Eisengallustinte vs. Papier

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Schuttwegraeumer
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Beitrag von Schuttwegraeumer » 24.02.2005 6:36

St1 hat geschrieben:es gibt zwar keine detaillierte Zutatenliste zum "Nachmixen", aber,
daß Montblanc Tinte blauschwarz eisengallushaltig ist, kann man in dem Beipackzettel zum Montblanc Tintenfäßchen lesen,
Den Beipackzettel habe ich hier leigen.
Er ist schon etwas ölter und ein Verkäufer hat behauptet dass das nicht mehr aktuell ist da MB die Rezeptur geändert hat.
Da ich Verkäufer nicht unbedingt als Insider einstufe zweifle ich das mal an.


Der einzige Zweifel der mir bei dieser Tinte kam ist, ob diese wirklich dokumentenecht ist. Schließlich kann man einen Großteil der Tinte mit dem Tintenkiller entfernen, sowie noch ein weiteres bißchen mit Wasser vom Papier wegwaschen.
Bei der Blauschwarzen MB Tinte?
Sicherlich, jede normal verwendbare eisengallustinte enthält auch andere Farbstoffe, in diesem Fall blauen damit man normal schreiben kann.
Reine Eisengallustinte ist kaum gefärbt und wird erst nach Stunden dunkel.
Die MB Tinte müsste daher nach ein paar Stunden etwas dünkler werden wenn wirklich Eisengallus drinnen ist.
Der dann verbleibende leicht gräuchliche oder rötliche Rest erweckt in mir nicht den Eindruck von Dokumentenechtheit -wie ich sie mir vorstelle. Vor allen Dingen hat Pelikan oder Lamy blauschwarz nach Tintenkiller-/Wasserbehandlung einen ähnlichen verbleibenden "Rest".
Vieleicht mal etwas liegen lassen vor dem Test, das Eisengallus muss erst mit dem Luftsauerstoff abbinden damit sich die unlöslichen Farbstoffe bilden können, kann mehrere stunden bis mehrere Tage dauern.


Schutti

Dieter N
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Beitrag von Dieter N » 24.02.2005 16:48

Ich habe die Tinte vor einigen Jahren intensiv genutzt und den Beipackzettel kenne ich daher auch.

An ein deutliches Nachdunkeln kann ich mich nicht erinnern; da finde ich das Nachdunkeln z.B. vom aktuellen Pelikan Brilliant-Braun viel deutlicher. Allerdings floss die Tinte - damals in MB-Füllern - deutlich schwerfälliger als andere Tinten. Ich musste häufig reinigen. Leider habe ich im Moment keine alten Texte damit zur Hand, um die Haltbarkeit zu beschreiben.

St1
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Beitrag von St1 » 26.02.2005 9:49

Na ja, es handelt sich zwar nicht um Füllfederhaltertinte, sondern nur um Tintenrollertinte. Aber die sucht m.A,n. noch Ihresgleichen. Unter (
http://www.tomboweurope.com/catalogue/about.htm ) kann man (in Englisch) unter Tombow In the flow of time... zum Jahr 1984 nachlesen: Developement of a cartridge with capillary system for rollerball pens containing water-resistant :!: and non fading pigment-ink :!: .
Ist schon ganz schön lange her, trotzdem gibt's diese Tintenroller und -patronen auch heute noch.

In einem aktuellen Faltblättchen zum Tintenroller Zoom 535 ist dann zu lesen: " „Die Tintenroller von Tombow sind mit dokumentenechter Tinte ausgestattet. Die Tinte trocknet in Sekunden, schlägt nicht durch und bleibt selbst nach Jahren farbbrillant. (schwarz, blau 0,3-0,7mm, rot 0,3-0,5mm).”

Trotzdem erfährt man solche Informationen nur zufällig beim Nachrecherchieren, auf den Patronen selbst gibt's keinen Hinweis.

Das Gute ist, daß man diese Information teilweise sofort nachprüfen kann. Man merkt, daß die statt schreibende Tinte schneller trocknet als Füllfederhaltertinte, Rollerballtinte und vor allem als Gel; nach wenigen Sekunden später schmiert sie weniger als Kuli, Füllfederhaltertinte, Gel und sonstige Rollerballtinte und nach einigen Minuten schmiert sie überhaupt nicht mehr, -selbst bei Feuchtigkeit nicht. Sie ist dann auf Papier wasserdicht und quillt auch dann nicht aus.


Eigentlich plädiere :x ich lediglich für eine stichhaltige internationale, eindeutige Deklaraton von Tinte, Minen und Tusche bzgl. Eigenschaften wie Dokumentenechtheit, Farbtreue, Trockenzeit. Internationale Standards sollten gesetzt und auch erkennbar sein.
Bei Kugelschreiberminen funktioniert die Deklaration der Dokumentenechtheit nach ISO Norm ja (Angabe auf der Mine z.B. : for documents ISO 12757-2).

Solange das mit der Deklaration und Standards nicht funktioniert, wird das "Herumrätseln" bzgl. besonderer Eigenschaften bei Tinte nicht enden :roll: .

PS: Monblanc blauschwarz ist ja nicht schlecht und stellt vielleicht das Maximum an Eigenschaften bzgl. langer Haltbarkeit, der damit erstellten Schriftstücke durch Füllfederhalter, dar. Trotzdem büßt diese nach "Tintenkiller-Behandlung" und Wasser etwa 3/4 der Farbsättigung ein. Dieser Rest (gräulich bzw. leicht rotstichig) ist bei mir auch nach zwei Jahren nicht schwarz geworden, sondern so geblieben wie nach dem ersten Tag. Je nachdem wie viel Tinte der Füllfederhalter abgibt, so wird auch die Farbsättigung des verbleibenden Graus von hell bis mittel variieren. Aber man kann's ja noch lesen.
Unter anderen könnte auch Montblanc über Änderungen der Tinten und evtl. der Eigenschaften auf der eigenen Homepage Informationen geben. Tipps für besondere Anforderungen des Geschriebenen nach Schreibsystemen wäre ja auch nicht schlecht (zB. für Logbücher empfehlen wir Kugelschreiber, weil.. , für Notarverträge, Arztrezepte empfehlen wir.....)
Meine persönliche Meinung ist, daß viele Informationen und Offenheit der Hersteller Sympathien schafft !!

Viele Grüße,
Stefan

Dieter N
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Beitrag von Dieter N » 27.02.2005 11:12

St1 hat geschrieben: Eigentlich plädiere :x ich lediglich für eine stichhaltige internationale, eindeutige Deklaraton von Tinte, Minen und Tusche bzgl. Eigenschaften wie Dokumentenechtheit, Farbtreue, Trockenzeit. Internationale Standards sollten gesetzt und auch erkennbar sein.
Bei Kugelschreiberminen funktioniert die Deklaration der Dokumentenechtheit nach ISO Norm ja (Angabe auf der Mine z.B. : for documents ISO 12757-2).
Ich fürchte, dass gerade bei Tinten für das Schreiben mit Federn (ob nun per Füllfederhalter oder z.B. als Ziehfeder) eine Deklaration solange ausbleiben wird, solange der Markt viele "Spaß-Tinten" verträgt.
Bei Kugelschreibern & Co. dominieren die Gebrauchs-Lösungen und damit auch nur eine handvoll Farben. Bei Füllern ist jedoch oft das Gehirn ausgeschaltet und es gibt Gefühlsentscheidungen für Farben und Düfte. Die Firmen, die diesen Markt mit relativ geringen Auflagen bedienen, leben nicht vom Erfüllen von Normen.
Zum einen ist es einfach teuer, die Daten dafür zu erheben und ggf. zu erfüllen und zum anderen ist es oft auch nicht gewollt, dass eine "Schön-Tinte" einer Norm gerecht wird. Allein die Sonder-Editionen der Tintenmanufaktur Jansen für Komponisten, Sternzeichen oder auch Feste und Feiertage entsprechen meist ungefähr anderen Farben, aber finden wegen der besonderen Titulierung Abnehmer. Stellt euch vor (Ich hoffe, Dr. Jansen verzeiht mit das folgende Zitat von seiner Internetseite):

Exklusive handgefertigte Tinte für Füllfederhalter
William Shakespeare
Die exklusive handgefertigte Füllhaltertinte in sepiabrauner Farbe ist dem überragenden englischen Dramatiker William Shakespeare gewidmet. Die dichterische Genialität Shakespeares zieht seit über 400 Jahren Menschen in ihren Bann. Mit Romeo und Julia schrieb Shakespeare die wohl bekannteste Lovestory der Welt. Shakespeare wurde am 23.4.1564 in Stratfordupon-Avon / England geboren, hier starb er auch am 23.04.1616.
Inhalt: ca. 30 ml
Flakon: Cifra mit Bakelit-Schraubverschluß
Verpackung: Einzeln in exklusiver Faltschachtel
Erfüllt die DIN 0-8-15 und die internationalen Normen XX2412 und YyY123, Trockenzeit 3,5 sec. für Norm-Feder M, regelm. getestet bei US-Airforce und Bundesamt für Reaktorsicherheit

Diese letzte Zeile ist natürlich Fantasie und sollte es bitte immer bleiben.
Selbst Mainstream-Markentinten-Hersteller wie Pelikan mit der 4001 oder MB werden sich wahrscheinlich hüten, zu genormt zu erscheinen. Der Edelfüller soll mit von engagierten, liebevoll arbeitenden Menschen handwerklich hochwertig hergestellter Tinte befüllt sein, aber ohne die Behörde dahinter, die das alles vereinheitlicht.

Tja, ich fürchte, unser Hobby eignet sich wenig für eine Normung, oder was meint ihr dazu? Vielleicht sehe ich das auch zu eng, weil ich als Behördler täglich Normen und Regeln ausführen muss - egal, ob ... nein, das sagt ich jetzt lieber doch nicht :wink:

Viele Grüße
Dieter N.

St1
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Beitrag von St1 » 27.02.2005 21:01

...ich meinte mit Deklaration von Eigenschaften ja nur die besonderen Eigenschaften, die nicht nur im professionellen Bereich, sondern auch im Hobby-Bereich von Bedeutung sein können. Z.B. schnelle Trocknung interessiert besonders den Linkshänder, auch im Hobby. Dokumentenechtheit interessiert zB. den Notar bei der Arbeit (vielleicht will der auch mal seinen Montblanc Füllfederhalter als Unterschriftsgerät darreichen),usw.
Farbdeckung interessiert den Kalligraphen, der aber auch möchte, daß zB. die kunstvollen erstellten "Urkunden" auch später nicht verschmieren.

Liebestinte :lol: von großen Schriftstellern soll, wie auch andere Tinte ohne besondere Eigenschaften undeklariert bleiben :lol: ....
(Beim Tintenfäßchen braucht auch keine Angabe zu erfolgen ob's Glas, Mineralglas oder Saphierglas ist).

Trotz Luxuscharakter soll meiner Ansicht der Füllfederhalter trotzdem auch weiterhin auch professionelles Arbeitsmittel bleiben dürfen; sonst gibt's nachher keinen Werbungskostenabzug mehr.... :wink:

Grüße,
Stefan

Dieter N
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Beitrag von Dieter N » 27.02.2005 23:25

Hallo, Stefan,
sorry, ich wollte dir nicht widersprechen, sondern eher die Befürchtung (?) begründen, dass es mit der Normung wohl nichts werden wird. Irgendwie machen Normungen meistens Sinn, aber nicht überall werden sie sich durchsetzen - zum Glück. In diesem Falle wohl eher nicht, auch wenn diverse Leute und Berufsgruppen sich darüber freuen würden.
Ich kann im Zweifel auch mit einer genormten Tinte leben - ich lebe mit vielen Normen. Allerdings würde mein "Zitat" dann wohl notwendig werden, um irgendwelchen fantasievollen Abmehnern zu entgehen - ich denke mit Grausen an die Zeiten, als die Maßeinheit Zoll abgeschafft wurde und eine Abmahnwelle wegen Monitor- und Disketten-Größen über die PC-Händler rollte - und das fände ich dann doch schade.
Schutti, allen Interessierten und natürlich dir gönne ich die gewünschten Angaben auf jeden Fall - und allen Romantikern die Möglichkeit, außerhalb der genormten Welt ihre Nische zu finden. Mich findet ihr irgendwo dazwischen: Ich genieße es mit dem Füller zu schreiben, aber ich freue mich auch, wenn eine Tinte zuverlässig meinen Füller nicht schädigt.

Viele Grüße
Dieter N.

p.s.: Bei uns im Dienst werden Billigst-Kulis gereicht - da lässt sich kein Füller absetzen. Und die lose Tinte, die ich dort früher bekam, beschädigte meine MBs (s. mein Posting vom 22.02.) ...

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