Preisentwicklung Füller und Tinten

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BC666
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Re: Preisentwicklung Füller und Tinten

Beitrag von BC666 »

Goldmund hat geschrieben:
18.09.2026 20:30
Wobei ich sagen muss, ich fürchte, dass solch ein Gefühl nie langlebig ist, ganz egal um welchen Füller es sich handelt.
Da möchte ich protestieren. Ich leiste mir den "ein oder anderen Luxusfüller" (hüst - im Kontext dieses Fadens eigentlich alle, denn 5-30 Euro Füller sind eigentlich so gut wie nicht vorhanden). Aber auch nach Jahren geht mein Herz auf, wenn ich mit meinen M100* schreibe. Gleiches gilt für den Toledo, meine Omas Deskpens, meinen Haskoson und viele viele andere. Ich bin verdammt dankbar, dass ich mir diese leisten kann und erfreue mich ständig dran. Das Gefühl nutzt sich nicht ab! Nur werden nicht mehr so viele neue Füllhalter gekauft, was weniger dem Preis geschuldet ist als vielmehr der Tatsache, dass ich mittlerweile meine Vorlieben kenne. Ich warte sehnsüchtig auf den nächsten M1000. Dafür verzichte ich dann aber auch gern auf den Luxus, den andere sich vielleicht leisten, wie den jährlichen Urlaub im Ausland, ein teures Auto, teure Uhren und Schmuck, teure Klamotten, häufige Restaurantbesuche, Konzerte, etc etc.
LG, Claudia
richard545
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Re: Preisentwicklung Füller und Tinten

Beitrag von richard545 »

Goldmund hat geschrieben:
18.09.2026 20:40
Zumindest die deutschen Marken haben das Luxusbranding bereits. Schau dir doch mal die Fine Writing Seite von Pelikan an, die hat dieses Branding seit vielen Jahren. Dazu auch gerne alte Fernsehbeiträge, in denen Pelikans Souveränreihe vorgestellt wird. Da war stets von Luxus die Rede, m.E. sogar übertrieben.
Fakt ist aber auch, dass Deutschland kein Exportweltmeister mehr ist. (vgl.: https://www.lbbw.de/artikel/maerkte-ver ... h7i_d.html, https://www.ndr.de/nachrichten/info/pod ... 79194.html, https://www.mdr.de/nachrichten/deutschl ... n-100.html)
Exportiert wurden eben auch sehr viele Luxusgüter, die sich hier im Herstellerland gar nicht so viele Leute leisten konnten. Insofern hängt die Fokussierung auf Luxus eher einem längst vergangenen Trend hinterher und ist eben nicht zeitgemäß. Große Anteile der Absatz-Märkte in China und auch USA sind bereits weggefallen.
Für einen Binnenmarkt braucht es derzeit verstärkt Produkte, die der Kaufkraft im Inland entsprechen. Um diese Kaufkraft zu fördern ist wiederum inländische Produktion, die Arbeit und Wohlstand schafft entscheidend.
Freundliche Grüße

Richard
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Goldmund
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Re: Preisentwicklung Füller und Tinten

Beitrag von Goldmund »

BC666 hat geschrieben:
18.09.2026 21:01
hüst - im Kontext dieses Fadens eigentlich alle, denn 5-30 Euro Füller sind eigentlich so gut wie nicht vorhanden
Ich denke nach meiner doch sehr engen Definition, nutzt hier jeder Luxusfüller :D Ich muss aber leider zugeben, dass das bei mir nicht ganz so ist wie bei dir. Wenn ich mal einen neuen Füller entdecke, den ich wirklich gut finde und haben will, ist die Vorfreude (vor allem bei Bestellungen bis zur Lieferung) sehr groß. Ich packe ihn aus, schreibe ihn (stets zuerst mit einer trockenen Tinte zum Testen) und dann erwische ich mich häufig dabei, den Füller in die Vitrine zu legen und innerlich damit abzuschließen. Natürlich nutze ich meine Füller aktiv und wechsle sie regelmäßig, es werden also noch (fast) alle geschrieben. Aber so wirklich Freude kommt mir (nicht mehr), wenn ich einen bereits bekannten Füller nutze - und zwar ganz egal, in welcher Preisklasse er sich befindet. Ich sage immer, dass ich kein Sammler bin, da ich keinen Wert auf Vollständigkeit lege und die Füller aktiv benutze, doch das darüber lesen, etwas Neues zu entdecken und das Kaufen selbst sind mir ehrlich gesagt mehr Aufregung als das damit schreiben.

Nicht falsch verstehen: ich weiß an den unterschiedlichen Füllern auch unterschiedliche Dinge zu schätzen, wähle durchaus bewusst aus, wofür ich welchen mit welcher Tinte betanke. Das regelmäßige Reinigen, der Tintenwechsel, all das macht Spaß. Aber es fehlt die beschriebene Freude und die, ich nenne es mal individuelle Verbindung zu einem spezifischen Füller.

Big-G ́s Tintenkiste hat mal vor ein paar Jahren ein Video mit einem seiner Zuschauer aufgenommen. Der Zuschauer beschrieb sein Gefühl nach dem Erhalt eines Namiki Emperors: "Wie und das soll's jetzt gewesen sein?". Ich denke es ist genau das, was er beschreibt.
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Goldmund
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Re: Preisentwicklung Füller und Tinten

Beitrag von Goldmund »

richard545 hat geschrieben:
18.09.2026 21:22
Fakt ist aber auch, dass Deutschland kein Exportweltmeister mehr ist. (vgl.: https://www.lbbw.de/artikel/maerkte-ver ... h7i_d.html, https://www.ndr.de/nachrichten/info/pod ... 79194.html, https://www.mdr.de/nachrichten/deutschl ... n-100.html)
Exportiert wurden eben auch sehr viele Luxusgüter, die sich hier im Herstellerland gar nicht so viele Leute leisten konnten. Insofern hängt die Fokussierung auf Luxus eher einem längst vergangenen Trend hinterher und ist eben nicht zeitgemäß. Große Anteile der Absatz-Märkte in China und auch USA sind bereits weggefallen.
Für einen Binnenmarkt braucht es derzeit verstärkt Produkte, die der Kaufkraft im Inland entsprechen. Um diese Kaufkraft zu fördern ist wiederum inländische Produktion, die Arbeit und Wohlstand schafft entscheidend.
Ich sagte ja, dass die weitere Zuwendung in Richtung (preislich) noch luxuriöser falsch wäre und ohnehin schon Luxusbranding stattfindet. Ich glaube du wolltest Goldfeder (mit-)zitieren ;)

Aber davon abgesehen weiß ich nicht, ob eine Nische wie Fine Writing wirklich mit den in den verlinkten Artikeln behandelten Branchen vergleichbar ist.
Feder, Tinte, Klecks
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Re: Preisentwicklung Füller und Tinten

Beitrag von Feder, Tinte, Klecks »

Goldmund hat geschrieben:
18.09.2026 20:30
Feder, Tinte, Klecks hat geschrieben:
17.09.2026 23:58
Ist ja nicht nur bei Schreibgeräten so, daß das mittlere Segment sich ausdünnt und man mit Einheitsmassenbreiwegwerfmüll versorgt wird [...]
Stimmt, aber ich wollte genau darauf hinaus, dass ein Füller für z.B. 100 bis 200 Euro, wie etwa der M200 von Pelikan, eben kein mittleres Segment ist und auch nie war. Was ist die Aufgabe eines Füllers für 100€? Nur das reine Tinte aufs Papier bringen? Dann ist er absolut überteuert. Es geht um mehr, um ein erkauftes Gefühl, das durch Design, Material, Handwerk, durchaus auch Marketing und Geschichte u.v.m. entsteht. Das kauft man eigentlich, nicht nur ein reines Schreibgerät. Sonst würde ich zum Faber Castell Grip Plus Ball Kugelschreiber für 7,50€ raten, der sehr gut schreibt, deutlich seltener als ein Füller nachgefüllt werden muss und keine Tintenfässer erfordert und der auch mal stürzen darf. Und 7,50€ ist noch immer mehr, als der Durchschnittsmensch da draußen freiwillig für einen Kugelschreiber bezahlen würde, ganz unabhängig davon, was er sich leisten könnte. Und sobald man sich ein Gefühl erkauft, das über die Funktion hinausgeht, handelt es sich schon um Luxus. Natürlich lässt sich das weiter binnendifferenzieren, natürlich ist ein M200 oder ein Kaweco Sport Piston oder Pilot Custom 74 am unteren Ende des Luxus, vor allem aber ist auch klar, dass die meisten Leute hier kaum solch einen Füller als Luxus in Erwägung ziehen würden, da viele bereits anderes gewohnt sind - doch es ist in Anbetracht der erkauften Sache und auch in Anbetracht des Kaufverhaltens des Durchschnittsmenschen ein Luxusprodukt.
Tatsächlich ziehe ich meine obere Grenze im Augenblick bei ca. 200€. Ein Betrag, den ich zwar nicht mal eben ausgeben würde und kann, aber unter den richtigen Umständen schon. Ich würde annehmen, daß die Frage, was unteres, mittleres, gehobenes und Luxus-Preissegment sind, auch eine Frage der persönlichen Wahrnehmung sind.
Letztlich habe ich aber erst einmal die Erwartungshaltung, daß ein Produkt seine ihm zugedachte Funktion nicht nur irgendwie grundlegend erfüllt, sondern gut. Und sorry, da sind Kugelschreiber bei mir komplett raus. Ja, sie schreiben, ja, sie funktionieren, und ja, sie sind deutlich pflegeleichter als Füllfederhalter. Aber sie schreiben einfach nur fürchterlich, ruinieren die Handschrift und sind als Wegwerfprodukt by default nicht besonders nachhaltig. Dann ziehe ich doch noch einen einfachen Bleistift vor.
Mir ist bewußt, daß es ein Verständnis gibt, daß die Erfüllung dieses Anspruch, unabhängig vom Preisschild am Produkt, bereits als Luxus gilt.
Feder, Tinte, Klecks hat geschrieben:
17.09.2026 23:58
[...] aber bislang fehlt allen irgendwie so das, was sie zu meinen Füllern macht.
Und genau das ist das erkaufte Gefühl, auf das ich oben hinauswollte, das Luxusprodukte ausmacht. Wobei ich sagen muss, ich fürchte, dass solch ein Gefühl nie langlebig ist, ganz egal um welchen Füller es sich handelt.
Hm...

...ich glaube, da muß man ein paar Dinge voneinander trennen. Gute Funktion ist für mich erst mal die Grundvoraussetzung. Schlecht schreibende Füller machen mir keine Freude. Welcher Füller, welche Feder gut schreibt, da hat wohl jeder seine eigene Vorstellung, das ist mir bewußt. Gefällt er mir vom ästhetischen Standpunkt her, ist das ein Plus. Fasst er sich gut an, ist das ein noch größeres Plus, weil: man schreibt ja mit den Händen und hält das Schreibgerät ja in selbigen. Es schadet schon nicht, wenn man sein Schreibgerät gerne anfassen mag. Manche Materialien sind von sich aus schön anzufassen, manche furchtbar, und manche profitieren davon, wenn man sie einmal mit Carnaubawachs abreibt. Zu guter Letzt, ein gut verarbeitetes Schreibgerät, das eine wirklich wertig, langlebig ist, kann ein Begleiter fürs Leben sein oder werden. Passt alles zusammen, ist das Gefühl durchaus sehr langlebig. Der Preis? Für den einen vielleicht niedrig zweistellig, für den anderen vielleicht vierstellig? Der Platinum Procyon für nicht ganz 70€ mit Konverter ist für mich schon sehr erfüllend. Marketing, Geschichte, Image, ja, das wird sicher für einige auch ein Kriterium sein. Ich sag im Scherz immer, wer einen Montblanc auf den Tisch legt, stellt klar, wer im Raum die wichtigen Entscheidungen trifft; persönlich habe ich da eher so einen Zug, dem deutlich ablehnend gegenüberzustehen, wenn eine Firma zu offensichtlich und penetrant ihr Markenimage steuern möchte. Die Besichtigung der Warsteiner-Brauerei war echt eine Tortur für mich. Andererseits, wenn ich auf meine Füller gucke, der Platinum beispielsweise, oder auch mein Diplomat Traveller haben mich so überzeugt, daß ich bereit wäre, mir andere Modelle von ihnen in Erwägung zu ziehen, auch höherpreisige. Mein Lamy Studio hat seinen Platz und seine Daseinsberechtigung, ein schöner, wertiger Füller, aber würde ich weitere Lamys kaufen? Nicht uneingeschränkt. Chinesische Füller? Da fehlt dann tatsächlich das Gefühl. Oft aus der Entfernung schön anzuschauen, manchmal auch aus der Nähe. Anfassen? Unterschiedlich. Schreiben? Da endet dann leider die Geschichte. Das sind die Füller, die ich letztlich am wenigsten verwende. Ich will nicht mal behaupten, daß man in China keine guten Federn bauen kann, aber irgendwas haben die etwas, was zu mir gar nicht passt.

Am Ende beginnt die Dekadenz dort, wo man mehr als einen Füller besitzt.
Die Antwort auf alle wirklich wichtigen Fragen des Lebens ist: Kaffee!
Nitschewo
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Re: Preisentwicklung Füller und Tinten

Beitrag von Nitschewo »

Faith hat geschrieben:
18.09.2026 15:30
richard545 hat geschrieben:
16.09.2026 14:22
Ich verstehe nicht, was diese Abspaltung bringen soll. Die allgemeinen Preisentwicklungen werden ja an anderen Stellen schon ausgiebigst debattiert,
Weil das Forum auch als Archiv und Nachschlagewerk dient. Und in 10 Jahren hat niemand Lust, 20 Seiten reine Preisdiskussion zu lesen, wenn er Infos zu dem Füller an sich sucht.

Und nun verschwinde ich wieder in meine stille Ecke.
Danke. Das ist ein Punkt, der mich an FPN teilweise nervt: Du suchst nach Information und nach mehreren Seiten bist du immer noch nicht schlauer, weißt dafür aber, wessen Vater zum Schulabschluss auch so einen Füller geschenkt gekriegt hat und welches die Lieblingstinte der Uroma war. Ich denke aber auch, dass rein informativ lesende Foristen mittlerweile eher in der Minderheit sind. Die meisten Menschen sind gesellige Wesen und tauschen sich nun mal gerne aus. Und in der Regel kommen die relevanten Informationen eher am Anfang und die Diskussion schließt sich an. Bislang konnte ich alle Infos, die ich brauchte, recherchieren und den Rest muss ich ja nicht lesen.

Zugegebenermaßen hat mich z. B. der Preis des gelben M200 etwas betrübt, weil er mir gefällt. Aber da mein Fokus (wie der von pradella) auf Vintage-Füllern liegt, erhob sogleich mein innerer Sparfuchs sein Stimmchen und sprach: „Wat, soviel Kohle für‘n Glitzerding aus Plastik? Da krisse auffen Flohmarkt vier Sheaffer mit astreinen Goldfedern für, hömma!“

Damit waren Sparfuchs und ich heute gesellig genug und kehren auch zurück in unsere stille Ecke. Wir kriegen nächste Woche ein Päckchen und müssen noch ein bisschen zum Inhalt recherchieren. ;)
Viele Grüße

Bianka

"Blessed are the cheesemakers!" Monty Python
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