Vorstellung Ergostift Füllfederhalter

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Boetheras
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Vorstellung Ergostift Füllfederhalter

Beitrag von Boetheras »

Vorbemerkungen zu Hersteller, Bezugsweg, Beziehung zum Hersteller

Ergostift ist die Marke von A. Günter Späth aus Neuravensburg. Er fertigt Kugelschreiber, Rollerballs, Bleistifte und auch Füllfederhalter (aktuell ausschließlich Patronen-/Konverterfüller) in einer sehr besonderen, von ihm entwickelten Form. Dafür arbeitet er den Füller und die Kappe aus Ebonit, auf Wunsch auch aus Acryl. Das Feder-Triple kauft er von Schmidt zu.

Ich bin auf der Fine Writing World 2025 in Bremer das erste Mal auf Ergostift und die Ergostifte gestoßen, damals gab es aber den Füllfederhalter nur als Prototypen. Nach längerer Entwicklungsarbeit kontaktierte mich A. Günter Späth vor ein paar Wochen und konnte mir aus einer stattlichen Auswahl nun auch den gewünschten Füller anbieten und verkaufen. Alle seine Stifte sind Einzelanfertigungen und durch die Natur des Materials leicht unterschiedlich. Die Herstellung erfolgt rein handwerklich aus dem vollen Ebonit (oder Acryl) heraus, daher kann er auch Sonderwünsche berücksichtigen.

Sebastian Freitag hat auf seinem YouTube - Kanal "Federstiel und Tintenklecks" sowohl die breite Palette der "Nicht-Füller" begutachtet: https://www.youtube.com/watch?v=LKMjE5VzNpI , als auch separat noch mal die Füllfederhalter: https://www.youtube.com/watch?v=s3NdRwXYGNw

Offenlegung (Disclosure): Ich habe keine geschäftliche Beziehung zum Hersteller, die über den Kauf des Schreibgerätes hinausgeht. Ich stand mit A Günter Späth in intensiven E-mail-Kontakt; persönlich kennenlernen konnte ich ihn leider (noch?) nicht. Ich stehe in keiner Abhängigkeit zu ihm.
Die folgende Vorstellung enthält ausschließlich meine persönliche Meinung, meine persönliche Erfahrung, nach bestem Vermögen erhobene Messwerte und objektive Beschreibungen.
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Messwerte

Maße:
Länge (geschlossen): 135 mm
Dicke der Kappe: spindelförmig 13 - 17 mm
Länge der Kappe: 25 mm
Dicke des Schaftes: stark unregelmäßig 19 - 13 mm
Masse (gesamt, inkl. gefülltem Konverter): 39 g
Masse ohne Kappe: 33 g
Federgröße: # 5
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Beschreibung

Kappe und Schaft bestehen aus dreifarbigen, polierten Ebonit.
Durch das besondere Design gibt es kein herkömmliches Griffstück; der gesamte vordere Bereich des Schaftes ist mit den sehr deutlich ausgeprägten Fingerauflagen das Griffstück. So werden die Finger in eine bevorzugte Stellung geleitet, ähnlich wie bei Lamy Safari oder AL-Star bzw. andere Füller mit einem dreieckigen Griffstück, aber hier noch etwas "nachdrücklicher". Der Ringfinger landet automatisch in seiner Kuhle auf der Unterseite, der Zeigefinger in seiner Aussparung rechts, der Daumen in seiner großen Aussparung links.
Man kann auch, durch das Verschieben seiner Hand weiter nach hinten, die vorgesehene Griffposition umgehen, aber dann ist ja sozusagen der Witz des Ganzen verpufft.

Der weitere Schaft fällt leicht zum Ende hin ab; das Endstück ist eine leicht gewölbte, glänzend polierte Metallplatte, aus der auch der ungefederte Klipp entspringt. Der Klipp ist stramm, an einer Hemdtasche oder ähnlich dünnen Stoff funktioniert er gut, an einem Pullover-Kragen wird es schwierig. Er ist lasergraviert mit dem Schriftzug "ergostift" und dem Logo "AGS".

Die extrem kurze Kappe, kaum länger als die Feder, schraubt sich mit einem eingängigen Außengewinde mit ganzen fünf Umdrehungen in den Schaft; dafür dürfte sich ein Austrocknen sehr in Grenzen halten. Sie ist spindelförmig gearbeitet und trägt damit nicht unerheblich zum besonderen Look des Füllers bei. Das Ende ist leicht konkave ausgearbeitet, so dass der Füller recht sicher darauf stehen kann. Ich habe ihn auch schon beim Arbeiten einfach locker mit der Feder in die Kappe gestellt und die Kappe somit als eine Art improvisierter "Pen-Stand" benutzt, was gut funktioniert hat.

Der Ergostift fasst eine Online-Universalpatrone, einen Standard - Konverter oder zwei kurze International Standard Patronen. Ob eine lange IS-Patrone passt, habe ich nicht probiert, sehe aber auch keinen Hinderungsgrund.

In meinem Füller ist eine Edelstahl-Feder in F verbaut, die fehlerlos schreibt (wie oben schon geschrieben ist es eine Schmidt-Feder), aber hart wie ein Nagel ist. Das liegt auch an der "vorgegebenen" Handhaltung, die den Füller ungewohnt senkrecht auf der Feder "stehen" lässt. Auch meine feine Feder schreibt großzügig nass.
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Größenvergleiche
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von links nach rechts: Otto Hutt design 07; Graf von Faber-Castell (Prototyp); Ergostift; Lamy AL-Star


Meine persönliche Meinung und Bewertung

Der Ergostift ist ein sorgfältig entworfener und mit großem Können gearbeiteter Füllfederhalter, an dessen Anblick ich mich erfreue und die dahinter steckende Idee und Arbeit sehr schätze. Das Material fühlt sich angenehm an, die Balance ist sehr gut, das Design ist sehr ungewöhnlich, trotzdem sachlich. A. Günter Späth hat sich getraut, seine Überlegungen zu realisieren und es dabei geschafft, etwas wirklich Wertiges zu schaffen.
Ich bin sicher, dass vielen Nutzer:innen ein Ergostift große Freude bereiten wird, weil sie damit möglicherweise besser schreiben können als mit anders geformten Stiften.
Für mich persönlich ist die vorgegebene Handhabung nicht in meiner Komfortzone; ich erwische mich dabei, bei längeren Texten den Füller weiter hinten anzufassen, dann funktioniert er für mich gut. Vorne, in der Griffzone, packe ich ihn nur bei schnellen Notizen.

Der aktuelle Preis von 180 € (plus Versand) ist, alleine schon des Materials wegen und der Handwerkskunst, die man damit erwirbt, in meinen Augen gerechtfertigt. Die anderen Schreibsysteme (Kugelschreiber etc.) sind, soweit ich weiß, etwas günstiger, da dort die Produktion einfacher ist. So oder so bekommt man immer ein Unikat, eine Hingucker und ein sehr gutes Schreibgerät.
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Neben dem Füller, der in einer als Etui gut nutzbaren Kunststoffspindel geliefert wurde, gab es auch noch zwei Online-Universalpatronen und einen Konverter in einer kleinen Spindel, die ich umgehend als Transportverpackung für Tintenpatronen weiterverwenden werde. In die größere Spindel passen übrigens genau die üblichen Tintenproben - Vials hinein, auch mehrere übereinander.
Conquiesce!
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