Aussetzer bei Patronenfüllern

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DanielH
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Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von DanielH » 16.01.2020 12:01

Hallo in die Runde,

Ich habe mal eine Frage, die sich generell auf den Tintenfluss von Patronenfüllern bezieht. Ich beobachte es öfter bei Patronenfüllern in meiner Sammlung, dass der Tintenfluss selbst bei gut fließenden Tinten hin und wieder abreißt und man den Füller wie ein altes Fieberthermometer "runterschlagen", am Konverter kurbeln oder sogar auf die Patrone drücken muss, um wieder Tintenfluss zu bekommen. Hat jemand eine Idee, woran das liegen kann und was man dagegen tun kann? Ich habe das gerade erst bei meinem Delta The Journal Tech&Web und bei meinem Waterman Expert erlebt - es betrifft in jedem Fall immer Patronenfüller, die ich meist mit Konverter verwende. Bei Kolbenfüllern ist mir das noch nie passiert.

SpurAufPapier
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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von SpurAufPapier » 16.01.2020 12:13

Das Thema gab es schon mal. Ich habe auf die Schnelle nur das gefunden:
viewtopic.php?f=7&t=12263&p=109462&hili ... er#p109462
Es gab noch weitere Threads, da muss ich ausführlich schauen. Es wurde vermutet, dass die Oberflächenbeschaffenheit der Konverter und die Oberflächenspannung (?) der Tinte nicht zusammengepasst haben. Bei Verwendung mit Patronen trat das Problem weniger bis gar nicht auf. Manche haben eine Kugel (wie in den Pelikan-Patronen) in den Konverter gesteckt, da wurde es besser.
Grüße
Vikka

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von NicolausPiscator » 16.01.2020 16:09

Jup, das war schon ein paar Mal Thema und die Lösung auch: Wenn die Aussetzer daran liegen, dass die Tinte nicht zum Tintenleiter kommt, weil sie im hinteren Teil der Patrone oder des Konverters ist, dann kann ein Agitator helfen. Viele Konverter haben Kügelchen, Spiralen oder Reifchen, die das Aussetzen verhindern sollen. Klopfen und Quetschen ist natürlich auch Methoden, die Abhilfe schaffen.

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Tenryu
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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von Tenryu » 16.01.2020 17:10

Viele Konverter (besonders die aus chinesischer Produktion) werden geradezu mit Silikonöl getränkt. Das stößt die Tinte ab und sorgt dafür daß die Tinte nicht mehr richtig hin und her fließt und sich beim Schreiben unten eine Luftblase bildet, die den Tintennachschub zum Konverter unterbindet.
Auch ohne Schmiermittel haben gewisse Kunststoffe eine leicht wasserabweisende Wirkung. Das billige Weichplastik der Patronen ist davon weniger betroffen, so daß man mit Patronen seltener dieses Problem hat.
Am besten nimmt man Konverter, die in kleines Metallteil enthalten. Hat man diese nicht, hilft gründliches Reinigen mit Spülmittel und ggf. das Einfügen einer kleinen Metallkugel aus einer Platinum-Patrne. (Die leichten Plastekügelchen aus den Pelikan-Patronen helfen da oft nicht viel, weil sie zu leicht sind und an der Wand kleben kleiben.)

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von duckrider » 18.01.2020 9:36

Durch das reverse Einsetzen der alten Geha Patronen ist in diesen nicht einmal ein Kügelchen drinnen. Dennoch kann ich mich nicht an Tintenflußprobleme meiner Gehas erinnern.
Ich denke auch, dass hier das Plastikmaterial der Einwegpatrone beiträgt, dass sich die Tinte nicht "oben" sammelt.
Ob eine Winzmenge Tensid (Zahnstocherspitze Spülmittel in den gefüllten Konverter) das Problem schon lösen würde?

Thomas
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DanielH
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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von DanielH » 18.01.2020 11:53

Ich glaube, da wäre eine Zahnstocherspitze Spülmittel schon zu viel. Oberflächeneingeschaften entwickeln sich bereits bei sehr geringen Konzentrationen. Das funktioniert so: Tensidmoleküle sind normalerweise recht langgestreckt und haben ein "wasserliebendes" und ein "fettliebendes" Ende, das sich entsprechend orientiert. Das ist der Grund für ihre waschaktive Wirkung: Sie sind in der Lage, zwischen Wasser und Fett (z.B. bei fettigen Händen) zu "vermitteln". Die fettliebenden Enden orientieren sich in Richtung des Fetts, die wasserliebenden in Richtung des Wassers. So können sie Fett als Tröpfchen in der Schwebe halten.

Wenn sie kein Fett finden, um sich dorthin zu orientieren, orientieren sich die fettliebenden Enden in Richtung der Oberfläche der Flüssigkeit. Luft ist ihnen sozusagen lieber als Wasser - oder eben z.B. das Polypropylen der Patrone. Dadurch verändert sich aber ganz massiv das Verhalten der Grenzfläche zwischen Wasser und Luft bzw. Polypropylen. An der Luft merkt man das durch Schaumbildung, an der Patrone durch verbessertes Benetzungsverhalten. Und man weiß ja auch, dass schon ein paar Tropfen Spülmittel auf ein ganzes Becken Wasser zu deutlicher Schaumbildung und Waschwirkung führen.

Ich glaube, dass man deswegen mit einer Zahnstocherspitze Spülmittel in einer Patrone schon zu viel des Guten liefert. Ich würde es mit einem Tropfen stark verdünntem Spülmittel versuchen.

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ddss
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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von ddss » 18.01.2020 13:39

Hallo Daniel,

ich habe schon so ziemlich alles versucht, um diesem Problem Herr zu werden, und die Erfahrung gemacht, dass die Wahrscheinlichkeit für die Adhäsion steigt, je dünner der Konverter wird. Deshalb sind z.B. die Waterman-Drehkonverter mit ihren lächerlichen 0,5 ml Kapazität besonders betroffen. Pelikan und Schmidt-Konverter sind idR unkritisch (insbesondere der billige Schmidt K1 macht eigentlich keine Schwierigkeiten; er ist aus dem gleichen oder jedenfalls einem ähnlichen Material wie die Patronen). Irgendwann dachte ich, ich hätte eine grandiose Idee, und habe ein wasserabweisendes Mittel, wie es z.B. für Visiere von Motorradhelmen angeboten wird, ganz dünn innen auf den Tank aufgetragen: Das klappt auch nicht.

Wie Tenryu bereits geschrieben hat, helfen Metallteile im Tank; notfalls kann man auch die billigen Jinhao-Konverter (https://www.ebay.com/itm/5pcs-new-Jinha ... SwcR9btg9l) ausschlachten und die Feder in den eigenen Konverter einsetzen. Allerdings verringert sich hierdurch gerade bei den kleinen Konvertern deren Kapazität noch weiter. Irgendwann lohnt das Betanken dann gar nicht mehr.

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von Thom » 18.01.2020 14:44

Genau genommen, wenn ich das mal anmerken darf, brauchen wir auch mehr Adhäsionskraft in Relation zur Kohäsion in der Tinte. Das verringert die Oberflächenspannung der Tinte und genau das machen die Tensidmoleküle an der Flüssigkeitsoberfläche. Ich halte eine Zahnstocherspitze pro Konverter aber auch für zuviel und würde lieber die Kugel geben.

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von DanielH » 18.01.2020 17:57

Ich hatte nicht gewusst, dass diese Metallfedern so groß sind...

Grundsätzlich wäre ich bei Metall auch etwas skeptisch - das wird immer Stahl sein und jeder Stahl rostet irgendwann (auch sog. rostfreier Stahl!). Wahrscheinlich wäre es am Besten, wenn man für sowas eine winzige Porzellan- oder Glaskugel nehmen würde....

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von DanielH » 18.01.2020 17:59


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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von Tenryu » 18.01.2020 19:57

Die meisten Schreibfedern sind auch aus Stahl. Wenn ein Schulfüller viele Jahre lang die saure königsblaue Tinte verträgt, ohne Rost anzusetzen, würde ich mir um das Kügelchen oder die Feder im Konverter keine Sorgen machen. Allerhöchstens bei starken Eisengallustinten.
Das Problem bei leichten Glas- oder Kunststoffkugeln ist, daß sie so leicht sind, daß sie oft mit der Tinte an der Wand kleben bleiben und nicht von allein nach unten fallen.

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von Thom » 18.01.2020 20:01

Zumindest die Platinum-Kuller ist, wenn sie in der Patrone ist, auch in der Tinte.

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von ddss » 19.01.2020 12:57

Auch hier gebe ich Tenryu Recht: Das Teil im Tank muss Gewicht haben, denn die Kraft, mit der die Blase am Kolben klebt, ist verblüffend: Auch festes Schütteln hilft oft nicht; man muss schon feste mit dem Finger gegen den Konverter schnippen. Bei der Verwendung von Kugeln muss man sich den Konverter genau ansehen. Es darf nicht sein, dass die Kugel sich auf den Abfluss setzen kann (dann hätte man das genaue Gegenteil erreicht). Bei Patronen passiert das nicht, weil der Dorn weit genug in die Patrone reicht, so dass die Kugel neben ihn rutscht.

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von DanielH » 22.01.2020 19:28

Ich habe meinen Problemkandidaten heute nochmal intensiver benutzt. Mein Eindruck jetzt: Es hat nicht mit dem Konverter zu tun, sondern damit, wie ich die Feder aufsetze. Es gibt Momente, in denen muss ich die Feder auf irgendeine (ich habe noch nicht raus welche) Weise aufsetzen, um einen vernünftigen Tintenfluss zu bekommen. Es ist so, als müsste ich den Füller irgendwo "abholen" bevor er wieder richtig anfängt, zu schreiben, denn wenn er einmal wieder angelaufen ist, schreibt er wieder.

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Re: Aussetzer bei Patronenfüllern

Beitrag von Thom » 22.01.2020 19:37

Dann schraube den Schaft mal ab und beobachte den Konverter. Ich habe den halben EG-Thread mit dem ArtPen + ArtPen Konverter geschrieben, jetzt verwende ich seit anderthalb Jahren den transparenten Herbin-Füller mit Konverter (damit ich die EG-Tinten im Füller beobachten kann) und seit kurzem einen Herlitz-Tintenroller mit einem "Chinakonverter". Das beschriebene Problem hatte ich bei keinem dieser Stifte.

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