich vermute folgende Einflussfaktoren:

- Der Tintenfluss. Das ist wahrscheinlich der wichtigste. Wenn er nicht stark genug ist, bleibt ein blauschwarz.
- Das Papier. Ich beobachte, dass die Schrift auf manchen Papieren schwarz wird, auf anderen blauschwarz bleibt, obwohl derselbe Füller benutzt wird. Gibt es da Erfahrungswerte, woran das liegen kann?
- Die Temperaturen. Bei der aktuellen Hitze ist die Schrift bereits am nächsten Tag schwarz, statt nach mehreren Wochen.

Oder gibt es da andere Beobachtungen?

Auch wenn ich Fan bin von Carbon-Pigmenttinten, so benötigen diese sehr gutes Papier und machen den Federstrich breiter.

Es hat seinen Charme, auch auf Toilettenpapier wie von Moleskine mit EG schreiben zu können, ohne dass die Tinte 30 Blätter durchblutet.

Die Salix habe ich auch aus der Versenkung geholt, auch sie scheint mir dunkler zu werden dieser Tage.

Meine Frage also: Gibt es einen Trick, mit einer EG-Tinte eine schöne, satte schwarze Schrift hinzukriegen? Oder muss man da statt der Diamine eine andere Tinte anschaffen? Oder muss man die EG-Tinte einfach nur schön anwärmen?

Beste Grüße,
Arda

Benutzeravatar
Mario Be
Beiträge: 395
Registriert: 20.01.2019 8:27
Wohnort: Castrop-Rauxel
Kontaktdaten:

Re: Eisengallus - schwärzer im Sommer?

Beitrag von Mario Be » 27.07.2019 19:56

Hallo Arda,

ich kann Dir zwar keine Erklärung liefern, dafür aber deine Beobachtung bestätigen.
Ich hatte in den letzten Tagen bei den Temperaturen um die 40°C auch das Gefühl, dass meine Salix schnell viel dunkler geworden ist.
Kann mir vorstellen, dass bei dem Wetter die Tinte auch schneller trocknet und der Effekt daher kommt, auf jeden Fall empfand ich das schnellere Trocknen als recht praktisch.

Thom
Beiträge: 589
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Eisengallus - schwärzer im Sommer?

Beitrag von Thom » 27.07.2019 19:59

Hallo Arda,

wenn da Wasser verdunstet, konzentriert sich die Tinte natürlich in jeder Beziehung auf, ansonsten dicker auftragen.
Das mit den unterschiedlichen Papiersorten hast Du gut beobachtet, es gibt tatsächlich erhebliche Unterschiede zwischen gebleichtem und weniger oder ungebleichtem Papier, aber nur in der Geschwindigkeit mit der sich das EG bildet, nicht in der entgültigen Sättigung.

V.G.
Thomas

ai19
Beiträge: 138
Registriert: 23.12.2018 9:50
Wohnort: Rheinland

Re: Eisengallus - schwärzer im Sommer?

Beitrag von ai19 » 27.07.2019 21:12

Hallo Mario,
Hallo Thom,

da bin ich schon einmal beruhigt, dass mir das nicht als einzigem so vorkommt!

@Thom

Bleichtmittel im Papier, gutes Stichwort. Meinst Du, der Effekt könnte daher kommen, dass ein Bleichmittel im Papier die blaue Farbbeimischung der Diamine ausbleicht und nur das schwarze Eisengallus übrig bleibt?

Ich war letztens auf einem Betriebsausflug und konnte in einer alten Apotheke ein Geschäftsbuch sehen, in dem ein alter Apotheker vor über 80 Jahren Eintragungen gemacht hat. Offenbar EG-Tinte; die Schrift sah danach aus und war schwarz, teilweise grau-schwarz.

Gestochen scharf und nach über 80 Jahren keinerlei Zerfallserscheinungen.

Diese EG-Tinten sind echt eine Wissenschaft für sich. Mal wird die Diamine aus demselben Füller und auf demselben Papier satt schwarz, später nur blau-schwarz. Ich versuche, da irgendwie dahinter zu kommen.

Kennst Du EG-Tinten, die generell richtig fett schwarz werden und auch FH-tauglich sind? Die Gutenberg soll man wohl nur mit Tauchfeder nehmen, habe ich gelesen.

Beste Grüße,
Arda

agathon
Beiträge: 2271
Registriert: 11.01.2009 13:09

Re: Eisengallus - schwärzer im Somme

Beitrag von agathon » 27.07.2019 21:21

ai19 hat geschrieben:
27.07.2019 21:12


Kennst Du EG-Tinten, die generell richtig fett schwarz werden und auch FH-tauglich sind?
„Agathons Beste“ hatte diese Eigenschaft, Thom hatte die mal für mich gekocht. So weit ich mich erinnere, war das eine sehr starke Tinte und daher nur äußerst bedingt füllergeeignet. Ich hatte aber zur Verwunderung Thoms nie Probleme mit der Tinte, außer, dass sie im Laufe der Zeit an Schwärze verlor und bräunlich wurde. Dennoch trauere ich der Tinte hinterher ...

Grüße

agathon

Thom
Beiträge: 589
Registriert: 02.03.2019 22:47

Re: Eisengallus - schwärzer im Sommer?

Beitrag von Thom » 27.07.2019 21:42

Ja, die war zu eisenlastig, deshalb ist die zu schnell vergilbt.
Arda, ich denke nicht, dass da großartig Bleichmittelreste im Papier sind, das wird irgendwas anderes sein, vielleicht Oxycellulose oder sowas. Das beschleunigt die EG-Bildung ganz erheblich, was man heute so an EG-Geschwindigkeit "gewöhnt" ist, kommt von diesem Effekt. Auf ungebleichtem Papier läuft das nicht in Minuten ab, sondern eher in 24 Stunden bis einigen Tagen. Wenn die Tinte nach einem halben Jahr plötzlich schwarz ist, kann das durchaus mit dem blauen Farbstoff zusammenhängen, der könnte nachlassen oder wenn die Tinte zu früh vergilbt, mit dem Bräunlichen und dem Blau mehr schwarz aussehen als vorher.
Die Gutenberg G10 ist schon eine Füllertinte, nach zweieinhalb bis drei Jahren Lagerung im Flakon ist die aber auch nur noch ein Schatten ihrerselbst, also möglichst frisch verwenden.

V.G.
Thomas

Antworten

Zurück zu „Die Tinte und der Tintenfluss / Ink and the ink flow“