Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

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Holunderbeere
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Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Holunderbeere » 19.10.2013 9:19

Guten Morgen!

Irgendwie habe ich in letzter Zeit die Eisengallustinten ins Auge gefasst - vielleicht aufmerksam geworden durch die Diskussion um die von Montblanc veränderte Midnight Blue -, und mir ist einiges zu dem Thema nicht ganz klar.

Ich habe es so verstanden, dass man Eisengallus nicht in einem Füller verwenden sollte, außer die Tinte ist ausdrücklich dafür vorgesehen (zB Montblanc, Rohrer & Klingner Salix/Scabiosa).

Außerdem hörte ich, dass Eisengallus zu einem tiefen Pechschwarz nachdunkelt. Stehe ja an sich nicht so auf schwarze Tinte, aber so ein völlig sattes Schwarz würde mich schon interessieren. Meine Montblanc Midnight Blue macht das aber jedenfalls nicht und bei den Rohrer & Klingner Eisengallustinten lese auch nichts davon.
Ist das evtl. so eine Eigenschaft, die die Tinte dann auch für Füller untauglich machen würde?

Falls nein, wer kennt eine nachdunkelnde Eisengallustinte für Füllhalter, die in Europa erhältlich ist? Würde sie gern ausprobieren.

Schönes Wochenende,
Barbara
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Cepasaccus
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 19.10.2013 10:06

Hallo Barbara,

in Fueller, die ich einfach ganz zerlegen und gut reinigen kann fuelle ich jede EG-Tinte. Da macht es fuer mich keinen Unterschied, ob die offiziell fuer Fueller geeignet ist oder selbstgebraut und drei Jahre herumgestanden ist.

Die einzige schwarze EG-Tinte, die ich kenne ist die von Gutenberg. Sie ist aber auch nicht durchgaengig pechschwarz sondern zeigt Schattierung.

Mein Review: http://www.penexchange.de/forum_neu/vie ... =48&t=6723

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Tenryu
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Tenryu » 19.10.2013 11:56

Tiefes Schwarz kannst du bei Füllertinten vergessen.
Dazu brauchst du schon richtige Eisengallustinte, die ist aber schwer zu bekommen und nur für Gänsekiele oder Goldfedern geeignet. (Stahlfedern würden ziemlich rasch korrodieren.)

Für ein richtig dunkles Schwarz würde ich eher Pigmenttinten oder -Tuschen auf Rußbasis empfehlen. Die gibt es auch für Füllhalter geeignet (siehe "Pelikan Fount India"). Wichtig: die Eignung für Füllhalter muß explizit draufstehen, sonst kannst du den Füller nach einmal-Gebrauch in die Tonne werfen!

Die o.g. Fount India ist extrem licht- und wasserbeständig und fließt sehr gut. (erstaunlicherweise besser als manche nicht-Pimenttinte.) Aber man muß den Füller schon häufig benutzen und oft reinigen. Bis man die letzten Reste davon rausgespült hat, dauert eine ganze Weile. Von daher am besten immer im selben Füller verwenden.

Die Japaner (Sailor bzw. Platinum) haben auch solche Tinten in schwarz oder blau im Angebot. Jedoch nur als Patronen.

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 19.10.2013 12:24

Die Fount India ist schon extrem leicht fliessend.

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von toni » 19.10.2013 12:27

Die ESSRI dunkelt ziemlich stark nach, wenn Du einen relativ nass schreibenden Füller verwendest. Sieh Dir doch hierzu mal die Tintenbetrachtungen im FPN an, da sieht man das ganz gut, wenn ich mich recht entsinne.
Viele Grüße
Toni

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 19.10.2013 12:38

Ich denke mal die ESSRI wird auch nicht anders sein als die MB MB (EG).

Cepasaccus

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von toni » 19.10.2013 12:39

Ich denke doch.
Die ESSRI kommt blasser und blauer aufs Papier, wird aber meiner Meinung nach mit der Zeit dunkler als die MB MB.
Viele Grüße
Toni

Thom

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 19.10.2013 19:20

Ich schließe mich Cepasaccus an: Versuche mal die Gutenberg G10, die ist eine Kombination aus einem schwarzen Farbstoff und dem EG. Ansonsten geht's nur mit "Hardcore-Eisengallus", aber dafür mußt Du wirklich einen Füller "reservieren".

V.G.
Thomas

EDIT: Wegen Federkorrosion brauchst Du Dir bei aktuellen Füllern keine Sorgen zu machen.
Wenn Du mit Pigmenten schreiben willst, gehen auch alle Winsor&Newton Kalligraphie-Tinten.

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Cepasaccus » 19.10.2013 23:40

Toni, bei gutem Tintenfluss wirkt auch die MB MB EG schwarz, aber trotzdem spuert man, dass es kein schwarz ist. (Deswegen liebe ich sie.) Deutlich sieht man es an den doch immer wieder auftretenden Stellen wo die Tinte nicht satt auf dem Papier ist, z.B. bei zarten Aufwaertsschleifen.

Einen Test der ESSRI sieht man hier:
http://www.fountainpennetwork.com/forum ... trars-ink/

Cepasaccus

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Tenryu » 20.10.2013 0:11

Für mich sieht die aber sehr grau aus. Und ich mag keine grauen Tinten. :|

Ehrlich gesagt sehe ich auch keinen rechten Sinn in der Verwendung von Eisengallustinten heutzutage. Abgesehen vom Experimentier- und Spieltrieb des Füller- und Tintensammlers. :mrgreen:
Gute schwarze Tinten sind extrem haltbar. Pigmenttinten trotzen sogar jahrelang direkter Sonneneinstrahlung. Echte Eisengallustinten hingegen neigen ab einer gewissen Konzentration dazu, mit der Zeit das Papier anzugreifen. Also nach spätestens 200-300 Jahren bleibt da nicht mehr viel im Archiv übrig. (Prominente Opfer dieser Tinte sind u.a. die original-Partituren von J.S. Bach.)
Pergament scheint da übrigens weniger anfällig zu sein. Doch wer leistet sich heute noch diesen Luxus?

Thom

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 20.10.2013 0:25

Auch in dem Punkt kann ich Entwarnung geben. Bach hat die beste "Dokumentenechtheit" die es gibt: Reproduktion (und damit meine ich nicht seine 20 Kinder). :D

V.G.
Thomas

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Holunderbeere » 20.10.2013 10:18

Moin moin,

Danke für eure Anregungen! Ich werde auf jeden Fall die Gutenberg und die Fount India ins Auge fassen, allerdings wirklich nur für von mir selbst vollständig zerlegbare Füller, denn manchmal bin ich doch etwas vergesslich.

Mir geht's auch tatsächlich nicht um die Haltbarkeit dabei. Meine Wohnung hat ja ein Dach und meine Notizbücher zwei Deckel und von dem her muss das Wenigste, was ich schreibe, wasserfest oder lichtecht sein. ;) Auch bei Briefen war ich bisher sorglos und habe sie in gängiger Schreibtinte adressiert, bisher kam noch alles an, auch bei Regen. Natürlich geht's mir mehr ums nostalgische Schreibgefühlt und so.

Viele Grüße,
Barbarea
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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von aljen » 20.10.2013 17:30

Moin Barbara,

eine Eisengallustinte habe ich eine Zeit lang verwendet, ohne dabei gewusst zu haben, was eine Eisengallustinte sei, wie schrecklich sie das Universum zerlegen könnte und überhaupt. In so manchem Füller fließt die blauschwarze Seele immer noch.

Es handelte (und handelt) sich dabei um eine MB^2 a.k.a. MBMB (Montblanc Midnight Blue). Das in zum Teil kapriziösen Füllern wie Sheaffer Valor oder auch in 60 Jahre jungen Montblancs, aber auch in dem verzeihenden Pelikan Souverän M605.

Ich genieße immer noch das kantenscharfe Schriftbild und unproblematische Verhalten dieser Tinte. Sie hat etwas „Amtliches“ an sich, aber genau das macht ihren Reiz mit aus. Das Schöne dabei ist, dass sich die Tinte recht gesittet benimmt, anstatt nach Rumpelstilzchen-Manier heute zu backen, morgen zu kochen. Mit anderen Worten: sie sieht füllerübergreifend „gleich aus“. Was ich in diesem Fall als vorteilhaft sehe.

Kann mir nicht helfen, aber ich holte mir neulich alle mir bekannten, noch vorhandenen Flakons dieser „rechtskonservativen“ Tinte noch ins Haus, nachdem der Hersteller ja das Incaustum offensichtlich eingestellt hat.

Auf die vielen Worte, die es noch zu schreiben gilt,
Alexander.
Et in Arcadia ego.

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Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thomas Baier » 20.10.2013 17:54

http://www.pens-and-freaks.com/tinte/ak ... -galnoten/

Diese Tinte erfüllt die Anforderungen an eine fast schwarz nachdunkelnde EG-Tinte sehr gut. Gibt es aber nur direkt aus Den Haag. Charaktervolle Tinte.

VG Thomas

Thom

Re: Erbitte Erleuchtung: Eisengallus-Tinte

Beitrag von Thom » 20.10.2013 18:53

Na, dann will ich's mal komplett machen. So etwa sieht "Schluttig und Neumann" aus. Die braucht keinen Hilfsfarbstoff mehr, aber der Füllerschreiber gute Nerven:

http://www.penexchange.de/forum_neu/vie ... 109#p58109

P.S. Das ist ca. 1 Stunde nach dem Schreiben gescannt, die dunkelt noch ca. 24 Stunden nach.

Viele Grüße
Thomas

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