Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

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Das herzensgute Hirn
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Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Das herzensgute Hirn » 14.02.2020 21:28

Hallo Forum,

ich bin neu und melde mich gleich mit einer Frage:

Ich schreibe mit diversen Füllern, zumeist mit einem Pelikan M600 in F (der allerdings eher nach M tendiert).
Soweit so gut: Ich liebäugle gerade mit dem Kauf eines Montblanc Rollerballs. Ich wollte schon damals einen Montblanc Füllhalter kaufen, war jedoch von den Pelikan Modellen vom Schreibgefühl mehr angetan. Ich möchte hier natürlich keine Marken schlecht machen, aber nachdem ich den Pelikan M600 schon einen Tag hatte, bin ich in einen offiziellen Montblanc Store gegangen um dort spaßeshalber nochmal einen Montblanc Füllhalter auszuprobieren - und ich war ehrlich gesagt ein wenig verblüfft (um es nett auszudrücken, schockiert trifft es eher) dass der Montblanc meines Erachtens weitaus kratziger und ungeschmeidiger schrieb als mein Pelikan. Da lagen wirklich Welten zwischen und ich sprach den Verkäufer darauf an, der das MB Modell selbst ausprobierte und meinte, alles normal (also kein defektes Model, wahrscheinlich sogar ein besonders gutes Modell mit einer besonders guten Feder, immerhin war es das Vorführgerät im Laden).

Nun, wie dem auch sei: Nach wie vor gefallen mir die Montblanc Modelle vom Look ausgezeichnet, die klassisch schwarzen mit Gold. Zudem hatte mein Opa einen, der allerdings versehentlich entsorgt wurde (der Montblanc, nicht der Opa). Ich trage mich, wie gesagt, mit dem Kauf eines MB Rollerballs, vielleicht dem größeren 162 Modell (Le Grand). Meine Frage jetzt: Wie unterscheidet sich der Rollerball vom Schreibgefühl wirklich vom Füllhalter? Ich weiß, jeder Füllhalter schreibt ein wenig anders, dennoch: Wie ist die Varianz zwischen Füller und Rollerball bei dem klassisch schwarzen Montblancs?
Hat man mit dem Rollerball auch "Shading" und "Linienvarianz"? Oder ist das eher vom Look wie ein Kugelschreiber? Oder salopper gefragt: Hat man mit einem Rollerball trotzdem eien "füllfederhalterige" Schriftanmutung?
Und wie ist es vom Schreibgefühl selbst? Ist ein Rollerball flüssiger oder härter oder kratziger oder flutschiger? Eigenet sich ein Rollerball auch zum Schreiben von wirklich laaaangen Texten (mal von den hohen Kosten für Minen abgesehen)?

Natürlich gilt der Rat "selbst ausprobieren". Das stimmt und das werde ich auch. Aber ich habe mir gerade das Bein gebrochen und bin daher nicht shoppingfähig. Daher frage ich hier.

Ich freue mich über Hilfe! Vielen Dank und schönen Gruß,
Euer Hirn
Zuletzt geändert von Das herzensgute Hirn am 14.02.2020 21:56, insgesamt 1-mal geändert.

SimDreams
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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von SimDreams » 14.02.2020 21:53

Moin, willkommen und gute Besserung!

Rollerball ist hier ein ganz böses Wort, deshalb sei darauf gefasst, gegenüber den Missionaren trotzend standhaft bleiben zu müssen! :D

Such bitte mal in den alten Posts, da haben wir einiges über Rollerballs geschrieben. Mit dem Le Grand hättest du eine Perle gefunden, weil er zusammen mit den Graf von Faber-Castell Intuitions die besten Minen aufnehmen kann - die Montblanc Le Grand B. Teuer, nicht sehr lange Reichweite, aber das Schreibgefühl ist großartig. Soll es der Le Grand nicht werden, würde ich auf eine Marke ausweichen, die Standardminen aufnehmen kann - die „normalen“ Montblanc sind nicht besser als die anderen, aber dünner. Eine Schmidt 888 z.B. in B. Die Pelikan Minen in B sind auch ziemlich gut.

Warum ich so auf der Breite „bestehe“ - je breiter die Mine, desto weiter schaut die Kugel heraus, d.h. der Winkel bis zum Aufsetzen der Öffnung ist kleiner, und der Schreiber kratzt weniger leicht.

„... aber das Schreibgefühl ist großartig“ gilt mit einer Einschränkung, nämlich der „für einen Rollerball“. Denn ähnlich ist das Gefühl nicht (selbst ein „Nagel“ , also eine sehr harte Feder, ist nachgiebiger und gibt mehr Feedback), und Shading oder Linienvarianz gibt es nicht, die Farbauswahl ist beschränkt. Ein Rollerball schreibt sich eher wie ein sehr leicht gleitender Kugelschreiber (was er letztendlich ja auch ist). Die Schriftanmutung ist die eines Faserschreibers, nicht die eines Füllhalters. Es hat schon Gründe, warum wir uns auf die Füller konzentrieren. :D

Es gibt aber natürlich auch Gründe, die für den Roller sprechen: bessere Wasserfestigkeit als die Standardtinten, kein Auslaufen, kein Schmieren, schneller trocknend. Persönlich schreibe ich mit dem Rollerball wahrscheinlich durch die dünnere Linie verbundener und damit etwas schneller. Lange Texte sind kein Problem, wenn der Stift in die Hand passt und Hand und Hirn lange Texte schaffen. „The rollerball is not the limit“. :D

Grüße, Uwe
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ralph
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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von ralph » 14.02.2020 22:42

Hallo,

der MB LeGrand Rollerball mit einer Strichstärke in B ist meiner Meinung nicht zu schlagen, da machste nichts falsch. ICH NUTZE IHN AUCH.

Gruss
Ralph

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Killerturnschuh
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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Killerturnschuh » 15.02.2020 15:12

Willkommen im Forum, ähm Hirn...
Gute Besserung für dein Bein.

wenn Rollerball und MB dann definitiv wie Uwe und Ralph bereits sagten den Le Grand oder den Heritage 1914. Tolle Haptik traumhaftes Schreiben - so ein diabolischer Rollerball denn überhaupt gut schreibt, natürlich - und es gibt eine reiche Auswahl an farbigen Minen.
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Linienvarianz : darfst du bei einem Rollerball eher nicht erwarten.
Shading: gegen einen guten Füller stinkt so ein Rollerball natürlich ab.
Salve

Angi

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(Sir Arthur Conan Doyle)

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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Das herzensgute Hirn » 15.02.2020 18:20

Vielen Dank für alle Antworten, sehr hilfreich!

Ich bin nach diesen Antworten fast wieder ein bisschen ab vom Tintenroller. mmmhh ... mal gucken.

Thom
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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Thom » 15.02.2020 20:17

Ein Rollerball schreibt sich leicht und aprilfrisch, ob der nun Montblanc heißt oder anders. Was er nicht kann, ist die Strichvarianz und die Flexibilität spezieller Füllerfedern, da muss er wirklich passen. Es wird auch schwierig, alle Tinten, die für Füllhalter möglich sind, in Tintenrollern zu verwenden. Bei Minen ist das aber sowieso klar und funktioniert gut, weil die Tinten angepasst sind.
Auf Billigkopierpapier u.ä. kommen Füllertinten und Rollerballtinten gleichermaßen in ihren Grenzbereich, das ist aber ein Spezialthema, welches hier in den entprechenden Threads umfangreich diskutiert wurde. Gelminen sind da geeigneter.
Kann man mit einem Rollerball einen längeren Text schreiben (halbwegs brauchbares Papier vorausgesetzt)?
Ich würde damit auch "Das ganz neue Testament" schreiben (wenn ich ein Evangelist wäre). :)

V.G.
Thomas

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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Das herzensgute Hirn » 16.02.2020 8:35

Vielleicht wäre es klug, sich erstmal einen günstigen Rollerball zu kaufen, bevor man da jetzt um die 400 Euro und mehr für einen Montblanc ausgibt. Kann mir jemand einen günstigen Rollerball empfehlen, der der Anmutung und dem Schreibgefühl der Montblanc Minen entspricht? Vielleicht was von Lamy oder Parker oder so? Oder einen günstigen Stift wo die Minen von Montblanc reinpassen.

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Killerturnschuh
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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Killerturnschuh » 16.02.2020 9:53

Klar haben auch andere Hersteller wie Caran d'Ache gute Rollerballs abef weder sie noch andere sind mit Montblanc wirklich vergleichbar.
Schau am besten mal unter der Rubrik andere Schreibgeräte, da findest du sicher Anregungen.
Salve

Angi

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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von ralph » 16.02.2020 10:44

Hallo,

ich kann nur sagen, zwischen den anderen Rollerballs gegenüber Montblanc liegen Welten. Seit ich den LeGrand habe nutze ich meine anderen gar nicht mehr, da bin ich ganz bei unserer lieben Angi
Gruss
Ralph

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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Thom » 16.02.2020 13:00

Das herzensgute Hirn hat geschrieben:
16.02.2020 8:35
Vielleicht wäre es klug, sich erstmal einen günstigen Rollerball zu kaufen, bevor man da jetzt um die 400 Euro und mehr für einen Montblanc ausgibt.
Machen Sie's so. :) Shading entsteht durch eine unterschiedliche Tintenschichtdicke, eine sich drehende Schreibkugel macht sowas natürlich auch nicht, auch egal wie die heißt (Hauptsache sie dreht sich).

V.G.
Thomas

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Re: Rollerball vs Füllhalter - Shading, Linienvarianz und Flutschigkeit

Beitrag von Thom » 16.02.2020 13:49

P.S. Ich habe Dir mal was rausgesucht. Aber, wie gesagt, bei sehr saugstarkem Papier sind Geltinten besser geeignet wegen ihrer scherkraftabhängigen Viskosität. https://www.amazon.de/Tintenroller-uni- ... PV1B02A8Q2

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