Noodler's Ink Heart of Darkness - Das Herz der Finsternis

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Michael
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Noodler's Ink Heart of Darkness - Das Herz der Finsternis

Beitrag von Michael » 25.05.2008 16:57

Hallo Forumsteilnehmer,

nach der Lieferung durch Herrn Rolf Thiel hier nun meine bisherigen Eindrücke von der Noodler’s Heart of Darkness

(Verwendung mit einem Sailor Mini Sapporo, schwarz/gold, 14K-Music-Feder, Kunststofftintenleiter):

- Verpackung

Das Tintenglas kommt der bei Noodler’s üblichen Umverpackung aus weißer Pappe mit grau gehaltenen Zeichnungen des Noodler’s Welses (man hat dort wohl ein Faible für diesen Fisch), eines Cowboys, eines Indianers sowie Westernbekleidung (Cowboyhut/Cowboystiefel).
Die Umverpackung ist ferner beschriftet mit „Noodler’s Ink TM“, www.noodlersink.com, Mengenangabe (4.5 OZ), „Made In USA“ sowie dem Stempel „HOD“ für Heart of Darkness.

- Das große 4.5 OZ-Tintenglas selbst ist ein schlichtes Apothekenglas mit schwarzem Schraubverschluss der als Pipette ausgeführt ist.
Highlight ist das von Noodler’s individuell gestaltete, komplett umlaufende Etikett.
Heart of Darkness zeigt eine Dschungelszene mit einem schemenhaften Elefanten und einem großen rot-schwarzen Teufel (einem Wels ähnlich sehend…), der einen Dreizack führt. Beschriftungen sind „THE HEART OF DARKNESS“, „Noodlers Ink“, „eternal“, „4.5 OZ“ und „Au Coeur des Tenebres“.
Das Etikett nimmt wohl Bezug auf den Roman „Das Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad (1902) und ansatzweise vielleicht auch auf „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola (eine der bekannteren, an den Roman angelehnten Verfilmungen).

Der großen Tintenflasche liegt ein transparenter Eyedropper-Füllhalter, Steckkappe mit Stahlfeder (gekennzeichnet mit 03, Federstärke wohl entsprechend M) bei. Dieser schreibt durchaus angenehm und ist nicht
lediglich eine untaugliche Beigabe.

- Tintenfarbe

Die Tinte ist tiefschwarz ohne Schattierungen. Das Schriftbild ist also in seiner Erscheinung sehr gleichmäßig ähnlich einem Tintenroller oder einem Faserschreiber.
Sailor Kiwa Guro, Noodler’s Black und Pelikan Brilliantschwarz sind hier vergleichbar dunkel. Gutenberg Urkundentinte mit Neigung zu grauen Schattierungen ist auch bei einer Feder mit starkem Tintenfluss heller als Heart of Darkness.
Die Kopierfähigkeit der Heart of Darkness ist sehr gut.

Problem wie bei allen Schwarztönen mitunter:
Die Unterscheidbarkeit von Original und Kopie.

- Beständigkeit (sogenannte „Dokumentenechtheit“)

Heart of Darkness hat das Noodler’s Prädikat eternal.
Die Tinte ist äußerst wasserbeständig. Vergleichbar sind hier Noodler’s Luxury Blue (bulletproof) und Gutenberg Urkundentinte.
Ein Ausbluten oder Verblassen erfolgte bei Wasserkontakt nicht.

Heart of Darkness ist nach Trocknung wischfest und hat insoweit nicht die Probleme eines Verschmierens der oberen Schicht (wie z.B. Noodler’s Black bulletproof ink). Hier ist eine erhebliche Verbesserung mit Abhilfe in Bezug auf das bisherige Noodler’s Problem bei Schwarztönen gegeben.
Mit einem Standard-Textmarker (Stabilo Boss) lässt sich ein Verschmieren der obersten Schicht erst bei mehrfacher Markierung
provozieren. Die Schrift bleibt auch dann noch lesbar.

Zur Lichtbeständigkeit kann ich nach der kurzen Testzeit noch nichts
Näheres sagen. Bislang zeigten sich Noodler’s Eternal Tinten aber stets
äußerst lichtbeständig.

- Anwendbarkeit

Heart of Darkness lässt sich flüssig und weich verschreiben.
Den bei Noodler’s Tinten oft zitierten „Nib Creep-Effekt“, also das verstärkte Austreten von Tinte auf die Feder konnte ich beim Sailor Mini Sapporo mit (relativ kompakter) Music-Feder in mäßigem, nicht störenden Umfang beobachten.
Die Trocknungszeit etwas kürzer als bei eisengallushaltigen Tinten. Durchaus erfreulich ist, dass kein schnelles Austrocknen des geöffneten Füllhalters erfolgt.

- Heart of Darkness ist nicht so papierfreundlich/universell einsetzbar wie die Sailor Kiwa Guro.
Bei Moleskine Leerbüchern mit ihrem wenig tintenfreundlichen Papier schlägt die Noodler’s-Tinte auf der Rückseite durch. Bei schwächerem
Tintenfluss tritt der Effekt dann auch schwächer auf.
Ferner ist auf den weniger tintenfreundlichen Papieren ein leichter Aus-
franseffekt („Feathering“) zu beobachten. Dieser ist aber minimal.

Bei Kontakt mit einem ph-Indikatorstreifen zeige dieser keine Verfärbung zu den sauren Werten (wie bei eisengallushaltigen Tinten) an.
Noodler’s Ink wirbt auch damit, dass die Tinte ph-neutral ist

- Nach 8 Tagen in der Sailor-Patrone des Mini Sapporo zeigen sich noch keine Ablagerungen im Tintensichtfenster. Die Fließfähigkeit ist weiterhin sehr gut.


MfG und noch einen schönen Restsonntag

Michael

Genova
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Beitrag von Genova » 27.05.2008 0:53

Hallo Michael,

Danke für den umfangreichen Bericht. Ich kann die meisten deiner Punkte ebenso durch meine Erfahrung bestätigen.

Allerdings schlägt bei mir die Heart of Darkness nicht durch. Ich habe es auf vielen Papieren getestet, auch beim Umweltschutz-Kopierpapier hier an der Uni schlägt es nicht durch. Moleskines habe ich nicht. Vielleicht ist das Papier dort empfindlicher. Verglichen mit den Baystate-Tinten von Noodler's ist die Heart of Darkness wirklich harmlos, was das Durchschlagen angeht.

loa
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Re: Noodler's Ink Heart of Darkness - Das Herz der Finsternis

Beitrag von loa » 08.08.2015 15:01

Hallo zusammen!

Bei mir ist letztens auch diese Tinte endlich aus Amerika eingetroffen und es ist wirklich die schwärzeste Tinte die ich je benutzt habe.
Das brilliante Schwarz lässt die Edelstein Onyx und sogar die Super5 Darmstadt Tinten schwach und blass aussehen.

Was ich jedoch auch bestätigen kann ist die hohe Aggressivität der Tinte, die gerne durch das Papier schlägt.
Sogar durch mein äußerst robustes Daler & Rowney Skizzenbuchpapier welches sogar Aquarell vertragen kann schlägt diese Tinte was bisher noch nicht einmal die ähnlich aggressive De Atramentis Sepiabraune Tinte geschafft hat!
Allerdings passiert dies nur, wenn man große Flächen schwarz ausfüllt oder zu lange auf einem Punkt verweilt und die Tinte so (nicht zuletzt wegen der unglaublichen Fließfähigkeit!) das Papier wie ein Wasserfall durchtränkt.
Bei regulären Linien und geschriebenem Text besteht kaum die Gefahr des Durchschlagens.

Zur Wasserfestigkeit kann ich nur sagen, das sie nicht 100% wasserfest ist jedoch viel wasserfester als gewöhnliche Tinten.
Auch mit viel Wasser auf dem Pinsel kann man zwar graue Schattierungen in das Wasser verreiben, die Linie verwischt jedoch niemals und bleibt immer scharf.

Wer hier mit Aquarellfarben Skizzen kolorieren will muss also damit rechnen, das die Farben durch die Tinte ein wenig stumpfer werden jedoch ist dies nicht ansatzweise so ausgeprägt wie z.B. mit der Edelstein Onyx Tinte die nach flüchtigem Linienkontakt mit dem Wasser sehr stark abfärbt wodurch sich der Strich sogar fast komplett löst.
Wenn ihr also hier eine absolut wasserfeste Tinte erwartet werdet ihr enttäuscht werden.

Dafür fliesst die Tinte jedoch immer 100% zuverlässig und ohne Ablagerungen im Gegensatz zu der absolut wasserfesten, niemals durchschlagenden und papierschonenden Super5 Pigmenttinte die sogar nach 3 nur Stunden Nichtbenutzung schon so stark eintrocknet, das der Tintenfluss völlig stoppt was den Stift ziemlich unzuverlässig und alltagsuntauglich werden lässt!
Die Heart of Darkness lässt sich also problemlos als Alltagstinte verwenden.

Alles in allem ist dies ein guter Kompromiss zwischen der Fliessfähigkeit einer normalen- und der Robustheit einer wasserfesten Tinte der außerdem noch ein äußerst tiefes, schattierungsloses Schwarz mitbringt das es so intensiv nur selten zu sehen gibt, jedoch auf Kosten der Papierfreundlichkeit.

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NicolausPiscator
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Re: Noodler's Ink Heart of Darkness - Das Herz der Finsternis

Beitrag von NicolausPiscator » 27.01.2017 15:51

Die Beobachtungen kann ich, so weit es um das Schriftbild usw. geht, bestätigen: Höllenschwarz. Bei mir neigt sie bei der Verwendung im mitgelieferten Charlie zum nib creeping.

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